Zungvolklager am See
An einem schönen deutschen See, fernab von Städten und Dörfern, ist ein großes Zeltlager des Jungvolks entstanden. Weg von der Enge der Straßen in der Großstadt, weg von den grauen Steinwänden; wir wollen die deutsche Landschaft kennen lernen und erleben! Das war die Losung der Jungen, als sie hier ihr Lager errichteten.
Um Mitternacht trete ich einen Rundgang durch das Lager an. Aus dem nächtlichen Dunkel leuchten die Wachtfeuer auf; in langer Reihe ziehen sie sich am Seeufer entlang und spiegeln sich in den aufglitzernden Fluten. Am wolkenlosen Himmel leuchten die Sterne und verbreiten eine unaussprechliche Ruhe. Hin und wieder blitzen die Lampen der Posten auf. Wir grüßen uns, und ich darf meine nächtliche Wanderung fortsetzen. Aus manchen Zelten, an denen ich vorbeikomme, tönt ein Geräusch, als seien die Bewohner dabei, den Zeltstab durchzusägen. Ich gehe weiter. An einem Lagerfeuer sitzen drei Jungen in ihre Decken gehüllt, den Kragen der Mäntel hochgeschlagen. So kauern sie eng zusammengerückt, starren in die knisternden Flammen und werfen ab und zu ein Holzscheit ins Feuer. Sie sind nicht gesprächig; die Umgebung, das Düster-geheimnisvolle der Nacht wirkt zu mächtig auf sie. Da ist jeder mit seinen Gedanken beschäftigt. Ich trete aus dem flackernden Feuerschein in das Waldesdunkel zurück. Dumpf poltert es zu meinen Füßen; aus Versehen habe ich an ein Kochgeschirr gestoßen. Ein unwilliges Brummen, dann wieder tiefe Stille, unendliche Ruhe! Don einem Wachtposten bekomme ich einen Schluck Wasser zu trinken, dann mache ich mich auf den Rückweg zu meinem Lagerplatz. Verschlafen gähnend begrüßen mich meine Kameraden; ohne ein Wort zu sagen, krauche ich in meine Zeltbahn, strecke mich aus und schlafe ein.
Früh am Morgen klingt das Wecksignal durch den Wald. Verschlafene Jungensgesichter schauen aus den Zelten und reiben die Augen. „Alle rrraus!" tönt es durch das Lager. Mit einem Ruck werden die Decken abgeworfen; die Sonne lacht durch die Zweige, und bald kommt überall fröhliche Stimmung auf. Kommandos ertönen; in Turnhosen wird zum Waldlauf angetreten. Dumpf dröhnen dabei die Trommeln. Nach dem Waldlauf kommen Freiübungen an die Reihe, und es ist ein zackiger Anblick, wie die gelenkigen Körper sich drehen und wenden. Eins, zwei-drei! Alles klappt wie am Schnürchen. Schluß mit den Freiübungen! Der See wartet schon auf uns. Leicht kräuselt der Morgenwind die Oberfläche des Wassers; glucksend schlagen kleine Wellen ans Ufer. Da stürmt die wilde Horde heran; schreiend und lachend geht es ins Wasier, daß die Fluten hochauf spritzen und die Tropfen wie Perlen in der Sonne glitzern.
Als die Jungen aus dem Wasser herauskommen, ist keine Spur von Müdigkeit mehr in ihnen. Mit Eifer geht es jetzt an die Kochtöpfe. Unter Gesang und Lachen werden Kartoffeln geschält, Kochstellen aufgebaut, und bald brodelt es verheißungsvoll in den Kochgeschirren. Ein vollbepackter Wagen hatte, von wildem Geheul begleitet, am Morgen Brot, Milch, „toten Indianer in Büchsen" (Lagerausdruck für Büchsenfleisch) und viele andere Lebensmittel in das Lager gebracht. Feierlich zieht dann die Fahnenwache auf; das Lagerleben hat richtig begonnen.
Sport und Spiel wechseln einander ab, und im Wettkampf werden die Kräfte gemessen. Aber auch ernste Lagerarbeiten müssen getan werden: eine Gruppe übt Flaggensignale, während andere im Zeltbau — auch das will gelernt sein — unterrichtet werden und Pionierarbeiten zu leisten haben. Sanitäter bekommen Anweisung für die erste Hilfeleistung bei Un= glücksfällen, und wieder eine andere Gruppe sitzt zusammen und übt neue Fahrtenlieder. So vergeht der Nachmittag, und es dauert nicht lange, dann sinkt die Dämmerung sachte über die Baumwipfel. Lagerfeuer werden wieder angebrannt, und in einem großen Kreis setzt man sich herum. Gemeinsamer Gesang von Fahrten- und Kampfliedern schallt durch den Wald. Aber man kann nicht immer singen, und so kommt das^ gesprochene Wort auch zu seinem Recht. Erinnerungen an frühere Fahrten werden ausgetauscht, oder man spricht von den Zeiten, als das Hakenkreuz verfolgt und verachtet war, als der Kampf um die großen Städte tobte. Ueber Tagesfragen wird geredet, und überall findet der Sprecher aufmerksame Zuhörer. Mei
nungen werden ausgetauscht; auf den körperlichen Wettkampf folgt ein geistiger Wettstreit.
Es ist jetzt so dunkel, daß der Wald wie eine riesige schwarze Wand aussieht. Vom See weht es kühl zu uns herüber. In diesen Augenblicken fühlen wir am Lagerfeuer, daß wir eine große Gemeinschaft sind, daß wir alle zusammengehören. Der Sinn der Zusammengehörigkeit und die Verbundenheit mit der deutschen Erde wird uns klar. Hell lodert die Flamme auf, und wie sie mächtig gen Himmel strebt, klingt mächtig unser altes Schutz- und Trutzlied durch die weihevolle Nacht. „Unsere Fahne flattert uns voran, unsere Fahne ist die neue Zeit...“
Für den Briefmarkensammler
Es gibt wohl kaum einen Jungen, der sich als leidenschaftlicher Sammler nicht eine Pflanzen-, Münzen- oder in den meisten Fällen eine Briefmarkensammlung zugelegt hätte. Vom Vriefmarkensammeln, und zwar vom richtigen Sammeln soll heute die Rede sein. Man kann Briefmarken nämlich auf recht verschiedene Weise sammeln. Zunächst einmal unterscheidet man die sog. „Lückenfüller", die eifrig darauf bedacht sind, alle leeren Stellen in ihrem Album auszufüllen, um ihre Sammlung möglichst bald „vollständig" zu haben. Das ist jedoch nicht der Sinn des Vriefmarkensammelns; denn dann könnte man ebenso gut verschiedenfarbige Papierschnitzel in Büchern aufheben. Der Sammler im eigentlichen Sinne^geht ganz anders
mit seinen Marken vor.
Für ihn sind es keine Gegenstände, deren Bestimmung es ist, ihr Dasein wohlverwahrt in einem dicken Buch zu verbringen; sondern er beschäftigt sich mit ihnen, er wird durch sie in viele Wissensgebiete der ganzen Welt
eingeführt. Er lernt von den Marken Tiere und Pflanzen kennen; er bekommt Einblick in die Geographie fremder Länder und in die Geschichte anderer Völker. Auf den deutschen Wertzeichen sieht man neben alten Burgen, Schlössern und Domen die Köpfe von Männern, die sich um Deutschland verdient gemacht haben. Auf südamerikanischen Marken findet man die geographische Lage der kleinen Staaten, während afrikanische Marken Tiere und Bewohner dieses Erdteils darstellen. Daß Oesterreich die Nibelungensage auf Briefmarken gebracht hat, wird allen eifrigen Sammlern bekannt sein.
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Der Rattenfänger von Home!«
Am Rathaus zu Hameln las man längerer Zeit noch folgenden Spruch:
Im Jahr 1284 na Christi gehört to Hamel worden uthgevort hundert und dreißig Kinder dajülvest geborn dorch einen Piper under den Köppen verlorn.
Von dieser merkwürdigen Begebenheit erzählt die Sage:
Im Jahre 1284 ließ sich zu Hameln ein wunderlicher Mann sehen. Er hatte einen Rock von vielfarbigem, buntem Tuch an, weshalb er Bundting soll geheißen haben, und gab sich für einen Rattenfänger aus, indem er versprach, gegen ein gewisses Geld die Stadt von allen Mäusen und Ratten zu befreien. Die Bürger wurden mit ihm einig und versicherten ihm einen bestimmten Lohn.
Der Rattenfänger zog demnach ein Pfeifchen heraus, pfiff, da kamen alsobald die Ratten und Mäuse aus allen Häusern hervorgekrochen und sammelten sich um ihn herum. Als er nun meinte, es wäre keine zurück, ging er hinaus und der ganze Haufen folgte ihm, und so führte er sie an die Weser; dort schürzte er seine Kleider und trat in das Wasser, worauf ihm alle Tiere folgten und hineinstürzend ertranken.
Nachdem die Bürger aber von ihrer Plage befreit waren, reute sie der versprochene Lohn, und sie verweigerten ihn dem Manne unter allerlei Ausflüchten, so daß er zornig und erbittert wegging. Am 26. Juni auf Johannis und Pauli Tag, morgens früh sieben Uhr, nach andern zu Mittag, erschien er wieder, jetzt in
vor
Nun taucht die Frage aus, Luther schrieb einmal: „Sie setzen dam n was man denn an Brief- was sie wollen und verhümpeln nur meine marken eigentlich sammeln Predigten, daß ich sie selbst nicht verstebe soll. Ist es ratsam, sich und doch meinen Namen führen" Mn» Sammlungen für bestimmte Gebiete anzulegen, für Eu- MMM ropa und Uebersee zum Beispiel? Es ist am besten, man legt sich auf kein Spezialgebiet fest, sondern sammelt alle erreichbaren Marken. Eine zweite durchaus berechtigte Frage ist: „Soll ich gebrauchte oder ungebrauchte Marken sammeln?" Man bedenke dabei, daß das Sammeln von ungebrauchten Postwertzeichen bedeutend schwerer und teurer ist, sind doch die Marken ohne Stempel viel schwieriger zu erlangen. Für den Anfänger sei daher das Sammeln gebrauchter Marken die Regel. Damit soll aber nicht gesagt sein, daß kein ungestempeltes Stück in der Sammlung vorkommen dürfe.
Jedem von Euch, der sich mit Briefmarkensammeln abgibt, dürfte es bekannt sein, daß man die Marken vor dem Einkleben sauber von allen anhaftenden Pa- vierresten befreit, indem man sie in ein Wasserbad bringt. Ebenso selbstverständlich ist es auch, daß man sie nicht mit einem beliebigen Kleister in das Album klebt, sondern sie säuberlich mit einem Briefmarkenfalz versieht. Beschädigte Stücke halte man dem Album fern; denn erstens gewähren sie keinen schönen Anblick, und zweitens führen sie zu Irrtümern in der Bewertung.
Luthers Predigten werden stenografiert
Wenn man von einem Nachschreibsp der Predigten im Mittelalter hört, so handelt es sich dabei nicht um eine Kurzschrift, wie sie heute allgemein üblich ist — denn die wurde ja erst viel später erfunden — sondern vielmehr um eine gewöhnliche gekürzte Schrift. An Hand dieser — manchmal recht unvollkommenen — Niederschriften sind dann die Predigten übertragen worden. Die „Stenographen" der damaligen Zeit mutzten sich viel mehr auf ihr Gedächtnis als auf ihre Niederschriften verlassen.
Auch in der Zeit der Reformation war diese Art des Predigtnachschreibens noch üblich. Die Schreiber arbeiteten wie ihre Vorgänger mit Abkürzungen aus der gewöhnlichen Schrift. Diese Abkürzungen waren aber schon weiter vervollkommnet, so daß die Aufzeichnungen teilweise sehr viel bester waren als im Mittelalter. Von wortgetreuen Nachschriften der Predigten kann aber noch gar nicht die Rede sein; sondern die Uebertragung hing von der Schnelligkeit des Schreibers ab, mit der er die Hauptgedanken des Redners festhielt. Bei der Uebertragung mußte das Gedächtnis zu Hilfe kommen. Nicht immer ist es gelungen, eine sinngetreue Wiedergabe des Gehörten zu schaffen, und der erboste
Gassen
Gestalt eines Jägers erschrecklichen Angesichts mit einem roten, wunderlichen Hut und ließ seine Pfeife in den hören.
Der ganze Kinderschwarm folgte ihm nach, hinaus aus der Stadt.
Schwierigkeit, die Reden Luthers nachruschreiben, lag auch darin, daß er fast nur deutsch predigte, während es üblich war in der Gelehrtensprache, dem Lateinischen' zu reden. Die Stenografen konnten aber besser lateinisch mitschreiben. Unsere Stenografen haben es heutzutage leichter als jene mittelalterlichen Diener der geflügelten Feder.
Weißt Du das schon?
Das größte Verteidigungswerk der Erde ist die große chinesische Mauer. Dieses gewaltige von Menschenhand errichtete Werk, wohl das gewaltigste, das jemals geschaffen wurde, erstreckt sich in einer Länge von etwa 2500 km, kein Hindernis achtend, unaufhaltsam an der Nordgrenze Chinas entlang. Die chinesische Mauer wurde in den Jahren von 1650 bis 1400 vor Christo erbaut. Nicht ohne guten Grund wurde diese künstliche Grenze errichtet; sie stellte ein Bollwerk der friedlichen Kultur gegen das räuberische Nomadentum dar; denn das sonst durch natürliche Grenzen gesicherte Reich hat im Norden seine Achillesferse. Hier ist es offen für Einfälle.
Das Völkerschlachtdenkmal bei Leipzig, das zur Erinnerung an den bedeutsamen Sieg über den französischen Eroberer errichtet wurde, ist mit einer Höhe von 91 Metern das höchste Denkmal der Welt.
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Rund ein Viertel des über hundert Mil- lionen zählenden Volkes der Vereinigten Staaten von Amerika führt seinen Ursprung auf deutsche Vorfahren zurück.
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Während sich bei uns die Schulwettkämpfe auf rein turnerische und sportliche Leistungen erstrecken, umfassen sie in Polen auch Schützenübungen. Dabei wird auf einen Abstand von 50 Metern stehend und liegend, ohne Gewehrauflage, nach der Scheibe geschossen. Außerdem wird Handgranatenwurf mit beiden Händen geübt.
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Der nördlichste Ort Deutschlands ist Ak- mingen am Kurischen Haff, am südlichsten gelegen ist Oberstdorf im Allgäu. Als der östlichste Ort in Deutschland ist Schillening- ken in Ostpreußen anzusehen. An der holländischen Grenze liegt der westlichste deutsche Ort Tüddern. Die höchstgelegene Niederlassung des deutschen Reiches ist das Münchner Haus auf der Zugspitze, das 2168 m über dem Meeresspiegel liegt. In Friesland liegt ein Bauernhaus 1,50 m unter dem Meeresspiegel, und ist somit die tiefstgelegene Niederlassung in Deutschland.
Alsbald kamen diesmal nicht Ratten und Mäuse, sondern Kinder, Knaben und Mägdlein vom vierten Jahr an, in großer Anzahl gelaufen, worunter auch die schon erwachsene Tochter des Bürgermeisters war. Der ganze Schwarm folgte ihm nach, und er führte sie hinaus in einen Berg, wo er mit ihnen verschwand.
Dies hatte ein Kindermädchen gesehen, welches mit einem Kind auf dem Arm von fern nachgezogen war, danach umkehrte und das Gerücht in die Stadt brachte. Die Eltern liefen haufenweis vor alle Tore und suchten mit betrübtem Herzen ihre Kinder; die Mütter erhoben ein jämmerliches Schreien und Weinen. Von Stund an wurden Boten zu Wasser uno zu Lande in alle Orte herumgeschickt, zu erkundigen, ob man die Kinder oder auch nur etliche gesehen, aber alles vergeblich. Es waren im ganzen hundert und dreißig verloren. Zwei sollen, wie einige sagen, sich verspätet haben und zurückgekommen sein, wovon aber das eine blind, das andere stumm gewesen, also daß das blinde den Ort nicht hat zeigen können, aber wohl erzählen, wie sie dem Spielmann gefolgt wären; das stumme aber den Ori gewiesen, ob es gleich nichts gehört. Ein Knäblein war im Hemd mitgelaufen uns kehrte um, seinen Rock zu holen, wodurch, es dem Unglück entgangen; denn als es zurückkam, waren die anderen schon in der Grube eines Hügels, die noch gezeigt wiro, verschwunden.
Die Straße, wodurch die Kinder zum Tor hinausgegangen, hieß noch in der Mitte des 18. Jahrhunderts (wohl noch heute) die bunge-lose (trommel-to^ wie, stille), weil kein Tanz darin geschehen, noch Saitenspiel durfte geführt werden. wenn ein Braut mit Musik zur Kirche,gebracht ward, mußten die Spielleute uoe die Gasse hin stillschweigen. Der Berg bei Hameln, wo die Kinder verschwanden, heißt der Poppenberg, wo links und recht zwei Steine in Kreuzform sind aufgerrcyi worden. Einige sagen, die Kinder wäre in eine Höhle geführt worden und in Siebenbürgen wieder herausgekommen.
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