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Anzeigenpreis: 1 mm Höhe in der 46 mm breiten Anzeigenspalte oder deren Raum 4 Pf., im Textteil (90 mm breit) 12 Pf. Bei Wiederholung wird Rabatt nach Tarif gewährt, bei zwangsweiser Beitreibung oder Konkurs erliicht jeder Anspruch

Nr. 149 1934

Fulda, Freitag, 29. Juni

11. Jahrgang

Militär kämpft gegen Heimwehr.

Militärrevolte in Graz.

Heimwchr von erbitterten Soldaten verprügelt. Stürmische

Zustimmung des Publikums.

Die österreichischen Zentralbehörden haben über auf- sehenerregende Vorgänge in Graz wie üblich eine Meldung verbreitet, die den tatsächlichen Ereignissen oder dem Ernst der Situation in keiner Weise gerecht wird, f ? hEâ sich nicht um eine verhältnismäßig harm- loje Schlagerei, an der auch Militärpersonen beteiligt waren, sondern geradezu um offene Meuterei der Graz stationierten Truppen, die einen ausdrücklich erteilten Befehl unbeachtet ließen. Wir erhalten dazu noch folgende Meldung:

Szenen, wie sie sich bisher in Österreich noch nie abgespielt haben, ereigneten sich in Graz. 400 dienstfreie Soldaten des Bundesheeres in Uniform zogen von ihrer Kaserne geschlossen in das Innere der Stadt und brachten Schmährufe auf die Heimwehr und Rufe gegen den Vizekanzler Starhemberg aus. Wo sie Heimwehrleute erblickten, verprügelten sie diese. Die Heimwehrleute riefen Kameraden zu Hilfe, und es kam zu großen Schlägereien.

Zahlreiche Verletzte mutzten ins Krankenhaus gebracht werden. Bald hatten sich im Stadtzentrum Tausende von Menschen angcsam- melt, die ebenfalls erregt gegen die H e i m w e h r Stellung nahmen und Hochrufe auf die Armee ausbrach­ten. Die Tumulte setzten sich auch in anderen Straßen fort. Die Polizei war anfänglich machtlos. Man mutzte im Dienst befindliche Truppen des Bundesheeres hcrbci- rufen, die gegen ihre Kameraden vorgingen und schlicß- lich sogar mit gefälltem Bajonett die Menge ausein- andcrtricben.

Die Ursache dieser Szenen waren Zwischenfälle, die sich tags zuvor ereignet hatten. Heimwehrleute hatten in einem Lokal einen Angehörigen des Bundesheeres ver­prügelt. Kameraden des Gezüchtigten beschlossen, Rache zu üben. Das Truppenkommando hatte von dem Plan gehört und den Ausgang untersagt. Die Soldaten hatten sich jedoch

nicht an das Verbot gehalten.

Erst am späten Abend konnte die Ruhe nach Einsatz von Offizierspatrouillen wiederhergestellt werden. Von den verwundeten Heimwehrleuten sind drei schwer verletzt.

Die wilden Vorgänge in Graz sind ein unwiderleg­liches Zeichen für die Erbitterung, die sich unter dem Terrorsystem der Dollfuß-Regierung in der öster­reichischen Bevölkerung angesammell hat. Wie muß sich die Heimwehr, der verhätschelte Liebling Starhembergs und ihresObersten Bundesführers", des Bundeskanz­lers, durch ihre täglichen Terrorakte, besonders gegen die nationale Bevölkerung, und durch ihre grenzenlose An­maßung in ihrem Auftreten verhaßt gemacht haben, wenn sich sogar disziplingewohnte Soldaten nicht mehr anders zu helfen wissen, als daß sie endlich einmal Gleiches mit Gleichem vergelten! Die besondere Bedeutung dieser Revolte liegt darin, daß sie erstens in Uniform und zweitens

Ein deutliches Wort an die Welt.

Vernunst in der Weltwirtschaft oder Selbsthilfe!

Rcichsininister Dr. Schmitt vor den Auslandshandelskammern.

Die vom Deutschen Industrie- und Handelstag ein» berufene Berliner Tagung der deutschen Handelskammern und wirtschaftlichen Vereinigungen im Auslande wurde im Preußenhaus durch Präsident Dr. v. R c n t e l n feier­lich eröffnet. Nach der Begrüßungsansprache des Präsi­denten, in der dieser einen Überblick über die ungeheuren Leistungen der nationalsozialistischen Regierung in der Bekämpfung der Wirtschaftsnot, insbesondere der Ar­beitslosigkeit sowie in der Beseitigung ungesunder Zu­stände und des Klassenkampfes der verschiedenen Schicksten der Bevölkerung gab, folgte eine Ansprache des Reichs­wirtschaftsministers Dr. Schmitt, in der er u. a. folgendes ausführte: _ 4

Ich glaube, daß die Schwierigkeiten von der Wirt­schaft, allerdings von der Weltwirtschaft, von sich aus überwunden werden könnten. Denn sie beruhen nicht aus einem Versagen wirtschaftlicher Faktoren, sondern auf den

Auswirkungen der politisch beeinflußten Finanzpolitik der Kriegs- und Nachkriegsjahrc.

Die internationalen Anleihen der Kriegszeit haben den Schuldncrstaaten ungeheure Kapital- und Zinsen lasten aufgebürdet; die Deutschland aus- erlegten Reparationen konnten nur aus der Substanz und mit Hilse ausländischer Anleihen geleistet werden, was zu einer Ausblutung der deutschen Wirtschaft und zu einer unerträglichen Schulden- und Zinscnlast für Reich und Wirtschaft führte. Wie gebannt richtete sich die Auf­merksamkeit der Glänbigèr auf die Frage, tote sie ihre Forderungen eintreiben könnten.

Und man schien die doch so einfache.Tatsache zu ver­gessen, daß ein Schuldner, um zahlen zu können, leben und arbeiten muß. Und man übersah auch, daß cs zu keinem guten Ende führen kann, wenn man einen_ Schuldner so ausvretzt. bnü er als Verbraucher, als Käufer ausfalll.

in der Hauptstadt eines Bundeslandes erfolgte. Die Vorfälle werden zweifellos noch erhebliche Weiterungen zur Folge haben. Jedenfalls aber beweisen sie, daß die Regierung Dollfuß-Fey-Starhcmberg sich nun auch auf das Heer nicht mehr unbedingt verlassen kann. Das wird in allen wahrhaft natio­nalen Kreisen der österreichischen Bevölkerung sicher mit grimmiger Genugtuung festgestellt werden.

Bombenanschräge serienweise.

Es war überhaupt ein schwarzer Tag für das Doll- futz-System. Aus fast allen Teilen Österreichs wurden der Wiener Regierung schwere Bomben- und Sprengstoff- anschläge gemeldet, die in den meisten Fällen wieder er­heblichen Schaden angerichtet und eine ganze Anzahl öffentlicher Betriebe für kürzere oder längere Zeit still­gelegt haben. Da sich die Meldungen so stark häuften wie noch an keinem Tage bisher, trat noch am späten Abend ein autzcrordentlichcrMinist errat zusammen.

Von den unzähligen Anschlägen feien nur erwähnt: >^n Tirol wurden eine Anzahl Elektrizitätswerke schwer beschädigt. In Vorarlberg galten die Anschläge besonders den Eisenbahnbrücken und Telegraphenleitungen. Ferner wurde die allen Österreichreisenden bekannte über Innsbruck Garmisch führende

Mittenwaldbahn an drei verschiedenen Stellen in die Luft gesprengt.

Zahlreiche weitere Attentate ereigneten sich in der Steier­mark, in Niederösterreich und Salzburg. In Innsbruck riß eine Bombe ein tiefes Loch ins Pflaster und zerstörte über hundert Fensterscheiben. Ungeheure Erre­gung lösten die Anschläge in Kufstein und Muehlau aus, wo

die Wasserleitungen auf Wochen hinaus durch Sprengungen vernichtet

wurden. Nicht besser erging es Ler So detcitung im Hall­tal, einer Reihe Transformatorenhäuser und anderer elektrischer Anlagen.

Herr Dollfuß aber läßt zur Zeit gerade wieder ein- ttral eine größere Anzahl ausländischer Journalisten (natürlich keine Deutschen) auf Einladung seiner Regie­rung durch Österreich fahren, um ihnen zu zeigen, wie friedlich das Land ist und welche Ordnung dort herrscht! Sie sollen den Fremdenverkehr ankurbeln helfen .

Attentat auf das Salzburger Aegrerungsgebaude.

Große Beschädigungen.

In der Nacht wurde ein schwerer Sprengstoffanschlag auf das Gebäude der Salzburger Landesregierung verübt, der aus dem Hause eine große Anzahl Stein­quadern herausriß.

Im Zentrum der Stadt Salzburg explodierten zwei große Sprengkörper, denen sämtliche Fenster der Kanzlei der Vaterländischen Front, der Postanstalt und ein großer Teil der Fenster des Hotels Bristol zum Opfer fielen. Die Vorstellung im Salzburger Stadttheater mußte unterbrochen werden.

Die Fesseln, in denen die Weltwirtschaft und mit ihr der deutsche Außenhandel liegt, lassen sich nicht dadurch sprengen, daß man uns unsere angeblichen Fehler vorhält.

Sollten wir cs aber nicht erreichen können, durch Aus­weitung unseres Außenhandels uns die Lcbensnot- wendigkciten zu sichern, dann wird das deutsche Volk die Kraft haben, durch Einschränkung der Einfuhr, durch Erschließung eigener neuer Rohstoffe sein Wirt­schaftsleben aufrechtzuerhalten.

Wir wünschen diese Entwicklung nicht, denn sie würde eine weitere Schrumpfung der Weltwirtschaft bedeuten. Wird uns aber kein anderer Ausweg gelassen, so wird das deutsche Volk diese schwierige Aufgabe ebenso meistern, tote es der Arbeitslosigkeit zu Leibe gerückt ist: einig, zäh, fest geschlossen hinter seinem Führer Adolf Hitler.

Reichsminister S e l d t c erklärte u. a.: Die Belebung der Wirtschaft stellt uns, je mehr sie fortschreitet, auch vor ein neues rind nicht einfaches Problem, von dessen Lösung jedoch der endgültige Erfolg der Arbeitsbeschaffungsmaß­nahmen der Reichsregierung abhängt, nämlich vor das Problem der A u s s u h,r. Die Entwicklung im Jahre 1933 hat gezeigt, daß die Arbeitslosigkeit auch ohne erhöhte Ausfuhr, ja, sogar bei sinkender Ausfuhr erfolgreich be­kämpft werden kann. Es wäre jedoch falsch, anzunchmcn, daß wir heute die Ausfuhr vernachlässigen könnten, wenn nur genügend wirksame Maßnahmen für den Arbeits­markt getroffen werden. Immer noch sind 1K Millionen Industriearbeiter direkt durch den Export beschäftigt. Für die zukünftige Entwicklung der deutschen Industrie wird die Förderung der deutschen Qualitätsarbeit eine ganz besonders wichtige Rolle spielen.

Clearing-Vorlage erhält Gesetzeskraft.

Im Unterhaus wurde die Clearing-Vorlage mit der Abänderung des Oberhauses angenommen. Nach­dem der Gesetzesvorschlag die königliche Zustimmung er­halten hatte, wurde er G c s c tz

Gegen Verfalles!

In stummer, aber darum nicht weniger eindring­licher Weise hat das deutsche Volk mit seiner national­sozialistischen Negierung am 28. Juni gegen das Diktat von Versailles feierlich protestiert, überall trugen öffent­liche und private Gebäude die Flaggen der Trauer und riefen allen Deutschen zu:Immer daran denken!"

Im Juni 1919 hatte Clömenccau für das Ersuchen der deutschen Delegation um Streichung wenigstens der Artikel von der Kriegs- xend der Kolonialschuldlüge sowie der Aus­lieferung derKriegsverbrecher" nur die Antwort:Die Zeit der Erörterungen ist vorbei!" Diesem hochmütigen Wort steht heute gegenüber die würdig-feste Erklärung unseres Führers aus seiner Geraer Rede:Die Zeit der Diktate ist vorbei!" Er sprach, wie immer, das rechte Wort zur rechten Stunde.

Oberst v. Hindenburq wieder Zeuqe im Gereke-prozeß.

Im Berliner Gereke-Prozoß wurde Oberst Oskar von Hindenburg nochmals als Zeuge gehört. Er bestätign beute seine Feststellung, daß er während der ganzen Wahl­periode weder in der Wohnung Dr. Gerekes am Tempelhofer Ufer noch in seinen Dicnsträumen im Hotel Prinz Albrecht gewesen sei: er habe überhaupt nicht gewußt, wo seine Wohnung sich befand.

Zu den Bekundungen der Zeugin Sprung über die beiden Telephongespräche Dr Gerekes mit Oberst von Hindenburc am 26 Februar 1932 erklärte der Zeuge, er halte es zwar für niöglich, daß dabei von der Kandidatur Tuesterbergs gesprochen wurde, für a u s g e s ch l o s s en aber halte er, daß von Zgb langen an Dr Obersohren die Rede gewesen sei. Er habe es nie für möglich gehalten, daß Gereke etwas für sich von Den Geldern verwandt habe. Auf eine Zwischenfrage vcs An­geklagten bestätigte Oberst von Hindenburg, daß sie bereits vor dem Zusammentritt des Hingenburg-Kuratoriums Be­sprechungen diskreter Natur abgehalten hätten: das könnt bereits in Der ersten Februarbälfte geschehen sein

Nach dieser Vernehmung des Zeugen Oberst von Hinden­burg erlitt Dr. Gereke erneut einen Schwächeanfall so daß die Sitzung unterbrochen werden mußte.

Urfeil im sabu^sn-Noröworle-prozeß bestätigt.

Das Reichsgericht verwarf antragsgemäß die von G. Carl Sabinen und Heinz Lahmen gegen das Urteil des Landgerichts Bremen vom 29 Dezember 1933 eingelegte Revision mit einer für die Strafhöhe be­langlosen Maßgabe als unbegründet. Damit sind rechts­kräftig verurteilt der Angeklagte G Carl Schufen wegen Konkursvergchens und handelsrechtlicher Untreue zu fünf Jahren Gefängnis und 50 009 Geldstrafe sowie sein Bru­der Heinz Lahusen zu zwei Jahren neun Monaten Ge­fängnis und 20 000 Mark Geldstrafe.

Blick aus die Reichskanzlei in der Wilhclinstraßc, die wie alle amtlichen und zahlreiche private Gebäude zur 15. Wiederkehr des Tages der Unterzeichnung des Schandvcrtragcs von Versailles Die Flagge halbmast gesetzt hatte.

Heute vor einem Jahr . . .

wurde Dr. R. Walther Darrë zum Rcichsernäh rungsministcr, Generaldirektor Schmitt zum Reichswirtschaftsminister und Dr. F c d c r zu seinem Staatssekretär ernannt.