Zulöaer Anzeiger
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Ehrenklau, Fulda, Konigstrage 42 Rotations- Q Beitreibung oder Konkurs erlischt jeder Anspruch auf druck. Frieds Ehrenklau La,ckerbachch. Haupt- v Nachlaß. - „DA." XI.3s. 9,0. - Verantwort!, f. d.
schrist,citer.^zneorUuhrenNau^ «zulda, Konigstr. 4„. Redaktion unü Gefchäkkasiwllin Königstraße 42 * !ernfprech-^lnf<bluk Nr. 2484 Anzeigenteil Ferdinand Ehrenklau, Lauterbach-H.
Nr. 286 — 1934
Fulda, Freitag, 7. Dezember
11. Jahrgang
Neutrale
Deutschlands bedingte Zustimmung.
Zur Entsendung neutraler Polizeitruppen für Vie Saarabstininiung.
Wie wir hören, hat die Reichsregierung zu dem Rats- bcschluß über die Verwendung von Polizeitruppen iin Saargebiet für die Abstimmungszeit eine zustimmende Erklärung herausgegeben, die nach Genf übermittelt wurde. Dabei ist es selbstverständlich, daß nur wirklich neutrale Polizeitruppen, also aus solchen Ländern verwandt werden, die an der ganzen Saarabstimmung nicht direkt interessiert sind.
Nach englischen Meldungen soll die Gesamtstärke der Polizeitruppe 2 0 (I 0 Mann nicht überschreiten, wovon England vermutlich zwei Kompagnien Infanterie (5110 Mann» stellen werde. Angeblich ist eine Brigade in Aussicht genommen, Deren Regimenter bereits an Der Rbeinlandbeievuna seinerzeit teilaenommen haben.
Einreiseverbot ins Saargebiet
Der Saarbcvollmächtigtc des Reichskanzlers, Bürckel, erläßt folgende Anordnung:
„An alle SA.- und SS. Männer im Reich. Kommunisten und Emigranten versuchen unter dem Hinweis, daß aus dem Reich „größere Trupps" von SA.- und SS.- Männern in das Saargebiet kämen, die Öffentlichkeit wieder von angeblichen deutschen Putschabsichten zu unterrichten.
Um auch diese Zweckmeldung von vornherein entsprechend zu beleuchten, wird an geordnet:
Allen SA.- und SS.-Münnern ist cs strengstens untersagt, in das Saargebiet cinzureisen, gleichviel aus welchem Grunde dies geschehe, es sei denn, daß es sich um Abstimmungsberechtigte handelt. Diese haben sich selbstverständlich an den vorgcschricbencii Einreisetermin zu halten.
Wer trotz dieser Anweisung den Versuch macht, in das Saargebiet cinzureisen, wird von der zuständigen PartcidieuststeLc sofort zur Rechenschaft gezogen.
Unterdessen bat das französische Parlament die Kredite für die Saarabftimmung in Hobe von Millionen Franc (ungefähr 1'^ Millionen Mark, als Beitrag Frankreichs für die Unkosten Der Abstimmung bewilligt.
Der BüIkcrb u n d seinerseits hat den römischen Bericht des Dreicrkumitecs über die bekannten Verein- bannigen mit Deutschland und Frankreich gemutgt.
über Die Polizeifrage selbst bat Der Rai noch nicht verhandelt. Wohl aber bat der französische Äußenmiui^ Laval in einer erneuten Erklärung von Der WflWeu einer „zweiten Abstimmung" gesprochen. Diese Erklär mg dürfte praktisch keinerlei Bedeutung habew . f,
Aus der Ratssitzung, in Der u a. Dem Baron AI ol,t von allen Seiten der Dank für feine tonale Arbeit an dem Zustandekommen Der römischen Vereinbarungen ausgesprochen wurde, ist lediglich noch zu erwähnen, L B den übrigen Rednern kein einziger von einer .^zwenen Abstimmung" sprach, mit Ausnahme ves russischen Außen kommissars L i t w t n o w , der es sertigbrachte eine solche Weite Abstimmung als „ganz natürlich Uinzuiteuen. -Lerr Liiwinow hatte nämlich kurz vorder ^eme- Ihre ebn na m11 dem berüchtigten I mit
« enfübrer May Brau n gehabt unb tat seiner obigen Stellungnahme also zum Sprech ^icnienie in Gens aemacbt.
Die große Überraschung des Tages in Völkerbundstreisen war und blieb hcr Wn aus Den Truppeneinmarsch für Die Abstlmmi g z einerseits und noch mehr Die englische Bereitwilligke z Entsendung von Polizeilruppen Wie erinnerlich, d'e letzten Wochen Der Amtstätigkeit des vorhergehenden '^nzösischen Außenministers B a r t b o n pofhg ' Werbearbeit für Die Entsendung franzonscher Truppe- ^'SgefüNi. und sein Nachfolger Laval hatte w bet leine Antisübernahme deutlich wissen lassen, daß er wie - °" Politik seines Vorgängers nnveränden f°lrlfl*X werde. Um so mehr ist Lavals V e i z i di t auf diese -ViaB- vvvme a n z u e r k e n n e n. Die eine ruhige und oro "ungsmäßige Durchführung der Abstimmung zwet»euos «ufs äußerste gefährde,, wenn nicht sogar in Frage geucn Hatte.
In Paris hat man sich, nachdem Die erste Verblüffung P gelegt hat vor allem nach Den Gründend n g ° n d S für seine Schwenkung gefragt England hat। ’ w'Uttlich noch im späten Herbst irgendeine Beteiligung M einer Aktion im Saargebiet in aller Form ryndner (“üetebnt. Ein Pariser Blau läß' durchblicken. e-.- lei S " ü > and gewesen, Das V anal zu ieinem Verzicht aut w Beteiligung französischer Truppen veranlaß! ba •
^en für die Saar.
Tatsächlich bat man ja auch in Londoner politischen Kreisen niemals seine ernste Besorgnis vor den Folgen eines Einsatzes französischer Truppen verhehlt.
Verzeichnen wir nur noch als politische Randglofle, daß das Pariser Blau „Ercelsior" aus Anlaß der Anwesenheit Litwinows bei der Ratstagung über die Saar- abstimmung einen Lorbeerkranz für Rußlands „Mitarbeit am europäischen Frieden" Windei, und zwar im Zusammenhang mit Der Vermutung, daß sich — russische Truppen an Der Gestellung Der Abftimmungspolizei beteiligen könnten! Kommentar überflüssig.
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Aloisi bittet die Aeichsregierung um ihre Gieilunguahme.
Der Vorsitzciide des Saarausschusses des Völkerbundes, Baron Aloisi, hat ein Telegramm a n die Reichsrcgierung gesandt, in dem er sie bittet, ihm ihren Standpunkt hinsichtlich der Fragen mitzuteilen, die durch die verschiedenen Erklärnngen der Niächte vor dem Völkerbundsrat aufgeworfen worden sind. Er erinnert in diesem Telegramm gleichzeitig daran, daß der Saarausschutz beauftragt worden sei, dem Völkerbundsrat auch hinsichtlich der Frage der internationalen Trnppenkontingente Vorschläge zu unterbreiten.
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Die deutsche Anwort an Varon Aloisi.
Der deutsche Konsul in Genf hat Dem Vorsitzenden des Saarausschusses, Baron Aloisi, im Austrage der Reichsregierung Die Antwort Deutschlands übergeben. Es heißt darin:
Die deutsche Regierung hat von den Erklärungen Kenntnis genommen, Die im Völkerbundsral zur Frage der Aufrechlerhalfung mM und Ordnung im Saar- gebiet während Der Ahstimmungsperiode abgegeben worden sind. Sie ist ihrerseits zwar der Ansicht, daß die Verhältnisseim Saar gebiet eine Heranziehung auswärtiger Kräfte für die Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung nicht notwendig erscheinen lassen; sie will sich aber gleichwohl damit einverstanden erfl-iren, daß, sofern der Rat dies beschließt, neutrale internationale Kontingente in angemessener Stärke zu dem erwähnten Zweck ins Saargebiet entsandt werden.
Am deutsche StèliuuguahMe zur Geifer Debatte.
Berlin, 7. Dezember.
Zu dem von dem französischen Außenminister Laval dem Völie.bundsrat unterbreiteten und von diesem «naenommencn Ersuchen, zur Aufrechterhaltung der
Adolf Hitler bei Mackensen
Der Führer überbringt die Glückwünsche des deutschen Volkes.
Dem großen Heerführer und letzten Gciieralfelvmar- schall des alten preußischen Heeres, Geucralfeldmar- schall von Mackensen, wurde aus Anlaß seines 85. Geburtstages eine außerordentliche Ehrung bereitet. Der Führer und Reichskanzler AvoIsHitler begab sich in Begleitung von Reichswehrmini ster Generaloberst von Blomberg, des Chefs der Heeresleitung General der Artillerie Freiherr von Fritsch und des Reichsautzen- ministers Freiherr von Neurath nach Falkenwalve in Pommern, um dem greisen Generalfeldmorschall persön lich die Glückwünsche des deutschen Volkes tu seinem Ehrentage zu überbringen.
Aus den Stationen die der Sonderzug durchfuhr, wurde der Führer überall stürmisch begrüßt. Beim Eintreffen in Falken w alde wurde der Führer mit nicht endenwollenden Heilrufen empfangen Alsdann begab sich der Führer mit seiner Begleitung in das Haus des Generalfeldmarschalls. Der Gencralfeldmarschall, der die Uniform seines alten Husarenregiments trug, empfing den Führer bereits an der Tür seines Hauses, umgeben von seiner Familie.
Der Führer sprach dem Gencralfeldmarschall in überaus herzlichen Worten den Glückwunsch des gesamten deutschen Volkes aus, worauf der Jubilar in bewegten Worten für die unerwartete Ehrung, die ihm überraschend zuteil geworden sei, dankte Keine größere Ehrung hätte ihm an seinem Lebensabend zuteil werden können, als hier den Besuch des Rcichsobcrhnupts in seinem Hause tu sehen
Dann sprach der Reichswebrminister, Generaloberst v o n B > o m b e r g, dem Generalselvmarschall die Glückwünsche der deutschen Wehrmacht aus General der - Artillerie von Fritsch, der Ebes der Heeresleitung, überbrachte die Glückwünsche des ReichSbeercs uNd teilte mit daß das ReichSbeer dem Generalfeldmarschall ein Reitpferd zum ständigen Gebrauch als Gescheut darbringc. Anschließend sprach Reichsaußenminister Freiherr von N e u i a > h.
Ruhe und Ordnung im Saargebiet eine internationale Polizcitruppe eiuzusetzen, schreibt die Deutsche Diplomatisch-Politische Korrespondenz unter anderem:
Vom deutschen Standpunkt aus ist zwar nach wie vor nicht einzusehen, daß eine solche Maßnahme überhaupt notwendig ist. Schon in früherer Zeit wurde wiederholt darauf hingewiesen, daß
die vorbildliche Disziplin der deutschen Bevölkerung an dec Saar ausreichende Garantien für einen normalen und ruhigen Verlauf der bevorstehenden Abstimmung biete, deren reibungslose Abwickelung schon in ihrem eigensten Interesse liegt. Die Tatfachen haben dieser Auffassung auch stets Recht gegeben. Zu ernsthaften Zwischenfällen ist es im ganzen Saargebiet nirgends gekommen. Diese Feststellung verdient um so mehr hervorgehoben zu werden, als die politischen Spannungen durch das unverantwortliche Treiben und die gewissenlose Hetze deutschfeindlicher Kreise künstlich gesteigert wurden. Es ist auch ein offenes Geheimnis, daß die Per- fonaipolitik des Vorsitzenden der Regierungskommission nicht unerheblich zu der allgemeinen Verbitterung unter der Bevölkerung beigetragen hat. Die Betrauung antideutscher Elemente mit einflußreichen Verwaltungs- unb Polizeiposten im Saargebiet war sicherlich nicht dazu angetan, die Atmosphäre zu bereinigen. Trotz alledem hat, wie gesagt, die Gesamtlage an der Saar in keinem Au g e n b li ck zu e r n ste n Besorgnissen Anlaß gegeben.
Anbeschadet dieser grundsätzlichen und sicherlich stichhaltigen Erwägungen aber ist die Erklärung Lavals ein erneuter Beweis dafür, daß er auch weiterhin streng auf dem Boden der Gerechtigkeit und Billigkeit verbleiben will, was als ein glückliches Shmpthom angesehen werden darf. Wenn England dem Vorschlag in dieser Form zugestimmt und sich sofort bereiterklärt hat, tatkräftig an der Durch- fühnlng des Plaues mitzuwirken, so gibt es damit indirekt zu verstehen, daß sich London letzten Endes doch zum Gei st von Locarno bekennt, den man in letzter Zeit gerade bet den verschiedensten Manifestationen leide» vermissen mußte.
5m Verlaufe der Genfer Debatte hat der französische Außenminister dann noch einmal seine unlängst vor der Kammer gemachten Ausführungen hinsichtlich der Haltung 'Frankreichs im Falle einer Abstimmung im Sinne des Status quo wiederholt. Diesen Ausführungen kommt — darüber ist man sich ja wohl nirgends mehr im Unklaren — nur noch theoretische Bedeutung zu, weshalb cs sich erübrigt, bekannte sachliche Einwendungen zu wiederholen.
Das Bild der beiden Tage kann abschließend dahin beurteilt werden, daß Herr Laval die deutsch-französische V e r st â n d i g u n g in Rom folgerichtig weitergeführt und die delikate Frage der Polizeitruppen in einem Sinne zu lösen verstanden hat, der es der Reichsregierung ermöglichte, ihre früheren Einwendungen und Besorgnisse fallen zu lassen.
Nach den zahlreichen Gratulationen zogen sich der Führer und der Generalselvmarschall zu einer längeren Unterhaltung zurück. Inzwischen batten sich vor dem Ge» burtstagshaüs zahlreiche Volksgenossen, Pimpsc, HJ. usw. eingefundcn, die in stürmische Heilrufe ausbiachen, als sich der Führer mit dem Generalfeldmarschall und dessen Familienangehörigen aus der Freitreppe des Hauses zeigten.
Ein Strom von Glückwünschen in Talkenwalde.
Gencralfeldmarschall August v. Mackens e n feierte seinen 85. Geburtstag in der Zurückgezogenheit seines Landsitzes in Falkenwaldx bei Stettin. Der große Heerführer und Reitergeneral, dem der Polksmund den Beinamen „Preußens letzter Husar" gegeben bat, bat sich alle Ehrungen dankend verbeten. Eine Flui von Glückwünschen ging bei ihm ein, darunter vom Reichsinnenminister Dr. Frick, vom Chef des Stabes, Lutze vom Khffhäuserbund. von der NS.-Kriegsopferversorgung unb unzähligen anderen. In allen Kundgebungen kommt Vie hohe Wertschätzung für den greifen Heerführer zum Ausdruck sowie der Wunsch, daß er noch recht lange am Aufbau des Vaterlandes mitwirfen könne.
Die Rückfahrt des Führers von dem Landsitz des Generalfeldmarschalls von Mackensen bei Falkenwalde über Stettin nach Berlin wurde zu einer fest- lichcn Begrüßung durch die Bevölkerung. Tausende von Bauern aus der Umgegend hatten sich eingefunden, die den kleinen Bahnhof umlagerten, um den Führer zu sehen und zu begrüßen. Auch als der Zug in Stettin eintraf, war der Bahnsteig schwarz von Menschen. Aus dem Bahnsteig hatte sich der Gauleiter und Ober- präsidcnt Schwede eingefunben, der den Führer im Zuge begrüßte.
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Glück haben, Glück schaffen, beides durch Arbeitsbeschaffungslose!
Ziehung am 22. und 23. Dezember 1934.
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