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B^SäS-, VD. G Tageblatt für Rhön und Vogelsberg SALTSLWS * M» 6aun=tal. Jutta« HM ichriftletter: Fnedr. Ehrenklau, Fulda, Königs 42. Re-aktion unö Geschäftsstelle: Königstraße 42 Zernfprech-slnsthluß Nr. 2989

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Nr. 275 1934

Fulda, Samstag, 24. November

11. Jahrgang

Militärpakt Frankreich-Rußland

Sensationelle Mitteilung im Heeresausschuh der Kammer.

Nach Pariser Meldungen hat im Heeresausschuß der Ummer der Abgeordnete A r ch i ru b a u d als Bericht- älter eine geradezu scnsationeüe Mitteilung gemacht, â über die bisherigen Nachrichten von einem in i l i - s jilischeu Zusammengehen Frankreichs mit I i;!and weil hinausgehl. Der Abgeordnete hat dabei u. a. > geführt:

Die Annäherung zwischen Frankreich und Rußland n in Wirklichkeit bereits viel weiter gediehen, als man I ti selbst in der Öffentlichkeit Frankreichs wisse. Zwischen icibeit Ländern bestehe ein tatsächliches Bündnis; denn «Mjetrußland habe als erste Macht Frankreich die Ver­sicherung gegeben, Deutschland wolle den Krieg uns nicht den Frieden Frankreich könne nicht nur über sic Luftflotte, sondern auch über die Armee Rußlands ver- siigen. Archimbaud hat schließlich die Hoffnung auf das Zustandekommen eines regulären allgemeinen frmtzösisck- mssischen Bündnisses (aliianee") ausgesprochen.

*

Wie erinnerlich, ist das Bestehen eines solchen Militärbündnisses noch von dem sranzösischen Außen­minister B a r t h o u , dem Vorgänger Lavals, in aller 5orm bestritten worden; es habe, so wurde versichert, immer nurVerhandlungen" gegeben. Nach den obigen Ausführungen des Heeresberichterstatters der Kammer ist ein solches Militärbündnis Tatsache. Am ungeheuerlich­sten aber ist die als B e g r ü n d u n g angegebene schwere Ärdächligung gegen Deutschland. Die wiederholten scierlichen Friedenserklärungen Hitlers und seiner Regierung sind aller Welt bekannt. Das deutsche M hat noch am 12. November seiner rückhaltlosen Zu­stimmung zu dieser Friedenspolitik einen imponierenden Ausdruck gegeben, und noch vor wenigen Tagen hat der Mrer wiederum in einem Gespräch mit zwei französi- schen Kriegsteilnehmern Deutschlands Friedensliebe be- !ont, zur gleichen Zeit schließen die beiden größten Militärstaaten der Welt ein Bündnis mit einer ein­mütigen Tendenz gegen Deutschland! Wer ist es nun, der Europa nicht zur Ruhe, zur friedlichen Arbeit und Ent­wicklung kommen läßt? W c r ist es, der zum Kriege hetzt und rüstet?

*

Der Wortlaut der Ausführungen in der Kammer.

Die Ausführungen des Berichterstatters des Hecres- "«sschuffes, Archimbaud, in der französischen Kammer über Verhältnis zwischen Frankreich und Ruß­land lauten wörtlich:

,^Jn der Erkenntnis, daß die Haltung Deutschlands dcn Frieden Europas zu gefährden droht, haben Frank­reich und Rußland ihre Freiheit sichern wollen, und es ist mchl zu leugnen, daß eine Verständigung zwischen beiden Wandern besteht. Ich spreche weder das Wort Bündnis

I« Alliplmt m dem ÄrW.

Ungarns feierlicher Protest.

Gömbös legi Verwahrung gegen die

südslawische Note ein.

Ministerpräsident G ö m b ö s hat einem Mitarbeiter Ungarischen Telegraphen-Korrespondenz-Bur^s auf ciscn Anfrage hin den Standpunkt der ungarischen Regic- zu der südslawischen Note an den Völkerbund gendermatzen dargclcgt: ...

Die ungarische Regierung wurde durch die INI Zu- ammmhang mit der Marseiller Angelegenheit in Genf Merbrettete südslawische Note nicht überrascht. Sie-steht Ä Note nichts anderes als die Fortsetzung des seit 'nem Monat im Gange befindlichen und auf die U n e r b" n 9 der Stellung Ungarns gerichteten ^Mteldzuges.

ungarische Regierung lenkt die Aufmerksamkeit öffentlichen Meinung der Welt auf

. die politische Tendenz

^slawischen Note, besonders unter Hinweis daraus, eiwr, 'dre Beschuldigungen gegen Ungarn ohne t gehende Kenntnis der Sache und unter nick, ? ^? angeblich zur Verfügung stehenden btsh nachprüfbaren Beweise stützen will. . ungarische Regierung als Vertreterin einer Nation, deren Geschichte den Punschen tat h"'mna^ 018 Mittel zur Geltendmachung der Wahr- dass/ Nation anerkannt hat, protestiert feierlich geg ^idm^ d" südslawischen Regierung unD meist j e d" Teilnahme am Mord zurück. Da die Regierung durch das Vorgehen der suw gefährd»" Regierung den europäischen Fricdcii al ""sieht, hält sie cs auch ihrerseits für wünschens tivcr' M bct Völkerbund behufs dringender und ob|cr tUetn^« der Sache jeden Schritt u n v c r z ü g l > w hicrrd^-^ünscht dies um so mehr und lenkt die Aus

' Mi der europäischen öffentlichen Meinung

noch das Wort Militärabkommen aus. Ich stelle lediglich fest, daß die russische Armee stark ist und sehr gut aus­gerüstet, und daß sie uns im Falle eines Kon­fliktes mit Deutschland angeboten ist.

Pmis dementiert ...

Paris, 29. November.

Von amtlicher französischer Seite werden die im Anschluß an die Ausführungen des Abgeordneten Archim­baud verbreiteten Gerüchte von dem Abschluß eines fran­zösisch-russischen Militärbündnisses für unzutreffend erklärt.

*

Frankreich ist gerüstet

aber es will den Frieden,

Wichtige Äußerungen des Kriegsministers in der Kammer.

In der französischen Kamme r s i tz u n g machte Kriegsminister Maurin äußerst bemerkenswerte Aus­führungen. Da einige Kritiker die Ausgaben für die Militärattaches als übermäßig hoch kritisiert hatten, bot sich dem Minister Gelegenheit, die

riesigen Verdienste des sranzösischen Militärattaches in Moskau um die Annäherung zwischen der fran­zösischen und der russischen Armee hervorzuheben. Derartige Verdienste könnten nie hoch genug bezahlt werden. Frankreich müsse sich vor einem überraschenden Angriff in acht nehmen. Alles Nötige werde veranlaßt werden, damit eine Überraschung gegebenenfalls keine ernsten Folgen habe. Zu der Frage der Dienstzeit bekräftigte der Kriegsminister aufs neue, daß er an dem Gesetz über die einjährige Dienstzeit festhalten wolle, falls nicht außer­gewöhnliche Umstände eintreteft.

Zum Schluß ermahnte der Minister zur Ruhe. Er hoffe, daß man auf die Vernunft der Völker vertrauen könne.

Diejenigen, die den Krieg mitgemacht hätten, hätten sicher keine Lust mehr, einen neuen Krieg zu sehen, aber cs kämen neue Generationen, die die Schrecken des Krieges nicht kennen.

Wenn es zu einem neuen Kriege komme, würde die Zivilisation Europas vernichtet werden. Er sehe nicht ein, warum große Völker, die stets ein Beispiel der höchsten Kultur gewesen seien, sich zerfleischen sollten um Fragen, die man auch auf andere Weise regeln könne.

Die Kammer dürfe versichert sein, daß alles ge­schehen werde, um die Landesverteidigung in Frankreich s i ch e r z u st e l l e n , aber man solle auch keine Panikstimmung aufkommen lassen. Diè Worte gegen den Krieg wurden von sämtlichen Abgeordneten von der äußersten Linken bis zur Rechten mit stürmischem Bei­fall begrüßt.

sonders hierauf -, weil es den Anschein bat, daß Süd- nawien und seine Freunde im Bewußtsein ihrer im Sinne der Friedensverträge ihnen , einseitig zugestandenen ü b é r 1 c c n c n m1l itärtf^en St rufticn Gedanken des europäischen Friedens gefährden.

heiligen

*

planmäßige Aktion gegen Lngam."

Scharfer Protest Ungarns gegen die Beschuldigungen.

Der ungarische Hauptdelegierte in Genf, Tibor von Eckhardt, bat Vertretern der internationalen Presse folgende Erklärung zu der südslawischen Note abgegeben: . , .

Ich erfahre mit Genugtuung, daß die Angelegenheit des fluchwürdigen Altenials von Marseille vor die unpar­teiische Gerichtsbarkeil des Völkerbundes gebracht wor- den ist. Wir wünschen, daß die Frage dringlich be- handelt wird, und von unserer Seite wird nichts unter­lassen werden, damit der Fall und seine Hinter­gründe in aller Objektivität vor dem Völker- Hund völlig geklärt werden. Selbst nach dem Ver­leumdungsfeldzug, der in den legten Wochen geführt worden ist, überraschen und empören uns die Be - Hauptungen der südslawischen Note, die den guten Namen Ungarns vor der Welt schädigen sollen.

Fch protestiere in aller Form und mit allem Nachdruck gegen Diese Verleumdungen. Die südslawische Note ist nach Inhalt und Ton nur eine neue Etappe einer planmäßigen Aktion gegen Ungarn. Ihr Ziel ist klar: sic will die Aufmerksamkeit von den wirklichen Ursachen des Attentats ablenken und Ungarn mora­lisch vernichten, das man in feinem abgerüfteten Zustand für eine leichte Beute hält.

-Zch protestiere energisch gegen diese Tendenzen, die ich ülL intcruânalcn Terrorismus bezeichne."

Das Attentat in Marseille, dem der König von Südslawien, Alexander, und der französische Außen­minister Barlhou zum Opfer fielen, ist vor allem eine kriminelle Tat. Man hätte sie als solche behandeln und die Täter mit samt ihren Komplicen als Verbrecher den allgemeinen, in allen Staaten geltenden Gesetzen ent­sprechend behandeln sollen. Da überdies alle Staaten das gleiche Interesse daran haben, Attentate, die gegen ein Staatsoberhaupt gerichtet sind, in gesetzmäßiger Form zu sühnen und außerdem alle Vorkehrungen zu treffen, um weitere derartige Taten zu verhindern, so hätte sich dem­gemäß auch eine verhältnismäßig rasche Sühne und eine Ausräumung etwaiger Brandherde wohl erreichen lassen. Geradezu ein Musterbeispiel hierfür ist die Art, wie Bulgarien demMazedonischen Komitee" ein Ende gemacht hat im Interesse einer Befriedung des mit Zünd­stoffen geladenen Balkans. Und das ist gerade für Bulga­rien nicht leicht gewesen, weil dieser Staat 1919 im sogenannten Friedensvertrag von Reuilly das Opser seiner Nachbarn wurde und auch bei ihm das Selbst- bestimmungsrecht der Völker zur Farce gemacht wurde.

Aber nun ist aus jener kriminellen Tat von Marseille ein politischer Konfliktstoff geworden, der nach Genf vor den Völkerbund gebracht worden ist. Südslawien und mit ihm die Tschechoslowakei und Rumänien, also die Kleine Entente insgesamt, sind an den Völkerbund mit dem Ersuchen herangetreten, sichmit Der durch das Marseiller Attentat geschaffenen Lage" zu beschäftigen. Man stützt sich Dabei aus den § 11 des Völkerbundsstatuts, wonach jedes Bundesmitglied das Recht hat,in freund­schaftlicher Weise die Aufmerksamkeit Der Bundesver­sammlung oder des Rates aus jeden Umstand zu lenken, der geeignet ist, Die internationalen Beziehungen zu berühren und in Der Folge Den Frieden oder das gute Einvernehmen unter Nationen zu stören, von Denen Der Friede abhängt". Selbstverständlich handelt es sich bei der­artigen Zuspitzungen um solche politischer Natur, und dadurch, daß man unter Bezugnahme aus jenen § 11 Den Völkerbund in Bewegung setzt, ist vas f r i m i n e 11 e Verbrechen von Marseille vollends in das rein politische Fahrwasser mit all seinen drohenden politischen Strudeln, Klippen und Untiefen hineingeschoben worden. Die Tat selbst tritt sozusagen in den Hintergrund; sie erscheint jetzt -nur noch als ein politisches Geschehnis von allerdings be­sonders .drastischer Bedeutung. Und ob nun Die Behand­lung dieser politisch gewordenen Frage gerade in Genf vor das richtige Forum kommt, erscheint nach Den bis­herigen langjährigen Erfahrungen, die die Welt über die sogenannte Tätigkeit des Völkerbunds inKonflikt- fragen" gemacht hat, denn doch mehr als zweifelhaft.

*

Der Eindruck der südslawischen Note.

Die südslawische Nore an Den Völkerbund hat in Genf einen ungeheuer starten Eindruck hinterlassen. Be­sonders in französischen Kreisen und in Kreisen der Kleinen Entente ist eine starke Verlegenheit unverkennbar, denn eine Role mit solchen schweren, gegen U n g a r n d i r e 11 ge­richteten Anschuldiaungen batte man nach den in den letzten Tagen geführten Verbandliinacn zwischen dem französischen Außenminister und den Vertretern der Kleinen Entente nichi erwarte:. Obwohl in der Note nur Ungarn genannt worden ist, empfinde: man hier ferner allgemein, daß sie zu einer neuen erheblichen

Spannung auch zwischen Südslawien und Stafien beitragen werde Jedenfalls wird sie nichi ohne Rücktvirkung bleiben auf die in Der letzten Zeit versuchten Annüüerungs- beftrebunqen zwischen Italien auf Der einen und der Kleinen Entente und Frankreich auf der anderen Seite. Bei den verschiedenen Abordnungen scheint Der erste Eindruck der zu sein, daß die Note beträchtlich weitergehe, als für politisch klug gehalten werde.

Die Anschuldigungen und der Ton Der Note sind derartig, daß es für sehr wenig wünschenswer: gehalten wird, sic b i s zum Januar unbeantwortet zu lagen und dadurch Die politische Umwelt zu vergiften. ,

In englischen Blättern wird die Note ausführlich veröffentlicht, ohne daß bisher eingehendere Kommentare daran geknüpft werden. Allgemein ist die Überraschung über die Schärfe des Tones und die Anschuldigungen gegen Ungarn. Man will in politischen Kreisen missen, daß ein Satz, in dein

Ungarn der Krieg angedroht

worden sei, im letzten Augenblick aus der Rote weggclaffcn wurde.

Zustimmung findet Die südslawische Rote in der f ran - z ö fisch e n Presse, wenn man sich auch nicht verhehlt, daß der Schritt im Januar

zu ernsten Schwierigkeiten

Aulab geben könnte. Ungarn, so wird erklärt, fordere absicht­lich die sofortige Beratung der Sache, da es wisse, daß es, g e st ü tz l aus Italien, nichts zu befürchten habe. Au, alle Fälle müsse man damit rechnen, daß Ungarn und die Kleine Entente sich in den nächsten Monaten schärfer denn ie gegen­überstehen würden

Die französisch italienische Verständigung, die von einer italienisch-südslawischen Verständigung ab- bängig sei, werde außerordentlich schmierig, wenn Italien nicht seine Einstellung gegenüber Budapest ändere Vorläufig scheine aber nichts Darauf btnuiDcuten.

Allgemein ist ausgefallen, daß in Der südslawischen Rmr Italien mit keinem Wort erwähnt wird. Man erblickt Darin die Beteiligung Der beiden anderen Mächte der Kleinen Entente an Der Abfassung Der Rote sowie die deutliche Rück­sichtnahme auf Die jetzt wieder begonnenen sranzösisch italienischen Verhandlungen Die italienische Regierung hat, wie allgemein bemerkt wird, sich zunächst nach außen hin Zurückhaltung auferlegt, soll ledocb. wie gcrücht- ,weise verlautet, bereits mitgetetit haben, daß selbständiae Schritte der südslawischen Regierung gegen Ungarn

Italien zu ähnlichen Schritten gegen Südslawien zwingen würden Die Sage erscheint icdcnsalls außer, ordentlich ernst Dennoch hofft man, daß es dem Ginfluè der drei Gro^nöckre ckekinreu wird, einen Ap-w«? u 'inde^