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Zulöaer Mzeiger

Erscheint jeden Werktag. Wochenbeilage:Der Sonntag". Bezugspreis: monatlich 1,70 RM. Bei Lieferungsbehinderung durchHöhere Ge­walt" bestehen keine Ansprüche. Verlag Friedrich Ehrenklau, Fulda, Königstraße 42. Rotations- hriti: Friedrich Ehrenklau, Lauterbach,H. Haupt­schriftleiter: Friedr. Ehrenklau, Fulda, Königstr. 42.

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg» Zulöa- und Haunetal-Zulöaer Kreisblatt

ReSaktron und Gefchästssielle: Königstraße 42 Zernfprech-^nsthluß Nr. 1989

Anzeigenpreis: 1 mm Höhe in der 46 mm breiten Anzeigenspalte oder deren Raum 4 Pf., im Texiteil (90 mm breit) 12 Pf. Bei Wiederholung wird Rabatt nach Tarif gewährt, bei zwangsweiser Beitreibung oder Konkurs erlischt jeder Anspruch auf Nachlaß.DA." 1000. Verantwort!, für den Anzeigenteil Ferdinand Ehrenklau, Lauterbach-H.

Nr. 167 1934

Fulda, Freitag, 20. Juli

11. Jahrgang

England baut 41 neue Lustgeschwader.

Erklärung Baldwins vor dem Unterhaus.

Im Londoner Unterhaus gab Baldwin eine Er­klärung über die Politik der britischen Regierung in der Frage der L u f t r ü st u n g e n ab. Er erklärte u. a.:

Die Politik der Regierung sei weiterhin eine Politik internationaler Abrüstung und man habe keineswegs die Hoffnung auf Rüstungsbeschränkung aufgegeben. Eng­land unternehme sogar jetzt neue Anstrengungen, um über den toten Punkt, der tatsächlich jetzt in Gens bestehe, hin­wegzukommen. Leider könne sein Land jedoch, insbeson­dere angesichts der gemachten Erfahrungen, nicht mit einem belangreichen Ergebnis der Ab­rüstungsbesprechungen rechnen. Es sei die Zeit gekommen, wo die Möglichkeit, Englands Rüstungen auf ihrem augenblicklichen tiefen Stand zu halten, mangels ent­sprechender Verminderung von feiten anderer Mächte neu geprüft werden müsse. Die Regierung habe daher die gesamte Frage der R e i ch s v e r t e i d i g u n g und die Rolle, die die drei Verteidigungsdienste dabei spielen müssen, geprüft.

Wir sind gum Schluß gekommen, so betonte dann Baldwin, daß wir nicht länger Maßnahmen verzögern können, die im Laufe der nächsten Fähre unsere Lust- st r c! t k r ä f t c auf einen Stand bringen werden, der näher an den unserer nächsten Nachbarn heranrcicht.

Wir behalten uns das Recht vor, das Luft- r ü st u n g s p r o g r a m m im Lichte neuer Tatsachen, die entstehen können, abzuändern oder anzupassen. Vorbehalt­lich dieser Bedingung haben wir ein Programm abge­schlossen, das das augenblickliche Jahr und die darauf­folgenden vier Jahre umfaßt und bei den königlichen Luft- streitkräften bestehen wird aus:

Der Führer empfängt die Reichsschule des Deutschen Arbeitsdienstes.

Aus Anlaß der Beendigung ihres zchnwöchcntlichcn ^hrgangès empfing der F ü h r c r in Berlin die Lehr Abteilung der Rcichsschulc des Deutschen Arbeitsdienstes Potsdam-Wildpark.

Unter klingendem Spiel marschierte die 250 Mann

Ableitung vom Potsdamer Bahnhof zum Garten der Reichskanzlei, wo auch der Reichskommissar für den Arbeltsdienst, Hierl, und der Führer der Reichsschule, Major a. D. L a n c e l l e , eintrafen. Nachdem der Reichs­kanzler die Fron, der im offenen Viereck aufgestellten Mannzchaft abgeschritten hatte,

erklang in markigen Worten das Bekenntnis des Arbeitsdienstes durch den weiten Garten:

Zum Arbeitsplatz-Austausch.

Das Soziale Amt der Reichsjugendführung gibt folgendes besannt: Bei der Durchführung des Göring- Planes haben sich in den einzelnen Betrieben einige Un­klarheiten ergeben, die cs notwendig machen, folgende Punkte noch einmal klar Hervorzubeben: 1. Da die Unter­brechung der Lehrzeit und der Ausfall einer ein- bis z w c i j ä h r i g e n G c h i l s e N z e i t im Anschluß an die Lehre die Ausbildung des deutschen Facharbeiter­nachwuchses schädigt, ist eine Auswechslung dieser Jugendlichen nicht vorgesehen. 2. Jüngere Jahrgänge uls die 19jährigen sollen Bei ungelernten und an­gelernten Jimsndlfchey gleichfalls nicht auZgewechfe.lt

41 neuen Geschwadern einschließlich der, die bereits im Programm von 1934 mitgeteilt worden sind. Von diesen 41 Geschwadern werden 33 dem Heimatschutz zugewiesen werden. Dadurch werden die vorhandenen 42 Geschwader im Innern auf eine Gesamtzahl von 75 Geschwa - d e r n erhöht werden. Die übrigen Geschwader sind für den Dienst im Marineflugwesen oder im Ausland be­stimmt.

*

Die Ergänzung der britischen Luftstreitkräfte.

London, 20. Juli. (Funkmeldung.)' Durch die von Baldwin im Unterhaus angekündigte Verstärkung der eng­lischen Luftstreitkräfte, die sich auf einen Zeitraum von 5 Jahren erstreckt, weilen die englischen Geschwader von 49 auf 131 erhöht. Im Jahre 1938 wird England daher ver­mutlich 1572 Flugzeuge der 1. Linie besitzen. Hinzu kom­men 130 Flugzeuge der 2. Linie und die Hilfsflugzeugstreit­kräfte, die teilweise mit regulären Militärfliegern, teil­weise mit halbmilitärisch ausgebildeten Fliegern bemannt sind. Die Ergänzung des Offizier- und Mannschaftsbestan­des wird auf etwa 5000 Mann berechnet. Ferner werden 12 neue Kriegsflugplätze, hauptsächlich im Süden und Süd­osten des Reiches und in der Umgebung Londons, angelegt werden. Dreiviertel der neuen Flugzeuge werben Haupt­sächlich Kampfeinsitzer und Tagbomber sein, die übrigen schwere Bomben- und Abwehrflugzeuge.

Die Presie stellt fest, daß England nach Vollendung des Luftaufrüstungsplanes im Jahre 1938 etwa die volle Stärke Rußlands auf dem Gebiet der Luftrüstung haben werde, aber um rund 100 Flugzeuge hinter der französischen Luft­rüstung zurückstehen werde.

Führer, wir grüßen sich! Wir sind am Werk In allen deutschen Gauen, Nach deinem Willen Ein neues Vaterland zu bauen Führer, wir grüßen dich! Von selber wird dies Reich nicht wachsen Es muß errungen und erkämpft sein Wir wollen schaffen, opfern, dienen Gehorsam, fleißig, wahr und treu sein Führer, wir grüßen dich!

Der Führer dankte für dieses Gelöbnis und unterhielt sich dann mit den einzelnen der nun wieder in ihre heimatlichen Lagergemeinschaften zurückkehrenden Arbeitsdienstler und erkundigte sich nach vielen Einzel­heiten ihres persönlichen Lebens. Im Anschluß an den Empfang durch den Führer sand ein Vorbeimarsch der Lehrabteilung in der Wilhelmstratze statt.

werden. 3. Für die Heranziehung zum Landdicnstjahr kommen in diesem Jahre in erster Linie d i e Jahr­gänge 19 10, 1911 u n d 1912 in Frage. Bei den Jugendlichen dieser Jahrgänge sind diejenigen Volks- genossen ausgenommen, die verheiratet sind oder nach- iveislich mit ihrem Arbeitslohn zur wirtschaftlichen Existenz Anverwandter (Voreltern, Eltern, Geschwister) überwiegend beitragen, so daß die Versorgung der Vor- gcnanutcu durch den Lohnausfall gefährdet ist. 4. Es wird nochmals daraus bingewicseu, daß die für die cin- zelnen Betriebe ausgegebenen F r a g e b o g e u , in denen alle Jugendlichen von 17 bis 25 Jahren erfaßt sind, aus- gefüllt werden müssen.

Streiks im Dollarland.

Streiks sind in den Vereinigten Staaten schon seit einiger Zeit fast zur Alltäglichkeit geworden: bald hier, bald dort flackerte ein mehr oder minder starkes Streikfeuer auf. Den Arbeitern, genauer gesagt den Ge­werkschaften, hatte der Präsident Roosevelt bei der Durchführung seines Programms für den Wirtfchafts- aufbau zum allerersten Male weitgehende Rechte beim Abschluß von Tarifverträgen eingeräumt, und das ging soweit, daß in manchen Industrien die Arbeitgeber nur Gewerkschaftsmitglieder als Arbeiter einstellen durften. Infolgedessen nahmen die früher auch im Wirtschaftsleben herzlich bedeutungslosen Gewerkschaften einen riesenhaften Aufschwung, erfuhren aber auch ebenso schnell dasselbe Schicksal wie ihr Vorbild, die englischen Gewerkschaften, nämlich das, einenlinken Flügel" zu erhalten, also unter den stetig wachsenden Druck des Radikalismus zu geraten. Daß man darob in Moskau sofort sehr hellhörig wurde und auch in Amerika die kommunistische Agitation erheblich und mit Erfolg verstärkte, bewiesen und beweisen zahlreiche Vorkommnisse, namentlich beim Generalstreik in San Franzisko, der sich dann wie ein Steppcnbrand über andere kalifornische Städte bis hin­unter nach Los Angeles ausdebnte und den bisher größten Arbeiterausstand in Amerika darstellt. Vielleicht auch den bedrohlichsten. Aych in dem früherenMinen­krieg" der Bergarbeiter in Pennsylvanien, der fast zwei Jahre dauerte, griff die Regierung dieses Staates ener­gisch mittels Militär und Nationalmiliz ein, ab^r den zweifelhaften Ruhm, zum erstenmal Batterien zum Schutze der Öffentlichkeit gegen die Streikenden auffahren zu sehen. besitzt bisher nur San Franzisko.

Allerdings war es schon vorher infolge der Radi­kalisierung der Arbeitermassen in derFordstadt" Detroit und in Milwaukee zu blutigen Straßenkämpfen ge­kommen: denn vielfach auch Ford selbst tat das weigerten sich die Unternehmer, die letzten, teilweise wirt­schaftlich geradezu absurden Folgerungen aus den neuen kollektiven Tarifrechtcn der Gewerkschaften ziehen zu sollen. Da schritten diese zur direkten Aktion, und deswegen geht es nm mehr alë, nur um Arbeitszeit und Arbeitslohn. Mit um so größerer Erbitterung wird gekämpft.

Und um dieses kollektive Arbeitsvertragsrecht der Ge­werkschaften ging es auch beim Ausstand der Hafen- und Dockarbeitcr in S a n F r a n z i s k o. Über alles Sonstige hatte man sich mit den Reedern und den Schiffahrtsgesell­schaften geeinigt, hier aber, in jenem Punkt, gina es auf Biegen oder Brechen. Einedirekte Aktion" führte zum Eingreifen der Militärmacht des Staates Kali formen. Und dann zum Sympathiestreik der anderen Gewerkschaften bis zum Generalstreik. Und da scheute man kein Mittel des Terrors gegen Arbeitswillige mehr.

Daneben standen die Massen der noch U n o r g a u i - fierten und der Arbeitslosen. Denn bereit gab es mehr als genug in dem mit reichen Schätzen der Natur gesegneten Kalifornien, demGarten Gottes", wie man dieses Land an der pazifischen Küste nennt. Und jene Massen wurden nun der Nährboden des Komm u- n i s m u s. sehr zum Mißvergnügen der Gewerk­schaften. D i e haben sicherlich nichts dagegen gehabt, als ein Trupp Arbeiter das kommunistische Strciklokal bis zum letzten Stuhl demolierte! Aber in Kalifornien wie überhaupt in Amerika wohnt äußerstes Elend neben toll prassendem Reichtum. Der Arbeitslose ist auf die öffentliche oder private Mildtätigkeit angewiesen, und in dem wüsten Völkcrgemisch gerade Kaliforniens kennt man das Wortmoralische Hemmungen" nicht einmal dem Namen nach. Durch dasGoldene Tor" des Hafens von San Franzisko geht es in die s o z i a l e Höll c.

Bis hart an die Grenze der Revolution hat dieser Kampf in San Franzisko geführt, der aber offenbar nur als ein Symptom anzusehen ist trotz seiner großen Ausdehnung. Denn auch, wenn man sich bei den Gewerk schäften und bei den Arbeitgebern einem Schieds­spruch nun wirklich fügt, so war es doch zum ersten Male in Amerika geschehen, daß die Gewerkschaften in dem bestreikten San Franzisko tatsächlich doch soznurgen öffentliche Funktionen ausübb.n und eine Machtposition erobert hatten. Ein Schiedswrnw hinterläßt unter solchen Umständen aber immer Unzu friedenheit auf beiden Seiten, und zahlreiche Angriffe sind auf Roosevelt niedergegangen, daß er diese Revolutionierung eigentlich erst ausgelörr habe durch btc B e a ü n ft i a u n a d c r A r b e i t e r s v n d i k a t c.

Dahinter aber und das zeigt die große Streck Welle in Amerika steigt drohend eine andere Gefahr empor, die k o m m u u i st i sch c. Die ins Moßlow über steigerte liberalistische Wirtschastsanschaüüng in Amerika verbot jede Milderung des Einzelschicksals durch eine soziale Gesetzgebung; wem die Kraft erlahmte, der kam unter die Räder. Jede Verantwortung des Wirtschaft? führers gegenüber dem Staat und Volke wird abgelebnt und was wir im vergangenen Jahr siegreich in Deutsch land niedergeschlagen haben, der Bolschewismus erhob zum ersten Male in Amerika deittlicb sichtbar das Hauvt.

52 ehemalige KPD.-Angchörigc verurteilt.

Krefeld. Im Krefelder Schwurgerichtssaal wurden vom Strafsenat des Oberlandesgerichts Hamm (Wests.) 49 An­gehörige der ehemaligen KPD. zu Gefängnisstrafen von ein bis zwei Jahren verurteilt. Drei Angeklagte wurden in eine Zuchthausstrafe von je zwei Jahren genommen. Die Ver' urteilung erfolgte wegen Vorbereitung zum Landesverrat und wegen Anfertigung und Verbreitung verbotener Druckschriften.