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Der Xaldenkampl der deutschen Kolonien gVKÜo flMffllliffllO TrnilÄhio < Weltkriegsausbruch. - Feinde ringsum. - Widerstand bis zum Aeutzersten. -

' Heroisches - Menschliches - Allzumenschliches. -Und ihr habt doch gefiegt'.-

Von Jakob J. Riemer - Anders

(1. Fortsetzung.)

Casus belli und die ersten Opfer.

Inzwischen waren die Würfel über Krieg oder Nichtkrieg schon für Südwest gefallen. Ein an sich geringfügiges Ereignis gewann tragische Bedeutung:

Am 23. August bemerkte eine Patrouille der 2. Schutztruppen-Kompagnie, wie von auf deutschem Gebiet ansässigen Buren eine Herde Vieh bei Kummernais, westlich Stolzenfels, über den Oranjefluß auf eng- glisches Gebiet abgetrieben wurde. Als sich die Buren ertappt sahen, schossen sie jäh­lings auf die deutschen Reiter und töteten den Unteroffizier d. L. Fryschy und den Reiter Rupprecht ihre Namen seien festgehalten, weil sie die ersten Opfer des tragischen Heldenkampfes in Deutsch-Südwest gewesen sind.

Die Mörder dingfest zu machen, gelang nicht, da sie auf englisches Gebiet entkamen und man eine Grenzverletzung peinlichst vermeiden wollte. Dieser Vorfall wurde alsbald in der Union bekannt man machte daraus kurzerhand einGefecht auf englischem Boden" dercasus belli" war gegeben. Dergestalt wurden die wah­ren Gründe Eroberung der deutschen drahtlosen Küstenstationen, der deutschen Minen, der deutschen Diamantenfelder! für die Eröffnung der Feindseligkeiten durch die Union verschleiert, die ihrerseits sofort nach Kriegsausbruch Mastenverhaf- iungen von Deutschen angeordnet und vorgenommen hatte.

Die ersten deutschen Gefallenen wurden in afrikanischem Sand zur letzten Ruh gebettet der Vorhang ging auf zu der heroischenTragödie Deutsch-Südwests"...

II.

W'Wests heroischer Widerstand und

Untergang

Der Kampf beginnt.

der Südgrenze der Kolonie Deutsch- Adwest-Afrika fielen die Würfel. Am

September wurde die deutsche Polizei- tatton Ramansdrift am Oranje von cknwnstruppen überfallen: die Feindfelig- «iten waren, wie ausdrücklich festgestellt

Bastardreiter

sei, seitens der Union eröffnet worden? Fast gleichzeitig erfolgte durch den HilfskreuzerArmadale Castle" die Be­schießung von Swakopmund, wo auf Be­fehl des Ortskommandierenden Haupt­mann Scultetus die Funkstation zerstört wurde.

Der allgemeine Angriff auf das Schutz­gebiet begann. Noch im September er­schien eine Anzahl englischer Transport­schiffe unter Begleitung eines Kreuzers vor Lüderitzbucht, besetzte die Stadt, die Signalstation und führte die Greise, Frauen und Kinder sowie die zu deren Schutz verbliebene Bürgerpolizei nach der Union in die Konzentrationslager ab kein Protest half gegen dies völkerrechts­widrige Vorgehen.

Gleichzeitig wurden feindliche Truppen bei Sandfont ein gemeldet. Hier kam es zu der ersten größeren Schlacht: die Deutschen griffen, nach gewaltigen Marsch­leistungen, am 26. September den weit überlegenen Feind an. Beteiligt waren die Abteilungen Major Bauszus, Major Ritter, Major Rappard. Ein schwer be­festigtes Lager wurde heldenmütig ge­stürmt, ohne Rücksicht auf Verluste. Und es gelang nach mehrstündigem blutigem Gefecht hißte der Feind die weiße Flagge;

Patrouille durchreitet den Omaruru

zahlreiche Gefangene wurden ins Innere des Schutzgebiets abgeführt, große Men­gen von Munition und Material fielen in die Hände der Sieger. Aber auch die Deutschen hatten schwere Verluste zu be­klagen. Unter vielen anderen starb in die­sem Gefecht auch der in vorderster Linie stürmende Major v. Rappard den Helden­tod; Hauptmann Hensel übernahm die Führung seiner Abteilung. Die Zahl der Verwundeten war groß. Der Feind, so­weit er nicht gefangen, floh; aber die Deutschen waren zu schwach, ihm über den Grenzfluß Oranje zu folgen: schon die­ser Sieg konnte, wie alle folgenden, nicht ausgenutzt werden, immer wieder mußte man dem Gegner Gelegenheit geben, mit neuen Verstärkungen wiederzukommen...

Entlang der ganzen Grenze gegen die Union entbrannten jetzt die Kämpfe, im­mer weiter mußten die schwachen deutschen Abteilungen auseinandergezogen werden. Ein Küstenschutz war nicht mehr möglich immer mehr wurde die Schutztruppe von

Lüderitzbucht abgedrängt, zog sich auf Ortschaft Aus zurück.

Die Buren.

Aufatmendes Hoffen ging durch

Reihen der deutschen Kämpfer, als sich

die

die die

Buren jenseits der Grenze rührten. Im liegenden portugiesischen Forts Naulila Oktober fand in Ukamas eine Zusammen-

tunst zwischen dem deutschen Komman­deur Oberstleutnant v. Heydebreck und dem schon genannten General Maritz statt. Burengeneral Maritz, Führer der bei Upington sich zum Vorstoß ins Schutzgebiet sammelnden feindlichen Kolonne, eröffnete dabei dem Kommandeur, daß er mit einer in Kakamas stehenden, ihm treu ergebenen Abteilung unter Gefangennahme der eng­lisch gesinnten Offiziere und Mannschaf- ten auf deutsche Seite treten und Uping­ton angreifen wolle.

Man sagte deutscherseits Unterstützung zu, man hoffte viel von dieser Rebellion im Herzen des feindlichen Lagers. Maritz erließ denn auch eine öffentliche Prokla­mation an alle Buren, forderte sie zum Kampf auf deutscher Seite gegen die eng­lischen Unterdrücker auf, nachdem ihm nochmals zugesichert worden, daß man kei­nerlei Eingriffe in die Unabhängigkeit der Buren plane.

Langsam setzten sich die Buren zum Angriff in Marsch. Führer- Eifersüchteleien irt den eigenen Rei­hen hemmten jeg­liche energische Aktion. Erst im Januar 1915 gin­gen sie vor. Kleinere Gefechte blieben siegreich. Der Sturm gegen Upington aber wurde von einem längst gerüsteten, starken Gegner ab­

geschlagen, Vurenführer loren sofort Mut, baten Gut-Wetter

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Signalstation

die ver- den um bei

dem General Botha, boten ihre Uebergabe mit allen Waffen, Munitions­beständen, Pferden und der ganzen Aus­rüstung an und spazierten, nachdem ihnen mildeste Bestrafung und vielleicht mögliche gänzliche Amnestie zugesichert

worden, munter wieder ins Lager des Feindes ab... die eigene Freiheitssachs und die Deutschen skrupellos im Stich lastend...

Mord von Naulila und seine Sühne.

Unmöglich, auch nur annähernd die Fülle der Einzelgefechte zu benennen oder gar zu schildern, in die notgedrungen der Heldenkampf der Kolonie Deutsch-Südwest- Afrika sich zersplittern mußte. Erzählt werden muß aber ein Ereignis noch aus dem Oktober 1914, weil es geradezu sym­bolhaft zeigt, mit welchen Widernisten und Scheußlichkeiten der verlorene Haufe der deutschen Schutztruppe hier zu kämpfen gehabt hat bis zum bitteren Ende.

Im Norden stieß das Schutzgebiet an die Koloniebesitzung Angola des noch neutra­len Portugal. Von dort her bestand die einzige Möglichkeit bitter notwendiger Zufuhren, vor allem des Proviants. Zur Abnahme solcher Provianttransporte aus Angola befanden sich damals im hohen Norden bei Erickfonsdrift an der portugiesi­schen Grenze der Vezirksamtmann Dr. Schultze-Jena, der Oberleutnant Loesch, der Kriegsfreiwillige Röder und zwei Reiter. Eines Tages war die kleine Schar von dem Kommandanten des in der Nähe

zum Besuch der Feste eingeladen worden. Die Deutschen folgten ahnungslos dem scheinbar äußerst gastfreundlichen Angebot und wurden, sofort nach Betreten des

Forts, auf Befehl des Kommandanten meuchlings unter Feuer genommen... Dr. Schultze-Jena, Oberleutnant Loesch, Kriegsfreiwilliger Röder und zwei be­gleitende eingeborene Polizeidiener wur­den erschossen, der eine Reiter schwer ver­wundet, der andere unverwundet gefan­gengenommen. Die im Anmarsch befind­lichen Provianttransporte wurden be­schlagnahmt.

Kaum wurde dieser feige Ueberfall und Meuchelmord bekannt, als Oberstleutnant v. Heydebreck eine Strafexpedition nach der Südgrenze von Angola in Marsch setzte. Trotz wildester Schwierigkeiten bahnte man sich seinen Weg gegen die Nordgrenze, stieß gegen das Fort Naulila vor und stürmte es mit schneidigem Elan schon im ersten Anlauf, obschon der Gegner

auch hier in gewaltiger Ueberzahl war. Ein Teil von ihm wurde gefangengenom­men; der größere Teil ging unter Zurück- lassung von über 150 Toten und vielen Verwundeten sowie zahlreichen Kriegs­materials und Proviants in wilder Flucht zurück. Vom Fort wehte die deutsche Flagge...

Aber es war nicht beabsichtigt, es zu halten; die Strafexpedition hatte ihren Erfolg gezeitigt also ging man zurück zur Vereinigung mit den südwärts immer schwerer ringenden und immer gewaltige­rem Ansturm in letztem Heldenmut wider­stehenden Brüdern. Auf diesem Rückmarsch erlebte man ungeheuren Jubel der Ein­geborenen!

Zur Zeit des Mordes in Naulila waren portugiesische Patrouillen tief in das deutsche Amboland vorgedrungen und hat­ten vergeblich versucht, die dort siedelnden Ovambostämme gegen die Deutschen auf­zuwiegeln. Groß war jetzt unter den dor­tigen Schwarzen die Freude;

Deutsche Massas Sieg! Deutsche Massas 'urra!"

Die Häuptlinge drängten sich heran an die Deutschen, dankten ihnen für den ver­nichtenden Schlag, den die verhaßten Por­tugiesen erhalten, versprachen unwandel­bare Treue...

Der Tod des Kommandeurs.

Während die Strafexpedition sich noch gegen Naulila bewegte, wurde die immer heftiger bedrängte Schutztruppe von einem neuen Schicksalsschlag betroffen:

Um die Mitte des November wurde in Kalfontein in Gegenwart des Oberstkom­mandierenden ein Versuchsschießen mit neu eingeführten Gewehrgranaten abge­halten. Die ersten sechs Probeschüsse ver­liefen gut. Beim siebenten Schuß dagegen explodierte auf nie geklärte Weise die Granate dicht über der Gewehrmündung: von der Bedienungsmannschaft war ein Reiter sofort tot, drei Unteroffiziere wur­den schwer, ein Reiter leicht verletzt und Oberstleutnant v. Heydebreck, der etwas abseits stand, erhielt einen Spreng­schuß in den Unterleib...Er wurde sofort operiert, lebte noch drei Tage unter furcht­baren Qualen, dann endete das Leben dieses erprobten Führers, der in dieser ernstesten Zeit das unbedingte Vertrauen der Truppe und der Kolonie genoß.

Heydebrecks Nachfolger im Kommando wurde Major Franke. Er führte den

Heldenkampf des Deutsch-Südwest bitteren Schluß.

verlorenen Haufens von zu Ende bis zum (Fortsetzung folgt.)

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