Ärlöaer Anzeiger
Anzeigenpreis: 1 mm Höhe in der 46 mm breiten Anzeigenspalte oder deren Raum 4 Pf., im Textteil (90 mm breit) 12 Pf. Bei Wiederholung wird Rabatt nach Tarif gewährt, bei zwangsweiser . Beitreibung oder Konkurs erlischt jeder Anspruch
SÄ!“. lâzuApâ monaMch'Aö S Tageblatt für Rhön und Vogelsberg» Lieferunusöehinderung durch „Höhere .
Kurv » MKS Iulöa- und Haunetal? Zulöaer Kreisblatt w ^^ ^ ftbrffileüe^ Ehrenklau, Fulda Königstr. 42. Redaktion und Geschäftsstelle: KSnlgstraße 42 ♦ Zernfprech-flnschluß Nr. 2489 Anzeigenteil Ferdinand Ehrenklau, Lauterbach-H.
Nr. 159 — 1934
Fulda, Mittwoch, 11. Juli
11. Jahrgang
Universität Freiburg in Flammen
Große Drandkatafirophe in Freiburg.
Der größte Teil der Universitätzerstört.
In der Universität in Freiburg im Breisgau brach ein Grotzfeuer aus, das in kurzer Zeit auf den grössten Teil des Gebäudes Übergriff. In knapp 20 Minuten stand die grosse Kuppel der Universität in Flammen und stürzte bald darauf mit Donncrgepoller in die Aula. Der gesamte Dachstuhl sowie grosse Werte wurden vernichtet.
Zu dem Feuer erfahren wir noch folgende Einzelheiten:
Das Universitätsgebäude befindet sich im Zentrum der Stadt in unmittelbarer Nähe des Stadttheaters und der Hauptfeuerwache. Passanten bemerkten plötzlich, wie aus dem mittleren Kuppelbau dichte Rauchwolken aufstiegen. Im Nu durcheilte die Schreckenskunde die Stadt, und bald rückten die ersten Löschzüge der Feuerwehr an, bis die gesamten Wehr e nder Stadt (acht Löschzüge) am Brandort waren.
Inzwischen hatte sich das Feuer mit rasender Geschwindigkeit verbreitet. Der durch langandauernde Hitze ausgcdörrte Dachstuhl bot den Flammen reiche Nahrung Der starke Wind trieb ebenfalls das Feuer immer weiter, so daß in kurzer Zeit nicht nur der Kuppelbau, sondern auch
ein Teil des oberen Stockwerkes in Flammen
stand. Vergeblich war die Mühe der Löschmannschaften. Immer weiter griff das Feuer um sich, und cs schien, als ob das Gebäude bis auf die Grundmauern niederbrennen würde.
2h aufopfernder Tätigkeit bemühten sich Pro. fefforcn und Studenten, SA.- und SS.- Männer, wertvolle Bücher und Instrumente aus dem brennenden Gebäude zu retten.
Kurz nach ein Uhr hatte das Feuer so starke Zerstörungsarbeit verrichtet, daß plötzlich vor den Augen der .Oilfs- mannschaften der große Kuppelbau
mit donnerartigem Getöse einstürzte.
Das Mauerwerk fiel auf das obere Stockwerk, hauptsächlich auf die Aula, und richtete unbeschreibliche Verwüstung an. Trotz aller Löschversuche drangen Die Flammen weiter vor, und schließlich war die gesamte Dach- konstruktion des Gebäudes
Politik des
Was Barihou in London woüie.
Eine Verlautbarung des englischen Auswärtigen Amtes.
Die englisch-französischen Besprechungen in London dauerten über zwei Stunden. Das englische Auswärtige Amt hat darüber folgende Verlautbarung herausgegeben: „Die im freundschaftlichen Tone geführten e n g l i sch- französischen Unterredungen, die am Dienstagvormittag im englischen Auswärtigen Amt zu Ende gingen, gestatteten es den beiden Regierungen, die gegenseitigen Anschauungen über die zur Diskussion stehenden Fragen zu würdigen.
Diese Fragen erstreckten sich auf die französischen Vorschläge über zusätzliche Massnahmen zur Erlangung einer gegenseitigen Sicherheit in Osteuropa, auf die Zukunft der Abrüstungskonferenz und aus die Vorbereitung der F l o t t e n k o n f c r c n z im Jahre 1935. Um die Erörterung über den letzten Punkt fort- zusetzen, wird der französische Kricgsmnrincministcr Pivtri seinen Aufenthalt in London um einige Tage verlängern."
*
England und Varthvus paktNolttik.
Havas über die angeblichen Ergebnisse der Londoner Besprechungen.
Der französische Außenminister B a r t h o u hat London wieder verlassen und ist nach Paris zurückgekehrt. Kurz vor seiner Abreise aus der englischen Hauptstadt verbreitete der Londoner Korrespondent der französischen offiziösen Nachrichtenagentur H a v a s einen schön- fürberischen überblick über die angeblichen Ergebnisse des Besuches.
In dem Korrespondenten Bericht wird u. a. behauptet, daß sämtliche englischen Vorurteile gegenüber dem Plan eines Ostpakt es behoben seien. Die englische Regierung werde diesen Plan. in den in Frage kommenden Hauptstädten, wo. sie über Einfluß verfüge, unterstützen. England widersetze sich auch nicht dem Eintritt S o w j e t r u ß l a n d s in den Völkerbund. Schließlich sei „ein erhöhtes Vertrauen und eine Festigung" der englisch-französischen Beziehungen zu verzeichnen.
ein einziges Flammenmeer.
Immer neues Mauerwerk stürzte ein, so daß schließlich nur noch die Außenmauern bis zum dritten Stockwerk stehenblieben.
Univcrsitätsgebäude in Freiburg i. Br.
Nach langem Bemühen erst hatten die Löscharbeiten Erfolg. Es gelang in den Nachmittagsstunden, das Feuer einzu kreisen und eine weitere Ausdehnung der Flammen zu verhüten. Der Schaden ist noch nicht zu übersehen.
Abgesehen von dem Gebäudeschaden sind auch zahlreiche wertvolle Bücher und Gemälde ein Raub der
Flammen geworden. Von den vernichteten Büchern verdient besonders He in jahrelanger Arbei. hcrgestcüte Badische Chronik erwähnt zu werden.
Es ist damit zu rechnen, daß auf lange Zeit die Vorlesungen an der Universität a u s f a l l e n müssen
*
Die Freiburger Universität hat ein e h r w ü r d i g c s Alter. Sie wurde 1457 von Herzog Albrecht VI. von Österreich gegründet. Bald erwiesen sich die alten Baulichkeiten als unvollkommen. Schon im Jahre 1906 wurde der Grundstein zum heutigen neuen Zentral- und Kollegiengebäude gelegt. Im Jahre 1911 war der Bau vollendet. Großherzog Friedrich II. von Baden vollzog selbst die Weihe.
»Friedens"?
Diese' französische Mitteilung über die Ergebnisse des Värthou-Besuches ist nur mit Vorsicht zu genießen. Bekanntlich ist die gesamte öffentliche Meinung Englands -gegen jede neue politische Paktbindung. Staatssekretär Eden hat das unlängst deutlich genug ausgedrückt. Barthou wird nicht mehr bei seinen Besprechungen geerntet haben, als ein stillschweigendes englisches Einverständnis, zu probieren, wie weit er mit seiner Paktpolitik kommt. England wird abwarten, wieweit diese französische Politik dem Frieden dient, und sich dann erst für ein Ja oder Rein entscheiden
Französische „WesteMchmknegsschiffe".
Neue Probleme für die Flottenkonferenz.
„Daily Herald" weiß zu berichten, daß in St. Nazaire zur Zeit ein neues französisches M i n t a t u r = Kriegsschiff ausprobiert werde, das die erstaunliche Stundengeschwindigkeit von 55 Seemeilen erreiche, ins tute Schiff führe die Bezeichnung „Pfadfinder I> 10 . Cs sei etwa zwölf Meter lang, besitze zwei Torpedorohre und werde von einem 2W0-?S-Motor getrieben. Es solle hauptsächlich zur Brechung von Blockaden oder zum Angriff auf Truppentränsportschiffe verwendet werden. Seine Geschwindigkeit und geringe Größe wurde e. gegen Bombenangriffe und Artlllenefener sichern, und der g e r i n g c T i e f g a n g fviirde ihm ermöglichen, über Minenfelder hinwegzugleilcn. Da die Koste n für dieses „Über-Westcntaschen-Schiff" verhältnismäßig gering seien, könne man erwarten, daß die franzosifche flotte bah mit einer Ai a s s e n h e r st c l l u n g dicfes ^ypv beginnen und damit Die Flotten der übrigen Weck vor ein neues Problem stellen werde.
*
England bleibt beim Locarno-Vertrag.
Erklärungen Simons vor dem Unterhaus.
Der britische Staatssekretär des Äußern, S i r I o h n Simon, antwortete aus eine Anfrage im Londoner Unterhaus über die kürzlichen Ereignisse in Deutschland: „Tic Tatsachen, soweit sie bisher bekannt sind, sind in der Presse berichtet worden, und ich habe ihnen
augenblicklich nichts hinzuzufügen." Ein anderes Mitglied wollte wissen, ob die britische Regierung „angesichts der veränderten Verhältnisse in Deutschland" zu den Verpflichtungen stehe, die von Großbritannien im Locarno-Pakt angenommen worden seien. Simon erwiderte u. a.: „Die Haltung der britischen Regierung mii Bezug auf die Verpflichtungen Englands bat sich nicht geändert. Eine Beeinflussung unserer Auffassung durch die kürzlichen Ereignisse in Deutschland kommt nicht in Frage. Die Interessen, die zum Abschluß des Locarno- Vertrages geführt haben, werden nicht durch innere Geschehnisse in Deutschland geändert. Wenn wir ein Dokument unterzeichnet haben, müssen wir auf jeden Fall dazu stehen."
Der litauische Terror in Memel.
Der Memeler Oberbürgermeister seines Amtes enthoben.
Das Landesdirektorium Reisgvs hat den Memeler Oberbürgermeister Dr. Brindliuger seines Amtes enthoben mit der Begründung, daß er die litauische Sprache nicht beherrsche und so gemäß der bestehenden Gesetze die frühere Bestätigung seiner Wahl nicht gültig sei. An seiner Stelle wurde der bekannte Groß-Litauer Simonaitis als Oberbürgermeister mit kommissarischer Besugnis eingesetzt. Ferner sind durch Beschluß des Landesdirektoriums Magistratsmit- g l i e d e r ihrer Ämter enthoben. Die Amtsenthebung wird damit begründet, daß die Betreffenden Mitglieder der verbotenen sogenannten antistaatlichen Parteien waren. Sie sind einem Verhör unterzogen worden.
Reichstag für Freitag abend einberufen.
Der Deutsche Reichstag ist Zu seiner nächsten Vollsitzung für Freitag, 13. Juli, abends 8 Uhr, pünktlich, cinberufen worden. Auf der Tagesordnung steht als einziger Gegenstand: Entgegennahme einer Erklärung der Reichsregierung.
*
Die letzte Sitzung des Teutschen Reichstags fand am 30. Januar d. J. statt, genau ein Jahr nach Der Betrauung Adolf Hitlers mit der Leitung der Staatsgeschäfte. In dieser Sitzung wurde das von der Reichsregierung vorgelcgtc Ermächtigungsgesetz nach einer grundlegenden Rede des Reichskanzlers angenommen, in dem der Regierung weitgehende Vollmachten verfassungs- ändcrnden Charakters erteilt wurden.
In der Zusammensetzung des Reichstags werden insofern gewisse Änderungen zu verzeichnen sein, als den Ereignissen des 30. Juni und dem vom Kabinett beschlossenen Gesetz mit dem damit zusammenhängenden Mandatsvcrlnst Rechnung zu tragen ist.
*
Berlin, 10. Juli. Die Reichstagssitzung am Freitag, den 13. Zuli, 20 Uhr, wird auf alle deutschen Tender übertragen.
Unerhörte Hetzrede eines tschechoslowakischen Marxisten.
Beim Abschluß des Festzuges anläßlich der Internationalen Arbeiter-Olympiade in Prag hat Der tschechische sozialdemokratische Abgeordnete H u m mcl - Hans, einer der Führer Der marxi st i s cb c n T urn - und Sportvcrbändc, aus dem Altstädtcr Platz in Prag vor Mitgliedern der Prager Regierung, des Diplomatischen Korps, den Vertretern der Generalität und der Präsidcutschastskanzlei sowie vor Tausenden von Zuhörern eine Rede gehalten, die wohl den Gipfel aller bisher dagewcscncn deutschfeindlichen Hetzereien darstcllt. o
Nach schwersten Beleidigungen des Reichskanzlers und seiner Mitarbeiter hat HummclhanS dann wörtlich gesagt: „Es ist höchste Zeit, dass Der Reichskanzler und seine Leute beseitigt werden, um Die VolksUiltur zu retten." Diese Beleidigungen und die direkte Aunordc- rung zum Mord waren auch in der offiziellen tschcchv slowakischen Radiosendung deutlich zu hören.
Die deutsche Gesandtschaft in Prag bat gegen dieses unerhörte Verhalten in einer Verbalnote beim Prager Außenministerium schärfsten Protest eingelegt und Maßnahmen verlangt, damit derartige friedenstorende Zwischenfälle in Zukunft verhindert werden
lleichslreffen der Hitler-Zuaendführer.
Baldur von Schwach in Goslar.
Der R e i ch s j u g e n d s ü h r e r der Hitler Jugend hatte ein Tagung sämtlicher Obergebiets- und Gebictsführer sowie der Bannführer nach Goslar ein berufen. Die Tagung trägt internen Charakter. Rund 200 Führer der Hitler Jugend aus dem ganzen Reich nahmen daran teil.
Die gestrige Rundfunkrede des Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda Dr. Goebbels bringen wir auf Seite 2.