Stadt und Land
WesterausUdiien für morgen-.
Zunächst noch wechselhaftes ui$ kühleres Wetter mit Neigung zu gewittrigen Niederschlägen.
Wie wird das Weiler?
Die für das vorige Wochenende erwartete und sehnsüchtig herbeigesehnte Wetteränderung brachte nur vorübergehend eine allgemeine stärkere Bewölkung. Während im Süden und Südwesten stellenweise stärkere Niederschläge zu verzeichnen waren, blieben im übrigen Reich die Niederschlagsmengen weiterhin außerordentlich gering. Die Temperaturen stiegen in den nächsten Tagen wieder außerordentlich stark empor. Mitte der Woche wurden wieder vielfach 30 Grad Celsius überschritten. Das über Südosteuropa hinwegzichende Tiefdruckgebiet, das Südpolen die furchtbare Überschwemmungskatastrophe brachte, blieb für unsere Gegenden ohne jeglichen Einfluß. Nur die Oder erhielt vorübergehend stärkeren Zufluß. Eine am Donnerstag vorstoßende Luftdruckstörung brachte wohl vorübergehend stärkere Bewölkung und lokale Gewitter, die aber mangels Feuchtigkeit der Luft keine nennenswerten Niederschläge brachten.
Nach der allgemeinen Wetterlage muß man befürchten, daß auch die nächsten Tage trotz einer gewissen Abkühlung noch keine bedeutenden Niederschläge bringen werden Immerhin scheint sich jetzt auf dem Ozean eine st ä r k e r e Wirbeltätigkeit auszubilden, so daß die Vor- hcdingungen für eine allmähliche Umgestaltung der Groh- wctterlage vorhanden sind.
* Fulda, den 21. Juli 1934.
Sternhimmel.
Matt H. 5, 45 : „Gott läßt seine Sonne aufgehen.*
Nach Gewitter und Regen war gestern abend die Luft besonders rein. Wir saßen am Berghang, und über uns funkelten die Sterne ungewöhnlich klar und blank. Wie kleine Funken — und sie sind doch so riesengroß gegen uns und unsere Erde. Was sind wir Menschen auf der Erde: Stäubchen. Was ist die Erde im Weltraum: e i n Stäubchen. Eineinviertel Millionen Erden zusam- mengeballt wären erst so groß wie unsere Sonne. Und doch gehört auch die Sonne noch zu den kleinen Gestirnen! Der Stern Alpha im Sternbild Orion ist so groß, daß man 127 Millionen Sonnen zusammenballen müßte. Und viele, viele sind noch gewaltiger.
Und uns scheinen sie Pünktchen. Warum? Weil sie so unsagbar fern sind. Unsere Sonne ist 150 Millionen Kilometer ab von uns. Das Licht braucht von ihr zu uns etwa acht Minuten. Mit der photographischen Platte hat man ferne Sterne aufgefunden, von denen braucht das Licht zu uns vierhundert Millionen I a h r e (I a h r e !). Mit bloßem Auge sind diese fernen Welten nicht zu sehen. Das bloße Auge sieht etwa 6000, ein Taschenfernrohr zeigt etwa 75 000, ein Riesenfernrohr viele Millionen, die Photographie Milliarden. Und was dahinter noch unentdeckt wimmelt? Aber sie alle, die „Kleinen" und die „Großen", ziehen ihre vorgeschriebene Bahn, sie alle werden und vergehen nach ewigem Gesetz M Willen.
Wir fragten uns: ob wohl Jesus auch so in das Sternenfunkeln hinaufgeschaut hat? Gewiß hat er es getan. Was er wohl dabei gedacht hat? Worte von ihm über den Sternenhimmel sind uns nicht überliefert außer dem, daß er sagt: „Gott läßt seine Sonne aufgehen . . ." Aber damit ist auch das Letzte und Höchste, das Entscheidende gesagt. Er führt uns damit über die Sternenwelt und ihr rätselvoll unendliches Gewimmel zu dem einen, der dies schafft und lenkt, dem all das, auch das Fernste und von uns noch Unerkannte und Unerkennbare zusammengenommen, untertan ist: zu Gott. Und er sagt uns von diesem unbegreiflich großen Gott: Er, der die Sonne lenkt, vergißt auch das Vögelchen unter dem Himmel und die Blume auf dem Felde nicht — er sorgt auch für sie. Alle leben in seiner Macht, alle nach seinem Willen, alle in seiner Liebe: a u ch d u ! llrö er lehrt uns, zu ihm Vater sagen. „Unser Vater, der du bist im Himmel." Ja: „Vater": „Geheiligt werde dein Name!"
Da waren wir wieder stille, nun ganz still, da wir uns zu ihm gewendet hatten:
„Denn er ist unser Friede."
r P. H. P.
Nm Wochenende.
Man schliddert so langsam in die Hundstage hinein — und merkt es kaum — haven wir uns doch schon |eu Wochen "" die „Hundstagshitze" gewöhnt und, wie man zu sagen Mezt, „darauf eingestellt". Die Rezepte zur Bekämpfung N inneren und äußeren Hitze sind verschieden, wie die -Mengen selber. Der eine setzt sich ans Wasser und läßt um braun rösten, der andere blendet in seinen vier Pfählen
Mt ab unter Vermeidung jeder körperlichen oder »Ästigen Bewegung. Viele Fuldaer ziehen allem eine ge- 'WW, feuchtfröhliche Ecke vor — um die Wasserknapp- M nicht noch zu vergrößern, trinken sie Bier, seltener Wein, und sind immunisiert gegen alle widrigen äußeren Ein-
Sollte man es glauben, daß die Hitze auch auf Art Homöopathen vertrieben werden kann? Hitze wird »urch Hitze vertrieben, d. h. man heizt alle Oefen, „ dann wartet man ab, und eine ungeahnte erquickende Abkühlung «es inneren und äußeren Menschen soll die Folge sein. , e,n Fuldaer Gewährsmann, der die Sache ausprobiert hat, schwört auf diese Art der Hitzebekümpfuug. Aber dessen ungeachtet — „Bewahrt das Feuer und das Licht, auf daß kein Unglück nicht geschicht . . .“ der altfränkische Nacht- wachtersspruch ist in diesen heißen Tagen so zeitgemäß, daß man ihn prägen müßt, wenn er noch nicht da wäre. Die Waldbrände mehren sich in erschreckender Weise! Ernten aus dem Stoppelacker oder auch auf dem Halm sind gefährdet Das glimmende Fünkchen hat gerade in den letzten heißen Wochen Millionenwerte vernichtet. Am vergangenen Mittwoch qualmte es auch unheimlich aus einem Haus der Heinrichstraße. Das Bodengerümpel im Dachboden hatte anscheinend Feuer gefangen; im Nu hatte der Qualm eine neugierige Menge herbeigelockt. — Es ist nun einmal so, daß nichts mehr bewundert wird, als so ein rich- Mes Feuerchen. Eine ungeheure Spannug liegt auf allen Gesichtern: „Gehts los?" oder auch ein angenehmes Gru= Kin läuft dem Unbeteiligten über den Rücken. Nun, in diesem Falle ging es wieder einmal dank unserer prächtigen Feuerwehr nicht „los". Die Schlagfertigkeit unserer Feuerwehr ist sozusagen sprichwörtlich geworden in Fulda. ~ An Wasser fehlt es uns in Fulda auch nicht mehr; es war einige Tage knapp, aber dieser Uebelständ ist wieder behoben. Beim Wasser merkt man auch erst, wie kostbar und unersetzlich es ist — wenn man keines hat, zumal, weil» mnn in nuten Trinfmnfier apmnUnt ist. wie wir Ful
daer. Zwar gibt es immer Nörgler, denen das Wasser bei der großen Hitze nicht kalt genug sein kann. Als die Leitung ausschließlich von Gichenbach gespeist wurde, sei das Wasser besser und klarer gewesen; mag sein. Wer aber den Unterschied zwischen unserem Fuldaer Leitungswasser und einem schlechten Trinkwasser feststellen will, der muß einmal in die Industriezentren des Ruhrgebietes gehen. Dort gibt es kein frisches Quellwasser sondern ein filtriertes Ruhrwasser — also Flußwasser sozusagen chemisch gereinigt!
Immer an diesen yeißen Tagen, denen in Fulda kühle erfrischende Rächte folgen, kommt mir die dampfende Steinhölle dieser Industriestädte in den Sinn. Nachts strahlen die Steinmauern die eingezogene Tageshitze aus, dazu kommt der Dunst des Kohlenreviers. Da ist unser sonnen- durchglühtes Fulda die reinste Sommerfrische im Vergleich .
Das jahrelang kaum genannte Gerloser Häuschen ist in diesen Tagen in aller Mund gekommen. Die Fuldaer Jugend geht an den Wochentagen nach Gerlos; der Kinderzug wird mit jedem Tage größer. Ueberhaupt, wenn ein Fuldaer Junge hört, daß es u. a. auch Fuldaer Knob- linen und Bratwürste gibt — dann ist kein Halten mehr! Morgen ziehen auch die Eltern mit, im schattigen Walde wird sich ein Volksfest entwickeln, das man den „Fuldaern Wäldchestag" nach berühmten Mustern nennen könnte. Ein anderer großer Magnet wird morgen das Schlitzer Trachtenfest für viele Fuldaer sein. Die gute Nachbarschaft, die Fulda und Schlitz immer gehalten haben, kommt auch darin zum Ausdruck, daß sich zahlreiche Trachtengruppen aus dem ehemaligen Fuldaer Stiftsbezirk zur Teilnahme gemeldet haben. Nicht jeden Tag bietet sich diese Gelegenheit, die verschiedenartigsten Trachten unseres Heimatbezirkes auf solch engem Raum in dem wunderbaren, stilvollen Rahmen der Stadt Schlitz bewundern zu können. In und um Fulda ist auch allerlei „los". Die Bäder an der Fulda winken; wer das Tanzbein bei dieser Hitze schwingen will, braucht nur vor die Tore der Stadt zu gehen.
Garben stehen in goldenem Schimmer auf den Feldern. Nun gibt es kein Aufhören mehr in der Ernte bis zum Spätherbfte. Musikanten sitzen am Wegraine und stimmen ihre Instrumente. Bald werden die Fiedeln zum Erntetanz jubilieren; der Bursch schwingt sein Mädel nach den heißen Erntetagen. Aber noch ist es nicht soweit, viel Schweiß muß noch fließen!
In den Straßen der Stadt duftet die ganze Süße des Waldes aus den Häusern — Einkochzeit! Heidelbeeren, Himbeeren! Dazu kommt in diesem Jahre eine Rekordernte in Aprikosen; bei Mainz wird das Pfund im Kleinverkauf mit 6 bis 10 Pfennig gehandelt! In Fulda muß man immerhin 25 Pfennig für die billigste Sorte anlegen. Dafür sind im Herbste die berühmten Rhöner „Quätsche" billiger als sonstirgendwo. In den Kirchen wird öffentlich um Regen gebetet. Schließen wir uns diesem allgemeinen Gebet an; es hängt viel davon ab. Noch könnte ein durchdringender Regen die verdorrenden Feldfrüchte retten. A. M.
Dank an die Arbeitgeber.
In der gestrigen Ausgabe dieser Zeitung ist in dem Dank an die Arbeitgeber ein Fehler unterlaufen. Selbstverständlich ist der Dank nicht der Bürgerschaft zugedacht, sondern den Arbeitgebern, die in großmütiger Weise den Arbeitskameraden Gelegenheit gaben, an dem Appell in Weyhers teilzunehmen.
Kreisleiter Stadt-Kreis Fulda.
Wir weisen noch einmal alle Parteigenossen, Volksgenossen und Kameraden aller Gliederungen der Partei mit ihren Angehörigen auf das Sommerfest der NSDAP. des Stadtkreises Fulda hin und bemerken, daß die Omnibusse der Reichspost am Heinrich-von-Bibra-Platz von 12.30 Uhr ab fahren.
Kreisleiter Stadt-Kreis Fulda.
Hohes Alter.
Am 23. Juli begeht Frau Professor Salzmann, Adalbertstraße 52, ihren 84. Geburtstag.
Apothekendienst.
Nacht- und Sonntagsdienst ab heute abend 8 Uhr die Hofapotheke zum Schwan. Die Hirschapotheke, Leipziger Straße, wird in Bedarfsfällen geöffnet.
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Feueralarm.
Heute, Samstagmorgen, gegen 2 Uhr, wurde die hiesige Feuerwehr alarmiert. Auf einer Fläche in der Nähe des Wagenhauses bei der Kaserne waren Heu- und Strohabfälle in Brand geraten. Da der dichte Rauch und die Flammen das Wagenhaus bedrohten, alarmierte man die Feuerwehr. Ihr gelang es nach einiger Zeit, das Feuer zu löschen.
Sonntagsriickfahrkarten aus besonderem Anlaß.
Zu dem Rhön-Segelflug-Wettbewerb werden von allen Bahnhöfen der Strecken Gelnhausen—Bebra, Alsfeld— Fulda, Grebenhain-Crainfeld—Lauterbach, Alsfeld— Hersfeld, Niederjossa—Bad Salzschlirf, Oberaula—Niederaula, Fulda—Tann—Wüstensachsen und Fulda—Gersfeld am 21. und 22., 28. und 29. Juli und 4. und 5. August Sonntagsrückfahrkarten jedesmal mit tarifmäßiger Geltungsdauer nach Gersfeld (Rhön) oder Wüstensachsen ausgegeben
Jm August d. I. ist eine Sonderfahrt nach Ostpreußen in Aussicht genommen. Beginn der Fahrt am 11., Ende am 22. August. Besucht wird Marienburg, Allenstein und Königsberg. Ausflüge finden statt nach Hohenstein (Tannenberg, Nationaldenkmal), Dampferfahrt durch das masurische Seengebiet, Romintener Heide und Bad Cranz. Die Rückfahrt findet von Pillau bis Travemünde mit Dampfer statt. Der Fahrpreis für alle Fahrten einschl. Schiffsstrecke beträgt ab Fulda 62,85 RM. Für die Veranstaltungen, Führungen llebernachtungen, Mittag- und Abendessen wird ein Gutscheinheft ausgegeben, das 52,25 RM. kostet. Nähere Auskunft erteilen die Fahrkartenausgaben.
Schweincmarkt.
Auf dem heutigen Schweinemarkt waren 212 Ferkel aufgetricben. Es wurde für das Stück 8, 12 und 16 RM. bezahlt. Größere Tiere wurden über Notiz bezahlt.
Buttermarkt.
Auf dem heutigen Buttermarkt wurde für das Pfund Butter 1,10 bis 1,20 Mark bezahlt. Eier kostete das Stück 7^—8 Pf.
Gersfeld (Rhön). Der hiesige A r b e i t s d i e n st veranstaltete in der Turnhalle einen gut gelungenen stark besuchten Kamcradschaftsabend. Da das Lager viele talentvolle junge Leute besitzt, war es ihm möglich, mit reichhaltigen Darbietungen nufzuwarten. — Nachts wurde im Zigarren- und Zigarettengeschäft des Kaufmanns Rudolf
Bohn in der Peter Seifert-Straße gegenüber der Krankenkasse eingebrochen und ein großer Posten Rauchwaren gestohlen. Die unbetonten Täter sind entkommen. Zweckdienliche Mitteilungen zur Ergreifung der Einbrecher sind an die hiesige Polizei erbeten.
Gersfeld (Rhön). (Kraftpo st verkehr nach der Wasserkuppe.) Gegenwärtig verkehrt wieder ein Postkraftwagen Gersfeld—Wasserkuppe bis zum 9. August mit Anschluß an die Züge Fulda—Gersfeld. Der Fahrpreis ist für die einfache Fahrt auf 80 Pf., für Hin- und Rückfahrt auf 1,30 Mark festgesetzt. Die Reichspost rechnet auf fleißige Benutzung. Die von Gersfeld nach Fladungen täglich zweimal fahrende Kraftpost kann gleichfalls zur Fahrt nach der Wasserkuppe bis an das Wartehäuschen benutzt werden. Die erste Fahrt um 8.10 Uhr geht bei Beteiligung von 8 bis 10 Personen auch bis ins Fliegerlager.
Gerstungen (Kreis Eilenach), 20. Juli. (Zwei Züge begegneten sich.) Als in der Gegend von Gerstungen der Schnellzug München-Gladbach—Leipzig einem Personenzug begegnete, zersplitterte die Fensterscheibe eines Waggons des Expreß. Eine Frau wurde leicht verletzt. Die Untersuchung des Unfalls ergab, daß eine Tür des Personenzuges offen gestanden hatte. Die Schuldfrage ist noch nicht geklärt.
Kassel, 20. Juli. (D - -Z u g - D i e b e.) Vor einigen Tagen wurde auf der D-Zug-Strecke Bebra—Kassel einer älteren Dame von unbekannten Tätern die Handtasche gestohlen. Die Tasche hatte folgenden Inhalt: Eine Brillant- brosche in Schleifenform (älteres Stück), eine größere schwarze Brosche, oval, in der Mitte eine echte Perle, eine schwarze Brosche in Form eines kleinen Steges, eine kleine echte goldene Brosche in Schleifenform, eine eckig geschliffene Bernsteinbrosche, bestehend aus sog. brasilianischen Käfern; eine silberne Brosche aus einem Fünfmarkstück Kaiser Friedrich, eine weiße lange Perlenkette, die Perlen sind von mittlerer Größe, eine längere bunte Glashalskette und 400 Reichsmark bares Geld. Sachdienliche Angaben erbittet die Kriminalpolizei, Polizeipräsidium, Zimmer 72.
Kassel, 20. Juli. (Aus Geiz fünf Jahre im S ch w e i n e st a l l.) Auf Veranlassung der Kreiswohl- fahrtsbehörde wurde dem Karlshospital ein 77jähriger Invalide aus Niederzwehren zugeführt, der infolge Altersschwachsinn und aus Geiz seit fünf Jahren im Schweinestall genächtigt hatte und vollständig verwahrlost war. .
Alsfeld, 20. Juli. (Tödlicher Unfall.) Orts- gruvpen-Betriebszellenobmann Schierholz ist heute nacht einem Kraftwagenunfall zum Opfer gefallen. Er kam mittels Motorrad von der NSE. „Kraft durch Freude"- Veranstaltung in Kirtorf und stieß gegen Mitternacht zwischen Angenrod und Ober-Gleen mit einem Personenkraftwagen zusammen. Der Zusammenstoß war offenbar sehr heftig, Schierholz war tot. Die Schädeldecke ist zerdrückt. Die Einzelheiten des Unglücks konnten noch nicht aufgeklärt werden.
Gießen, 20. Juli. (Von feinen wildgewordenen Kühen überfahren und schwer verletzt.) Beim Futterholen mit seinem Viehgespann wurden gestern morgen dem Landwirt Karl Kappes in dem Kreisorte Lumda plötzlich die Kühe wild und gingen durch. Bei dem Bemühen, die wild dahinrasenden Tiere zu bändigen, stürzte der Mann von dem Fuhrwerk herab und wurde eine Strecke weit mitgefchleift. Dabei erlitt er schwere innere und äußere Verletzungen, die seine Ueberführung in die Chirurgische Klinik nach Gießen erforderlich markten,
Gwßen, 20. Juli. (In der Lahn tödlich verunglückt.) In der Lahn versank gestern mittag plötzlich mit einem schrillen Schreckensschrei der 24jährige unverheiratete Kaufmann Heinrich Rau aus Annerod, der in der freien Lahn oberhalb von Gießen ein Bad nahm, in der tiefen Flut. Der Verunglückte kam nicht mehr zum Vorschein und konnte erst nach mehreren Stunden von eifrig suchenden Helfern als Leiche geborgen werden. Offensichtlich ist der junge Mann einem Herzschlag erlegen.
Nieder-Olm, 20. Juli. (Hoch klingt das Lied vom braven Mann.) Ein hiesiger Wachtmeister rettete im Schwimmbad die zwölfjährige Tochter eines hiesigen Einwohners vom sicheren Tode des Ertrinkens. Das ist die fünfte mutige Tat des Mannes, bei denen er Menschenleben gerettet hat.
Friedberg, 20. Juli. (SichselbstdieStricknadel indasHerzgestoßen.) Um freiwillig aus dem Leben zu scheiden, stieß sich ein hiesiger Lehrer vor einigen Tagen eine Stricknadel ins Herz; ferner öffnete er sich gleichzeitig die Pulsadern. In schwer verletztem Zustand wurde der Mann der Chirurgischen Klinik in Gießen zugeführt, wo er am Mittwochabend verstorben ist.
Frankfurt a. M., 20. Juli. (Einspruch gegen einen Strafbefehl erhoben. — Drei Monate Eefängni s.) Daß manche Leute gut daran täten, einen Strafbefehl ohne Einspruch hinzunehmen, mußte heute ein gewisser Ernst Lindner erfahren. Der Angeklagte hatte wegen Betrugs eine Woche Gefängnis erhalten, weil er von einem Autovermieter einen Wagen unter der Bedingung gemietet hatte, für den Kilometer 10 Pfennig zu bezahlen. Angeblich sollte die Fahrt nach Bingen gehen. Als Lindner den Wagen nach dreiundeinhalb Tagen wieder ablieferte, bezahlte er den Fahrpreis für 260 km. Vermutlich wäre der Vermieter nie dahintergekommen, daß er betrogen worden war, wenn nicht Lindner in Duisburg wegen feiner Fahr- weise ein Strafmandat bekommen hätte. Die tatsächlich zurückgelegten Kilometer machten 560 aus. Der Angeklagte hatte indessen den Tachometer losgeschraubt, so daß dieser nicht mehr registrieren konnte. Der Staatsanwalt beantragte gegen Lindner, der bereits wegen Diebstahls vorbestraft ist, 5 Monate Gefängnis. Das Urteil lautete auf drei Monate Gefängnis.
Andernach, 20. Juli. (Sechs Kinder dem Ertrink en na he. — Rettung im letzten Augenblick.) Beim Baden im Rhein gerieten an zwei Stellen je drei Kinder in Gefahr, Opfer des Rheins zu werden. Auf der Insel Namedy an einer gefährlichen Stelle begaben sich trotz der Warnung älterer Badegäste drei Mädchen ins Wasser, um zu baden. Sie warfen einen aufgepumpten Autoschlauch ins Wasser und schwammen ihm nach. Eines der drei Mädchen konnte den Schlauch nur mühsam erreichen, da die Kräfte nachließen. Inzwischen waren die Mädchen bis in die Mitte des Rheins mit dem Schlauch abgetrieben worden, der jedoch die starke Belastung nickst tragen konnte. Alle drei drohten zu ertrinken, und erst im letzten Augenblick konnten die leichtsinnigen Schwimmerinnen mit einem Kahn an Land geschafft werden. — Bald nach diesem Vorfall kam es in der Nähe der ersten Badestelle zu einem neuen aufregenden Vorkommnis. Drei Knaben, die sich an ben Rheinkribben balgten, rutschten plötzlich ins tiefe Wasser ab. In ihrer Nvt hielten sich alle drei fest umklammert, und nur dem sofortigen Eingreifen verschiedener anderer Badegäste ist es zu verdanken, daß die drei Jungen vor dem sicheren Tode des Ertrinkens bewahrt wurden.