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Warum streiken wir um des Kaisers Varl?

Dunkle Ausdrücke und Redewendungen in der deutschen Sprache.

Warum heißt das Eisbein ausgerechnet Eisbein? Es wird doch warm und nicht kalt gegeßen. Was bedeutet Sintflut, Wer- Wolf und Auto? Welches ist der Ursprung pes Wortes Brille? Solche oder ähnliche Fragen tauchen auf, wenn man ein wenig auf unsere schöne deutsche Sprache achtet. Denn die Sprache ist nicht etwas fest­gelegtes und genau abgegrenztes; sie hat viele Wandlungen durchgemacht, und manches Wort hat im Laufe der Zeit eine ganz andere Bedeutung bekommen, als ihm ursprünglich zukam. Daher ist die deutsche Sprache an Ausdrücken reich, die uns heut­zutage dunkel und geheimnisvoll anmuten, deren Bedeutung aber nichtsdestoweniger in den meisten Fällen von den Sprach­forschern eindeutig festgelegt worden ist. Jede Dunkelheit in der Sprache legt ja Zeugnis für die lange Erhaltung alter Sprachformen bis in unsere Zeit ab, und wir können stolz darauf sein, daß sich in unserem wertvollsten Kulturgut die Spuren vergangener Zeiten noch heute anfinden.

In zwangsloser Folge sollen einige Bei­spiele fürdunkle Ausdrücke" aus der großen Fülle herausgegriffen, ihre Ent­stehung und ihre einstige Bedeutung ge­zeigt werden. Eine besondere Gruppe bil­den zunächst einmal

die Lehnwörter.

Was sind eigentlich Lehnwörter? Seit vielen hundert Jahren gehören sie der deutschen Sprache als gleichberechtigte Be­standteile an. Im Aussehen und im Klang unterscheiden sie sich kaum von den rein­deutschen Wörtern; der einzige Unterschied liegt darin, daß sie auf eine fremde Sprach­wurzel zurückgehen, daß sie zum Beispiel aus dem Griechischen oder Lateinischen in unsere Sprache übernommen sind, und nun, da sie an keine verwandten Wörter an­klingen, Einzelerscheinungen darstellen.

Das älteste aller Lehnwörter ist Kaiser, das aus dem lateinischen Caesar stammt. Und wie kommt es, so fragen wir uns, daß dieses Wort von den alten Deutschen übernommen wurde, obgleich sie doch keinen Kaiser hatten? Es lag sicher sehr nahe, mit dem fremden Begriff das Wort zu entleihen, und so wird uns auch die Be­zeichnungLehnwort" klar. Die Germanen kannten, da sie in Holzhäusern wohnten, weder Keller noch Ziegel. Die Wörter tegula und cellarium wurden von den Römern entliehen, im Laufe der Zeit zu Ziegel und Keller umgewandelt, und heute empfindet kaum ein Mensch, daß diese Wörter nicht deutschen Ursprungs sind; so sehr haben sie sich unserem Sprachgefühl angepaßt.

Butter und Käse, Schreiben und Schrift! Sind das nicht urdeutsche Wörter? Nein, auch hier haben wir es mit Lehnwörtern zu tun. Butter kommt von dem griechischen Wort butyron, und Käse ist die Umbildung des lateinischen caseus; scribere und scrip­tum sind die lateinischen Wurzeln für Schreiben und Schrift. Den alten Deutschen waren die meisten Gemüse und Obstfrüchte unbekannt. Ist es da verwunderlich, wenn sie, als später Birnen, Kirschen und Pfirsiche, Spargel und Spinat angebaut wurden, zugleich mit der ihnen eigenen Bezeichnung übernommen wurden? Alle diese Pflanzen ausgenommen unser Apfel find griechischer oder römischer Herkunft.

Wenn man jemandem vorwirft, er sei launenhaft, so denkt man gewiß nicht daran, daß diese Bezeichnung auf unseren Mond zurückgeht. Luna ist die römische Bezeichnung für Mond, und wenn ein Mensch seine Stimmung wie der Mond seine Form beständig wechselte, redete man früher vonlunenhaft". Klingt das nicht schon fast genau so wie launenhaft?

Viele Brillenträger werden es auch nicht wißen, daß sich Brille von Beryll, einem Edelstein, ableitet. Früher wurden Edel­steine als Augengläser verwendet, und es ist bekannt, daß der römische Kaiser Nero einen kostbaren Smaragd wegen seiner Kurzsichtigkeit zu tragen pflegte.

Der aufmerksam auf die Sprache achtende Sportler wird das WortSport" rein gefühlsmäßig nicht als deutsches Wort ansehen, und wir haben es in der Tat mit einem von England zu uns herübergekom­menen Ausdruck lateinischen Ursprungs zu tun. Wir können es also als Lehnwort aus der neuesten Zeit ansehen. Ebenfalls ein neuzeitliches Lehnwort istRaße". Die Frage nach seiner Herkunft weist uns auf das arabische ras-Kopf. Im 17. Jahr­hundert kam es nach Europa, und in Deutschland wurde die französische Schreib­weise (race) gebräuchlich; Rasse bedeutete damals Abart, Sorte und stand mit dem

Be-

heutigen biologischen Begriff nicht in Ziehung. Die Wandlung in der Bedeutung ging erst im 19. Jahrhundert vonstatten.

Als das Auto erfunden wurde und zum ersten Male durch die Straßen fuhr, glaubte man, dem neuen Fahrzeug einen recht ge­lehrten Namen geben zu müßen und nannte esAuto". Die Bezeichnung Selbstfahrer" wurde abgelehnt, und doch heißt das griechische auto nichts anderes als selbst". Vielleicht wird man bald von demAuto" abkommen, sagt man doch in Amerika nur noch einfach Wagen (Car),

und auch in Frankreich tritt die Be­zeichnungAuto" mehr und mehr zurück. Kennt heute noch jemand in Deutschland ein Deloziped? Vielen ist es ein un­bekanntes Wort. Aber so nannte man früher einmal unser Fahrrad, bei dem man heute glücklicherweise nur noch von einem

Rad spricht.

Jedoch

die Vorliebe für alles Fremde

war immer eine kleine Schwäche

der die

Deutschen; wir brauchen da nur an vielen Fremdwörter zu denken, die heute noch viel zu häufig gebraucht werden. Humoristische Wortbildungen kommen mit­unter auch heraus, wenn ein fremder Aus­

druck verdeutscht wird. Als Beispiel sei hierblümerant" angeführt, von dem die wenigsten wißen werden, wie es entstanden ist. Mitbleu mourant" (sterbendes Blau) bezeichneten die Franzosen ein sehr blaßes Blau, und nach dem Klang wurde unser blümerant" gebildet, das allerdings wenig mit einer Farbenbezeichnung zu tun hat. In Frankreich ist diesesSterbeblau" längst nicht mehr im Gebrauch.

Es sollte sich jeder Mühe geben, so wenig Fremdwörter wie möglich zu ge­brauchen; denn es gibt fast zu jedem Fremdwort einen deutschen Ausdruck. Aber was heißt denn eigentlich deutsch? Warum sagen wir zu unserer Sprache, zu unserer Schrift und zu unserem Volke, sie seien deutsch? Deutsch leitet sich von dem alt­hochdeutschen Wort diutisc ab. Mittel­hochdeutsch heißt es diutisch und stammt von dem gotischen tiuda = Volk. Demnach ist völkisch, volksverbunden die Bedeutung von deutsch. Der einfache Mann sprach deutsch, also volkstümlich, im Gegensatz zu den Gelehrten, die sich der lateinischen Sprache bedienten. Deutscher, sprich deutsch, heißt also: rede in Deiner Volks­sprache!

Warum heißt der Maulwurf übrigens Maulwurf? Komische Frage wird man sagen, natürlich weil er mit dem Maul die Erde aufwirft! Aber weit gefehlt! Damit hat der Name gar nichts zu tun. Im Mittelhochdeutschen hieß das Tier Moltewurf, wobei Molte gleichbedeutend mit Erde war; der Maulwurf war also ein Erdaufwerfer. Aus dem Worte Molte" leitet sich auch unser Ausdruck Müll ab. Fälschlicherweise bezeichnet das Volk die Sintflut als eineSündflut", weil sie nach feiner Ansicht die sündigen Menschen hinwegraffte. Aber auch das ist falsch. Mit Sünde hat die Flut nichts zu tun; denn das Wort ist abgeleitet von dem mittelhochdeutschen sintvluot, und sint bedeutete: groß, allgemein. Die Sintflut war demnach die große Flut.

In der Vorstellung des Volkes ist ein Werwolf ein Fabelwesen, halb Mensch, halb Tier. Forscht man in der althoch­deutschen Sprache nach, so findet man, daß Wer Mann ist. Ein Werwolf ist also ein Mannwolf. Dieselbe Bedeutung des Wer" steckt auch in Wergeld (Sühnegeld für einen getöteten Krieger).

Und

wie ist Eisbein zu erklären?

Mit Bein hängt es auf alle Fälle zusam­men; aber warum ausgerechnetEis"- bein? Das Wort kommt aus dem Nieder­ländischen und bedeutet nichts weiter als Hüftknochen (is,ijs = Hüfte). Jetzt hat das Wort mit einem Male Sinn.

Neben diesen Ausdrücken gibt es auch eine große Anzahl von Sprichwörtern und Redewendungen, deren Inhalt uns manch­mal recht merkwürdig anmutet. Man bringt zum Beispielsein Schäfchen in? Trockne". Warum eigentlich? Schafe pflegen doch nicht im Wasser zu leben Aber mit Schafen hat diese Redensart auch gar nichts zu tun; sondern das Volk hat hier ein Schiffchen in ein Schäfchen um­gewandelt, und ein Schiffchen ins Trockene zu bringen, um es vor einem drohenden Unwetter zu schützen ist schon sehr gut möglich.

Wenn wegen einer nichtigen Sache ein Streit losbricht, so hört man zuweilen:

Sie streiten um des Kaisers Bart". Damit soll die Zweck­losigkeit des Streitens ge­kennzeichnet werden; aber nichtsdestoweniger bleibt die Redensart doch unver­ständlich. Man zerbrach sich lange darüber den mit dem Streit um den

Kopf, was .......

Bart des Kaisers wohl gemeint sein könnte. Zuerst war man der Ansicht, es sei ein­mal ein großer Streit unter den Gelehrten darüber 'ausgebrochen, ob die römischen Kaiser Bärte getragen hätten oder nicht. Dann glaubte man zu wissen, daß während der Reformationszeit ein anderer Ge­lehrtenstreit darüber ausgebrochen sei, ob Karl der Große einen Bart gehabt hätte.

Diese Frage hätte große Bedeutung er­langt, weil man die Echtheit eines Dokumentes mit dem Bilde des Kaisers angezweifelt hatte. Und noch eine dritte Erklärung gibt es für dieses Sprichwort: Man stritt sich wieder einmal und dies­mal klingt es reichlich lächerlich ob der berühmte, durch den Tisch gewachsene Bart des Kaisers Barbarossa rot sei (da er Rotbart heiße) oder ob der Bart von weißer Farbe sei, da der Kaiser doch als Greis im Kyffhäuser ruhe. Aber mit diesen Erklärungen trifft man nicht den wahren Sinn des Sprichwortes, das mit einem Kaiser überhaupt nichts zu tun hat. Ursprünglich hieß es nämlich, sich um den Geißbart streiten. Die Redewendung stammt aus der Zeit des römischen Alter­tums, und Horatius bezeichnete harmlose Gespräche: um die Ziegenwolle streiten. Dabei lag die Frage zugrunde, ob man die Haare der Ziege wie die des Schafes als Wolle bezeichnen könnte. Bei der Ueber- setzung wurde im Deutschen aus dem Geiß­bart merkwürdigerweise ein Kaiserbart. In den entsprechenden englischen und italienischen Sprichwörtern ist der ur= sprünglische Sinn erhalten geblieben.

Entsprechend dieser Redensart gibt es auch noch einenStreit um des Esels Schatten", der von einer Anekdote her­rühren soll. Ein junger Athener mietete einst zu einer Reise über Land einen Esel. Als er in der glühenden Mittagshitze im Schatten des Esels vor den Sonnen-

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flus brr Geschichte Ltrsilunds

Stralsund, die alte deutsche Ostseestadt, hat von jeher in der Geschichte eine be­deutende Rolle gespielt. Von Wizlaw I. Fürst auf Rügen, wurde sie im Jahre 1234 als eine deutsche Stadt gegründet, und es dauerte nicht lange, so war sie eins der mächtigsten Mitglieder der Hansa. Obgleich sie den Herzögen von Pommern untertan war, behielt sie doch ihre reichsfreie Stel­lung bei. 1429 wurde Stralsund von den Dänen belagert, die aber auf der kleinen, vor der Stadt gelegenen Insel Strela eine Niederlage erlitten. Es kamen die Wirren des 30jährigen Krieges, und in dieser Zeit gab die alte deutsche Stadt ein Vorbild heldenmütigster Verteidigung.

Wallenstein wollte eine große kaiserliche Flotte alsAdmiral der Ostsee und des Baltischen Meeres" schaffen und forderte als Führer der Schiffsarmada Stralsund. Als die Stadt sich seinem Ansinnen wider­setzte, begann er mit der Belagerung. Aber diese Belagerung wurde der Wendepunkt in dem Geschick Wallensteins. Er über­schätzte seine Kraft und glaubte, die Stadt allein von der Landseite nehmen zu können; er konnte jedoch keinerlei Erfolge erzielen.Und wenn sie mit Ketten an den Himmel geschmiedet wäre; ich wollte sie doch erobern!" Das ist der stolze Aus­spruch des genialen Feldherrn. Aber es sollte ihm nicht gelingen. Gustav Adolf beschloß, den Stralsundern Hilfe zu bringen, und ging mit ihnen ein Bündnis ein, in dem er sich verpflichtete, die Un­abhängigkeit der Stadt und die Freiheit ihres Hafens zu verteidigen. Sobald der Vertrag abgeschlossen war, kämen 6000 Schweden zum Entsatz der Stadt herbei­geeilt. Für Wallenstein hieß es jetzt, noch

Die 700jährige deutsche Ostseestadt Stralsund

strahlen Schutz suchen wollte, erklärte ihm der Eseltreiber, daß er wohl den Esel aber des Esels Schatten vermietet hätte

Es gibt noch viel mehr Redewendungen mit dunklem Sinn in der deutschen Sprache, und vielleicht denkt Ihr, Euch dieser oder jener Ausdruck unver­ständlich erscheint, ein wenig über die Spracheigentümlichkeiten nach. In mancher unverständlich scheinenden Redensart steckt ein tiefer Sinn.

H. Reschke,

Deutschlands ältester Baum

In dem Dorfe Katholisch-Hennersdorf (Kreis Lauban) steht eine Eibe, die all­gemein als der älteste Baum Deutschlands angesehen wird. Nach der Meinung be­deutender Gelehrter hat dieser Baum ein Alter von ungefähr 1500 Jahren. 1500 Jahre deutscher Geschichte hat er miterlebt und er könnte uns viel erzählen von den Wanderungen der germanischen Stämme von den Schrecknissen des 30jähriaen Krieges und von dem großen Preußen­könig, der im zweiten schlesischen Kriege in seinem Schatten saß. Die alte Eibe sah die französischen Eroberer in deutsches Land eindringen, und sie sah auch, wie sich ein einiges Volk von der Fremdherrschaft befreite. 1813 lagerten Kosaken unter dem Baume und schnitzten aus seinem Holz An­denken. Und wieder gingen Jahre dahin. Den stolzen Aufstieg eines starken Reiches konnte sie mitansehen, und es blieb ihr auch nicht erspart, seinen Zerfall zu er- leben. Doch jetzt am Ende ihres Daseins konnte sie noch einmal den unvergleich­lichen Wiederaufstieg Deutschlands sehen?

Am Ende ihres Daseins! Denn es wird kaum mehr lange dauernd, und der uralte Zeuge deutschen Volkstums wird abge­storben sein. Ihre stattliche Größe die Eibe ist 10 Meter hoch und hat einen Um­fang von 5% Metern hat bisher aller Witterungseinflüssen Trotz geboten. Aber der Winter 1928/29 mit seiner grimmigen Kälte legte den Krankheitskeim in den Baum. Langsam aber unablässig zer­fällt er; der größte Teil ist bereits ab­gestorben, und in absehbarer Zeit wird alles Leben zerstört sein.

einmal mit aller Kraft versuchen, die Stadt einzunehmen. Aber bei der tapferen Gegenwehr der Stralsunder konnte et nichts ausrichten. Unverrichteter Sache mußte er nach zehnwöchiaer Belagerung am 3. August l628denRückzug antreten.

Im westfälischen Frieden von 1648 wurde Stralsund an Schweden adMim, musste sich jedoch am 15. Oktober 1678 nach kräftiger Beschießung dem Großen Kur­fürsten ergeben. Aber schon 1679 kam es wieder an Schweden zurück. Nach der Be­lagerung im nordischen Krieg 1715 wurde es von den kapitulierenden Schweden ge­räumt, kam dann 1720 aber wiederum an Schweden. Im Juli 1807 schleiften die Franzosen die Festungswerke Stralsunds, und kaum zwei Jahre später starb der deutsche Freiheitsheld Schill in den Straßen der Stadt den Heldentod. Am 31. Mai 1808 drangen dänische, hol­ländische und oldenburgische Truppen in Stralsund, dessen sich Schill bemächtigt hatten, ein. Die kleine Schar der EM- schen Getreuen schlug sich in heldenhafter Gegenwehr; aber der Uebermacht mußten sie erliegen. Den kühnen Führer sah man mutig mit dem Degen in der, Hand buch die Straßen sprengen, von einem Danen erhielt er einen Säbelhieb; eine aus den Reihen der holländischen öagel traf ihn tödlich.

Durch den Kieler Frieden von 1814 kam Stralsund mit ganz Schwedisch-Pommern an Dänemark und durch einen Vertrag vom 4. Januar 1815 an Preußen. Bis behielt die Stadt ihren Charakter a- Festung. So kann Stralsund auf eine . wegte Vergangenheit in der deutschen u schichte zurückblicken.