Zul-aer Anzeiger
;» *i» » G Tagebla« für Rhön und Vogelsberg Bei Lieferungsbehinderung durch „Höhere Ge- * «W sä » Sulöa- und Haunetal -Zul-aer Kreisbla«
- druck: Friedrich Ehrenklau, Lauterbach/H. Haupt- ~ “
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Nr. 170 — 1934
Fulda, Dienstag, 24. Juli
11. Jahrgang
Das Ende des Verbrecherkömgs.
Lohn Dillinger erschollen.
Vor einem Theater in Chikago.
Amerikas „Sèaatsfeind erster Ordnung", der berüchtigte Bandit John Dillinger, wurde nunmehr endlich nach monatelanger Jagd gestellt und erschossen. Dillinger, der sich in einem kleineren Kino in Nord-Chika go gerade einen Vcrbrechcrfilm angesehen hatte, sah sich beim Verlassen des Lichtspieltheaters plötzlich den Revolvern von 15 Bnndespolizisten gegenüber, die sofort auf ihn schossen und ihn mit ihren Kugeln buchstäblich durchlöcherten. Eine in der Nähe befindliche Frau wurde durch einen Fehlschuß schwer verletzt.
Dillingers Leiche mutz durch die Menge der auf ihn abgefeuerten Geschosse stark entstellt sein; denn die Polizei verweigerte auch Pressevertretern jeden Blick auf den toten Verbrecher.
Die Bundespolizei hatte auf die Mitteilung hin, daß Dillinger in das Lichtspieltheater gegangen sei, alle Ausgänge des Theaters mit Kriminalbeamten besetzt. In der Nachbarschaft des Theaters wurde dieses Treiben verdächtig gefunden und man verständigte die Stadtpolizei davon, daß offenbar ein Überfall auf das Theater geplant sei. Das Mitzverständnis wurde jedoch bald aufgeklärt.
Widerliche Szenen durch Andsnkenjäger.
An der Stelle, wo der Bandit John Dillinger erschossen worden ist, sammelten sich innerhalb von wenigen Minuten Tausende von Neugierigen an.
Da der tote Verbrecher sehr schnell abtransportiert worden war und nienumb an die Leiche herangclasscn wurde, tauchten die Vordersten in der Menschenmenge ihre Zeitungen in die Blutlache; andere wischten das Blut mit ihren Taschentüchern auf.
Ähnliche widerliche Szenen wiederholten sich in der Leichenhalle, wo Audenkenjager und Neugierige mit der Polizei um ihre Zulassung rcgelr-cchte Kämpfe üitè^rten. Die Polizei gestattete jedoch niemandem den Eintritt.
Das Justizamt in Washington drückte seine Genugtuung über das entschlossene Handeln seiner Beamten aus. Die Erschießung des Verbrechers bildet die Sensation des ganzen Landes; denn es gab während der letzten Monate kaum einen Staat, wo dieser rücksichtsloseste aller amerikanischen Banditen nicht angeblich gesehen worden war. Unter Tausenden von falschen Fährten hatte die Bundespolizei jedoch kürzlich eine richtige gesunden, und die Kriminalbeamten waren darüber unter« richtet, daß Dillinger den betreffenden Verbrecherfilm ansehen wolle. So stand dieser bereits unter schärfster Kontrolle, als er seine Eintrittskarte kaufte. Beim Heraustreten aus dem Theater hat Dillinger nach den Angaben einiger Augenzeugen Verdacht geschöpft und eine
Bewegung nach seinem Revolver
gemacht. Bevor er diesen jedoch zu ziehen vermochte, war er bereits durch die Schüsse der Kriminalbeamten niedergestreckt. Seine rasche Erschießung war die Folge eines Kongreßakies des letzten Winters, der den Kriminalbeamten das Recht gab, Schußwaffen zu tragen.
Dillinger hatte versucht, sein Aussehen möglichst Zuveräudern, so hatte er sich die Haare färben lassen und seine Gesichtsnarben und seine Nase operativ berändern lassen. Auch die Hautlinien an den
Kownos GeiVaitherrschast in Memel.
Tie Entlassungen und Strafversetzungen von Beamten und Angestellten.
Über die Entlassungen, Dienstenthebungen und Strafversetzungen von m c in e l l ä n d i s ch e n Beamten und Angestellten während der Amtszeit des Gouverneurs Dr. Navakas wird von lttauisch-memcl- ländischer Seite Material herausgegeben, das erschreckende Zahlen und Tatsachen enthalt. Dainil ist erneut erwiesen, wie groß die V e r a n t w o r - 111 n g ist, die die Signatar m äch i e zu tragen haben, wenn sie nicht bald ihrer Pflicht gemäß cingrcifen und dein litauischen Treiben ein Ende bereiten. Von oen 400 Memelländern, die in titanischen Diensten, und zwar bei der Eisenbahn, bei der Post und im Zolldicnst tätig waren sind 175 fristlos ohne jede Entschädigung entlassen worden; 135 von ihnen wurden nach Groß-Litauen strafversetzt und sind dort
schwersten Schikanierungen ausgesetzt.
To sinh Fälle bekannt, daß Schalterbeamtc Aborte reinigen mußten, woraus ihnen bei Beschwerden er« wärt wurde, daß sie erst einmal die litauische Sprache lernen sollten, bevor sic Ansprüche aus Ausübung ihres regulären Dienstes erheben. Von den etwa 800 Beamten der autonomen Organe sind bis jetzt 160 entlassen bzw. gekündigt worden.
Ferner ist eine weitere Liste m i t E n t - lassungen von Lehrern und Staatsbeamten bereits do r bereitet (etwa 60 an der Zahl), ebenso eine Liste für die Entlassung von über 50 städtischen Beamten und Angestellten. Außerdem ist auf Grund von Äußerungen des Landesprüsidenten Reizgys Pressevertretern gegenüber mit zahlreichen weiteren Entlassungen zu rechnen.
Fingerspitzen hatte er sich durch Säuren entfernen lassen.
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Endlich hat den gefürchtetsten Unterweltler Amerikas, zu dessen Verfolgung Polizei und Wehrmacht mehrerer Staaten aufgeboten waren, sein verdientes Schicksal ereilt. Kaum je hat ein Schwerverbrecher so viel von sich reden gemacht wie dieser verwegene Bankräuber und Mörder, dem es trotz mehrfacher Verhaftungen doch immer wieder glückte, sich dem rächenden Arm der Justiz zu entziehen. Monate hindurch hat Dillinger mit seiner Bande die Staaten Illinois, Viscounsin, Pennsylvania, Indiana und Ohio geradezu tyrannisiert. Vor etwa 30 Jahren wurde John Dillinger als Sohn eines Kantinenpächters und Farmers in einer kleinen Ortschaft im Staate Indiana geboren. Der Vater ließ ihn die höhere Schule besuchen, aber schon von früh aus war der Junge ein Müßiggänger und Taugenichts. Nachdem er, kaum 19 Jahre alt, geheiratet hatte, kam Dillinger nach Chikago, wo er sich sofort
dem Kreis um Al Capone als „Lehrling" anschloß. Sein erstes Verbrechen war ein Naubüberfall, den er mit rücksichtsloser Gemeinheit aus ein Geschäft ausübte. Trotz seiner Jugend wurde er zu einer Zuchthausstrafe von 10 bis 21 Jahren verurteilt. Kurz nach seiner Einlieferung machte er einen Ausbruchsvers u ch , der aber mißglückte. Unver- ständlicherweise wurde der Verbrecher zu Beginn des vorigen Jahres begnadigt, nachdem Dillingers Freunde dem Staatsgouverneur eine Bittschrift überreichten, die — erstaunlich, aber wahr — die Unterschrift des von dem Banditen überfallenen Geschäftsinhabers trug. Dillinger kehrte zunächst in seinen Heimatort zurück, tauchte aber bald wieder in C h i k a a o auf.
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Die drei Saupilomplicen Dillingers werden jetzt von den Sehörden gesucht.
Auf die Nachricht von dem Ende des Bandenführers Dillinger hin atmete ganz Amerika erleichtert auf. Die Blätter widmen der kurzen, aber sensationellen Laufbahn des 32jährigen Verbrechers ganze Seiten. Tic Behörden begannen sofort die Suche nach den dreiHaupt- k o m P l i c e n Dillingers.
Bei der mehrere Monate dauernden Suche nach Dillinger wurden 1 6 Polizeibeamte getötet. Die Beute des Verbrechers bei den verschiedenen Banküberfällen wird auf etwa eine Viertel Million Dollar geschätzt. In der Taschenuhr Dillingers fand die Bundespolizei ein Bild von Evelyn Frechette, die neben mehreren anderen Personen wegen Beherbergung Dillingers verurteilt worden mar.
Der Vater Dillingers, ein geachteter Farmer in Moorcsvillc int Staate Indiana, erfuhr den Tod seines Sohnes durch Radio.
Er fuhr sofort nach Chikago, um die Leiche abzu- holcn. Über die Quelle der Information, daß Dillinger in Chikago weilte und ein Kino besuchen würde, lehnen die Behörden jede Auskunft ab. Angesichts der Schwäche Dillingers für Frauen wird aber vermutet, daß eine Frau die Polizei unterrichtet hat. Für die Ergreifung Dillingers mar eine Belo h n u n g von 15 000 Dollar ausgesetzt.
Kurze politische Nachrichten.
Die Große Strafkammer des Berliner Landgerichts fällte im Hirtsiejer - P r ozeß folgendes Urteil: Das Verfahren gegen den angeklagten Geschäftsführer Dr. Heinrich Gerlich und den früheren Ministerialdirektor Hermann Peters im Falle der Verleihung des dritten Ehrendoktortitels an Minister a. D. Hirtstefer wird aus Grund der politischen Amnestie eingestellt. Im übrigen werden sämtliche Angeklagte, also Staatsminister a. D. Dr. Heinrich Hirtsieser, Staatssekretär a. D. Prof. Dr. Adolf Scheidt, Ministerialdirektor i. e. R. Alexander Schneider und Ministerialdirektor a. D. Geheimrat Tillich freigesprochen. • *
Die Regierungskommission hat daS „Saarbrücker Abendblatt" auf zehn Tage verboten. Die Begründung ist die gleiche wie bei dem Verbot der 25 übrigen Zeitungen.
Die Regierungskommission des Saargebiets bat den Zeitungen eine A uflage n a ch r i ch l zugehen lassen, die die Blätter in der ersten Nummer nach ihrem Wieder- erscheinen zu veröffentlichen verpflichtet sind. Die Auflage- nachricht enthält eine völlig einseitige Schilderung der Vorgänge bei der H a u s s n ck u n g in der Geschäftsstelle der Deutschen Front zu Saarbrücken am 19. Juli.
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Die französische Regierung bat dem Völkerbundssekretariat Mitteilung von dem Beitritt Brasiliens zum Briand - Kellogg - K r i e g s ä ch t u n a s - Pakt gemacht.
„paradedlner" vor 20 Zahlen.
Am 23. Juli 1914, also vor nunmehr 20 Jahren, überreichte der österreichische Botschafter in Belgrad, Varon von Giesl, der serbischen Regierung die ultr- matibe Forderung, bei der Untersuchung des Attentats von S e r a j e w o , die auch von Belgrad aus ins Auge gefaßt war, österreichisch-ungarische Kommistare Mitarbeiten zu lassen; außerdem waren noch ermge andere Forderungen gestellt, die sich gegen bestimmte, schon seit Jahren an der großserbischen Propaganda in Bosnien hervorragend beteiligte Personen serbischer Nationalität richteten. Die Wiener Regierung hatte nur mit voller Absicht die Überreichung des Ultimatums so lange hm- ausgezögert, bis der damalige französische Ministerpräsident P o i n c a r é seinen Besuch beim Zaren Nikolaus beendet hatte und wieder aus der Fahrt nach Westen war. , „ „
Dieser Besuch Poincarès beim Zaren, alzo ein Zusammentreffen des französischen Staatspräsidenten und des absoluten Beherrschers Rußlands, ist für die Vorgeschichte des Krieges von allergrößter Bedeutung gewesen. Vier Wochen schon lag die Mordtat von ^era- jewo zurück, und es war ohne weiteres anzunehmen, daß sie von schwerwiegendsten Folgen für das Verhältnis zwischen Österreich und Serbien sein mußte. Poincarè selbst hat in seinen vielbändigen Erinnerungen auch über seinen Besuch in Kronstadt beim Zaren geschrieben, — aber man wird kaum annehmen können, daß er. dessen Wahl zum Staatspräsidenten sogar von einem Clemenceau mit den Worten gekennzeichnet wurde: „P c i n c a r é, das i st der Krieg!", sich allzusehr und objektiv an die Wahrheit hält. Sein damaliger Botschafter in Petersburg, Palèologue, aber war sehr viel offenherziger. Er erzählt — und das ist von allergrößter Bedeutung! —, daß Poincarè, obwohl er doch eigentlich nur zu Besuch bei einem befreundeten Staatsoberhaupt war, sich politisch sehr aktiv betätigte und eine Unterredung mit dem österreichischen Botschafter in Petersburg, vor allem aber mit dem serbischen Gesandten gehabt hat. Einzig und allein mit diesem Vertreter der kleineren Mächte! Der Eindruck, den das alles auf den österreichischen Botschafter machte, geht aus dem Bericht hervor, den er sofort an das Wiener Auswärtige Amt telegraphiert; das Verhalten Poincarès sei „t a k i l o s u n d drohend", außerdem wirke der französische Staatspräsident keineswegs beruhigend aus die Lage. Daß einzig und allein Poincarè mit dem serbischen Gesandten sprach, blieb natürlich nicht unbekannt und ließ sogleich die naheliegende Vermutung auskommen, daß Frankreich die Partei des kleinen Königreiches an der Donau nehme. Schließlich aber bat Poincarè selbst einmal geschrieben, er habe während seines Petersburger Aufenthalts alles dafür getan, einen festen Block Nußland-Frankreich-Eng- land zu schaffen, um den Serben den Nacken zu steifen!
Wie die Stimmung in den russischen Regierungskreisen unter dem Eindruck dieser Haltung des franzon« schen Staatspräsidenten überhaupt gewesen ist, geht vor allem aber aus der berühmt gewordenen Darstellung bey Botschafters Palèologue in seinen Erinnerungen selbst hervor Zwei Tage nach Eintreffen des Präsidenten batte nämlich Großfürst Nikolai N i k o l a j e w i t s cy zu einem feierlichen Paradediner in Krasnoe Selo, dem bekannten russischen Truppenübungsplatz unweit Petersburgs, die französischen Gäste eingcladcn. Der Großfürst — das wußte alle Welt — war der wildeste Kriegshetzer, war aber außerdem auch als Oberbefehlshaber sämtlicher russischen Streitkräfte im Falle eines Krieges mit Deutzch- land vorgesehen. Und schon zwei Jabre zuvor hatte er als Gast bei den französischen Hcrbstmanövern in der Weinlaune vor den jubelnden Offizieren einen Trmk- svruch ausgebracht, der mit den Worten schloß: „Aus Wiedersehen in Berlin, Messieurs!
An dem Paradediner in Krasnoe Selo nahmen aber auch die mit russischen Großfürsten verheirateten beiden Töchter des Königs Nikiia von Montenegro teil. Auf ibn beriefen sie sich, so schildert es der Botschafter Palèologue, wenn die Großfürstin Anastasia z. B die Gemahlin des Großfürsten Nikolai selbst, an der cca-el laut erklärte: „Der Krieg wird vor Schluß des Monats Juli a u s b r e ch e n . . . Von t ster- reich wird nichts mehr übrigbleiben". Und dann, zu ben französischen Gästen gewandt: „Sie , werden nch Ellaß und Lothringen zurücknehmcn . . . unsere Armeen werden sich in Berlin vereinigen . . . Deutschland wird uernmstcl werden!" Die so sprach war die Gemahlt» des Gast-
O^^Das alles ist nun etwa nicht, eine „deutsche Erfindung", sondern so schildert es,der franzonsche Botschaf er selbst. Die Gemahlin des mächtigsten Mannes in Run- land war durchaus „im Bilde!" Unvorsichtig genug war sie freilick mit ihren Äußerungen. Und noch unvorsichtiger ist es eigentlich von dem Botschafter Palèologue — allerdings erst 15 Jahre später — alles so offen und ausführlich geschildert zu haben!
Einige Stunden, nachdem Pomcarè am 23. Juli abends aus dem Panzerschiss „France" aus Kronstadt abgefahren war, wurde das österreichische Ultimatum in Belgrad überreicht. Sofort hat der französische Staatspräsident Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, um den Konflikt zwischen Wien und Belgrad zum Gegenstand einer internationalen „Prüfung" zu machen. Kaiser Wilhelm II. befand sich noch auf der Nord- landreise, kehrte aber bald nach Deutschland zurück, und ein eigenartiges Schicksal hat es gewollt, daß das französische Panzerschiff mit dem Staatspräsidenten an Bord in Sichtweite an dem Kaiserschifs vorbeifubr! Daß die serbische Antwortnote an Österreich nun nicht« anderes