Stadt und Land
^Herausftditen für morgen'.
Fortdauer des im wesentlichen trockenen, aber meist iriiben oder nebligen Wetters.
* Fulda, den 29. November 1934.
Fragebogen Les RLB.
dieser Woche werden durch die Luftschutzhauswarte -rraqebogen des Reichsluftschutzbundes in jeder Familie nWaeben. Es ist Pflicht eines jeden Haushaltungsvor- Mndes, diese Fragebogen gewissenhaft auszufüllen und da- L iU sorgen, daß dieselben wieder beim Hausluftschutzwart ^aeaeben werden, wo sie dann zur vereinbarten Zeit eingesammelt werden.
Eine Verkehrsunsitte
macht sich in letzter Zeit im Straßenverkehr stark bemerk- jal indem Verkehrsteilnehmer ihre Fahrzeuge häufig an Verkehrsinseln aufstellen und dadurch den gewöhnlichen Verkehr erheblich behindern. Dies tritt besonders an der Verkehrsinsel am Buttermarkt in Erscheinung. Dort wer- den die Fahrzeuge besonders in den verkehrsreichen Stunden zum Parken aufgestellt, wodurch des öfteren unliebsame Verkehrsstockungen hervorgerufen werden. Im allgemeinen Interesse sei daher darauf hingewiesen, daß nach Paragraph 25 der Reichs-Straßenverkehrs-Ordnung und der dazu ergangenen Ausführungsanweisung das Parken, h. das Aufstellen von Fahrzeugen zum Zwecke der vor- Kergehenden Aufbewahrung unter anderem auch an Verkehrsinseln nicht zulässig ist. Von einem jeden Verkehrsteilnehmer wird verlangt, daß er im Verkehr ein Verhalten zeigt, das von einem sorgfältigen, verständigen, die jeweilige Verkehrslage beachtenden Menschen gefordert «erden muß. Es ergeht daher nochmals die Aufforderung m jeden Fahrzeugführer, den bestehenden Bestimmungen Ächnung zu tragen. Die Polizeibeamten find gehalten, ,MN jeden derartigen Verkehrssünder unnachsichtlich ein- Mschreiten und Anzeige zu erstatten.
Zum Einbruch in Neuhof,
den wir gestern meldeten, wird noch bekannt, daß die Täter nur Zigaretten, und zwar 15 Pakete Marke „Älva", teils mit Eold- und teils mit Strohmundstück; 7 Pakete „Lande"; 3% Pakete „Oberst"; 3 Pakete „Ramses";
Paket „Kirle" und 1 Paket „Ova" im Gesamtwerte von zirka 500 RM. haben mitgehen lassen. Den vorhandenen Spuren nach sind die Täter mittels Kraftwagens vorgefahren. Es handelt sich um ein kleines Auto mit verschiedenartigen Eummireifenprofilen.
Ein Anzahlungsschwindler.
In Iben letzten Tagen erschien bei einer Familie in der Molf-Jordanstraße ein angeblicher Bllcherverkäufer, der sich Betge nannte. Er verkaufte ein Buch mit dem Titel „12 Jahre Wasserkuppe" von Fritz Stammer zum Preise von 3 RM. Das Buch sollte nach seinen Angaben im Buchhandel etwa 7—8 RM. kosten. Für das bestellte Buch nahm er sofort den Betrag! von 3 RM. entgegen und wollte das Buch am nächsten Tage liefern. Bis jetzt ist das Buch jedoch noch nicht eingetroffen und es scheint sich um einen Anzahlungsbetrüger zu handeln. Wo sind ähnliche Fälle bekannt geworden? Sachdienliche Mitteilungen, die auf Wunsch vertraulich behandelt werden, nimmt die hiesige Kriminalpolizei entgegen.
J%W^ 44* 5Ww.
Union-Theater, Friedrichstraße.
„Herr Kobin geht auf Abenteuer".
Der Schriftsteller Hanns Marschall schrieb zuerst seinen Roman und hinterher mit feinem Mitarbeiter Dr. Wallner auch selbst das Drehbuch für den oben genannten Film. Die Handlung ist recht einfach auf gebaut, hat, wie es bei einem Filmluftspiel und noch dazu bei einem Kriminal- Lustspiel sein muß, auch ihre spannenden Momente, etwas dramatische Steigerung und zum Schluß das „happy end". Der Bankprokurist Lutz Kobin hat eine Erbschaft gemacht. Die Erbschaftsregulierung findet eigentümlicherweise in Konstantinopel statt. Seit der Zeit, da Kobin um diese Erbschaft weiß, bekommt er so etwas wie einen Reise- i-mmel. Kurz entschlossen gibt er seine Stellung auf und W auf Reifen. Durch eine Reisebekanntschaft — ein Hochstapler und Betrüger en gros — unterbricht er jedoch !egte Reise in Prag und wird hier durch diesen Hochstapler w allerlei unangenehme Sachen verwickelt. Ein Freund Kobins, ein Berliner Kriminalbeamter, fährt ihm, als er Kobins Aufenthalt erführt, nach und dank feinem Eingrer- sen nimmt alles ein gutes Ende. Die Verbrecher fallen in ™ Hände der Polizei und Kobin in die seiner Gattin. L^^ann Speelmanns spielt den sich mit kriminalijtychen Scharfblick ausgestattet glaubenden Lutz Kobin mit durchaus glaubwürdig erscheinender Tappigkeit; Walter Stein-
den in allen Situationen sich auskennenden Hochstapler und Fritz Odemar den ruhigen Kriminalkommissar, der sich n seinem Berufe auch noch eine gute Dosis Humor erhalten
Dorit Kreisler und Maria Meißner werden ihren äollen ebenfalls durchaus gerecht. Ueberhaupt ist es rn |ter Linie die gute Darstellungskunst der genannten Hauptkräfte, die' dem Film einen Turchfchnrttserfolg luhern. —r.
GauletterWeinricheröffnetReichsautobahninKurhesfen.
Bei umfangreichen Erdarbeiter, finden 300—400 Arbeiter Lohn und Brot.
...Das große Werk der Reichsautobahnen ist nunmehr otiiziell auch im Gau Kurhessen begonnen worden. Volksgenossen, die Jahre lang, zuin Teil sogar 10 Jahre hindurch untätig sein mußten, die Woche für Woche den Gang zum Arbeitsamt oder Wohlfahrtsamt gehen mußten, um sich tote Unterstützung zu holen, die mit heißem Herzen auf die Gelegenheit warteten, die Hände wieder rühren zu dürfen, erhalten endlich Arbeit und lohnenden Verdienst.
Zunächst werden 300 bis 400 Arbeiter bei dem gestern begonnenen Bauabschnitt bei Sandershausen beschäftigt, aber schon
im kommenden Frühjahr wird es möglich sein, die Zahl der Arbeiter aus 3000 bis 4000 zu erhöhen, eine Zahl, die sich für unseren heimischen Arbeitsmarkt außerordentlich günstig auswirken wird.
Der erste Spatenstich für die Baustrecke bei Sandershaufen wurde gestern vormittag von Staatsrat Gauleiter Weinrich in einer schlichten Feierstunde gemacht. Die Stätte der neuen Arbeit war festlich geschmückt. In einem großen Kreis hatten die Spitzen der Kasseler Behörden, der Partei, der SA., ES., des Arbeitsdienstes, ein SA.-Sturm und die Abteilung 220/1 des Arbeitsdienstes mit Musikkorps Aufstellung genommen. In drei Reihen standen die Arbeiter mit ihren Geräten. Außerdem waren die Bevölkerung aus den umliegenden Dörfern und die Schuljugend zahlreich erschienen.
Der Leiter der obersten Bauleitung Kassel der Neichsautobahnen, Direktor Liebetrau,
begrüßte die Erschienenen im Auftrage des Generaldirektors der deutschen Reichsbahn, Dorpmüller, und des General- inspektors für das deutsche Straßenwesen, Dr. Todt, nachdem Eaupropagandaleiter Gernand den feierlichen Akt eröffnet hatte. Ganz besonders begrüßte er die Arbeitskameraden. Er richtete die Bitte an sie, alle ihre Kräfte einzusetzen, um an dem großen Werk wahre Aufbauarbeit zu leisten. Den Behörden und Organisationen, die es ermöglicht haben, daß jetzt auch in Kurhessen mit den Arbeiten begonnen werden konnte, stattete Direktor Liebetrau seinen Dank ab. Er schloß seine Ausführungen mit dem Gelöbnis, alles einzusetzen, damit die Reichsautobahnen auch in Kurhessen das werden, was sie nach dem Willen des Führers werden sollen: eine Großtat der Technik und ein Meisterwerk deutscher Arbeit.
Nach dem gemeinsam gesungenen Lied „Brüder in Zechen und Gruben"
sprach der Gauwalter der Deutschen Arbeitssrout, Herbert Köhler. Seine Worte galten besonders den Arbeitskameraden, die mit geschultertem Spaten angetreten waren.
„Ihr, die Ihr hier angetreten seid, spürt ab heute wieder den Segen der Arbeit. Zehn Jahre lang haben zum Teil
Eschwege. (Inder Werra ertrunken.) Die Werra hat gestern wieder ihr Opfer gefordert. An der Haarlache, einem Nebenarm der Werra, spielten zwei Kinder, die ihre in der Nähe wohnende Großmutter besucht hatten. Plötzlich stürzte, der vierjährige. Knabe in die Fluten und wurde sofort von der starken Stürmung abgetrieben. Sein siebenjähriger Bruder lief, solange er sein Brüderchen noch sehen konnte, am Ufer entlang: Dann versank das Kind, dessen Leiche bisher noch nicht geborgen werden konnte. Da niemand in der Nähe weilte, war eine Rettung unmöglich.
Birstein. (Volkstrachten im Vogelsberg.) Die Schneiderinnen im Vogelsberg waren kürzlich zufam- mengekommen, um über neue Trachten für Frauen und Mädchen zu beraten. Gezeigt wurden zwei^ Modelle, die sicherlich großen Anklang finden werden. Für Sonntags ein Kleid aus grünem, braunem oder rotem Stoff, mit silbernen Knöpfen, im Brustausschnitt ein seidenes Tüch- lein. Für Werktag ein Dirndlkleid, aus buntem Stoff, mit kurzen Aermeln, darunter ein weißes leinenes Hemd mit langen Aermeln. Es wäre zu wünschen, wenn sich überall wieder die schönen alten Volkstrachten eiiiführen würden, die in den letzten Jahrzehnten in manchen Gegenden völlig verschwunden sind.
Limburg, 28. Nov. (Radfahrer von einem unvor sicht i g e n Schützen a n g e s ch o s s e n.) Auf der Landstraße Kirberg—Limburg wurde der Maurer Emil Roth aus Kirberg, der sich mit seinem Rade auf dem Wege nach Limburg befand, durch einen Schuß ins obere Bein verletzt. Tie Untersuchung ergab, daß ein junger Mann aus "Mensfelden den Schuß abgegeben hatte, und zwar wollte er mit einem Flobert auf Sperlinge schießen. Dabei beachtete er nicht den Umstand, daß in der Nähe seines Standortes die sehr belebte Landstraße vorbeiführte. Der Verletzte wurde ins Kirberger Krankenhaus gebracht, wo durch eine Operation die Kugel entfernt werden konnte.
Miltenberg, 28. Nov. (Schwerer Verkehrsunfall in Miltenberg.) Montag abend ereignete sich auf dem Radfahrweg an der Mainstraße ein schwerer Fahrradunfall, dem leider ein junges Menschenleben zum Opfer fiel. Der 13 Jahre alte Sohn des Studiendirektors Dr. Henselmann fuhr mit feinem Fahrrad auf dem Radfahrweg und begegnete zwei andern Radfahrern. Während Henselmann an dem einen der Radfahrer vorbeikam, stieß
Eure Hände geruht, die Ihr jetzt wieder fleißig regen könnt. Es geht jetzt in Deutschland wieder aufwärts und auch Ihr helft dabei mit, jeder an seinem Platz, mit der Schippe, mit der Hacke, mit dem Zeichenstift. Seid jetzt wirklich Kameraden der Arbeit, denn nur dann kann das große Werk gelingen." Gauwalter Köhler schloß seine Ausführungen mit dem Wunsche, daß aller Segen auf dieser Arbeit, die nunmehr beginnen könne, liegen möchte.
Anschließend sprach Staatsrat Gauleiter Weinrich.
Er führte u. a. aus: Wir stehen heute am Beginn eines großen Werkes, das aus der deutschen Geschichte nie gestrichen werden kann, das auch alle Generationen nach uns nicht vergessen werden, wir stehen am Beginn eines Werles, das vor uns keine Generation geleistet hat. Unsere Generationen haben die Zeit des größten Niederganges Deutschlandes erlebt und es drängt sich die Frage auf, ob die Generationen vor uns ihre Pflicht getan haben. Leider muß diese Frage verneint werden. Schon unsere Generation fragt jetzt bei jeder Tätigkeit, die ihre einzelnen Glieder ausführen, ob die betreffende Arbeit unseren Nachkommen nütze. So ist es uns vom Führer gelehrt worden, so hat er uns geformt, daß wir heute nicht anders können. Es war schwer, die Linienführung der Reichsautobahn in die Nähe Kassels zu legen, weil unsere Landschaft diesen Arbeiten große Schwierigkeiten macht. Zahlreiche Männer haben sich bemühen müssen, damit auch Kurhessen der Segen dieser Arbeit zuteil werde. An der Spitze der Oberpräsident, Prinz Philipp von Hessen, der sich bei den zuständigen Stellen in dieser Richtung immer wieder dafür eingesetzt hat. Gauleiter Weinrich gab der Hoffnung Ausdruck, daß die oberste Bauleitung der Reichsautobahnen in Kassel möglichst vermeiden werde, daß gutes Land durch die Linienführung zerstört wird. Anschließend richtete er einen Appell an die Arbeiter und Arbeitgeber, zusammenzuhalten. Schon Jahrhunderte vor uns sind Straßen gebaut worden, aber diese Straßen wurden fertiggestellt mit Zwangsarbeit, die Straßen Adolf Hitlers aber sollen in freiwilliger Arbeit gebaut werden. So muß von den Arbeitgebern verlangt werden, daß er die
Arbeiter als freie Männer
behandelt und achtet und die Arbeiter wiederum sollen so handeln, als wäre es ihre eigene Arbeit, die sie auszuführen haben. Er schloß seine Ausführungen mit dem Wort des Führers: „Arbeiter fanget an!"
Dann machte der Gauleiter den ersten Spatenstich.
Mit dem gemeinsam gesungenen Deutschland- und Horst- Wessel-Lied wurde die Feierstunde beendet.
Ein schriller Pfiff der Kleinbahnlokomotive rief anschließend die Arbeiter zur Arbeit. Es werden zunächst umfangreiche Erdarbeiten ausgeführt werden. Tie Linie der Reichsautobahn wird nach Fertigstellung dieser Strecke in einem tiefen Einschnitt verlaufen, so daß für die Straße von Sandershausen nach Ellenbach noch eine Ileberführung notwendig wird.
er mit dem nachfolgenden Fahrer schwer zusammen. Beide Radfahrer stürzten auf die Straße. Henselmann trug einen schweren Schädelbruch und sonstige innere Verletzungen davon, die seine sofortige Ileberführung in das Städtische Krankenhaus notwendig machten. Dort ist der Verletzte in kür-.We" 3eit verstorben.
Darmstadt, 28. Nov. (Metzgerei in Darmstadt polizeilich geschlosse n.) Die Preisüberwachungsstelle des Hessischen Staatsministeriums hat die Metzgerei Franz Weckerle in Darmstadt, Arheilgerstraße 6, auf die Dauer von drei Tagen geschlossen, da in dieser Metzgerei Leberwurst verkauft wurde, die in ihrer Qualität als minderwertig anzusehen war und dem geforderten Verkaufspreis in keiner Weise entsprach.
Bechtheim, 28. Nov. (Aus Angst vor Strafe in den Tod.) Aus Angst vor einer zu erwartenden Strafe wegen eines Sittlichkeitsvergehens an einem minderjährigen Mädchen verübte hier der 71jährige Jakob Seibel 1. Selbstmord. Er machte seinem Leben, während er allein im Hause war, durch Erhängen ein Ende.
Mainz, 28. Nov. (4 0 0 Mark inEold erbeutet.) Eine Wirtschaft im Salmengäßchen wurde gestern abend von Einbrechern heimgesucht. Die Täter erbrachen in der unverschlossenen Wohnung ein dort befindliches Schränkchen und stahlen daraus 400 Mark in Gold, bestehend aus Zehn- und Zwanzigmarkstücken, ferner zwei goldene Herrenuhrketten.
Mainz, 28. Nov. (Von der Straßenbahn übersah r e n u n d g e t ö t e t.) Gestern abend gegen 22.30 hr ereignete sich in der Nähe des Bahnwärterhäuschens 39 auf der Gonfenheimer Straße ein folgenschwerer Unglücksfall. Ein 74jähriger Mann aus Mainz, der in Gonsenheim wohnt, lief gegen einen in voller Fahrt befindlichen Straßenbahnwagen. Er wurde von dem Wagen ersaßt, wobei ihm der Kopf vom Rumpf getrennt wurde. Ob ein Unglücksfall oder Selbstmord vorliegt, bedarf noch der Aufklärung.
Lorsch, 28. Nov. (Diphtherie-Erkrankungen in Lorsch.) Hier sind zahlreiche Diphtherie-Erkrankungen festgestellt worden, von denen eine bei einem siebenjährigen Mädchen tödlich verlaufen ist.
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