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Zul-aer Anzeiger

iS-, *%» S5 S Tagebla« Mr Rhön unö Vogelsberg öftfÄft WK Zulöa- unö Haunetal »Zulöaer Krersbla« ^Friedrich Ehrenklau, Lauterbach,H. Haupt- 7 V

schiijtleiter: Friedr. Ehrenklau, Fulda, Königstr. 42. Redaktion und Geschäftsstelle: Königstraße 42 4- Iernsprech^nschluß Nr. 29 S4

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Nr, 18V 7^,1934

Fulda, Freitag, 10. August

11. Jahrgang

Umfangreiche Amnestie.

Strasirsiheitsgesetz

der Michsregierung.

Stichtag der 2. A u g u st d. J.

AuS Anlaß der Bereinigung des Amtes des Reichs­präsidenten mit deut des Reichskanzlers und des damit vollzogenen Überganges der bisherigen Befugnisse des Reichspräsidenten aus den Führer und Reichskanzler Adolf Hitler, hat die Reichsregierung ein Strassreiheits- oesctz beschlossen. Es enthält eine allgemeine Amnestie und eine Amnestie für bestimmte Gruppen politischer Verfeh- iungni.

Durch die allgemeines m n e st i e werden ohne Rücksicht auf die Art der Straftat alle Freiheitsstrafen bis zu sechs Monaten und Geldstrafen bis zu 1 0 0 0 Mark erlassen, wenn der Verurteilte bei der Begehung der Tat unbestraft oder nur unerheblich vor­bestraft war. Freiheitsstrafen bis zu drei Monaten und Geldstrafen bis zu 500 Mark werden a u ch Vorbe­straften erlassen. Unter denselben Voraussetzungen, unter denen der Straferlaß eintritt, werden auch an­hängige Verfahren niedergeschlagen, wenn die Tat vor dem 2. August 1934 begangen ist, dem Tage des Ablebens des Reichspräsidenten von Hindenburg und des Überganges seiner Befugnisse auf den Führer.

Die politischen Straftaten, für die Straffreiheit in Gestalt von Straferlaß und Niederschlagung gewährt wird, sind

Beleidungen des Führers und Reichskanzlers; solche durch Wort oder Schrift begangene Verfehlungen gegen das Wohl oder das Ansehen des Reiches, die nicht aus Volks- oder staatsfeindlicher Gesinnung ent­sprungen sind; Straftaten, zu denen sich der Täter durch Übereifer int Kampfe für den national­

Zeichen der Besserung.

Rückgang der Arbeitslosigkeit im Juni.

54 000 Erwerbslose weniger trotz Röt­st andsarbeiter-E nilass u n g e n.

Am 31. Juli 1934 wurden nach dem Bericht der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosen­versicherung bei den Arbeitsämtern im Reich 2 426 000 Arbeitslose gezählt, und zwar 1 993 000 Männer und 433 000 Frauen. Damit ist die Arbeitsloscnzahl gegenüber dem Vormonat erneut um rund 54 000 zurückgegangcn.

Da fast 7 0 0 0 0 Notstandsarbeiter zur Ent- lassung gekommen sind, weil eine weitere Einschränkung oder vorübergehende Einstellung der Rotstandsarbeiten zur Sicherung des Kräftebedarfs für die Ernte- embringung geboten erschien, ist die Abnahme in dieser Größenordnung besonders bedeutsam.

Die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit in Groß­städten und Industriebezirken hat weitere er- steuliche Erfolge gezeitigt. So ist die Arbettslosenziffer 'n Berlin wiederum um rund 30 000 zurückgegangen. Die übrigen Bezirke zeigen nur geringe Abnahme, einzelne wgar eine geringe Zunahme der Arbeitslosigkeit, die im Wesentlichen wohl auf die Entlassungen ans beendeten Rotstandsarbeiten zurückzuführen ist.

.Bon den U n t e r st ü tz n n g s e i n r i ch t u n g e n tst msbesvndere die öffentliche Fürsorge werter entlastet. Nach einem Rückgang um 35 000 im Juli wur- °en am Atz Juli 1934 rund 762 000 anerkannte Wohl- Etsenverbslose in der öffentlichen Fürsorge gezählt. <>oi, der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und /beltslosenversicherung wurden demgegenüber rund ooo Unterstützungsempfänger am gleichen Stichtag eeireiit. Die Zahl der Notstandsarbeiter betrug Ende üNIi rund 318 000.

Günstigere Ernieschahung.

Stand der Ernte zu Anfang August.

hn,r5« »Weite, zu Anfang August d. J. durchgesübrte Ernte- n 'ftn,D für Getreide, die in diesem Jahre vielfach bereits für "n"^broben beruhte, bat im gesamten ReichsdurchschnlN ms , Getreidearien etwas höhere Mcngcnerträgc erbracht, der ersten Borschätzmm zu Anfang Jul, angenommen beimL ^? der Besserung sind namentlich West und Sud

ub beteiligt. Bei Weizen und Gerste haben sich die WWn vielfach auch in Norddeutschland erhöbt.

m Mitteilung deS Statistischen Reichsamts ergeben fub « der Meldungen der amtlichen Berichterstatter zu » anq August 1934 im Reichsdurchschuitt folgende Hektar- Roggen !<;,:! Doppelzentner saegen 16,2 Doppel der JulischSbungl, Weizen 18,6 Doppelzenter (18,0), (2i 1? Doppelzenter H2,1), Wintergerste 21.6 Doppelzentner ®Wellen tnèrar.) 17,9 Doppelzentner (17,1), Hafer 16,1

. Die Ernte an Frühkartoffeln

wugeu Trockenheit vèrhältniSNiäßia gering auS- bo t Reichsdurchschnitt ergibt sich ein Hektarettrag der so.!. Doppelzentner gegen 120,3 Doppelzentner im Mittel fortof<^b" Vorjahre. Der gesamte Ertrag au Früh 2St 'tour: beziszerl sich aus 1,87 Millionen Tonnen gegen -wllionen Tonnen im Durchschnitt der letzten zelm Jahre.

sozialistischen Gedanken hat hinreißen lassen, sonstige Beleidigungen und Körperverletzungen im politischen Meinungsstreit.

Auch hier ist als Stichtag für die Niederschlagung bestimmt, daß die Tat vor dem 2. August 1934 begangen sein muß.

Ausgenommen von der Amnestierung politischer Verfehlungen sind Hoch­verrat, Landesverrat und Verrat militärischer Geheim­nisse, alle Verbrechen gegen das Leben, Sprengstofsver- brechen, wenn ein Mâsch getötet oder verletzt worden ist, und schließlich alle Handlungen, bei denen die Art der Ausführung oder die Beweggründe eine gemeine Ge­sinnung des Täters erkennen lassen.

Eine A u s f ü hrnngsan Weisung des Reichs­ministers der Justiz, die Vorschriften für die Straf­anstalten, die Strafvollstreckungs- und Strafversolgungs- behörden enthält, wird in der Deutschen Justiz veröffent­licht.

Im Zusammenhang mit der Verkündung des Gesetzes über die Gewährung von Straffreiheit vom 7. August 1934 hat der Führer und Reichskanzler durch Erlaß an die Landesregierungen verfügt, daß auch sämtliche Fälle von

Schuhhast einer beschleunigten Nachprüfung unter- zvgcn

werden und die Entlassung aus der Schutzhaft er­folgen soll, wenn der Anlaß für die Verhängung gering­fügig war, oder wenn nach der Dauer der Haft und der Wesensart des Häftlings erwartet werden kann, daß dieser sich dem nationalsozialistischen Staat und seinen Organen gegenüber künftig nicht mehr feindselig Ver­halten wird. Dabei hat der Führer und Reichskanzler ausdrücklich betont, daß auch diejenigen Fälle, in denen die Schutzhast èm Zusammenhang mit der Aktion vom 3 0. Juni verhängt worden ist, wohlwollend nachgeprüft werden sollen.

Auch der erste Heuschnitt

hat nach den Schätzungen zu Anfang August mengenmäßig geringe Erträge (im Reichsdurchschnitt 21,3 Doppelzentner je Nektar gegen 42,6 Doppelzentner im Mittel der letzten Jahre) erbracht. Insgesamt wird der Ertrag der ersten Wiesenheu- ernte auf 11,69 Millionen Tonnen ,gegen 23,37 Millionen Tonnen im langjährigen Mittel) geschätzt.

Für Spätkartosfcln,

die den .ömuptbestandteil der Kartoffelernte ausmachen sowie für die spätere Futtermittelernte haben sich die Ernteaussichten nach dem Eintritt ausgiebiger Niederschläge überall erheb­lich gebessert.

Ungarn ehrt die deutschen Helden.

Anläßlich seines Besuchs in Berlin legte der königlich- üngarische Oberbefehlshaber der Armee, von Karpathy, der den Beisetzungsfeierlichkeiten im Tannenberg-Denkmal beu gewohnt hatte, einen Kranz am Ehrenmahl Unter den Linden nieder. Nachher erwies ihm eine Ehrenkompanie die militärischen Ehren. Unser Bild zeigt Exzellenz von Karpathy im Gespräch mit dem Berliner Stadtkommandan­ten Generalmajor Sckzaumburg nach bem Vorbeimarsch der Ehrenkompanie.

Lohn und Brot für die Dauer.

Im Schatten der politischen Ereignisse, die sich im Juli abspielten und die eine gewisse seelische Depression entstehen ließen, hätte man, vielleicht nicht ganz ohne Be­rechtigung, erwarten können, daß auch die Wirtschaft ein wenig unter dieser Depression leiden würde. So etwas übersetzt sich dann sofort in ein gewisses Stocken der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland, die seit Früh­lingsbeginn eine gleichmäßige Entwicklung nach oben ge­nommen hatte. Man hatte infolge der politischen Er­eignisse in der letzten Zeit also so etwas wie eine Brems­wirkung befürchtet, aber diese Befürchtung Hal sich er­freulicherweise als unberechtigt herausgestellt, denn die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeits­losenversicherung konnte für den Juli feststellen, daß auch in diesem Monat die Arbeitslosigkeit weiter gesunken ist: Die Zahl der Arbeitslosen ist nämlich um 5 4 0 0 0 zurückgegangen. Wem das in dem verständlichen Bestreben, im Kampfe gegen die Arbeitslosigkeit rascher vorwärtszukommen, als eine zu geringe Zahl erscheinen mag, dem tritt die weitere Mitteilung der Reichsanstalt entgegen, daß fast 7 0 0 0 0 Notstandsarbeiter zur Entlassung gekommen sind, denn die weitere Einschränkung oder eine vorübergehende Ein­stellung von Notstandsarbeitern erschien zur Sicherung des Kräftebedarfs für die Ernteeinbringung als geboten. Man muß also, um ein klares Bild über die Entwicklung der Arbeitslosigkeit zu haben, diese 70 000 Entlassenen noch zu den 54 000 Renbeschäfngten hinzuzählen, woraus sich ergibt, daß im Juli rund 124 0 01) Arbeiter dem Schicksal der Arbeitslosigkeit ent­zogen worden sind. Erwähnt mag dabei auch werden, daß es in Deutschland jetzt weniger als zwei Millionen arbeitslose Männer gibt; die Arbeitslosenziffer ist nun, soweit sie von der Reichsanstalt festgestellt werden kann, auf 2 426 000 Köpfe gesunken.

Wenn auch der Fortgang der Erntearbeiten in der Landwirtschaft Neueinstellung von Arbeitskräften ver­langte, so ist auch im Juli wieder ein großer Teil der bis­herigen Arbeitslosen von der Industrie infolge von Mehrbeschäftigung ausgenommen worden. Und das ist das besonders Erfreuliche an dieser ganzen Entwicklung! Die Notstandsarbeiten sind, wie der Name schon sagt, eben ein Notbehelf, und das wirtschaftliche Ziel im Kampfe gegen die Arbeitslosigkeit besteht doch darin, durch eine fortgesetzte Belebung der Wirtschaft die brachliegen­den Arbeitskräfte aus natürlichem Wege wieder in den Arbeitsprozeß hineinzubringen, ihnen also Lohn und Brot für die D a u e r und nicht bloß für eine gewisse Not­zeit zu verschaffen. Die Besserung in der Wirtschaft dehnt sich aber jetzt immer mehr auch auf jene Industriezweige aus, die nicht unmittelbar an den Bestellungen aus bem Arbeitsbeschaffungsprogramm beteiligt sind.

Leider hat sich daneben aber eine Erscheinung gezeigt, die sich schon seit Monaten in verschiedenen Industrien recht fühlbar zum Ausdruck brachte: ein gewisser Man­gel an qualifizierten Facharbeitern. Ge rade in der eisen- und stahlverarbeitenden Industriemacht sich schon seit längerer Zeit ein solcher Mangel bemerkbar, und die Reichsanstalt weist atich ausdrücklich auf diese Erscheinung hin, die leider nur ein Ausfluß der großen langjährigen Arbeitslosigkeit ist. Daß gerade in bei Textilindustrie trotz gewisser Schwierigkeiten, die hier von der Robstofffrage attsgeben und zu Arbeitszeit­umstellungen zwangen, der Stand der Gesamtbelegschaften durchweg gehalten werden konnte und das gleiche z. B. auch von der Lederindustrie gilt, soll hier ausdrücklich ver­

zeichnet werden.

Etwas anders liegen die Dinge beim Ban- tz e w e r b e. Hier kam es zu Arbeitcrentlassungen, nament­lich weil die mit Reichsmitteln geförderten^ Jnstand- setzungsarbeiten in Fortfall kamen und die private Bau­tätigkeit nachgab. Aber auch dieser Teil unserer Wirtschaft unterliegt in seiner Entwickinng immer saisonmäßigen Einflüssen, und wenn es hier zu Stockungen tam, so genügt ein Blick in eine noch gar nicht so lange zurückliegende Vergangenheit, um ganz den Fortschritt zu erkennen, der seitdem gemacht worden ist: In den ersten Monaten des Jahres 1933 nämlich dürfte die Zahl der beschäftigungs­losen Bauarbeiter mindestens 800 000 betragen haben, und von ihnen sind seitdem mehr als zwei Drittel mieber zu

Lohn und Brot gekommen.

Besonders erfreulich aber wirft die Mitteilung bei Reichsanstalt, daß in der freien Wirtschaft die anhaltend gute Beschäftigung sich auch auf den Beruf der «» ge­stellten sehr günstig aüsgewirkt hat Arbeitslose kauf- nlännische, technische und Büroangestellte haben, auch m Juli wieder in recht großem Umfange in den Industrie und Handelsbetrieben Aufnahme gefunden und dadurck eine augenfällige Besserung ihrer so > m len age enährem Aber alles würde noch schneller geben, und i-.' wurde zu einem noch spürbareren Aufstieg kommen, wenn nicht immer und immer wieder die Schwierigkeiten, die uns in ber Rohstofffrage vom Ausland her bereitet werden, unseren Aufstiea behinderten!

An alte Anbauer von Heil- und Gewürzpflanzen!

Um eine möglichst weitgehende Unabhängigkeit Deutsch lands in der Versorgung mit Rohmaterial von Heil und Gewürzpflanzen, soweit sie unter unseren Boden- Verhältnissen und klimatischen Bedingungen gedeihen. sicherzn- stellep. ergebt hiermit die Aufforderung, daß sich alle Züchter und @igenan bauer solcher Pflanzen umgehend bis spätestens 20. August d. J. bei der ReiÄshauptabteilung 11 C 1 des Reichsnährstandes, Berlin SW 11, Dessauer Straße 14, melden. Dabei ist auzugeben, welche Ari und Sorte züchterisch bearbeitet wird und zu welchen Preisen Sämereien und Steck linge ber bearbeiteten Arten und Sorten abgegeben werden.