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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zulöa- und Haunetal »Zulöaer Kreisblatt

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Nr. 169 1934

Fulda, Montag, 23. Juli

11. Jahrgang

Das Hochfest des deutschen Sports.

Oie Deutschen Kampsspiele haben begonnen.

MrnSerg im Festschmuck.

Run ist es so weit, die Deutschen Kampf­spiele haben begonnen, R ü r n b e r g , die Feststadt, hat ihr herrlichstes Kleid angelegt, ein Wald von Fahnen grüßt die Teilnehmer und Zuschauer, die dem Straßen­bild das Gesicht geben. Auf dem Bahnhof herrscht ein Gewimmel von Ankommenden, eine riesige Turnerfahne webt ihnen cntaeacn. Die Turner waren ja die ersten,

Auftakt in Nürnberg.

Mit der feierlichen Übergabe der Banner in die Obhut der Stadt begannen in Nürnberg die Feierlichkeiten zur Eröffnung der Deutschen Kampsspiele. Oberbürger­meister Liebel-Nürnberg bet seiner Ansprache.

die ihr Fest feierten, weit über zehntausend sind zum Bayerischen Landesturnfest nach Nürnberg gekommen und durchzogen die Stadt. Die T u r n e r f a r b e n Rot- Weiß wehen denn auch zusammen mit den Fahnen des neuen Deutschland überall von den Häusern; die öffent­lichen Gebäude sind damit geschmückt, Straßenbahnen und Omnibusse tragen Wimpel zum Zeichen daß sie Anteil nehmen cm der Freude, die eine ganze Stadt empfindet über so viel Besuch, über so viel Begeisterung, mit der aus allen Teilen Deutschlands der Zustrom nach der Stadt der Meistersinger eingesetzt hat.

Wenn die Dunkelheit empricht, wird

das Wahrzeichen der alten Noris, die Burg, von Tiefstrahlern in glanzendes Licht getaucht und mit ihr die vielen anderen Sehenswürdigkeiten, über die Nürnberg verfügt.

Die vielen Fremden, die im Augenblick in Nürnberg weilen, darunter besonders zahlreiche Eng­länder, sind ganz erstaunt, was sichin den Straßen tut". So etwas sind sie aus ihrer Heimat nicht gewohnt, la kennt man solche Begeisterung höchstens beim End- ibitl um den Füßballpökal oder bei dem berühmten Ruderkampf Orford-Cambridge.

Auf der Wiese vor dem Haupteingang im Stadion Md g r o b e V i e r z e l t e aufgebaut, es braucht in Rürn bcrg keiner hungern und dursten. Es wird keinen Teil- aehmer, keinen Besucher der Deutschen Kampfspiele geben, de? sich nicht als schönste Erinnerung daran

das amtliche Festabzeichen

erwirbt. Aus echtem B e r n st e i n , dem ostpreußischen Gold, wird es die Sammlung aller derer bereichern, bic schon öfter an großen Festen teilgenommen haben In jedermanns Hand gehört natürlich das amtliche F c st b u ch , das außer der Festfolge in reicher Bebilde- nmg auch allerhand sonst noch Lesenswertes enthält. Der Nürnberger Stadtrat hat außerdem amtliche Festvost- k arte n herausgebracht, von denen die eine eine farbige Gesamtansicht des Nürnberger Stadions, die zweite ein Bild der Nürnburger Burg und die dritte das amtliche Festplakat in farbiger Ausführung bringt.

An alles ist gedacht,

nach menschlichem Ermessen wird es an nichts fehlen, wenn der auch mit St. Petrus abgeschlossene Pakt, wie man hoffen muß, eingehalten wird Da neben noch so viel Freude aber auch gelegentlich das Leid sich entstellt, wird beim Bayerischen Landeskurusest und bei den Kampf­spielen natürlich ein

umfangreicher Ärzte und Snuitäksdieust

tätig sein. Alle dafür in Frage kommenden Organi satiouen haben sich bereitwilligst zur Verfügung gestellt. Allein 2 5 S p o r t ä r z > e halten sich wäbrent» der Kamps spieltage bereit, zahlreiche Sanitäter werden, falls nötig, die erste Hilfe leisten. Über 300 buben sich gemeldet, dar unter linier Führung von Standartenführer Dr. Wegener 130 Mann vom SA. San>täts-Leh rstn rm und ebensoviel

von der Nürnberger Sanitätskolonne. Wer also nach Nürnberg gekommen ist, braucht sich in dieser Hinsicht keinerlei Sorge machen, er kann das unbedingte Gefühl der Sicherheit haben.

Aber wer hat denn überhaupt Sorge angesichts dieser

wunderbaren Stimmung und Freude, die schon vor Beginn des eigentlichen Festes herrschte und die beim Festzug der 11 000 bayerischen Turner am Sonntag ihren ersten Höhepunkt fand, um sich dann in der Begeisterung fortzusetzen, die die Entscheidungsspiele im Handball und Fußball um den Deutschen Kampfspiel­pokal, die großen Kämpfe der Leichtathleten, der Schwimmer, der Schwerathleten, die gerade in Nürnberg eine starke Anhängerschaft besitzen, der Reiter und all der vielen anderen Sportler, die Kegler nicht zu vergessen, bringen?

Ein Kampfspielzug nach dem anderen rollte in den Nürnberger Hauptbahnhof ein. Zehn­tausende mischen sich unter die durch ihre Gastfreundschaft bekannte Bevölkerung der fränkischen. Hauptstadt; Dialekte aus allen Gauen des deutschen Vaterlandes hört man, aber auf jedermanns Gesicht liest man die Freude, dabei sein zu können bei diesem ersten großen deutschen Sportfest im Dritten Reich, das den Ausgang bilden soll für eine gewaltige A uswä rtsentwicklung der Leibesübungen in unserem Vaterlande.

*

Oer erste (Sieger Von FmMerg.

Beginn der Deutschen Kampfspiele 1934.

Den Auftakt zu den Deutschen Kampfspielen 1934 in Nürnberg bildete die Gntfebeibung der deutschen und Kampf- spielmeisterschaft im Einer-Straßcnfahrcn über 244,2 Kilometer.' Die schwere Prüfung endete nach einer Fahr- zcit von 7:50 : 50 mit dem Spurtficge des Münchners Sebastian Sti ndl, der sich somit als Erster in die Sieger- liste der Deutschen Kampfspiele 1934 in Nürnberg eintragen konnte.

Reichssportsübrcr v. Tschammer und Osten, der zusammen mit Dr. Jensch und dem Landesbeaustragtcn Schneider das Rennen in seiner entscheidenden Phase vom Wagen aus verfolgt hatte, beglückwünschte Krückl, der in den letzten Wochen schon die Großen Straßenpreise von Sachsen in Chemnitz und von Schlesien in Breslau gewann, zu seinem stolzen Erfolge.

Ergebnis: 1. Sebastian Krückl-München 7 :50:50; 2. Fuhrmann-Breslau 1 Lg.; 3. Kranzer-Nürnberg; 4. Hupseld- Dortmund; 5. Balzer-Berlin, 6 Dreißig-Berlin (alle dichtauf); 7. Schetter-Bielefeld 7:52:10; 8. Reumann-Dortmund 7 : 54 : i0; 9. Stoff-Berlin 7 :59 : 50; 10. Henry-Köln 8 : 02 : 40;

11. Fischer-Düsseldorf (dichtauf); 12. Lutter-Berlin 8:03:10;

13. Huth-Berlin 8 : 03 : 45; 14. Gruber-München 8 : 06 : 00; 15. Swennen-Donmund 8:11:07; 16. Gut-Frankfurt a. M.; 17. Löber-Frankfurt a. M.; 18. O. Figay-Dortmund (alle dicht­auf); 19. Höhmann-Düsseldorf 8 :13 : 30; 20, Schmid München 8 :19 : 50.

Hermannia-Frankfurt Florettmeister.

Die erste Entscheidung bei den Fechtwettbewerben der IV. Teutschen Kampfspiele fiel im Florettmannschaftsfechten.

MWmiii im Zeichen der 2000 Kilometer.

Start der Wagen in Baden-Baden.

Das größte motorsportliche Ereignis der Welt nahm in Baden-Baden seinen Anfang: Die 2000-Kilo- m e t c r - F a h r t durch Deutschlands Gaue. Nirgendwo in der ganzen Welt sind schon jemals so viel Fahrer freiwillig in eine so schwere Zerreißprobe ge­gangen, die von Fahrer und Material das letzte ver­langen. Im Morgengrauen des Sonnabend um 3 Uhr gab der Führer des deutschen Kraftsahrsports, Ober­gruppenführer Hühnlein, in Baden-Baden das Start­zeichen und der erste Wagen mit Polizcigeneral Daluege am Steuer entbrauste in den grauenden Morgen.

Als erste wurden

die Wagen der Wertungsgruppe VI (bis 1000 ccm), von betten 64 Kilometerstunden Durchschnittsgeschwindig­keit verlangt wird, in Zivei Minuten Abständen gestartet. Es sind nicht weniger als 200 Fahrzeuge, bie in dieser Klasse den Kampf aufnahmen. Es war Polizeigeneral Daluege, der nach bett letzten Worten des Ober­gruppenführers Hühnlein bett Gang einschaltete und mit einem Sieg Heil auf ben Führer davonbranste. Um 4.40 Uhr waren alle Wagen dieser Klasse gestartet und nach einer Panse von 20 Minuten donnerten dann bie Motoren der

Wagen der Gruppe II, bie 84 Kilometerstunden zu fahren haben, am Stark. Hier war cs Prinz 31t Scbaumburg-Lippe und Merz auf Mercedes-Benz, bie als erste starteten.

Besondere Aufmerksamkeit erregten wieder dieRiesen"

der 2000 Kilometer, die Wagen der Werkungsgrnppe I über 4000 ecm. bie 88 üUmneterfhtnbcn zu fahren hoben. Ist dieser Klasse starken auch die bekannten Mercedes fahrer Henne, Bernet, Geyer und Kappier. Nacheinander wurden dann

Hermannia-Frankfurt, der dreifache Titelträger des Vorjahres, hatte den entscheidenden Kamps gegen den alten Gegner, T V. - O f s e n b a ch, auszutragen. Nach einem er­bitterten Gefecht siegte Hermannia auf Grund der besseren Mannschaftsleistung mit 9:7 Punkten und einer Trefferzahl von 60 : 64. ~

Ergebnis: Hermannia-Frankfurt gegen TSV. 1867« Leipzig 16 : 0 ( 26 : 80' erhaltene Treffer); TL.-Offenbach gegen Hamburger FSV. 12 :4 (40 :68); Tbd.-Heilbronn gegen Leipzig 12 :4 (52 :72); Hermannia gegen Hamburg 10 : 6 (50 : 68); Offenbach gegen Leipzig 14:2 (32:76); Hermannia gegen Heilbronn 14:2 (37 : 75); Leipzig gegen Hamburg 11 :o: Hermannia gegen Offenbach 9 :7 (60 :64).

*

Dr. Buhtz überraschend besiegt

Die Kampfspicl-Meistcrschaften der Ruderer.

Im Mainzer Floßhafen wurde am Vortage der Deutschen Kampfspielmeisterschaftcn die Jubiläums- Ruderregatta ausgefahren. Eine große Überraschung brachte dabei der Einerkampf im Rheinpokal, bei dem der Henley-Sieger Dr. Buhtz (Berliner Ruder-Klub) mit zwei Längen von dem Züricher Rusli geschlagen wurde.

Bei 1000 Meter hatte Dr. Buhtz die Führung mit zwei Längen erobert vor Schäfer-Dresden und Rusli-Zürich. Bei den 1500 Meter war der Stand noch der gleiche. Dann setzte aber der Züricher zu einem kraftvollen Spurt an und überholte Schäfer. Bei 18 0 0 Meter lag Buhtz immer noch mit zwei Längen in Front. Mit einem fabelhaften Endspurt kam der Züricher dann aber auf und holte Schlag um Schlag Dr. Buhtz ein. Aus den letzten 50 Meter gelang es dem Züricher, ebenfalls noch zwei Längen heraüszuholen. Dr. Buhtz hatte überhaupt keine Kraft mehr, den Endspurt zu erwidern. Sein altes Herenschußleiden aus Henley machte sich bei diesem Kampf wieder unangenehm bemerkbar.

Teutscher Einermeister: Schäfer-Dresden.

Daß Dr. Buhtz im Augenblick unter seiner in Henley gezeigten Form rudert, bewies der am nächsten Tage' aus« getragene Kampf um die Einer m:e isterschaft im Rah­men der Deutschen Rudermeisterschaften. Nach gutem Start hatte der Berliner Alemanne Pirsch einen knappen Vor­sprung vor Dr. Buhtz und dem Dresdener Schäfer. Bei der 500-Meter-Marke führte Pirsch bereits klar. Buhtz legte letzt einen prächtigen Zwischenspurt ein nnd lag bei etwa 800 Meter auch anderthalb Längen vor Schäfer, Pirsch und von Opel (Rüsselsheim). Anscheinend hatte der Henlevsieger sich aber doch ein wenig übernommen, denn nach weiteren 100 Meter gab er aus. Für Schäfer war damit die Bahn frei. In prachtvollem Stil zog er davon und im Ziel trennten ihn über sieben Längen von dem Zweiten. Pirsch, und von Opel, der als Dritter mit einer weiteren Länge zurück folgte.

Bei den weiteren Kämpfen um die Deutschen Rudermeister­schaften hatte im Vierer o. St. der SV. Godesberg nach dem Start die Spitze, doch bald löste sie darin der Würz­burger R V. ab. Mit zwei Längen siegten die Würzburger sicher vor Godesberg. Dritter wurde Sturmvogel-Lpiudlers- feld. Den Vierer m. St. sicherte sich Sturmvogel- Berlin gegen Etuf-Essen und Friesen-Berlin. Der Riemen- zweier wurde eine Beute der Henley-Sieger Braun- Möller. Der Doppelzweier wurde von Roßmann- Möllert Frankfurt a. d. Oder vor Schmitt-Baverwaltes (RK. Bamberg) gewonnen. Im Achter blieb nach hartem Kampf Hellas - Berlin ganz knapp vor dem Würzburger RV. und dem Berliner RC. siegreich.

die 650 Personenwagen

gestartet. Um 7.30 Uhr kamen dir Wagen der Wertungs­gruppe IV (2000 bis 3000 cem) an die Reihe. In dieser Klaffe (84 Kilometerstunden) starten besonders viele Fabrikmannschaften und

verschiedene Wagen des Rcichshccres.

Als letzte verließen ab 9 Ubr die Wagen der Gruppe III den Startplatz. Unter den 41 Fahr­zeugen fehlen leider die zwei italienischen Bianckr- Wagen, die wegen Maschincndefektcs nicht antraten, wäh­rend der italienische Hauptmann Lufrani in der Gruppe n die Fahrt ausgenommen hat. Der letzte Wagen verließ Baden-Baden um 9.25 Uhr

4046 Motorräder starten.

Hochbetrieb in Leipzig.

Während in Baden-Baden die Funktionäre fieberhaft an der Abnahme der Wagen arbeiteten, dauerte cs auch in Leipzig stundenlang, bis bic gemeldeten Krafträder ge­prüft und zitgelaffen oder abgelehnt waren. Als bie Arbeit beendet war, ergab sich, daß von 1128 gemeldeten Fahr­zeugen 1 0 4 6 zugelassen werden konnten.

Göring beglückwünscht Udet.

Reichsluftfahrtminister Göring bat an ben Sport- flieger Ernst Ilbet folgendes Telegramm gesandt:Ich bin glücklich, daß der schwere Flugzeugunfall, ben Sie er­litten haben, einen solch günstigen Ausgang genommen bat. Sie haben auch hier wieder Ihren alten Flieger­schneid und Ihr großes fliegerisches Können bewiesen. Das Vaterland und bic deutsche Luftfahrt können Ihre bewährte Kraft nicht entbehren, und ich danke der Vor­sehung, daß Sie uns erhalten geblieben sind. In treuer Stamerabfcbaft."