Vermischte Aachrichten
SchlcsirnS erster Thingplatz den Toten vom Annaberg geweiht.
St. Annaberg (O.-S-). Auf einem historischen Fleckchen Erde, am heiligen Berg OberschlesicnZ. dem Annaberg, wurde durch den schlesischen Gauleiter und Obcrprasidenten Brückner der erste Spatenstich zum ersten schlesischen Thingplatz getan. Brückner weihte den Thingplatz den Toten vom Annaberg
Im Segelboot von Elbing nach Rio de Janeiro.
Rio de Janeiro. Die deutschen Segler Grapentin und Arendt, die in einem winzigen Segelboot von Elbing aus in See gegangen waren, sind nach neunmonatiger Fahrt am Sonnabend wohlbehalten in Rio de Janeiro cingetroffen.
Fünf Menschen vom Blitz erschlagen.
New Porl. Bei zahlreichen Gewittern, die die lange Hitzeperiode im Staate New Port abgclöst haben, wurden drei Personen, darunter ein neunjähriger Junge, vom Blitz erschlagen. Auf einem Felde in der Nähe von Scranton (Penn- svlvanien) wurden zwei kleine Mädchen durch Blitzschlag getötet.
Rifsenverluste bei den Überschwemmungen in Japan.
Tokio. Die Zahl der TodeSopser, die bei den letzten Überschwemmungen zu beklagen sind, beträgt in der Provinz Ishikawa 93, die der Vermißten 214 und die der Verletzten 30. Die Zahl der weggeschwemmten oder zerstörten Häuser beläuft sich auf 298. 4582 Häuser wurden überschwemmt. Die Ziffer der Vermißten in der Provinz Tovama beläuft sich auf 31, die der Verletzten auf 309. 78 Häuser wurden fort« geschwemmt und etwa 10 000 stehen unter Wasser. Etwa 40 Brücken wurden zerstört.
Aah und $ern
O Rettung durch den Fallschirm. Das auf beut Flughafen Darmstadt stationierte Junkers Wetterflugzeug ist gestern morgen in der Nähe von Hohensülze, Kreis Worms, bei einem Wolkenflug abgestürzt und vollständig zertrümmert worden. Der Pilot Schulze-Eckardt und der Beobachter Dr. Müller von der Wetterflugstelle Darmstadt retteten sich durch Fallschirmabsprung und kamen wohlbehalten zur Erde.
O Unfall beim Rangieren. Auf dem Kölner Hauptbahnhof wurden beim Zusammensetzen des D 54 Ostende—Wien infolge zu scharfen Beisetzcns sieben Reisende leicht verletzt. Sie waren aber sämtlich in der Lage, ihre Reise fortzusetzen. Der Betrieb wurde nicht gestört; auch Materialschaden ist nicht entstanden. Eine Untersuchung ist eingeleitet.
O Tod in den Bergen. Die deutschen Bergsteiger Friedrich Heubner und Hermann Ponater aus Nürnberg bestiegen von der Payerhütte aus die Ortlerspitze. Sie hatten den Gipfel glücklich bestiegen und befanden sich bereits beim Abstieg, wobei sic in der Harpprechtrinne von Stcinschlag betroffen und beide verletzt wurden. Ponater erlitt an einem Fuß schwere Verletzungen, während Heubner eine leichtere Kopfverletzung davontrug. Ponater, der nicht mehr weiter konnte, blieb zurück, während sein Kamerad Heubner abstieg, um Hilfe zu holen. Bei diesem Abstieg ist nun Heubner in eine Gletscherspalte gestürzt und hat den Tod gefunden. Erst nach langen Bemühungen
gelang es, die Leiche Heubners auf dem Grund einer Gletscherspalte zu bergen.
O Sprcngstofsexplosion in einer Kirche in Tirol. In Mösern (Tirol) wurde durch die Explosion eines Sprengkörpers in einer Kirche der Altar und die Kircheneinrichtung zerstört sowie ein zwei Quadratmeter großes Loch in die Kirchenmauer gerissen; die Decke der Kirche ist teilweise eingestürzt.
0 Rcgcnstürme über England. Schwere Regenstürnie in ganz England setzten der langen Dürre- und Hitzezeit ein Ende. Vielfach wurden Straßen und Eisenbahndämme überschwemmt. In der Hafenstadt Folkestone stanven mehrere Fabriken unter Wasser, so daß die Arbeit eingestellt werden mußte. Zwei Personen wurden vom Blitz erschlagen.
0 Überschwemmungen in China. — Zahlreiche Opfer. Nach Meldungen aus der Provinz Hupet sind infolge starker Regenfälle mehrere Flüsse über die Ufer getreten und haben weite Strecken überschwemmt. Nach den bisherigen Mitteilungen wurden über 200 Dörfer unter Wasser gesetzt, über 1000 Menschen sind den Fluten zum Opfer gefallen.
Was bringt der Rundfunk?
Reichssender Frankfurt.
Frankfurt: Dienstag, 17. Juli
5.45: Stuttgart: Choral Zeit, Wetter. — 5.50 u. 6.15: Eym, naitif. — 6.40: Zeit, Meldungen. — 6.50: Wetter. -—6.551 Bad Schlangenbad: Frühkonzert. — 8.15: Wasiersiand, Wetter. 8.20: Stuttgart: Gymnastik. — 9.25: Nur Freiburg: Werbekonzert. — 9.45: Nur Freiburg: Eigene Sendung. — 10.00: Nachr. 10.45: Praktische Ratschläge für Küche und Haus. — 11.00: Werbekonzert. — 11,40: Meldungen. — 11.50: Sogialdienst.
12.00: Kassel: Musikzug der SA-Standarte 167, Kassel. Ltg.: Mu- sikzugführer Schröder. — 13.00: Zeit Saardienst: Anschl.: Nachr. 13.10: Nachr. — 13.20: Stuttgart: Leicht geschürzte Muse. Dye« rettenklänge auf Schallplatte». — Dazw. 1350: Zeit Nachr. — 14.30: Nur Freiburg: Nachr. — 14.40: Stunde der Frau: Wèibl. Pioniere. — 15.30: Wetter. — 15.35: Wirtschaftsbericht. — 15.50: Zeit Wirtschaftsmeldungen.
16.00: Bad Wildungen: Knrorchester Bad Wildungen. Ltg.: Otto Albert. — 17:80: Als der Urahn die Urahne nahm. Eine Sprach- plaudsrei. — 17.45: Klaviermusik von Chopin. — 18.00: Schüler wünschen sich einen Beruf! Zwiegespräch. — 18.15: Aus Wirtschaft und Arbeit. Kurzberichte. — 18.25: Italienisch. — 18.45: Meldungen. — 18.50: Griff ins Heute.
19.00: Vom Deutschlandsender: Jungarbeiter angevackt. Ein Gingen und Künden von Arbeit und Kraft. — 19.30: Lieder von Jerger und Kanetscheider. — 20.00: Zeit, Nachr. — 20.10: Donaueschingen: Süddeutsche Blasmusik. Ltg.: Hans Husadel. — 22.00: Kassel: Kleine Unterhaltung. — 22.20: Zeit, Nachr. — 22.35: Nachr., Wecker Sport. — 22.45: Baden-Baden: Tanzmusik der Kapelle Waldemann-Gietmann. — 24.00: Stuttgart: Nachtmusik.
Der Führer sprach zur Welt.
Am Freitag abend sprach Reichskanzler Adolf Hitler von der Tribüne des Reichstags in der Kroll-Oper zu den deutschen Volksvertretern und durch den Rundfunk über sämtliche deutsche und zahlreiche ausländische Sender zur ganzen Welt über die Geschehnisse des 30. Juni und die gegenwärtige politische Lage. Unser Bild zeigt den Führer am Rednerpult. Hinter ihm, auf dem Präsidentenstuhl, General Göring. Auf der Ministerbank sieht man links den Stellvertreter, Hetz, des Führers und neben ihm Reichsautzenminister von Neurath. In der zweiten Bankreihe sieht man links Reichsminister Seldte.
Deutschlandsender.
Deutschlandsender: Dienstag, 17. Juli
5.45: Hamburg: Wecker. — 5.50: Nachrichten. — 6.00: Berlin: Gymnastik. — 6.15: Tagesspruch.. — 6.20: Leipzig: Philharm. Orchester. Ltg.: l'Hermet. — In einer Pause, gegen 7.00: Nachr. 8.00: Sperrzeit. — 8.45: Leibesübung für die Frau. — 9XX): Sperrzeit. — 10.00: Nachr. — 10.10: Stratzenmusik lSchallpl.). 10.50: Fröhlicher Kindergarten. — 11.15: Seewetterbencht. —- 11.30: Siegfried Kuhn: Sonate für Bratsche und Klavier — 11.55: Wecker.
12.00: Frankfurt: Mittagskonzert. — 12.55: Zeitzeichen. — 13.00: Bayerisches Panorama (Schallplatten. — Anschl.: Wetter. — 13.45: Nachrichten. — 14.00: Sperrzeit. — 14.4'5: Glückwünsche u. Programmhinweise. — 15.00: Wecker, Börse. — 15.15: Für die Frau: Die Aufgabe der Mutter bei der Erziehung des Jungen. 15.40: Paul Eipper erzählt von Tierkindern. -
16.00: Köln: Die fröhlichen Füns ii. a. — 17.15: Jugendsportstunde: Spiel und Kampf. — 17.35: H. Richter: Der Lotse vom Pelorus- Fjord. — 17.45: Prof. Dr. Moser: Neueste Forschungen über die Tierwelt der Tiefsee. — 17.55: Händel: Nachtigallenmusik. 18.20: Zeitfunk. — 18.35: Politische Zeitungsschau. — 1855: Das Gedicht. — Anschi.: Wetter.
19.00: Jungarbeiter, angevackt! Ein Singen und Kunden von Arom und Kraft. — 19.30: Ricarda Huch zum 70. Geburtstag. Verse und Geschichten. — 20.00: Kernspruch. — Anschl.: Kurznachr. 20.10: Köln: Orchesterkonzeck. Ltg.: Kühn. — 2050: Das war Münchhausen. Hörspiel. — 22.00: Wetter, Nachr., Sport. — 22.30: Dom Intern. Offiziers-Jagdrennen in Berlin-Karlshorst. 22.45: Seewetterbericht. — 23.00: Hamburg: Spätmusik.
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? Nachdruck verboten.
Alle sind tief erschrocken. Ein hohnvolles Kichern, dann ist es zu Ende.
Torn merkt, wie Ariane fröstelt.
Der Bankier aber ist außer sich. „Sie arbeitet wieder! Morris muß es geschafft haben, ganz beimlich! Ein köstlicher Bursche! Das freut mich aber!^
Dann wendet er sich an Tom. „So, junger Freund! Jetzt will ich Ihnen noch den Oger zeigen, aber . . . Sie müssen völlig Herr Ihrer Nerven sein. Beim Anblick dieser Figur sind schon verschiedene Menschen ohnmächtig geworden."
„Sorgen Sie sich nicht, Mister Boulot! Ich bin meiner Nerven sicher!"
„Dann kommen Sie."
Ariane bleibt zurück. „Nein, ich mag ihn nicht nochmals sehen! Ich habe genug vom ersten Male. Ich erwarte euch auf dem Korridor."
Der Bankier geht mit Tom Halifax auf einen Verschlag in der linken Ecke des Saales zu und zieht den Vorhang zurück.
Da steht der Oger!
Tom kann sich eines Gefühls des Grauens nicht erwehren.
Die plumpe Gestalt ist überlebensgroß, der häßliche Mund weit geöffnet und zeigt surchtbare Zähne. Es macht den Eindruck, als wolle sich der Niese jeden Augenblick auf den Beschauer stürzen.
Statt der Haare windet sich ein Kranz von Schlangen um sein Haupt. Das Entsetzlichste ist aber, daß her Riese nur ein Auge, ein großes Auge, mitten auf der Stirn besitzt.
Die Hande sind mit scharfen Krallen bewehrt. Ern graues Gewand umhüllt die mächtige Gestalt, die über den Schultern ein Fell trägt.
^Mein Prachtstück!" sagt der Bankier stolz.
„Der Ogerl Der menschenfressende Riese! Wahrlich, grauenhafter ist die Gestalt nicht zu erschaffen!" stellt »Tom kopffchüttelnd fest. „Arbeitet dieser Automat?"
„Nein! Er spottet aller Bemühungen, ihn in Gang zu bringen. Und dabei soll er geradezu Wunderbares geleistet haben. Er ist gelaufen wie ein Menfch und hat die Arme ausgestreckt, als wenn er jemand erdrosseln wollte. Die unglaublichsten Dinge werden von ihm be- richtet. Wenn Her Oaer^das Auae öffnet, beitzt Ls.m der
Chronik, und einen Menschen anblickt, dann stirbt dieser. Es ist natürlich nur eine Sage, aber sie macht tue Figur noch interessanter."
Tom betrachtet Las geschlossene Auge.
„Hat er das Auge schon einmal geöffnet?"
„Noch nie! Der „Oger" ist das Lieblingsstück meines Mechanikers. Er hat sich mit ihm schon oft herumgequält, aber immer erfolglos. Und vor kurzem hat mir Morris, der sonst nichts für unmöglich hält, erklärt, datz es ganz ausgeschlossen ser, den Mechanismus dieser Figur wieder einmal zu reparieren."
„Vielleicht ist es besser so!"
Boulot lächelt und nickt: „Möglich, Mister Halifax!" Er schlägt den Vorhang wieder zurück, dann verlassen sie den Saal.
„Mister Halifax hat gute Nerven, Ariane!" lacht Boulot. „Er hat mit keiner Wimper gezuckt, als er vor Lem „Oger" stand. Du bist damals fast umgefallen."
„Es hat mich tüchtig gegruselt, Mister Boulot, mutz ich eingestehen."
„Oh, es ist keine Schande, das einzugestehen. Ich freue mich, Latz Sie meiner Sammlung Interesse entgegenbringen. Man fühlt das, wenn nicht blotze Neu- Kier vorhanden ist."
„Ich heuchle kein Interesse, um mich etwa bei einem so einflußreichen Manne, wie Sie, Mister Boulot, ins gute Licht zu setzen. Das liegt mir nicht!" entgegnet Tom sehr offenherzig.
Boulot reicht ihm lächelnd die Hand.
„Das freut mich, Mister Halifax! Sie sind immer willkommen in meinem Hause!"
Beim fröhlichen Tanze verwischen sich wieder die Einorücke aus dem Automatensaal. Ariane findet, daß ihr Partner ganz ausgezeichnet tanzt. Ueberhaupt ist er ein vollendeter Kavalrer.
„Sie haben viele Fähigkeiten, Mister Halifax," sagt Ariane. „Sie sind ein großer Sportsmann/ flotter Tänzer, glänzender Gesellschafter, sind beschlagen auf allen Gebieten . . . jetzt sagen Sie mir einmal, was Ihnen eigentlich nicht liegt?"
Tom blickt sie lächelnd an.
„Was mir nicht liegt? Ein Flirt mit Ihnen, Mitz Boulot."
Sie wird ein wenig rot
„Warum nicht?"
„Weil ich das Gefühl habe, wir konnten recht gute Kameraden sein. Und ich würde es bedauern, wenn ein dummer Flirt, der letzten Endes für beide Teile wertlos ist, diese gute Kameradschaft stören wollte."
Armue nickt.
„Sie haben recht, Mister Halifax ! Wollen wir lieber gute Freunde sein! Ich werde Ihnen auch nicht mehr so kokette Augen machen."
Tom lacht hell auf und küßt ihre Hand.
„Bravo! Brechen Sie einmal mit dieser schlechten Gewohnheit. Sie sind ja im Grunde genommen ein ganz natürlicher Mensch. Das ist am schätzenswertesten an Ihnen, glauben Sie mir!"
„Eine Bitte hätte ich!"
„Schon bewilligt!"
„Halifax ... das klingt nicht hübsch, so nach Fax ... Fixfax ... ich darf Sie doch Mister Tom nennen?"
„Mit Vergnügen!"
„Und Sie sagen Miß Ariane! Und wenn wir zusammen Tennis spielen als gute Sportkameraden, dann lassen wir den Mister und die Miß noch weg."
„Sie schenken mir sehr viel Vertrauen, Miß Ariane'/
„Das tue ich gern. Also kommen Sie, Mister Tomi Den Tango wollen wir uns Nicht entgehen lassen!"
Oberst Wilms, der sich auch unter den Gästen befindet, tanzt nicht. Er unterhält sich mit einem Börsenmakler und dem „kleinen" Millionär Smaller, den man zwar nur auf vier Millionen taxiert, der aber von Boulot ob seines klugen Urteils über Börsenangelegenheiten sehr geschätzt wird.
Plötzlich taucht Boulot auf und nimmt Oberst Wilms beiseite. „Haben Sie meine Frau nicht gesehen?"
„Mistreß Boulot hat vor etwa einer Brertelftunde den Saal verlassen. Der Diener meldete Besuch."
,,Sol" sagt Boulot gleichmütig und entfernt sich wreder.
Oberst Wilms muß an Frau Jenny Boulot denken. Eine seltsame Fran! Bildschön, aber wie eine Statue so bleich, nur die dunklen Augen voll lodernden Lebens.
Ueber das Einvernehmen zwischen den Eheleuten hatte sich der Oberst in den wenigen Tagen, die er im Hause Boulot weilte, noch kein rechtes Bild machen können.
Konventionelle Ehe vermutete er jedenfalls; denn vesondere Gefühle der Liebe schienen zwischen Larry Boulot und seiner Frau Jenny nicht vorhanden zu sein. Bonlot ging ganz in seinem Berufe als Großbankier auf.
Man kam in der kleinen Runde auch auf ihn zu
Oberst Wilms stellte fest, daß von dem jüngsten Akten» tat nichts durchgesickert war. Die Dienerschaft deS Aauses hielt normlblicß dickt.
(Fortsetzung folgt.)