Fuldaer Anzeiger
«rirtteint jeden Werktag. Wochenbeilage: Der Sonntag“. Bezugspreis: monatlich 1,70 ÄM.
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Tagebla« für Rhön und Vogelsberg
(Tageblatt für Rhön und Vogelsberg KiÄ ^"䔫^ m: 7 v Textteil (90 mm breit) 12 Pf. Bei Wiederholung
Zulöa- und Haunetal *§ulöaer Krersblaü
v auf Nachlaß. — „DA." 1900. — Verantwort!, für den
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Nr. 177 — 1934
Fulda, Mittwoch, 1. August
11. Jahrgang
Der Todesschutz auf Dollfuß
Zwei Todesurteile im Wiener Anfnlhrproze-.
Hinrichtung durch den Strang.
Die beiden Haupèangeklagten im Prozeß wegen der Ermordung des Bundeskanzlers Dr. Dollfuß, Otto Planetta und Franz Holz weder, sind vom mchcwrdentlichen Militärgerichèshvs in Wien zum Tode verurteilt worden. Die Aburteilung der übrigen Tcil- nehmer des Aufstandes erfolgt erst in der nächsten Zeit. Das Urteil des Militärgerichts steht zunächst in keinem Zusammenhang mit der Klärung der Ursprünge und Zusammenhänge des Aufstandes. Es handelte sich um die ausschließliche Aburteilung der beiden Personen, die als die unmittelbaren Attentäter auf den Bundeskanzler Doll- fuß vom Gericht erklärt worden sind.
Das Urteil des Standgerichts mußte nach dem geltenden StandrechLsversahrèn drei Stunden nach der Urteilsverkündung vollzogen werden. Die Verkündung des Urteils erfolgte um 13.45 Uhr. das Todesurteil mußte daher bis 16.45 Uhr vollzogen sein, da keine Begnadigung erfolgte. Beide wurden durch den Strang hingerichtet. Zunächst Holzweber und dann Planetta.
In der Begründung Les Urteils gegen Planetta und Holzweber heißt es u. a.: Der den beiden Angeklagten zur Last gelegte Tatbestand des Verbrechens des Hochverrats sei einwandfrei erwiesen. Die Angeklagten feien Mitglieder der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei und seien geständig, an der Aktion auf das Bundeskanzleramt teilgenommen zu haben. Die beiden Angeklagten hätten als Rädelsführer mitgewirkt. Was das dem Planetta zur Last gelegte Verbrechen des Mordes anlangt, so sei er selbst geständig, aus den Bundeskanzler geschossen zu haben. Die Zeugenaussagen hätten auch ergeben, daß Planetta auf den Bundeskanzler zweimal geschossen habe. Der Gerichtshof habe die Tötunasabsicht . als erwiesn angenommen.
Dramatische Nachisitzung.
Am ersten Vcrhandlungstag vor dem Militärgerichtshos hatte man nach der Anklagerede des Staatsanwaltes zunächst den Mörder des Bundeskanzlers Dollfuß, den 34jährigen Otto Planetta, vernommen.
Auf die Frage des Vorsitzenden, warum Planetta in das Bundeskanzleramt eingebrungen sei, erwiderte der Angeklagte: „Aus Befehl." Er gab jedoch nicht an, auf wessen Bcfrhl.
Der Angeklagte erklärte sodann, daß er dem Bundesheer ! bis zu seiner Entlassung wegen verbotener Betätigung für die Nationalsozialistische Partei bis zum Jahre 1932 angehört habe. . Zuletzt fei er Stabswachtmeister gewesen. Planetta gab nun eine Darstellung feiner Anordnungen am 25. Juli, die zum Überfall auf das Bundeskanzleramt führten, und schilderte dann eingehend, wie er die Schüsse aus den Bundeskanzler abgegeben habe. Als er den Kanzler niedersinken sah, sei er sofort aus dem Zimmer gelaufen, um Verbands- watte zu holen Am Schluß seiner Vernehmung erklärte ! Planetta, es tue ihm sehr leid, daß er den Bundeskanzler ( erschossen habe.
Das GoldalenshrenWort Feys.
■ Der Prozeß hatte dann bei der Vernehmung des An- heklagten H o l z w e b e r, des 29jährigen Anführers des ' Überfalls auf das Bundeskanzleramt, eine aufsehenerregende I Wendung genommen.
, ES kam zunächst das A b k o m m c n zwischen den Putschisten und den eingeschlossenen RcgierungSmitgliedern auf treten Abzug zur Sprache. Der Verhandlungsleuer fragte den
l Angeklagten Holzweber: Hat bei der Übergabeverhand- 'UNg Minister Fev schon von der schweren Verletzung Bundeskanzlers gewußt?
' Angeklagter: Der Minister hat davon gewußt und auch den Bundeskanzler in seinem Blut liegen sehen.
i Auch Minister Ne u st ä d t e r - S i ü r in e r hat durch Fev 1 Uh der schweren Verletzung des Kanzlers Kenntnis erhalten. I -Minister Fey Hai auch an das Heeresministerium telephoniert, ' WB der Kanzler im Sterben Oege. Minister Fev hat cr- ; daß diese Sache gütlich bei gelegt werden solle; ! sei auch der Wunsch des Kanzlers.
1 Münster Fey habe auch sein Soldatenehrenwort für die Einhaltung des freien Abzuges, an den keine Bedingung geknüpft war, gegeben.
! Minister Fev erklärte bei seiner darauffolgenden Ver- j UMung, daß die Eingabe des Angeklagten Holzweber richtig ui; er habe das freie Seiest unter Soldaten ehren wort
' ^»gesichert, wenn die Putschisten die Waffen streckten. Zu dieser j habe er von dem Tode des Bundeskanzlers bereits gewußt. , m Minister Fey schilderte dann, nne später der Minister u e u st ä d t c r - S t ü r in e r vor dem Gebäude des Bundes- mnzleramts erschienen sei und im Namen der Regierung ein ‘1M m a t it m an die Aufständischen gestellt habe, daß daS S zu räumen und die Gefangenen sreizulassen feien, i wrigenfalls gestürmt würde; andernfalls würde freier ( k u g gewährt. Auf verschiedene Fragen des Vorsitzenden »"'- daß trotz dieser neuen Situation die Vereinbarung 6cu Aufständischen auch dann noch nicht zurückgezogen
( S”öen fei, als bekannt wurde, daß der Bundeskanzler tot ar. Er, Feh, habe sich auch für die Einhaltung des Ab
«mmens eingesetzt, als der damalige deutsche Gesandte ijcrbcigeriifcn wurde. Ein Verteidiger fragte bar
, Fey:
; H"bcn Sic nicht Ihr Wort gegeben, das? die Aufrührer freigelassen werden?
?<>!»-« gab darauf im Hinblick auf seine ersten Aussagen "? sweichende Erklärung ab: Bezüglich dieser
Sâ»/ , arung habe er „weder sein Wort noch fein iroK«„ i"1’011“ gegeben, weil er keine Vereinbarung habe ffl. K», nnen. Diese Vereinbarung wurde zwischen Minister
I * enuadter-Sturmer und den AukNündischen aetroffen. JA cb
habe lediglich als Dolmetscher fungiert." Richtig ist nur, daß der Angeklagte bzw. andere Aufrührer mich gefragt haben, ob sie sicher sein könnten, daß die Vereinbarungen eingehalten werden, worauf ich erklärte: „Ich glaube, daß Sie sicher sein können."
„Hier ist ja ein Mord geschehen.^
Darauf wurde Minister Neustädter-Stürmer vernommen. Dieser gab zuerst eine Darstellung des mit den Ausrührern zustandegekommenen Abkommens und sagte weiter:
Als der Hergang des Todes des Kanzlers bekannt wurde, hat der mittlerweile vor dem Bundeskanzleramt erschienene Bundesminister Schuschnigg gesagt: „Da ergibt fick ja eine ganz neue Situation. Hier ist ja ein Mord geschehen. Infolgedessen wird die Regierung vorläufig bis zur Klarstellung des Falles die gesamten Aufständischen in Gewahrsam nehmen."
@ta Verteidiger: Unbekümmert um das Schicksal des Bundeskanzlers war die Zusicherung des freien Geleites gegeben, wenn von da au nichts geschieht; das steht ein - w a n d f r e i s e ft.
Vundesminister Neustädter-Stürmer: „Ich möchte darauf hinweisen, daß ich mein So!daten-Eh reu wort gegeben habe. Ein Soldatenwort gibt man Soldaten. Ich überlasse es dem Gericht, zu beurteilen, ob sich Soldaten so benommen hätten, daß sie ärztliche Hilfe imb geistlichen Beistand einen Totverwundeten verweigern."
um Verzeihung. — Holzweber sagte: Ich bin an dem Mord unschuldig. Es war der ausdrückliche Auftrag gegeben worden, es dürfe kein Blut fließen.
Wir glaubten, daß Dr. Rintelen sich im Bundes- ranzleramt befinden werde, als wir eindrangen; fi» wenigstens war uns am Tage vorher gesagt worden. Ich kann nur noch das eine sagen, ich habe aus glühender Vaterlandsliebe gehandelt.
*
Taufchitz wieder Gesandter in Berlin.
Bundesamtlich wird mitgeteilt: Bundeskanzler Doktor Schuschnigg hat den Staatssekretär für Auswärtige Angelegenheiten, Ingenieur T a u s ch i tz , empfangen und teilte ihm mit, es erscheine ihm mit Rücksicht auf die allgemeine Situation wünschenswert, daß Staatssekretär Tauschitz wieder die Führung der Gesandtschaft Berlin übernehme. Staatssekretär Tauschitz erklärte, er werde sich dem neuen Bundeskanzler ebenso loyal zur Verfügung stellen wie dem verewigten Bundeskanzler Dr. Dollfuß. Der Staatssekretär Tauschitz wird schon nach Übergabe des Amtes an den neuernannten Außenminister Berger-Waldenegg in den nächsten Tagen nach Berlin zurückkehren und die Geschäfte der Gesandt- schaft wieder übernehmen.
Am zweiten Verhandlungstage vor dem Militärgericht hatte die Vernehmung der militärischen Sachverständigen ergeben, daß man von den im Bundeskanzleramt aufgefundenen 70 Pistolen der Aufständischen nur zwei Waffen a l s a b g e s ch o s f e n betrachten konnte, darunter die Waffe des P l a n e t 1 a. Von einem
anderen Sachverständigen wurde sodann Ursache des Bundeskanzlers mitgeteilt, nach durch zwei Schüsse getroffen denen der erste unbedingt tödlich Der Sachverständige erklärte, daß auch
die Todes- Dollfuß ist daworden, von wirken mußte, bei sofortiger
Sestâtigmg für Papen
in Kürze zu erwarten.
In gutunterrichteten Kreisen Wiens wird jetzt bekannt, daß die Erteilung des Agrements an Herrn von Papen âm Mittwoch oder Donnerstag dieser Woche erfolgen soll. Entgegen anderslautenden Gerüchten einer gewissen Auslandspreise soll die österreichische Regierung keineswegs die Absicht haben, die Erteilung des Agrements an Bedingungen politischen Charakters zu knüpfen. ,
Die bereits' beschlossene Entsendung des Gesandten
Pflege des Bundeskanzlers nur sein Leben verlängert, nicht jedoch hätte gerettet werden können. Der Sachverständige zeigte dann dem Gericht das tödliche Geschoß, das eine neunfach wirkende Energie gehabt habe, und aus Grund der Pulverwirkung aus einer Entfernung von 15 bis 20 Zentimeter abgeschossen worden sein müsse. Die Beweisaufnahme wurde dann geschlossen. Nach einer Pause wurden dann die Plädoyers der Staatsanwaltschaft und der Verteidiger gehalten.
Die letzten Worte der Angeklagten.
Hierauf sprachen die beiden Angeklagten einige Schlußworte. P l a n e t t a sagte: Ich bin kein Mörder, ich wollte Dr. Dollfuß nickt töten. ick bitte Frau Dollfust
Tauschitz nach Berlin jvird jetzt in allen diplomatischen deutliches Zeichen für die Absicht
Kreisen Wiens dl^' der Regierung vewe ._ .
zu einer Aufnahme normaler B e . und zu der Wiederherstellung einer entspannten Atmosphäre mit Deutschland zu gelangen. Jedoch soll die österreichische Regierung beabsichtigen, über einige Fragen eine Klärung von deutscher Seite herbeizuführen, wobei man jedoch den Standpunkt vertritt, daß es sich hierbei led ig lich um formale Fragen handele, die bereits in der Zwischenzeit ihre Klärung gesunden haben.
.jetzt fo schnell wie möglich wieder
ungen
Man glaubt daher, daß der neue deutsche Gesandte, Herr von Papen, unmittelbar nach der Erteilung des Agrements seinen Posten in Wien antreten wird.
Das Befinden des Reichspräsidenten
Der Vater des Vaterlandes, der hochverehrte Herr Reichspräsident und Generalfeldmar- schall von Hindenburg, ist ernstlich erkrankt. Voller Anteilnahme und Besorgnis weilen Lie Gedanken aller deutschen Männer und Frauen in diesen politisch wieder ernsten Tagen in Neudeck, seit gestern vormittag von dort die
Kunde von dem Stande der Erkrankung kam. Die heiße Liebe, in der Las ganze deutsche Volk in allen seinen Schuhten an unserem ehrwürdigen Reichspräsidenten hängt, läßt uns alle von Lem herzlichen Wunsche beseelt sein, es möchte den Aerzten und der Natur des Generalfeldmarschalls trotz des hohen Alters gelingen, diese Krise zu überstehen.
Gerade sind es zwanzig Jahre her. seit der unselige Krieg entflammte, der in seinen Folgen ganz Europa, ja
die ganze Welt auf das schwerste erschüttern sollte. Und wenn wir an den schweren Schicksalsweg unseres Vaterlandes denken, so muffen wir gerade in diesen Erinnerungstagen in Ehrfurcht vor dem Bkanne stehen, der Deutschland auf diesem Wege führend und schirmend als sein getreuer Ekkard begleitet hat: Hindenburg! Vom Allmächtigen wurde sein nimmermüdes Schaffen gesegnet. In hohem Alter noch durfte er einer lichten Zukunft für Volk und Vaterland die Bahn brechen helfen. Was könnte uns da
heute tiefer bewegen als der innige Wunsch, Latz unser verehrter Reichspräsident wieder genesen und noch
Jahr glückhaften deutschen Wiederaufstiegs im Reiche miterleben dürfe!
*
Neudeck, 31. Juli (17.15
Jm Zustand des Herrn Verschlechterung eingetreten, geringe Nahrungsaufnahme, fricdcnstcllcnd.
Für die
manches Dritten
Uhr).
Reichspräsidenten ist keine Zu Mittag erfolgte eine Kein Fieber. Puls zu-
behandelnden Ärzte
(gez.) Professor Sauerbruch.
Neu d e ck , 1. August, 8.30 Uhr vorm.
Trotz ruhiger Nacht nimmtdieSchwächezu. Der Herr Reichspräsident ist bei klarem Bewußtsein und fieberfrei. Puls schwächer.
Für die behandelnden Aerzte:
(gez.) Prof. Sauerbruch.
*
Der Reichskanzler nach Neudeck abgeflogen.
Berlin, 1. August. (Funkmeldung.) Reichskanzler Adolf Hitler hat sich heute vormittag 10.15 Uhr im Flugzeug nach Neudeck begebe«.
*
Erratische Anteilnahme an der Erkrankung des Reichspräsidenten.
Die Nachricht von dem ernsten Befinden des Reichspräsidenten von Hindenburg erregt in der gesamten eng" tischen Öffentlichkeit die g r ö ß t e A n t e i l n a h m e. Alle Blätter veröffentlichen auf der vordersten Seite Bilder des in ganz England hock geachteten und verehrten Mai- schalls und drücken angesichts des Hoden Alters des Reichspräsidenten Besorgnis aus.