Eul-aer MZeiger
jeden Werktag. Wochenbeilage: „Der §Ä,taa" Bezugspreis: monatlich 1,70 RM. nieferungsbehinderung durch „Höhere Ee- "beleben keine Ansprüche. Verlag Friedrich
Tageblatt für Rhön und Vogelsberg ?ää& .^«L^ « "r
ZÄr^LWS. T^WS Zulöa- unö Haunetal.ZulSaer Kreisblatt Sää«™«
Friedrich Ehrenklau, Lauterbach/H. Haupt- ZV auf Nachlag. — „DA. 1000. — Verantwor.l. für den
schristlcrter: Friedr. Ehrenklau, Fulda, Königstr. 42. Ne-aktion UN- Gefthästsstelle: Königstraße 42 4- Zernfprech-^nschluß Nr. 248- Anzeigenteil Ferdinand Ehrenklau, Lauterbach-H.
Nr. 240 — 1934
Fulda, Samstag, 13. Oktober
11. Jahrgang
ßeheiWiMler Mord m einem MHeoWco.
SerKzbiWofvsn Lettland ermordet
Die Täter begehen Brandstiftung. — Die Wohnung durchwühlt.
Das Haupt der griechisch-katholischen Kirche ßett= M, Erzbischof Johann Pommer, wurde awkdet. Sodann versuchten die Mörder, das Haus Brand zu vernichten.
Kurz nach Mitternacht wurde die Feuerwehr in den Amvorort Rigas, Waldpark (Kaiserwald), gerufen, wo idem Hause, das vom Erzbischof allein bewohnt wird, -Feuer a u s g c b r o ch e n war. Nach dem Ablöschen «Z Brandes machte die Feuerwehr
eine entsetzliche Entdeckung.
Zn einem abseits gelegenen Zimmer lag gräßlich ver- pmmelt, mit Stroh und drei ausgehobenen Zimmer- mm bedeckt, der Leichnam des Erzbischofs. Man stellte fest, daß die Wohnung des Erzbischofs durchwühlt wor- dm war. Es wird vermutet, daß der Mord mit einem Prozeß wegen Unterschlagung von Kirchengeldern zusammenhängl. Dieser Tage sollte die Gerichtsverhandlung in Riga beginnen. Der Erzbischof sollte dabei als Hauptbelastungszeugc auf treten. Der Mörder ist flüchtig.
Die Tat ein "Racheakt?
über die Ermordung werden nun weitere Einzel- beilen bekannt. Danach sieht es fest, daß der Mord nicht auf politische Beweggründe zurückzuführen ist. Vielmehr liegt die Vermutung nahe, daß es sich um einen privaten Racheakt handelt. Doch ist auch einfacher Raubmord nicht ausgeschlossen. Die Untersuchung wird ton dem Untersuchungsrichter für besonders wichtige Angelegenheiten geführt. Die Leiche ist stark ange- lob l1. Sie lag auf einer Hobelbank. Sic zeigt eine tiefe Wvunde. Anscheinend ist eine Reihe von Urkun- ten verschwunden, die in einem Prozeß wegen Unterschlagung von Kirchengeldern eine Rolle spielen sollten.
Ein A u g e n z e Ü g e berichtet über den Hergang dm Tai noch einige Einzelheiten. Das Gestände des Bischofs, das etwa 1iM) Jahre alt ist, liegt mit der Front zum
Rätsel um den Königsmord.
Ker war an dem Marseiller
Attentat beteiligt?
Bisher etwa 1 40 Verhaftungen in Paris.
, Es ist der französischen Polizei immer noch nicht ge- «Oen, alle Helfershelfer des toten Königs- "lvrdcrs zu verhaften. Es erfolgten bisher z tu c i F c st - ""hmen, durch die man zweifellos enge Mitarbeiter Meinens gefaßt hat. Es zeigt sich aber immer mehr, das Verschwörernest viel größer ist, als man bisher genommen hat. Nach den letzten Feststellungen scheint M eine Frau zu der Verbrecherbande zu gehören. In Mnkrcich sind bis jetzt etwa 140 verdächtige Jugoslawen
Balkan-Emigranten verhaftet worden.
^ilgeständnès von zwei Heifershetsern.
, Sie beiden in Annemasse verhafteten Helfers- des Marseiller Mörders haben im Verlauf ihres Verhörs zugegeben, daß sie mit Ka lc men 6 Aa rseille waren.
, Lie Verhaftung der beiden Helfershelfer geschah in frühen Morgenstunden in einem Hotel von Thonon 'Anweisung von Paris. Die beiden Verhafteten haben U'en Widerstand geleistet. Sie hatten !?^°Uowakische Pässe bei sich, die vom ^slowakischen Generalkonsul in Triest ausgestellt ö mußten aber im Verlauf des Verhörs zugeben, daß basse gefälscht waren.
tuns’“«1’ Verhafteten wurden Photographien unterbreitet, sie in Gesellschaft des Mörders Salomen zu sehen
Ionin a^,urcl, gezwungen zuzugeben, daß sie Kalemen »Men, versuchten sie jedoch, jeden weiteren Zusam- tr .1,11110 mit ihm oder gar mit der Tat ab zu- L,11 e«. Es scheint jedoch aus dem weiteren Verhör NÄ» zu sein, daß sie es waren, mit denen A»^" zuletzt einige Tage in Paris verbrachte. Nach ein » lokalen Polizeibehörden handelt es sich um °sp» ^"aus wichtigen Fang, der darauf Hinweise, daß Hub ( .u m e i n e g r o tz a n g e l e g t e O r g a N i s a t l o N
^^faöä um einen Einzelmörder handele.
fcfiuiih ^nt^ und in der Provinz werden die Nachfor- llesew " ""ch Verdächtigen südslawischer Herkunft fort« 6taaif xSU St. Denis bet Paris wurden drei südslawische zinim» "^hörige verhaftet, nachdem man in ihren Hotel- Tüg,^!' verschiedenes Material beschlagnahm, hatte. Ihre gesteift , ,n Frankreich konnte noch nicht einwandfrei klar- werden.
~ Mitwisser, aber nicht Mittäter?
^ e rTe n è"^"r der in A » n e m a s s e f e st g e n o m - "°" freust« "i â, un d R o v a k hat bisher zu folgen» ■ ^°°"üscn geführt:
Kischsee. Erzbischof Pommer hielt sich ganz allein in seinem Hanse aus.
Als in der Nacht die Feuerwehr eintras, stand ein Teil des oberen Stockwerkes bereits in Flammen. Der Brandherd befand sich im Vorraum der Veranda. Der Brand wurde bald gelöscht, und als man einige Trümmer beseitigt hatte, fand man die halbverkohl i e L e i ch e des Bischofs. Er ist zweifellos schon vorher ermordet worden. Nach der Tat haben die Täter
Der ermordete lettische Erzbischof Johann Pommer.
die vcidjc mit einem Teppich bedeckt und aus eine Hoverbank gelegt.
Im unteren Stockwerk waren alle Schränke auf- gebrochen, am Srcuscr fand man zwei Motorboote, deren Herkunft noch unbekannt ist.
Der Bischof wurde im Jahre 1876 geboren. Er wat dreimal Abgeordneter im lettischen Parlament und ci war besonders bekannt als scharfer Gegner der Marxisten, gegen die er verschiedentlich in großen Reden auftrat.
Venesch und Novak haben zugegeben, daß die Visa und die Einreisevermerke in ihren Pässen gefälscht sind. Die Verhafteten behaupten,, daß ihnen die Pässe kurz vor der Grenzüberschreilung zugestellt worden sind; durch wen, haben sie nicht verraten. Sie Haden zugegeben, einer revolutionären Vereintgung anzugchören, deren nähere Beschreibung sie verweigern. Sie behaupten, Befehl erhalten zu haben, sich nach Paris zu begeben und dort eine führende Persönlichkeit ihrer Vereinigung zu treffen, von der sie einen besonderen Auftrag cnlgegennehmen sollten, jedoch hätten sie an dem angegebenen Treffpunkt vergeblich gewartet. Um sich die Zeit zu vertreiben, hätten sie die Umgebung von Paris besucht und so auch in Fontainebleau geweilt.
Hier hätten sic durch Rundfunk und Presse von dem
Marseiller Anschlag Kenntnis erhalten und sich schleunigst Fahrkarten nach Thonon besorgt in der Hoffnuna, auf demselben Weg, ans dem sie gekommen waren, zürückkehren zu können.
Aus Grund der bisherigen Feststellungen halt die Polizei die beiden Verdächtigen weiter in Haft. Ihnen wird zunächst Paßfälschung und heimliche Grcnzuber- schreitung, ferner Mitwisserschaft an dem Mord von Marseille zur Last acleat
Lm Walse versteckt.
Ein dritter Verdächtiger, in dem man einen der Haupt- beteiligten sieht, konnte sich in F o it t a i it c b l e a u der Verhaftung entziehen. Er flüchtete in einen Wald, und alles Suchen nach ihm war vergeblich.
Im weitesten Umkreis von Paris sind große Adsperr- maßuahmen aus allen Zugangsstraßcu getroffen n'vrdcn.
Alle Kraftwägen und jeder Passant werden auf das genaueste untersucht. Zahlreiche Abteilungen der Pollzer- lruppen aus der weitesten Umgebung wurden heran» gezogen. Der Wald bietet aber für einen einzelnen Menschen so viele Schlupfwinkel, daß cs sehr schtver sein wird, den Flüchtling anfzuspüren. Es ist aber anzunchmen, day er in absehbarer Zeit aus Mangel an Ernährung Pch gezwungen sieht, sich entweder zu ergeben oder einen Durchbruchsversuch zu machen.
Die Polizei bat zahlreiche Mitteilungen aus dem Publikum erhalten, nach denen man den Fluchtigen an allen möglichen Orten gesehen haben will eicic ganzen Anzeigen haben sich aber als nickn stichhaltig crivteten. Keine dieser Spuren war richtig.
„Schickt mich nicht nach Belgrad!"
Über die Perncv m u n g der am Genfer See ver- nafteten Verbrecher erfährt man noch einige interessante Einzelheiten. Der eine Verhafiete namens Nowack schrie plötzlich in höchster Aufregung: „Vchlagi mir hier den Kopf ab, aber schickt mich nicht nach Velar a d 1"
Mr die Woche des Deuffchen Juches.
Ausruf des Reichsministers Dr. Goebbels.
Der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda veröffentlicht zur kommenden „Woche des Deutschen Buches" folgenden Aufruf:
Vom 4. b is II. November findet die diesjährige „Woche des Deutschen Buches" statt. Veranstalterin ist die Reichsschrifttumskammer mit den ihr angegliederten Verbänden. Der Nationalsozialismus hat es stets als seine besondere Aufgabe angesehen, die Kulturgüter der Nation zum wirklichen Besitz des Volkes zu machen, und in den Dienst dieser großen Aufgabe stellt sich die „Woche des Deutschen Buches". Es ist Ehrenpflicht, Sorge dafür zu tragen, daß der Ruf, der an alle ergebt, nicht ungehöri verhallt.
Ich bitte daher alle amtlichen Stellen und Institutionen, alle politischen und wirtschaftlichen Organisationen und insbesondere alle Kulturverbände, an der Vorarbeit und Durchführung der „Woche des Deutschen Buches" teilzunehmen und deren Erfolg durch gemeinsames Zusammenwirken zu sichern. Wir sind als Volk arm geworden an materiellen Gütern, aber wir sind reich an unerschöpflichen Schätzen deutschen Geistes. Machen wir uns diesen Reichtum zu eigen. Bücher sind noch immer gute Kampf- und Weggenossen gewesen. Darum: Halte, fest am Deutschen Buch!
Dr. Goebbels.
Die Marseiller Polizei bat übrigens auch feststellen können, daß sich unter den Verschwörern eine hübsche jungeFrau befinde,, die zu gleicher Zeit mit Kalemen und seinen Genossen in einem Hotel wohnte und sich dort unter dem Namen Maria Proudiek eingetragen hat.
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Der Film bringt es an den Tag.
Das Versagen des Marseiller Sicherheitsdienstes.
Der verbrecherische Anschlag aus den südslawischen König und den Außenminister Barthou hat, wie bereits berichtet, g e f i l in t werden können. Dieser Film, der den amtlichen Stellen sehr wertvolle Aufklärungen über die Art des Ordnungsdienstes und die einzelnen Phasen des Verbrechens geben wird, ist jetzt in vielen Exemplaren fertiggefieüt und sollte in allen Pariser Lichtspieltheatern vorgeführt werden. Im letzten Augenblick hat die Polizei die öffentliche Vorführung des Films aber verboten. Nur ein einziges Pariser Lichtspielhaus kam den Anweisungen der Polizei nicht nach und zeigte den Film trotz des Verbotes. Augenzeugen berichten, daß aus diesem Dokument deutlich hervorgehe, wie mangelhaft der Sicherheitsdienst organisiert gewesen sei.
„Paris Soir" schreibt, man könne nicht von einer Kette von Polizeibeamten sprechen, die die Bevölkerung zurück- hielt, sondern man sehe nur hier u n ^ ö a einen Beamte n, der alle Mühe habe, die Straße freizu- machen. Außerdem stelle man an Hand dieses Filmes mit Erstaunen fest, daß der Wagen, in dem sich der König und der französische Außenminister befanden, von nur zwei höheren Offizieren zu Pferde begleitet war und außerdem sehr dicht an der Zuschauermenge vorbeisubr.
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film von der Marseiller Bluttat in London, ausgeführt.
Scotland Yard zeigt großes Interesse.
Tausende von Londonern sahen einen F i l m , der an Schrecken alles in den Schatten stellt, was je bisher hier gezeigt worden ist: Die letzten Augenblicke it’ Königs Alexander und B a r t h o u s toww der Sturm der wahnsinnigen Menschenmenge auf den Mörder zogen am Auge vorbei. Es ist kein Wunder, daß die fraitzo- sischen Behörden alles getan haben, um zu verhindern, daß dieser Film über die Grenze gelangt und auch die für New York bestimmten Filmstreifen in Cherbourg beschlagnahmt haben. In England dagegen wird er in mindestens 1500 Lichtspieltheatern gezeigt werden, unter den Besuchern dieses Films befand sich eine g a nie .i n« zahlBeamterderGeheimpolizei» on Scor land Yard, die aufs eingehendste dic Gcuchlcr dc Marseiller Menschenmenge prüfte, um zu seheni ol mm irgendwelche bekannten internationalen Verbrecher darunter feststellen kann.
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Neye Lerhaftuvre« m grentm®
Paris, 13. Oktober. Die französische Polizei veramUltcte int ganzen O'nde Razzien nach fragwürdigen E.ementcu, die möglicherweise ihre Hand bei dem Verbrecher:,chrn l-ln- schlag in Marseille im Spiele gehabt haben können, ^o wurden am Freitag in Douai zwei Juden. Eisenstein und Silberstein, verhaftet, von denen ersterer zngibt, unter falschem Namen in Paris gewohnt zu haben, während bey andere sich als Pole ausgab. Beide sind in Hast be= halten worden.' In Chambery wurde ein aus Südslawien gebürtiger österreichisch er Staatsangehöriger, der sich angeblich de Baujeu nennen will, verhaltet. Er soll zugegeben haben, sich während des Anichmges in Air-en-Pronvence ausgehalten zu haben. Er erklärte ferner, seinen stâr ? gen Wohnsitz in Graz zu haben.