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Zul-aer /lnzeiger

BKÄ » Tageblatt für Rhön unö Vogelsberg- T e^ tkll^(9Q6 mm' breit12 Pf Bei Wiederholung BWS Zulöa- un- Haunetal. Zul-aer Kreisblatt ZWAMP-HZ schriftlecker: Friedr. Ehrenklau, Fulda, Königstr. 42. Re-aktion UN- Geschäftsstelle: Konigstraße 42 * Zernfprech-Nnfthluß Nr. 2989 Anzergenterl Ferdrnand Ehrenklau, ßauterbacW

Nr. 143 1934

Fulda, Freitag, 22. Juni

11. Jahrgang

Maffenflug üi

Flug in den Morgen.

Kleine Stimmungsbilder vom Deutschlandflug 1934.

Im Berliner Flughafen, draußen in T e m p e l h o f, geht es aufgeregt zu. Wo man sonst fast nur die großen behäbigen Verkehrsmaschinen landen und starten sieht, haben sich kleine, flinke Sportmaschinen aufgebaut, die gleich zum größten Flugwettbewerb Deutschlands starten werden. Es hat kaum zu dämmern begonnen, und doch herrscht ein Leben wie kaum zuvor. Piloten und Monteure geben ihren Maschinen noch dieletzte Ölung", und andere studieren noch schnell einmal eifrig die Karten. Das Wetter ist ganz anständig. Es weht aller­dings ein ziemlich kalter Wind, die Maschinen werden ihn aber im Rücken haben, und das ist natürlich an­genehm. Weitaus der größte Teil der Maschinen ist offen; die Besatzungen haben sich aber gut eingepackt, es kommt ihnen nicht allzusehr auf dieschlanke Linie" an; die Hauptsache ist, daß sie nicht verfroren wieder in Berlin ankommen. Die Besatzung einer Staffel von fünf Maschinen hat sich zur Feier des Tages blendendweiße Kombinationen zugelegt, sie werden natürlich gebührend angepflaumt von wegenAngeben" und so. Heute sind sie, wie gesagt, noch blendend weiß, wie sie am letzten Tage aussehen werden, kaun man nur ahnen; wahrscheinlich wird dann ein ganz Witziger den Stasfelführer fragen, ob es dieselben Anzüge auch in Weiß gibt!

Inzwischen bat sich auch der Staatssekretär im Luftfahrtministerium, Erhard M i l ch , eingcsunden, der das große Feld auf bje lange Reise schicken wird. Er wird froh begrüßt von den Fliegern, sie freuen sich alle, daß auch heute wieder ein Vertreterihres" Ministeriums den Weg zu ihnen gefunden hat.

Pünktlich rollt die erste Staffel an den Start und das Dröhnen der Motoren, das so ganz anders klingt als bei ihren großen Brüdern von der Verkehrsfliegerei, erfüllt die Luft. Der Staatssekretär senkt die Startflagge, gleichzeitig heulen die Motoren auf, die kleinen Maschinen schießen vorwärts, rasen ein Stück über die Grasnarbe und heben sich in die Luft. Noch einmal winken dieFränze", das sind in der Fliegersprache die Beobachter, freundlich den Menschen zu, die unten bleiben müssen, und dann geht es ab durch die Mitte. In wenigen Minuten sind sie verschwunden.

Und nun geht es Schlag auf Schlag. Eine Staffel nach der anderen zieht ab, immer andere Flugzeugiypen, immer andere Gesichter. Das heißt, beinahe sehen sie alle gleich aus in ihrem Zeug; wenn man einen Bekannten erkennen will, muß man schon ziemlich genau hinsehen. Und dann hat man ihm pflichtgemäßH als und Beinbruch" zu wünschen.

Sagen Sie um Gottes willen nicht einem Flieger, der etwas besonderes vorhat:Alles Gute!" oder sowas. Sie könnten leicht in die Gefahr kommen, umgebracht zu werden. Für einen Flieger gibt es nicht Schlimmeres als das man ihm Glück wünscht. Das ist nun mal ein Komplex, den sie sich auch nicht ausreden lassen. Deshalb sagt man freundlich:Hals und Beinbruch!" und be­kommt für diesen frommen Wunsch einen dankbaren Händedruck.

Auf dem Platz sieht man auch zwei Staffelu von je fünf schmuckenStieglitzen" stehen. Das sind natürlich fcharse Konkurrenten. Ich sehe gerade, wie ein Staffel­führer gerade demgegnerischen" Führer lachend die | Hand schüttelt und sagt:Also, mein lieber Krischan, ich wünsche dir g b n a u d a s s e l b e, was du mir wünschst!" Und dabei sehen sich die beiden verständnisvoll in die Augen.

i Es handelt sich hier umKrischan", den früheren Do. X"-Kommandanten, der aus Männern des L u f t f a h r t m i n i st e r i u m s eine ganze Stas« f e l z u s a m m e n g e st e l l 1 hat. Denn sie alle sind keine Helden des grünen Tisches, sondern können ebensogut den Steuerknüppel führen. Man nennt sie dasfliegende Ministerium". Sowas gab es früher nicht.

Es gibt keineStârs" unter den Piloten Sie sind alle Kameraden. Bei ihnen gilt nur die Gemeinschaft. Es kommt nicht darauf au, ob einer von ihnen eine Kanone" ist oder ein Mann, von dem die Öffentlichkeit noch nie etwas gehört hat. Denn jeder ist auf den anderen angewiesen. Das ist der Grund, weshalb diesmal nur Fliegen i m V e r b a n d zugelassen ist. Die Leistung gilt und nicht der Name. Man könnte das Wort vomun­bekannten Flieger" prägen. Hier trifft es zu.

_ Roch einen äußeren Ausdruck des Gemeinschafts- Roifieg kann man sehen. Das Barackenlager, in dem je Piloten gemeinsam ihre Nachtruhe verbringen. Um die Flieger, die am Abend dringend Ruhe benötigen, in unmittelbarer Nähe des Platzes unterzubringen, hat man ^ne kleine Barackenstadt errichtet. Wenn die müden und ^'schöpften Männer abends heimkehren, finden sie einen Keundlich gedeckten Tisch vor und können gemütlich beim Abendessen noch einmal die Erlebnisse des Tagesdurch- uvnen". Hub früh geht es in die Klappe, der nächste Tag "ringt wieder neue Anstrengungen.

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,Am ersten Tag wurden ungefähr 1500 Kilometer âuckgclegi. Der Flug geht über StettinDanzig- UlgsbergStolpGreifswald wieder zurück nach dem «tartort. Unterwegs sind noch allerlei navigatorische Aus- $ zu lösen, die zum Teil sehr schwierig sind. Einige Zahlen sind recht interessant. Während der vier Tage s. Flugzeug ungefähr 5000 Kilometer zurücklegen, ie Leistung der verschiedenen Moto re beträgt im Mittel

r Deutschland.

etwa 100 PS, im ganzen werden die Maschinen zusammen etwa 15 000 Liter Benzin Brennstoff verbrauchen. 4000 Starts und Landungen werden insgesamt ausgeführt.

Es sind sehr schwierige Aufgaben, die man den Piloten gestellt hat. Wer sie löst, ist ein ganzer Kerl. Und gerade solche Kerle brauchen wir heute. Cbr.

Krischan" senior und junior.

Christiansen Vater, der bekannte frühereDo X"-Fübrer (Mitte), und sein Sohn llinks). Rechts Staatssekretär Milch.

Der erste 'Zwischenlan-eplatz.

Nach knapp einer Stunde Flugzeit trafen bereits in Stettin die ersten Maschinen ein. Trotz der frühen Morgenstunde hatte sich auf dem Flugplatz eine zahl­reiche Menschenmenge eingefunden, die die Deutschlaud­flieger freudig begrüßte. Nach und nach waren alle Ma­schinen gelandet und nach kurzem Aufenthalt wieder gestartet.

Etappe Danzig.

Bei dem günstigen Wetter, das den Maschinen starken Rückenwind bescherte, ging der Flug flott voran. Dan­zig, die zweite Etappe, wurde zuerst von zwei Dreier­staffeln aus Magdeburg und Hannover erreicht, denen bald die übrigen Verbände folgten. In Danzig gab es auch den ersten Ausfall. Die Fliegerlandesgruppe M ü n st e r verlor einen Gerner-Doppeldecker. der not« landen mußte. Die Staffel fliegt mit vier Flugzeugen weiter. Auch die Düsseldorfer Gruppe verlor eine Rbein­landschwalbe. In Danzig wurden die Piloten von Tau­senden von Schulkindern jubelnd begrüßt. Auf dem Flughafen von A l l e n st e i n landeten nur die kleinen Einheiten von drei Flugzeugen, die übrigen For­mationen hatten lediglich eine Wendemarke zu umfliegen und eine» Meldebeutel abzuwerfen.

Königsberg in Erwartung.

Seit den frühen Morgenstunden wartete in K ö n i g s- b e r g eine große Menschenmenge mit großer Spannung auf das Eintreffen der Flieaer. Kurt vor 9 Ubr erschien

Die Strandung

Stdallkkli-es Unglück beim Ausbooten derSresden".paffagiere.

Rettungsboot gekentert. Zwei Frauen tödlich verunglückt.

Leider ist cs bei dem Ausbooten der Passagiere derDresden", die bei Stavanger auf Grund lief, zu einem tief bedauerlichen Unglück skall gekommen.

Ein Rettungsboot derDresden" kenterte unmittelbar nachdem es auf das Wasser niedergelassen war. Es gelang jedoch, die Insassen zu retten, bis auf zwei Frauen, die verunglückten. Eine Anzahl von weiteren Passagieren mußte in das Krankenhaus in Stavanger gebracht werden, wo sie ärztliche Hilfe und Pflege erhielten.

Nach einer Mitteilung des deutschen Konsulats in Stavanger konnte die eine der verunglückten Frauen als

als erster Präsident L o'e r z e r , der direkt von Danzig kam, um der Kontrolle beizuwohnen. Er berichtete von günstigem Wetter. Bald darauf brauste die erste Staffel der Hannoveraner über die Ziellinie. Daran schloßen sich die übrigen Formationen an.

Ein tödlicher Absturz.

Leider ereignete sich ein bedauerlicher Unfall: Ein Sportslugzeug stürzte aus bisher unbekannter Ursache bei Hohenschönau, Kreis Naugard, ab, wobei die Besatzung, Flugzeugführer V o l b r a ch t und Orter Koch, den Tod fanden. Wie uns auf eine Anfrage beim Deutschen Luftsportverband mitgeteilt wird, handelt cs sich bei dem verunglückten Orter nicht um den ost preußischen Oberpräsidenten Koch.

Außerdem mußte ein anderes Wettbewerbsslugzeug bei Großpvchow, Kreis Belgard, eine Notlandung vor­nehmen, bei der der Flugzeugführer Schafhausen verletzt wurde. Der Orter blieb unverletzt.

Stolp to rd passiert.

In Stolp sind nach 12.10 Uhr drei Flugzeuge von der Fliegerlandesgruppe Hannover, die am Deutschland­slug teilnebmen, eingetroffen. Es handelt sich um Maschinen, die im vorigen Jahre den Deutschlandflug gewonnen hatten. Etwa zehn Minuten später kamen vier Flugzeuge von der Fliegerlandesgruppe Hamburg- Altona an. Sie hielten sich kurze Zeit im Flughafen auf und flogen dann nach der Wendemarke Swinemündc weiter.

Das er$e Tagesziel erreicht.

Hamburger und Hannoveraner Flieger trafen als erste wieder in Berlin ein.

Am Donnerstagnachmittag trafen die Flugverbändc wieder auf dem Berliner Flughafen Tempelhof ein, von einer größeren Menschenmenge mit Spannung erwartet. Obgleich die Mannschaften von den Strapazen des langen Fluges recht müde und abgekämpft waren, herrschte bei ihnen eine fröhliche Stimmung.

Alle waren noch ganz unter dem überwältigenden Eindruck dieses Ostfluges, der für viele der jüngeren Piloten der erste große Überlandflug überhaupt war. Getrübt wurde die Freude nur durch die traurige Nach­richt des tödlichen Unfalls am Morgen. Die meisten der Flieger suchten bald ihren Platz im Gemein- schaftslagcr auf, um am nächsten Tag frisch und erholt ihre Maschine zu besteigen.

Obwohl die Flieger auf dem Rückwege von Ost­preußen mit scharfem Gegenwind zu kämpfen hatten, gelang es den Hamburgern, bestehend au^ vier Flugzeugen vom Typ Klemm L 25, und den Hannoveraner Fliegern mit drei Maschinen be& selben Typs,

bereits wenige Minuten nach 16.30 Uhr den Attsgangsflughafen wieder zu erreichen und damit den ersten und längsten Streckenflugtag dieses bedeuten­den Wettbewerbes erfolgreich abzuschließen.

Als nächste Fliegerstaffeln trafen ein:

Die Dreierverbände Berlin, Braunschweig, Darmstadt, Magdeburg, der Fünferverband Bremen, der Siebener« verband Mannheim, her Dreiverband Oberbayern, der Siebenerverband Eßlingen und der Siebenerverband Königsberg. Die Fliegerstaffel Münster, in deren Reihen sich der Todessturz ereignete, gab in Greifs wald auf.

derDresden".

Frau Emma Erzhcimer aus Otterberg in her Rheinpfalz festgestellt werden. Die andere Verunglückte ist ein junges Mädchen, dessen Name bisher nickn zu ermitteln war. Die Zahl der im Krankenhaus befind lichen Verletzten derDresden" beträgt fünfzehn.

Der Tod der beiden Frauen hat in ganz DcuC-ncud tiefste Anteilnahme erweckt.

Zu diesem tragischen Unfall erfahren wir noch folgende Einzelheiten: Die ersten Passagiere der ^Dresden" konnten durch die eigenen Rettungsboote bee Schiffes an Land gebracht werden. Die Ausbootung voll­zog sich in v o l l e r Ruhe. Später legten norwegische Dampfer längs derDresden" an und übernahmen die Passagiere direki von Bord zu Bord. Von den geretteten Passagieren befindet sich ein Teil in Kopervik. ein anderer Skudcsneshavn und der größte Teil in Stavanger.

Die Geretteten sind alle wohlauf und werden die Rück­fahrt mit derStuttgart" antreten. Von den im Hospital Befindlichen werden alle mit Ausnahme von drei Personen in der Lage sein, die Rückreise mit derStut: gart" anzutreten, ein Zeichen, daß sie nicht schwerer verletzt sind. Tie drei Verletzten, die im Hospital bleiben müssen, befinden sich außer Lebensgefahr.

Landung der Fahrgäste in Emden

Als Abschluß der 8.Kraft durch Freude" Fahrt des x "vd-DampfcrsDresden" war ein Besuch des größten Preußischen Nordscehafens Emden vorgesehen. In Verfolg dieses Programms wird der Lloyd-Dampfer Stuttgart" die übernommenen Fahrgäste der Dresden" am Sonnabend in Emden landen. Die Urlauber werden mit Motorbooten vom Hasen nach der Stadt gebracht werden, wo eine Kaffeetafel stattfinden wird. Die Ablahrt zu den Heimatorten ersolgt dann um 22 Uhr.