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Stadt und Land

" Fulda, den 23. Juni 1934.

Johannistag.

. , Cv. Joh. 3, 30: Er muß wachsen, ich aber muß abnehnicu.

Überall lodern heute die Johannisfeuer zur Sommer- sonnenwende, und die Feuerräder rollen die Höhen hinab Uralte Bräuche: Dank und Ernst spiegeln sich wider: als Sonnwendfeier, was draußen alljährlich geschieht, als Johannistag, was innerlich immer geschehen muß

Das Jahr nimmt nun ab. Aber indem es abnimmt, wachst tn seinem Schoß und reist geheimnisvoll das Leben, das die Sonne aufsteigend geweckt mit der Kraft, die sie segnend hinabgcsendet hat. Sinnbild wiederum ist dieses alljährliche Wunder im Leben der Natur von Tiefe-rem: von der Gottesordnung in seinem ewigen Reich. Sinn­bild für die herbe Wahrheit: Gott nimmt, indem er geben will. Sinnbild für die beglückende Wahrheit: @ott' gibt, wenn er nimmt.

Der Täufer, der das Wort vom Abnehmen und Wachsen gefunden hat, hat doch den tiefsten Sinn nicht fassen wollen. Er haderte, als er aus dem Gefängnis zu Jesus sandte:Bist du, der da kommen soll?" Er mußte abnehmen: aber obEr" in ihm wuchs? An Jesus hat sich dieselbe Gottesordnung ausgewirkt. Er wehrte sich nicht dagegen. Ich muß abnehmen ich will ab­nehmen: Vater, wie du willst. Hin gab er alles, wurde geringer und geringer, nahm ab bis in den Tod am Kreuz. Aber je mehr er so abnahm, wuchs aus ihm der Vater und sein Geist und sein Reich, der lebendige Gott: und es reifte in seinem schwindenden Leben die Frucht so überreich, Speise für alle Zeiten und alle Ge­schlechter.

Er muß wachsen, ich aber mutz abnehmen" Einer, der das durch Jesus und an Jesus erlebt hat, hat den herben Ernst und die beglückende Wende so aus­gesprochen:

Als die Sterbenden und siehe, wir leben!

P. H. V.

Am Wochenende.

Mittsommer! Johannistag Lindenduft liegt in den Straßen Fuldas. Die Gärten sind kleine Rasenwunder ge­worden der Frühsommer hat seine Höhe erklommen die Jugend rüstet sich zum Johannisfeuer zum Sonnen­wendfeste unserer Vorfahren. Die alten Hermunduren, Franken und Chatten zündeten an ihrem Sonnwendfest auf Höhen und Hügeln ihre Opferfeuer an. Jahrhunderte hin­durch hatte sich der Brauch erhalten, das Sonnwendseuer wurde in der christlichen Zeit zum Johannisfeuer es war ein Freudenfest die Burschen sprangen mit ihren Mädchen über die lodernde Flamme es brachte Glück; Reigentänze und frohes Schmausen schlossen sich den Feuern an. Das ging auch im Fuldaer Land etwa bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts so. Im Bereich des ehemaligen Für­stentums Fulda kam noch der schöne Brauch des Johannis­kranzes hinzu in den Tagen vor Johanni sammelten die Dorfkinder Blumen, insbesondere die großsternigen Jo­hannisblumen, flochten kleine Girlanden daraus und hingen am 24. Juni diese Girlanden über dem Hauseingang auf sie bewahrten das Haus vor Blitzschlag und sonstigem Un­gemach. In der Mitte des vorigen Jahrhunderts als die Paragraphen triumphierten verschwand auch das Sonnenwendfeuer nach § soundsoviel war das Abbren­nen von offenen Feuern in der Nähe menschlicher und tierischer Hausungen verboten aber auch in der Nähe von Wald und bebauten Feldern durfte kein Feuer angezündet werden damit war ein altes Brauchtum von der Para- graphenmühle gemordet worden. Ganz war es jedoch nicht umzubringen es zog sich in die Einsamkeit zurück am Süd Hang des Kreuzbergs loderte, nach wie vor, alljährlich das Johannisfeuer, das diesem, mit Basaltgeröll bedeckten Abhang sogar seinen Namen gab. Jeder Fuldaer kennt es, jeder war schon einmal dort aus dem Unterbewußtsein ist ihm vielleicht auch das alte Fuldaer Johannisfeuerlied in den Sinn gekommen die Alten haben es hier und da noch den Jungen überliefert:

ViVaVeit, Johannis ist nicht weit!

Ein reicher Mann wohnt hier im Haus, Gebt uns ein paar Scheit Holz heraus.

Zum Johannisfeuer, Der Hafer, der ist teuer!

Wer kein Holz zum Feuer git Erreicht das ewige Leben nit.

Vivat Johannistag!

Das Feuer war im Fuldaer Land und in der Vorderrhön verschwunden geblieben war der weniger poetische Teil desHaischens" hatte die Jugend einst nur Holz ge­hatscht für das Freudenfeuer so haischte sie mit Erlöschen des Brauches allerlei Lebens- und Genußmittel, wie sie die bäuerliche Wirtschaft hervorbringt. Heute hat die Ju­gend wieder ihre Sonnwendfeuer das Leben hat über die toten Paragraphen gesiegt!

Der sehnlichst erwartete Regen hat sich inzwischen endlich eingestellt was gestern ausgedörrt und fahl vegetierte, hat sich förmlich verjüngt es war noch nicht zu spät, aber es war höchste Zeit die Leute, die immer etwas zube­fürchten" haben, zogen nämlich ihre Stirnen schon in be­sorgte Falten und murmelten von Mißernten, vonWelt­hungersnot" und dergleichen und ganz in der Stille hamsterten sie allerlei. Gewiß unser Fuldaer Land ist arm an Früchten, Gemüsen und sonstigem, unentbehrlichen, grünen Produkten aber zum Glück steht uns der Ueber- fluß des nahen Frankenlandes reichlich zur Verfügung schon sind die wackeren Gochsheimer mit ihren Erzeugnissen eingetroffen zur Freude jeder Fuldaer Hausfrau. Sie blei­ben hier bis der Herbstwind über die Stoppeln fegt und sie sorgen dafür, daß auch der Aermste an jedem Markttage wohlfeil einkausen kann. Die badische Residenz hat den Kolleginnen der Gochsheimer, die allerdings aus einer an­deren Gegend kommen, ein Denkmal auf dem Marktplatz in Karlsruhe gefetzt. Eine Gemüsehändlerin ist da mit ihren Kohlköpfen in Stein verewigt weil die regelmäßige, billige Eemüseversorgung durch diese Frauen, von den poch keine reich geworden ist, ihre Anerkennung finden soll. Vielleicht werden die Gochsheimer in Fulda einmal von einem Künstler, im Bilde wenigstens, verewigt an dankbaren Motiven fehlt es nicht an Markttagen.

Die Heidelbeerernte ist im vollen Gang tagtäglich Ziehen jetzt die Scharen der Fuldaer Frauen und Kinder hinaus und kommen spät abends mit vollen Eimern zurück .bie Ernte fällt gut aus übrigens hat da ein Wunder- mann eine Gartenheidelbeere gezüchtet und angekUndigt vie Beeren werden so dick wie Kirschen undfärben nicht "v" das Abfärben gehört freilich zu einer richtigen Hei­delbeere und ihre Heilwirkung besteht nicht zuletzt in der diirchdringenden, blaufärbenden Imprägnierung der Schleimhäute beim Genuß dieser bescheidenen Maldbeeren,

Großverbraucher an Heidelbeeren sind bezeichnenderweise die Krankenhäuser!

Die Ferien kommen in Sicht! Das Verkehrsbüro in der Bahnhofstraße spürt schon die steigende Kurve der Reiselust. Man informiert sich vorläufig erst. Man rechnet und be­rechnet See oder Gebirge? Wir haben alles im eigenen Vaterlande und brauchen nicht über die Grenzen zu schielen. Eine geschickte Heimatpropaganda fängt an, ihre Wirkung zu tun. A. M.

Was unsere Reichswehr fingt!

Eines Volkes Lied ist seine Seele; eines Heeres Sang ist sein Geist. Hört Euch die Lieder der Soldaten aller Welt an, und ihr könnt aus ihrem Klang und Wort alles heraus lesen und hören, was die Truppe beseelt! Wenn nun hier davon die Rede sein soll, was unsere Reichswehr singt, so ist dieses nur eine Bestätigung des vorher gesagten. Unsere Soldaten singen gerne und viel. Hört sie nur an, wenn sie mit ihren Liedern marschieren. Die alten Weisen sind es, die die Väter schon sangen und die Lieder der neuen Zeit. Wie es nicht anders beim deutschen Soldaten sein kann, besingt er zuerst sein Vaterland, die Heldentaten seiner Väter, der Liebe Lust und Leid, die Heimat und die Sehnsucht nach ihr. Die Waffengattung gibt auch zu manch schönem Liede Anlaß. Es zieht ein Faden von Wehmut durch alle beutfdfen' Soldatenlieder. Nach irgendetwas sehnt sich der deutsche Soldat immer, und dieses gibt ihm den sehnsuchtsvollen Unterton in der Melodie an. Gekün­stelte Melodien lehnt er ab, der volkhafte Ton wird bevor­zugt. Auf guten Rhythmus wird besonderer Wert gelegt. Wie überhaupt nicht mehr so sehr die elegische Melodie, sondern mehr die stolze selbstbewußte Linie den Vorzug be­kommt, wie z. B.Märkische Heide" oder das aus dem 16.. Jahrhundert übernommene LiedUnd unsre lieben Frauen".

Unsere Reichswehr singt bei allen Gelegenheiten, auf dem Marsche, beim Innendienst, im Kameradenkreise, auf der Stube oder beim Kreisen des Bechers; immer läßt sie ihr Lied als den Ausdruck ihres sonst selten nach außen gekehrten Innenlebens erklingen.

Das am 8. Juli von unserer Garnison ausgeführte Reichswehr-Massenkonzert wird nun ein großes Pot­pourriWas unsere Reichswehr singt", bringen. Dieses Potpourri, das eine Auslese unserer beliebtesten Soldaten­lieder enthält, wird von einer Batterie unter Begleitung der gesamten 5 Kapellen gesungen. Die Uraufführung fand im Januar 1933, kurz vor der Machtergreifung unseres Führers, im Zirkus Busch vor einem großen Publikum statt. Auch damals hatte Musikmeister R o h d e die Einstudierung des Gesanges bei der Spandauer Infanterie vorgenommen und hatte auch die Lieder für das Potpourri ausgesucht. In­zwischen ist es nach dem Druck der Noten über alle deutschen Gaue gegangen, der Rundfunk hat es oft von Ostpreußen aus übertragen.

Die Lieder kommen 2- und 4stimmig zum Vortrag.

Voraussichtlich wird auch diesmal der Rundfunk den Soldatengesang in alle Welt tragen.

Selbsthilfe ist die Parole!

Das Deutsche Reich darf bekanntlich keine Jagd-, Aus- klärungs- und Bombenflugzeuge unterhalten. Es darf auch nirgends ein Flugabwehrgeschütz ausgestellt oder ein­gebaut werden. Aber das deutsche Volk kann sich gegen etwaige Luftangriffe selbst schützen. Unsere ehemaligen Kriegsgegner haben es uns im Jahre 1926 gestattet. Par­teihader und innere Zerrissenheit haben in der Vergangen­heit jede Maßnahme zum Schutze von Leben und Eigentum unmöglich gemacht. Ueber die ersten zaghaften Versuche kam man nicht hinaus. Erst als vor mehr als einem Jahre Reichsminister Göring den Anstoß zur Gründung des Reichsluftschutzbundes gab, gelang es in zähester Arbeit von Monat zu Monat immer grössere Massen des Volkes von der Notwendigkeit des Luftschutzes zu überzeugen. Unentwegt geht die Werbung weiter. An alle Kreise des Volkes wird appelliert, in den Städten, auf den Dörfern wird die Werbetrommel gerührt immer stärker wird das Bewußtsein der großen Gefahr, in der arbeitsame, fried­liche deutsche Menschen schweben, und immer leidenschaft­licher der Wille, im Wege der Selbsthilfe möglichen Gefah­ren vorzubeugen.

Das Reich und die Behörden können nicht alles machen. Man darf nicht immer auf den Befehl warten. Man muß im Rahmen der Anweisungen und Ratschläge des Reichs- luftschutzbundes selbst ans Werk gehen. Die Arbeit ist un­geheuer umfangreich, sie erfordert den vollen Einsatz der Menschen, sie verlangt Ernst, Ausdauer, Zähigkeit und heiße Liebe zu Heimat und Herd. Jeder Deutsche wird auf­gerufen, an dem Schutze und der Erhaltung seines Heimes, seiner Werkstatt, seines Betriebes mitzuarbeiten. Jeder muß wissen, was ein Luftschutzhauswart und ein Brand­wart zu tun hat. Jeder muß ihm das schwere selbsterwählte Amt erleichtern, jeder muß wissen, daß er im Interesse der Volksgemeinschaft handelt, wenn er für einen geringen Beitrag Mitglied des Reichsluftschutzbundes wird. Jede Ortsgruppe des Bundes gibt bereitwilligst Auskunft. Gibt es an einem Ort noch keine Gruppe, wende man sich an die Landesgruppe des Reichsluftschutzbundes in Frankfurt am Main, Schumannstrat-- 52a.

Ergebnis der Rot Kreuz-Sammlung.

Die Straßen- und die nunmehr beendete Haussammlung des diesjährigen Rot Kreuztages haben (einschließlich der Sammlungen in Neuhof und Bad Salzschlirf) 1710,94 Reichsmark ergeben. Allen Gebern und allen, die sich in den Dienst der guten Sache gestellt haben, sprechen die Rot- Kreuz-Vereine herzlichen Dank aus.

Apothekendienst.

Nacht- und Sonntagsdienst ab heute Abend 8 Uhr bis zum Donnerstag (Morgen), den 28. Juni die Löwenapotheke H. Düster. Ab Donnerstagabend 8 Uhr bis zum Samstag­morgen die Engelapotheke. Die Hirschapotheke, Leipziger- Straße wird in Bedarfsfällen geöffnet.

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Buttermarkt.

Auf dem heutigen Buttermarkt wurde für das Pfund Butter 1.101.20 Mk. bezahlt. Eier kosteten das Stück 7148 Pfg.

Schweinemarkt.

Auf dem heutigen Schweinemarkt waren 181 Ferkel auf- getrieben. Bezahlt wurden für das Stück 12, 16 bis 18 Mk. Größere Tiere über Notiz.

Wetternusfichten für morgen:

Nach vorübergehend wieder verstärkter Niederschlags- neigung erneute Beruhigung und Aufheiterung.

Die Beraubung eines Reichspostkraftwagens vor der

Großen Strafkammer Hanau.

k. Hanau, 22. Juni.

Den Auftakt zu der Klärung des am Vormittag des 1. Februar 1930 auf der Landstraße HuttenRückers bei Schlüchtern verübten raffinierten Ueberfalls auf einen Reichspostkraftwagen bildet die jetzt im Gange befindliche Hauptverhandlung der Großen Strafkammer Hanau, die sich unter dem Vorsitze des Landgerichtsdirektors Dr. Fritz vollzieht und sich gegen die beiden Angeschuldigten Karl Erber und Johann Schmitt, beide in Hanau wohnhaft, rich­tet, während die Voruntersuchung gegen zwei weitere ver­dächtige Personen noch nicht abgeschlossen ist. Tie Verneh­mung der beiden Angeschuldigten, Erber und Schmitt, mit der die Freitagssitzung der Großen Strafkammer Hanau ihren Anfang nahm, bot nichts Ueberraschendes, denn beide leugneten hartnäckig, den Postraub ausgeführt oder an demselben beteiligt gewesen zu sein, doch konnten ihnen große Widersprüche nachgewiesen werden. Tann wurde in die Beweisaufnahme eingetreten. Einer der ersten Zeu­gen war der frühere Postschaffner Karl Blum aus Schlüch­tern, der bei dem Ueberfall den Postkraftwagen geführt hatte und eine eingehende Schilderung der Vorgänge bot, die von uns bereits gestern kurz mitgeteilt worden sind. Er hatte an die einzelnen Posthilfsstellen 14 Postbeutel abzu­liefern. An drei Orten waren die Beutel abgeliefert, als der Ueberfall erfolgte, 11 Postbeutel wurden ausgeraubt. Der Posthalter in Rückers hatte sofort die Ortsfeuerwehr larmiert zur Verfolgung der Täter, doch wurde voll der Feuerwehr, die für diese Aufgabe auch nicht zuständig und sachverständig war, vieles zerstört, so daß Fußspuren leider nicht mehr festzustellen waren. Leider hat auch die zustän­dige Staatsanwaltschaft in Hanau erst abends 6 Uhr über die Oberpostdirektion Kassel Nachricht über den Ueberfall erhalten, so daß die Landeskriminalpolizei erst 24 Stunden nach der Tat Ermittlungen anstellen konnte. Die vorge­fundenen Postbeutel konnten durch die ihnen widerfahrene Behandlung nicht auf Fingerabdrücke untersucht werden. Stark belastet wurde besonders der angeschuldigte Karl Erber durch mehrere Zeugen, die mit ihm früher verkehrt hatten und besonders mit dem verstorbenen Haupttäter Kropp befreundet gewesen waren. Einem dieser Zeugen hatte Kropp offen den Vorgang erzählt und auch erwähnt, daß man anfangs sich mit der Absicht getragen habe, einen Viehjuden, der sich zum Markt nach Schlüchtern habe bege­ben wollen, mit dem Motorrad anzufahren, zu Fall zu bringen, ihm die Tasche mit Geld wegzunehmen und dann fortzufahren. Schließlich habe man den Postwagen beraubt. Tiefen Einblick in die Folgen und das Treiben in Frank­furter Spielklubs vermittelte u. a. auch die Beweisauf­nahme, denn der Angeschuldigte Karl Erber und der ver­storbene Haupttäter Kropp sowie ihre Freunde waren der Spielleidenschaft verfallen und hatten beträchtliche Be­träge verloren. Nicht nur in Frankfurt, sondern auch in Hanau wurde fast zu jeder Tageszeit dem Spiele gehuldigt, kostspielige Autofahrten zum Spiel von Hanau nach Frank­furt und zurück unternommen.

Dermbach (Rhön), 22. Juni. (Der Jbengarten zu Dermbach. Ein berühmtes Naturdenk- m a l.) Die in den deutschen Wäldern sehr selten gewor­dene Eibe, ein Nadelholzgewächs mit schwarzgriinen, zwei­zeiligen Blättern, hat in dem etwa vier Hektar großen Jbengarten bei Dermbach ein Schutzgebiet gefunden, das von der Forstverwaltung aufs beste gehegt und gepflegt wird. Diese Waldung hat einen Bestand von etwa 400 Eiben oder Taxusbäumen aufzuweisen, von denen die älte­sten bei einer Höhe von rund 12 Metern ein Alter von etwa 1000 Jahren haben. Neuerdings hat man die den Garten umgebenden Laubbäume auflichten lagen, um das Wachstum der Eiben noch mehr zu fördern. Man nimmt an, daß der Jbengarten im neunten Jahrhundert von Mönchen des Klosters Zella angelegt wurde, die Samen und junge Pflanzen aus Kleinasien mitgebracht hatten. Das Holz war früher sehr wichtig für Drechsler- und Schnitz­arbeiten.

Fladungen (Rhön), 22. Juni. (Heuversand in der Rhön.) Die Heuernte wurde hier beendet, der teil­weise Ausfall an Masse wird durch eine vorzügliche Quali­tät ersetzt. Ter Heuversand hat seit einigen Tagen begon­nen. Mancher Bauer, der einen Ueberschuß an Heu geern­tet hat, erzielt ganz ansehnliche Einnahmen, da für den Zentner vier Mark bezahlt werden.

Kassel, 22. Juni. (Richard und seine drei Frauen.) Am Tonnerstag verwarf, wie der Reichs­gerichtsdienst des DNB. mitteilt, das Reichsgericht antrags­gemäß die von dem 48jährigen Angeklagten Richard Jahn aus Leipzig gegen das Urteil des Schwurgerichts Kassel vom 16. 4. eingelegte Revision als unbegründet. Damit ist Jahn wegen versuchten Totschlags rechtskräftig zu sieben Jahren Zuchthaus und zehnjährigem Ehrenrechtsverlust verurteilt. Lediglich die Zulässigkeit der Polizeiaufsicht wurde vom Reichsgericht in Fortfall gebracht. Ter Ageklagte war be­reits zweimal verheiratet. Im Jahre 1911 erschoß er seine erste Frau im Laufe von Auseinandersetzungen, wofür er wegen Totschlags elf Monate Gefängnis erhielt. Auch die zweite Ehe wurde wegen des ehewidrigen Verhaltens des Mannes geschieden. Obwohl er anscheinend nicht im ge­ringsten für eine Ehe zu taugen schien, heiratete er zum dritten Mal, doch auch dieser Versuch schlug fehl. Jahn prügelte seine Frau mehrfach, und im Mai 1933 trennten sich beide Ehegatten. Die Frau zog nach Eschwege, Jahn lebte in Mühlhausen. Am 11. November v. Js. suchte er in Eschwege seine Frau auf. Er begann wiederum mit Vorwürfen und geriet in solche Wut. daß er ein Taschen­messer zog und blindlings auf die Frau einstach. Erst als die 13jahrige Tochter des Hauswirts, bei dem die Frau als Haushälterin tätig war, mit einem Revolver auf ihn los­ging, ließ er von feinem Opfer ab und stellte sich der Poli­zei. Die Frau wurde in das Landeskrankenhaus gebracht, wo sich die Verletzungen glücklicherweise als nicht lebens­gefährlich herausstellten.

' * Herbstein, 21. Juni. (RaschtrittderTodden Menschen an!) Heute vormittag ereignete sich hier ein schrecklicher Unglücksfall. Tie Ehefrau Josef Schad war beim Anspannen des Viehs bei ihrer Tochter in der Unter- gape behilflich. Hierbei wurde sie von einer Kuh derart gestoßen, daß sie zu Boden fiel; sie wurde dabei von der Kuh in den Leib getreten. Tie Unglückliche ist infolge der erlittenen schweren inneren Verletzungen bald darauf ge­storben.

Alsfeld, 22. Juni. (E i n interessanter Ver - s ud).) Ter wiederholt unternommene Versuch, den Storch, dessen Nest auf dem Leonhardsturm schon seit Jahren ver­waist ist, wieder hier einzubürgern, wird in den nächsten Tagen in von fachmännischer Seite unterstütztem Verfahren erneuert. Letzteres ist aus Anweisungen der Vogelwarte Rassitten zurückzuführen, die die Wiederansiedl'ung von Störchen an von diesen verlassenen Orten schon seit Jahren