Zul-aer Anzeiger
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Ehrenklau, Fulda Königstraße 42 Rotations- XWvU- UUV OUUn^lCH ♦ XUWllC* KC^lSvlUU Beitreibung oder Konkurs erlischt jeder Anspruch druck: Friedrich Ehrenklau, Lauterbach,H. Haupt- ZV auf Nachlaß. — „DA." 1000. — Verantwort!, für den
schriftleiter: Friedr. Ehrenklau, Fulda, Königstr. 42. Reâaktisn und Geschäftsstelle: Königstraße 42 » Zernsprech-flnschluß Nr. 1989 Anzeigenteil Ferdinand Ehrenklau, Lauterbach-H.
Nr. 165— 1934
Fulda, Mittwoch, 18. Juli
11. Jahrgang
Forschertragödie
Mei MiSglieder der deutschen
HimaTajaexpeditisn vermißt.
Von einem S ch n e e st n r m überrascht.
Die deutsche H i m a l a j a e x p e d i 1 i o n ist erneut Mn einem schweren Unglück betroffen worden. Die deutschen Bergsteiger M e r k l, Wieland und Welkenbach werden seit einigen Tagen nach einem furchtbaren Schneesturm, der sic bei ihrem Angriff auf den Nanga Parbat überraschte, vermißt. Die Suche nach ihnen war bis jetzt erfolglos. In der gleichen Meldung wird auch der Tod von drei eingeborenen Trägern mitgeteilt.
Im Frühjahr 1934 zog eine Expedition deutscher Forscher hinaus nach Tibet, um wie schon so viele vor ihnen einen Angriff auf den „Gipfel der Erde", das H i m a l a j a g e b i r g e zu wagen. Sorgfältige Vorbereitungen waren getroffen worden, um das Gelingen der großen Sache zu sichern. Unsere besten Bergsteiger und Alpinisten zogen hinaus in die Regionen der Schnee- stürme und der grauenvollen Einsamkeit. Folgende Männer wagten die Fahrt: Willi Merkl, Wieland, Doktor Bernhard, Drexel, Kuhn, Aschenbrenner, Sangster, Welzenbach, Schneider, Bechthold, Müllritter und Kapitän Frier. Ihnen schlossen sich an die Topographen Dr. Finsterwalder und Dr. Raechl.
Große Schwierigkeiten waren in Tibet zu überwinden. Schon die Beschaffung der Träger war äußerst schwierig. Dann hatte man viel mit dem Aberglauben der Eingeborenen zu kämpfen. Furchtbares sagten die tibetanischen Mönche der Expedition voraus. Sie beschworen die Rache der Götter auf ihr Haupt und versuchten alles, um den Aufstieg zu verhindern. Die Forscher ließen sich aber nicht entmutigen und erstiegen mähstden Nanga Parbat, wo sie in etwa 5000 Meter Höhr ihr Lager aufschlugen. Hier ereilte sie der erste Schicksalsfchlag: Neichsbahnoberrat Drexel zog sich eine Lungenentzündung zu und starb. Seine Gefährten stiegen weiter, und gerade vor einigen Tagen erreichte uns die Nachricht, daß eine Höhe von 7000 Meter erreicht worden war. Doch die Rache der Götter scheint sich erfüllen zu wollen ... Ein furchtbarer Schneestürm vernichtete die Hoffnung aus Gelingen und hüllte drei tapfere Forscher in Nacht und Grauen.
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7900 Meter Höhe waren erreicht.
Der Bericht der Himalajaexpedition über das schwere Unglück am Nanga.- Parbat.
Bei dem Nachrichtendienst des Deutschen Rundfunks, dem Drahtlosen Dienst, liegt jetzt ein ausführlicher Bericht über die vom schweren Unglück betroffene deutsche Himalajaexpedition vor, der vom Teilnehmer B e r ch t h o l d abgesandt wurde. In diesem Kabelbericht beisst es u. a.:
A m 7. Juli erreichte die Spitzengruppe der Expedition dank der anstrengenden Stusenarbeit von Schneider und Aschenbrenner den Silbersattel am Ranga-Parbat. In 7 6 00 M e t er Höhe wurde das L a g e r 8 errichtet, nachdem Schneider und Aschenbrenner "vier Stunden lang unter dem Hauptgipfel in etwa 7900 Meter Höhe gestanden hatten. Nach der
3m Angesicht der „Göttin-Mutter der Berge".
^tnc erst vor kurzem in Deutschland eingetroffene Auf- üahme von der deutschen Himalaja-Expedition, die von dem Rakiotlager aus gemacht wurde und den Ostgipfel des Aanga-Parbat, der „Göttin-Mutter der Berge" zeigt, der nun dem Führer der Expedition, Willi Merkl. und seinen Kameraden Weizenbach und Wieland zum schrecklichen Ver- hangnis geworden ist. Im Bardergrund sieht man drei
Mitglieder der Expedition.
im Schneesturm.
späteren Schilderung von Schneider und Aschenbrenner erlebte die Spitzengruppe
furchtbare Stunden in den schneeverwchtcn Zelten,
Immer neue Schneeböen zwangen sie dazu, die Zelte mit aller Kraft festzuhalten. In fieberhafter Erwartung des ersolgbriugenden Gipfelsturmes wurde die Nacht in dieser Lage verbracht. Am 8. Juli versuchten Bernard, Be ch t h o l d und M ü l l r i 1 t e r von Lager 4 aus Nahrungslasten nach Laaer 6 und 7 zu bringen. Sie
Die drei vermißten Bergsteiger.
Die deutschen Bergsteiger Merkl, Wieland und Welzen bach, Teilnehmer der deutschen knmalaja- expedition. Unser Bild zeigt den Axpeditionsleiler Merkl ClintS) und Wieland (rechts).
Entfesselte Fluten.
AerMwemmlingskatastrophe in Polen.
Viele Todesopfer — Furchtbare Verheerungen.
Infolge der starken Regensälle sind in der polnischer Woiwodschaft Krakau einige Flüsse aus den Ufern getreten. Mehrere Ortschaften sind überschwemmt. Der Eisenbahnverkehr mutzte unterbrochen werden. Den über schwemmten Ortschaften ist Militär zu Hilfe geeilt. Man befürchtet, datz bei den Überschwemmungen viele Menschen nmgekommen sind. Besonders schwer heimgesucht würd« die Stadt Neumartt, wo Brücken von der Flut weggeriffcn und feste Gebäude vom Wasser fortgetrageu wurden. Auch der Luftkurort Zakopane wurde hart betroffe«, so datz ein Teil der Stadt geräumt werde« mutzte. Da das stödtischc Elektrizitätswerk unter Wasser steht, ist der Kurort gänzlich ohne Licht.
Über den Umfang der Katastrophe erfahren wir noch folgende Einzelheiten:
Hunderte von Städten, Kurorten und kleine Ortschaften wurden überschwemmt und zum großen Teil
von der Autzenwelt abgeschnitten.
Eine große Anzahl von Personen ist ums Leben gekommen. Ans dem bekannten Luftkurort Polens, aus Zakopane, werden allein
10 bis 20 Tote gemeldet. In den Flüssen treiben viele Leichen. Namentlich zahlreiche K i n d e i sind in den Fluten umgekommen. Das Hochwasser stieg in manchen Gegenden so plötzlich, daß die Bewohner nicht mehr in der Lage waren, mit der notdürftigsten Habe zu flüchten, sondern sich nur auf d i e Dächer retten konnten. In den meisten Füllen ist das Vieh ertrunken. Die Ernte weiter Landstrecken ist v e r n i ch t e t.
Ungeheurer Schaden ist in den Kurorten des Kar- Pathenlandes entstanden, in denen gerade Hochsaison herrschte. Die Gewalt der Waffermassen. namentlich der
Endgültige Treuhänderernennlmgen.
Folgende T r e n h ä n d e r der A r b e i t sind nunmehr endgültig in ihrem Amt bestätigt und zu Reichs- beamten ernannt worden: Schreiber für das Wirtschaftsgebiet O st p r c u ß e n , Claaßen für P o m m e r n, Doktor Völtzer für die Nord m a r k, Dr. Drieschner für B r a n d e n b u r g , Börger für das R h e i n l a n d , Hahn für Westfalen, Dr. Wiesel für Mitteldeutschland, Dr. Kimmich für S ü d w c ft d e u t s ch l a n d , Frey für Bayern, Stiehler für Sachsen.
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Mit der Wahrnehmung der Geschäfte eines Treuhänders der Arbeit für das Wirtschaftsgebiet Schienen ist D r. C. 3 i » n e m a n n (Görlitz) kommissarisch betraut worden.
blieben im Pulverschnee und im Sturm schon vor dem Lager 5 stecken. Nun wandte sich das Wetter endgültig zum Schlechten.
Der Sturm wuchs zum Orkan.
Dem Träger der Spitzengruppe riß der Orkan die Last vom Rücken. Der Schlafsack flog in hohem Bogen in die "^^Aschenbrenner und Schneider erzwangen im Sturm und Schnee mit äußerster Anspannung den A b st i e g von Lager 8, also aus 7600 Meter Höhe, nach Lager 4.
A m 9. Juli wütete der Schneesturm fort. Am 10. Juli herrschte wechselndes Wetter und strengste Kälte. Bom Lager 4 aus wurde der Abstieg von neun Kulis über den Rakiot-Peak beobachtet. Pier von den Kulis trafen mit teilweise erfrorenen Händen und Füßen, völlig erschöpft in L a g e r 4 ein. Sie berichteten, daß
Lager 5 und 6 vom Sturm weggefegt seien. Die anderen fünf Kulis sind wahrscheinlich erfroren, zwei davon sind bestimmt tot. Seit der Erreichung des Lagers 7 durch M e r k l, W i c l a n d u n d W e l z e n- b a ch fehlt jede Nachricht von ihnen. Die Kameraden sind außerstande zu Helsen, weil die Darjeelingträger f a st a u s nah m s los krank sind, nnd weil die Witterung eine Hilfeleistung durch die Europäer unmöglich macht.
So ist alles in schwerster Sorge um Merkl, Wieland und Welzenbach.
Am 11. Juli klarte das Wetter aus. Alle deutschen Bergsteiger stiegen mit den gesunden Kulis von Lager 4 zur Hilfeleistung nach Lager 5 auf. Bechthold brachte drei schwererkrankte Kulis ins Hauptlager. Raechel und Misch gingen am 12. Juli zur Hilfeleistung nach Lager 4.
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Zu dieser Meldung gibt die Vertretung der deutschen Himalaja-Expedition in München u. a. folgendes bekannt: Sie, Gefahr, in der sich die Spitzengruppe befindet, ist groß. Es besteht noch eine Hoffnung, denn Merkl, Wieland und Welzenbach gehören zu den besten und erfahrensten Bergsteigern Deutschlands. Durch idr überragendes alpines Können und ihre unerhörte, oft bewährte Energie werden sie sich vielleicht doch noch einen Weg zur Rettung erzwingen.
größeren Flüsse, ist so stark, daß nicht nur einfache Siedlungen, sondern auch massive
Häuser von den Fluten wcggerisien
wurden. Selbst die Heineren Gebirgsbäche haben Brücken weggeschwemmt. Die Folge ist, daß der Eisenbahnverkehr unterbrochen wurde. Auf einzelnen Bahnhöfen stehen Eisenbahnzüge unter Wasser, ohne vorwärts oder rückwärtsfahren zu können. Die Elektrizitätswerke mehrerer größerer Städte sind überschwemmt, so daß die Lichterzeugung für weite Gebiete unmöglich geworden ist. In der Dunkelheit haben sich schreckliche Szenen abgespielt. Der Bevölkernng hat sich eine schwere Panik bemächtigt.
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Ms Soldaten von einer Granate zerrissen
Erplosionsunglück bei Paris.
Ein schweres Explosionsunglück hat sich in vcn frühen Morgenstunden auf dem Artillcrieschictzstand von M a i s 0 n s - L a s f i t t e bei Paris ereignet. Das Unglück hat fünf Soldaten das Leben gekostet. 26 wurden autzcrdcm verlebt, davon 12 schwer.
' Kriegsminister Marschall Pötain, General Weygand und der Militärkommandant von Paris haben sich sofort nach Bekanntwerden des Unglücks nach Mai- sons-Laffitte begeben, um die Untersuchung einzuleiten. Die Explosion ist auf das unvorsichtige Hantieren mit einem Geschoß durch einen Unteroffizier zurückzuführen. Der Unteroffizier hatte auf dem Schießstand einen Blindgänger gefunden, den er seinen im Kreise um ihn stehenden Kameraden zeigte. Plötzlich ließ er _ba_. Geschoß fallen, das sofort c r p l 0 d i c r t e und vier Soldaten in Stücke riß, während 27 andere verletzt wurden. Einer von ihnen ft a r 0 kurz nach der Überfitbung ins Militärlazarett von St. Germain., Zwölf andere haben so schwere Verletzungen erlitten, daß man an ihrem Auskommen zweifelt.
Ltngarns Jugend beim Führer.
Reichsjugendführer Baldur von S ch i r a ch und der Leiter der Abteilung Ausland in der Rcichsjugcnd- führung, Obergebictsfübrer Na b e r s b e r g , haben sich zusammen mit den Offizieren und Mannschaften der ringarischen Levent e Jugend am Dienstagabend kurz nach V27 Uhr zur Reichskanzlei begeben, wo sie vom Führer empfangen wurden.
Gruppenführer Ludin erneut bestätigt.
Stuttgart. Wie von der SA.-Gruppe Südwest mitaeteil« wird, bar der Führer tm Zuge der Neubesetzung der SA.- Gruppen durch den 6bes des Stabes, Luyc, den Gruppe»fubrer Ludin erneut als Führer der SA. Gruppe Südwest bestätigt.