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Hriftleiter: Friedr. Ehrenklau, Fulda, Königstr. 42. Nè-aktisn und Geschäftsstelle: Königftraße 42 * Zernsprech-Nnsthluß Nr. 24S- Anzeigenteil Ferdinand Ehrenklau, Lauterbach-H.
Nr. 164 — 1934 Fulda, Dienstag, 17. Juli 11. Jahrgang
Mesengeneralstreik in Amerika.
I25000 Streikende in San Zranzisko.
Revolutionärer Anschlag an der ganzen Westküste?
Der angekündigte Generalstreik in San Franzisko ist ausgebrochen. Auch die Hafenarbeiter der San Franzisko benachbarten Städte haben dem Streikbeschluß zugestimmt, so daß über 125 000 Streikende in Frage kommen, von denen über 90 000 auf San Franzisko entfallen.
San Franzisko machte schon am Sonntag den Eindruck einer belagerten S t a d t, die niemand zu verlassen wagte, da die Möglichkeit einer Rückkehr ungewiß ist. Die Einstellung des Straßenbahnverkehrs begann frühzeitig. Die Lebensmittelläden, die ansver- kauft hatten, vernagelten ihre Türen und Fenster, eine. Vorsichtsmaßnahme, die sich angesichts des
Herumlungerns vieler zweifelhafter Elemente mir allzusehr rechtfertigt. Obwohl die Streikenden selbst durch Bildung von Sicherheitsausschüssen Ausschreitungen vorzubeugen suchen, kam es bereits zu verschiedenen Zusammenstößen, die nach Ansicht der Behörden von K o m - mu nisten eingeleitet wurden. In der Nähe des Docks wurde die Nationalgarde mit Steinen beworfen, worauf sie Feuer gab. Da sich
bereits NahrungsmitteLmangek fühlbar macht, versuchte der Streikausschutz die unruhig werdende Bevölkerung durch die Ankündigung zu trösten, dch eine Anzahl von Sveisehänsern offen bleiben würde.
Demgegenüber weist die Presse darauf hin, daß diese Mnfchäüsèr höchstens 3000 Personen versorgen konnten, Meiner Gesamtbevölkerung von 700 000.
Die Elektroarbeiter haben bekanntgegeben, daß sie die ètreikabstimmung hinausschieben wollten, da eine Unterbindung der Stromzufuhr auch die Feuerala r m a n l a g e n in der ganzen Stadt lahmlegen würde. Trotzdem sieht die Stadtverwaltung der weiteren Entwicklung der Lage mit größter Besorgnis entgegen, da die Befürchtung wächst,
daß es sich um einen revolutionären Anschlag an der ganzen Westküste handelt, demgegenüber die bcsonncrcrcn Führer der Gewerkvereine mehr und mehr an Einfluß verlieren würden. Vielfach wird die Ansicht geäußert, daß für San Franzisko schlimmere Tage bevorstehen, als seinerzeit bei dem Erdbeben.
Von der Erklärung des B e l a g e r u n g s z u st a n - des hat der Gouverneur zunächst abgesehen. Er versicherte jedoch, daß die Truppen die Lebensmittelzufuhr sichern würden.
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Die düstere Stimmung, mit der die öffentliche Meinung in den Vereinigten Staaten dem Streik in San Franzisko entgegensieht, erscheint nicht übertrieben, wenn man die alarmierenden Nachrichten berücksichtigt, die aus anderen Hafenstädten Md Industriezentren eintreffen. In P o r t l a n d
Die Reorganisation der SA.
General Daluege über seine Maßnahmen.
Der anläßlich der Austragung der Reichspolizei- neisterschaste» in Magdeburg weilende Befehlshaber der ireußischen Polizei und Führer der gesamten Reichs- wlizei, General Daluege, gewährte einem Redak- ivnsmitglicd deS „Mitteldeutschen" eine Unterredung, in 'er er auch über die Reorganisation der SA. sprach.
Er erklärte u. n., daß es sich nicht, Ivie fälschlicher vcise angenommen wurde, um eine 11 morgani- o t i o n , sondern um eine 91 c orga n isati o n der Truppen gehandelt habe. Im Vordergrund der Aufgaben mbe die Überprüfung der Finanzen und die Personen rage gestanden. Es sei eine genaue
Überprüfung der Geldverwaltung
ms Einnahmen, Ausgaben und Schulden, auf sachliche 'der unsachliche Manipulationen angestellt worden. Über tue einwandfreie künftige Finanzgebarung wurden bei nefcr Gelegenheit eingehende Vorschläge unterbreitet. Insbesondere ist dafür gesorgt worden, daß belastete SA - Führer in ihren Verfehlungen finanzieller Art festgenagelt vurden. Ferner wurde mit peinlicher Sorgfalt
die Lebensführung bestimmter SA.-Führer kontrolliert
mb nach Maßgabe der Kontrollcrgebnisse gejätet bzw. Naßregitlung vorgeschlagen. Besonderer Wert wurde ws eine
Überprüfung der Beförderungen lelegt, um nach nationalsozialistischem Geist, national« ozialistischer Zuverlässigkeit und nach dem Lebenswandel "'geeignete Elemente auszumerzen und dadurch den Ute u K st gl p f c r ii in der SA. den Weg frei zu machen.
(Oregon) hat sich die Lage weiter verschärft. Man rechnet dort endgültig mit der Ausrufung des Generalstreiks. In H o u ft o n (Texas) wurden drei Neger bei Unruhen streikender Dockarbeiter erschossen. Birmingham (Alabama) meldet den Streikbeschluß der Tertilarbeiter für den ganzen Staat. Auch in der Hauptstadt Washington herrscht eine ziemlich gedrückte ©tim' mung angesichts des ersten wirklichen Generalstreiks in einer amerikanischen Großstadt.
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Rote Streikposten unterbinden
San Zranziskos Lebensmittelzufuhr.
Die Frontkämpfer mobilisiert.
Am Tage des Generalstreiks herrschte in San Franzisko eine unheimliche Stille.
Das Geschäftsleben und der gesamte Straßenbahnverkehr ruhten völlig. Alle Vergnügungsplätze, Theater imb Kleinverkaussländen blieben geschlossen. Von den Restaurants waren nur 19 Lokale geöffnet, die der Gene- ralstreikansschuß zur Speisung der Tausende von Einwohnern bestimmt hat. Bürgermeister Rossi ernannte einen N o t a u s s ch u ß , der die Ausgabe hat, für eine gerechte Verteilung der noch vorhandenen Lebens- mittel zu sorgen.
Die Vorräte an frischem Gemüse und Frischfleisch sind bereits erschöpft. Die Lebensmittelgeschäfte müssen nach den letzten Panikeinkäuscn ihre verbleibenden Vorräte bereits rationieren.
Dazu kommt, daß die Verteilung dieser Nahrungsmittelbestände durch den Fuhrientestreik u u m ö g « l i ch gemacht wird. Der Lebensmittelmangel erstreckt sich auch auf die weitere Umgebung der Stadt, wo ein eiserner Ring von Streikposten die mit Lebensmitteln beladenen Lastwagen zurückhält.
Mit Maschinengewehren ausgerüstete Polizei abtcilungen vegannen am Montag den La st Wagenkarawanen einen Weg durch die Streikpostenlinien zu bahnen. Inzwischen hat der Bürgermeister den Gouverneur um Entsendung weiterer Nationalgardisten gebeten. Der Chef der Polizei von San Franzisko hat ferner d i e F r o n t k ä m p s e r zur Verstärkung der Bestände der Sicherheitsbeamten einberufen.
Artillerie und Tanks eingesetzt.
Um Ausschreitungen gleich im Keime $u ersticken, erhielt ein Infanterie-Regiment in Los Angeles den Befehl, sofort nach dem Streikgebiet aufzubrechen. Eine Abteilung Feldartillerie aus Las Linas mit 7,5- Zentimeter-Geschützen ist unterwegs nach San Franzisko, ferner mehrere Tanks mit Maschinengewehren.
Im Laufe des ersten Gencralstrciktagcs ist es bereits zu ziemlich schweren Ausschreitungen gekommen. Eine Menge von etwa 1500 Menschen stürmte und plünderte die Lcbensmittellädcn in verschiedenen Teilen der Stadt.
Auch in dieser Hinsicht sind den zuständigen SA.-Stelleu Vorschläge zugegangen. General Daluege betonte, daß seine Maßnahmen der Reorganisation lediglich Grundlagen haben geben sollen. Die Gestaltung im einzelnen (Neubesetzung der Führerstellenl sei allein interne Angelegenheit der neuen SA.-Führung.
Volizei und Volk.
über seine Arbeit als Befehlshaber der preußischen Landespolizei und Führer der Reichspolizei erklärte Daluege insbesondere im Hinblick aus die Reichsreform u. a„ die reichsreformerischen Maßnahmen im Polizeiwesen gingen reibungslos durch das ausgezdich nete Hand in Hand-Arbeilen der beteiligten Länderstellen vor sich. Das hohe Ziel der P o l i z e i r e s o r m sei erreicht, wenn jeder Beamte Parteigenosse sei, wie es ver nationalsozialistische Staal als Selbstverständlichkeit er- beische. Ein großes Maß von Verbundenheit zwischen Polizei und Volk sei schon erreicht. Die Polizei sei damit als vollwertiger Faktor im nationalsozialistischen Staat zu betrachten.
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SA.-Gruppenführer Friedrich, der im Auftrage des mit der Führung verschiedener SA. Gruppen be trauten Poltzeigenerals Daluege zunächst die Geschäfte der SA.-Gruppe Pommern übernommen hatte, ist nun mehr mit der Führ u n g her S A. - Gruppe Pommern beauftragt worden.
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Gruppenführer Ludin erneut bestätigt.
Stuttgart. Wie von der SA.-Gruppe Südwest mitgeteilt wirb, Hai der Führer im Zuge der Neubesetzung der SA/' Gruppen durch den Chef des Stabes, Lutze, den Gruppenführer Ludin erneut als Führer der SA. Gruppe Südwest bestätigt.
Engirsch-iürkischsr Zwischenfall.
Englischer Marineoffizier getötet, ein zweiter schwer verletzt.
Nach Meldungen aus Samos wurde ein mit drei Offizieren besetztes Boot des vor Samos ankernden englischen Kreuzers „Devonshire", das zu einem Badeausflug auf die nahegelegene Küste Kleinasiens zusegelte, von der türkischen Küstenwache b e s ch o s f e n. Dabei wurde der eine der Offiziere getötet, während ein anderer schwer verwundet wurde. Der Kommandant der „Devonshire" hat über den Vorfall sofort einen Funkbericht nach London an das Marineministerium gesandt.
In London herrscht beträchtliche Erregung über den Zwischenfall. Die englische Admiralität hat Rachsor- schungen auf dem diplomatischen Wege eingeleitet.
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Erregung in London über den türkisch-englischen Zwischenfall.
London, 16. Juli. In London herrscht beträchtliche Erregung über die gemeldete Beschießung englischer Marine- osfiziere durch türkische Küstenwachen bei der Insel Samos. Die englische Admiralität bestätigt, daß ein mit drei Offizieren besetztes Segelboot des Kreuzers „Devonshire" am Sonnabendnachmittag von türkischen Küstenwachen, die auf dem kleinasiatischen Festland gegenüber der Insel Samos stationiert waren, hestig unter jener genommen wurde. Der Marinearzt, Leutnant Robinson, wurde von einer Kugel getroffen, stürzte über Bord und ertrank. Die beiden anderen Offiziere, von denen einer eine Fleischwuude an der Schulter erhielt, sprangen ins Master und brachten sich durch Schwimmen nach der Insel Samos in Sicherheit. Der Leichnam des getöteten Ossiziers konnte noch nicht gefunden werden. Die englische Admiralität hat Nachforschungen auf dem diplomatischem Weg eingeleitet.
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(Funkmeldung.)
Wie aus Athen berichtet wird, ist der englische Kreuzer „London" nach der Insel Samos abgegangen, bei der drei englische Marineoffiziere beschossen worden find. Tie türkische Regierung hat, wie Reuter meldet, nach Prüfung des Zwischenfalls den türkischen Botschafter in London angewiesen, der englischen Regierung ihr Bedauern auszusprechen. Nach der amtlichen türkischen Darstellung des Zwischenfalls hat ein türkischer Zollbeamter beobachtet, wie drei unbekleidete Männer aus einem Segelboot an Land stiegen. Er forderte sie auf, stehen zu bleiben. Tie Männer kamen jedoch dem Befehl nicht nach und kehrten zu ihrem Boot zurück. Der Beamte gab hierauf einen Warnungsschuß ab und, als dies keinen Erfolg hatte, schoß er scharf. Der Beamte hat erklärt, daß er die Männer für Schmuggler gehalten habe.
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Andere Meldungen besagen, in Jstambul vermute man, daß der Schauplatz des Zwischensalls eine verbotene militärische Zone an der türkischen Küste wäre. Tie Küstenwachen hätten nicht gewußt, auf wen sie geschaffen hätten, bis die Insassen eines englischen Motorbootes ihnen gesagt hätten, daß die Opfer britische Offiziere seien. Es sei unbekannt, ob das Segelboot eine britische Flagge geführt habe.
Barihou hetzt gegen Deutschland.
Der französische Außenminister Bart Hou erklärte in Bayonne bei der Einweihung von Gedenkrafeln für die aus französischer Seite gefallenen polnischen und portugiesischen Kriegsfreiwilligen u. a., er habe bei einer Reise nach der From im Jahre 1917 die Disziplin der portugiesischen Armee feststellen können, die ohne unmittelbaren Nutzen ihr Wut vergossen habe, einzig und allein deshalb, um für die Freiheit ZG c r e ch t i g f e_i i und Zivilisation zu kämpfen (!), Begriffe, die in Schanoc untergegangen wären (!!), wenn Frankreich und feine Verbündeten bei diesem großen Kampfe besiegt worden wären. Frankreich und seine Berbündelen hätten für die Sicherheit und im absolutesten Sinne für die Ebre der Welt (!) gekämpft.
Auf einem Festessen hielt Barthou eine außen politische, zum Teil direkt aus D e u lsch! a n d bezug nebmende Rede. Nach einem Hinweis auf feine Rundreisen kam Bart Hou auf Genf zu sprechen und erklärte: In Genf habe ich
zu Deutschland „Rein" gesagt, zu Deutschland, das, ohne anwesend zu sein, doch zugegen war und das gerade wegen feiner Abwesenheit mächtig war. Ich habe zu Deutschland gesagt, daß man
mit dieser Abwesenheit ein Ende machen muß, die voller Gefahren für die ganze Welt ist, weil jeder feinen Anteil von Verantwortung auf sich nehmen muß. Ich will seine Voraussage für die Zukunft machen, aber ich nehme einmal an, mir wären einige Fragen vorgelegt worden. Dann hätte ich den Standpunkt vertreten, daß, gleichviel wie stark mein Ab scheu gegenüber d e in K r > c g c ist — ein Abscheu, den das ganze Land teilt —. Frankreich seine Vorsichtsmaßnabmen ergreife und
warten müsse, bevor eS über die Abrüstung verhau del» kann. Man kann noch nicht sagen, ob nach Verwirk lichuiig jener regionalen Pakte ein neues Zeitalter bc ginnt, das die Möglichkeit bietet, die Auswirkungen dieser Pakte auf die Abrüstung zu prüfen. Kerbaudtungen könnten wohl als eine F o ! g c der Verwirklichung dieser regionalen Pakte beginnen, aber als P orbe d i n g u n g für die Pakte könnten sie nicht einqclcitct werden.