Einzelbild herunterladen
 

Dr. Goebbels wieder in Berlin.

Reichsminister Dr. Goebbels traf Freitaa abend aeae» 7 Uhr nnt dem GroßflugzeugHindenburg" von seiner Reise nach Polen tu Berlin ein.

Der Minister Ivar von Krakau ans über Breslau nacki der Reichshauptstadt geflogen. Auf dem Flugplatz hatten o^n^Cm-Clr ^^^rnßung u. a. ber, polnische Gesandte ~1 ^1 ,!<" , ?^/^'? feiner Gesandtschaft eingefunden.

Goebbels sandte beim Überfliegen der deutsch- po ni chen Grenze aus seinem Rückflug von Krakau an den polm,chen Außenminister Beck nachstehendes T c l e gr a mm :Beim überfliegen der Grenze nde ich Ihnen herzliche Gruße, verbunden mit aufrichtigem Dank für die in öbrem Lande empfangene herzliche G a st > s r e u n d i ch a f t." 1

Des Weiteren schickte Dr. Goebbels ein Telegramm an ««ÂrM^ panischen Jntellektuellen-Union in Waischäu, i o f c f I o r Jielinffi folaenden w'^f'Ar?1 Einladung, die mir die willkommene Möglichkeit gab, das nationalsozialistische Deutschland der polnischen Öffentlichkeit naherzubringen, nehmen Sie bitte, meinen herzlichen Dank entgegen "

England zum deutschen Transsermorakormm.

Der englische Schatzkanzler Chamberlain gab im seine mit der größten Spannung erwartete Erklärung über das deutsche Transfermoratorium ab. Er

-p^tische Regierung demnächst eine Gesetzesvorlage embringen wird, um der Regierung zu ermöglichen, ein englisch-deutsches Clearing- A m t zu errichten, daß sie jedoch bereit ist, d a v o n a b - zusehen, dieze Vollmachten auszuüben, wenn eine befriedigende Vereinbarung über eine billige Behandlung ier britischen Bondsinhaber und den britischen Handel vor dem 1. Juli abgeschlossen werden kann.

Die amerikanische Presse schreibt zu dem deutschen Transfermoratorlum, man habe es in Amerika l ä n g st erwartet, da diese Maßnahme angesichts der Verringerung des Devisen- und Goldbestandes kaum ver­meidbar gewesen sei. Man müsse aber der weiteren Ent­wicklung mit einem gewissen O v t i m i s m u s entaegen- sehen.

Mehr Wmb für die VerMMgend!

Kurz vor Beginn der großen Solninerferien ruft noch einmal der Referent der ReichLjngellöführung und Leiter des

Jugendamtes der DAI, Oberbannführer Langer, die

Bctriebssnhrer und Meister auf. den berufstätigen Jugend­lichen schon in diesem Jahre einen längeren Erholung »= urlaub zu gewähren Er schreibt u. a.: An dieser Jugend aber sind die Jahre des Verfalls und des wirtschaftlichen Niedergangs nicht spurlos vorübergegangcn. Rach ärztlichen Feststellungen der letzten Zeit sind

über 30 Prozent aller Jugendlichen nicht voll lcistumzs

fähig.

Für Die gesundheitliche Erholung der berufstätigen Jugend zu sorgen, ist daher eine vordringliche Notwendigkeit. Wir richten an alle noch einmal den dringenden Appell, schon vor der gesetzlichen Fretzcitregelung bereits in diesem

Sommer der..ZrxrMMkgxu 3uflcnb>imhci^c^

urlaub zu gewähren Dabei ist es eine Forderung des Ratio uaiz^inlismus, daß der ungelernte Jungarbeiter dieselbe Bc- r»ck»chtigu»g findet wie der in der Ausbildung stehende.

Beteiligung der Hitler-Jugend an der Sammlung des VDA

Berlin. Das Sammelverbot des Reichsjugendführers gilt nicht für die am 16. und 17. Juni einmalig stattfindende Sammlung des VDA Ebenso wird der Verkauf des Abzeichens zum gest der Hitler-Jugend (23. Juni) nicht von dem Verbot betroffen. Im übrigen wird die Hitler-Jugend für keinerlei

Sammlungen mehr eingesctzi.

von J- Schnei der-so ers±i

URHEBER-RECHTSSCHUTZ VERLAG OSKAR WEISTER .WERDAU

13 ' Nachdruck verboten.

Mit sachten Händen zog sie die Daunendecke weiter nach seiner Brust herauf. Er würde den tiefsten Schlaf finden, wenn er ganz allein blieb. Das Licht ansschal­tend, drückte sie gleich darauf die Tür hinter sich zu, nm nach dem Zimmer hinab,zugehen, das für ihn be- Itimmt gewesen war.

Bon den Bediensteten hatte an diesem Abend niemand Zeit gehabt, in den Räumen hier Ordirung zu schaffen. Es lag noch alles so, wie Hans-Jörg es beim Umkleiden gelassen hatte. Sie nahm seinen Reiseanzug und trug ihn nach dem Schrank. Im Begriff, ihn über den Bügel zu hängen, fiel die Brieftasche zu Boden. Er mochte vergessen haben, sie herauszunehmen. Stephanie ließ sich in die Knie, um den Inhalt wieder hineinZuver- stauen, wurde plötzlich bleich bis in die Lippen und weit ein Frauenphoto hoch, das eine sehr hübsche Brünette darstellte, in deren Gesicht nur ein ganz kleiner frecher Zug störte.Liselott" stand auf der Rückseite, sonst nichts.

Schließlich war es kein Verbrechen, wenn er das Bild einer Frau oder eines Mädchens, das er mög­licherweise einmal geliebt hatte, bei sich trug. Es lag ihr nichts ferner, als in diesem Punkte kleinlich zu sein.

Aber, was sie sonst auf das strengste verpönt hätte, das tat sie jetzt. Sie unterzog den übrigen Inhalt der Saffiantasche einer genauen Durchsicht: Rechnungen von Hotels, Bestätigungen von Firmen über erhaltene Gel­der, eine Einladung eines Luftschiffkousortiums zu einer Ingenieurzusammenkunft in Reval. Und dann entfaltete sie den Briefbogen mit dem Firmcuaufdruck einer Konstanzer Rechtsanwaltskanzlei. Ihr Blick hetzte über die wenigen Zeilen.

Sehr geehrter Herr Baron!

Eine Scheidung cinzuleiten, ist nicht so einfach, wie Sie sich vielleicht denken. Ueberdics nach so kurzer Ehe. Dazu wird vor allem eine dem Gesetze ge­nügende Handhabe benötigt, wie Ehebruch, bös­williges Verlassen nfw. Es wird das beste sein, wenn Sie sich einmal persönlich in mein Bureau bemühen, um mit Ihnen über alle in Betracht kommenden Punkte sprechen zu können.

Hochachtend'!

$ c U t f e i n. Iustizrat."

Sühne für Horst Wessel.

Zwei Mittäter zum Lode verurteilt.

Das Urteil von 1930 an geprangert.

Im HorstWcsselProzctz verkündete der Vorsitzende unter atemloser Spannung am Freitag folgen­des Urteil: Die Angeklagten Sally Epstein und Hans Ziegler werden wegen gemeinschaftlichen Mor- deS z u in Tode und Ehrverlust aus Lebenszeit ver­urteilt. Dr. AngeNagte Peter Stoll wird ivegc.i Bei­hilfe wm gemeinschaftlichen Mord zu 7L Jahren Z u ch t h a tt und 10 Jahren Ehrverlust verurteilt.

Die beiden zum Tode verurteilten Angeklagten brachen nach der Verkündung des Urteil» völlig zu stimmen. Während der Urteilsverkündung erlitt ferner bie im Saal anwesende Ehefrau des Angeklagten Ziegler Schreikrämpse und mußte ans dem Saal geführi werden In der U r i e i l s b c g r ü n d u n g führte der Vor­sitzende u. a. aus: Durch das Ergebnis der Beweisaus- nahme ist einwandfrei festgestelli worden. daß sich die Angeklagten Epstein und Ziegler im Sinne der Anklage des gemeinschaftlichen Mordes und Stoll der Beihilfe zu diesem Verbrechen schuldig gemachi haben Das Gericht könnte keine Rücksicht daraus nehmen, zu welcher Auf- fassung das Schwurgericht im Jahre 1930 gekommen ist, bas über denselben Tatbestand ein Urteil zu fällen hatte. Wir hatten unser Urteil zu sprechen auf Grund des Eindrucks, den diese Hauptverhandlung auf uns gemacht hat und lediglich auf Grund der Gesichtspunkte, die sich dabei herausgcstcllt haben, und es erwies sich, daß der Mord geradezu exerzier mäßig nach den Kampfregclu des Rotfrontkämpferbundes durchgeführt worden ist.

Vernichtende Anklage des Staatsanwalts.

In seiner Anklagerede, die besonders das Fehlurteil bon 1930 geißelte, führte der Staatsanwalt u. a. aus: Nicht bte Rachesurie rast durch diesen Saal, nur der gerade und harte

Wille zur Sühne

für ein gemeines Verbrechen beherrscht unser Wollen. Wir haben cs^ nicht nötig und verabscheuen es, das Gedächtnis eilles großen Toten in den Schmutz zu ziehen durch fanatische Haß- gesänge. 4% Jahre zurück versetzt uns der Prozeß Die kleinen Sturmabteilungen Der NSDAP, am Fischerktetz, am Bülow- und Alexanderplatz standen im Kampf auf Leben und Tod, und

die Mordzemralc der KPD. am BLlowplatz wachte mit stets wachsender Aufmerksamkeit über das An­schwellen der nationalsozialtstischen Bewegung. Durch Die aufopfernde Propagandaarbeit der braven.-Männer und durch Die Hingabe ihrer Führer an Die Idee wurde der Kamps lüneingetragen bis ans Herz der KPD. Den nationalsozialisti­schen Sturmkolonnen voran marschierte neben dem damaligen Sturlnführer Fiedler Horst Wessel.

Der Staatsanwalt bezeichnete cs als besonders schaurig und» n g e h c u c r l i ch, daß dem wehrlos am Boden liegenden Horst Wessel noch einen F u ß i r i t i ins Gesicht versetzt wurde, daß er sechs Wochen qualvoll mit dem Tode ringen mußte und daß dann die internationale Presse den Riord als private Auseinandersetzung zwischenZuhältern" darzustellen versuchte.

Sie werden, meine Herren Richter, immer zu einem Urteil kommen müssen, das mit Dem Jahr 1930 nichts gemein hin Schuld daran ist, daß unsere vergangene Justiz sich einer ihr nicht zur Ehre gcrcidtcnben Knochenerweichung libcra listischer Denkungsart hingegeben hat. Schuld Daran ist, daß jene StrnsrechtSorganc, Die 1930 an dieser Stelle urteilten, einet Humanitätsduselei Jugestäuduisje machte, Die in dem Satze aipfelte:Nicht der Mörder, sondern Der Ermordete ist schuld " Schuld Data 11 ist schließlich die Damalige Einstcllnug mancher amtliche» Behörden, Nationalsozialisten und Kommunisten sollten sich ruhig gegenseitig totschlngen. damit nur das System vor ihnen Ruhe habe

Diesc^ Angeklagten sind mitschuldig an Dem Tod eines großen Freiheitskämpfers. Sie haben mitgewirkt an Der bestialischen Ermordung eines aufrechten Streiters für das Dritte Reich durch einen gemeinen Zubälicr. an der Ermordung eines Mannes, Der nur deshalb ihr Todfeind ivar, weil er für Deutschland kämpfte. Seien Sie so bart, wie der verbrecherische Mordaeist. Dem b>- Angeklagten sich vor schrieben haben "

I

Für den Augenblick war Stephanie jeder Beweauna unfähig. Alles drehte sich in Kreisen. Die Stukkatur der Decke, zu der sie mit abwesenden Augen empor- starrte, nahm Fratzengesichter an, die sic mit höhnischem Grinsen anblickten. Dann verschwand der Spuk. Die Gegenstände ringsum bekamen wieder natürliche Ge­stalt. Mit steifen Fingern stopfte sie die Brieftasche in die Tasche zurück. Nur das Schreiben des Justizrates behielt sie als Zeugen, welche Gedanken er im Geheimen trug jetzt, nach einem knappen Vierteljahr des Ver- Heiratetseius.

Zuerst überlegte sie, ob sie nicht hiuauflaufeii und ihn wachrütteln sollte. Dann unterließ sie es. Zur Mutter gehen? Nie! Allein tragen wollte sie die übergroße Not, die plötzlich hereingebrochen war. Sie preßte die Hände vor das Gesicht. Aber ihre Augen fanden keine Träne.

Als sie sich aufzustehen bemühte, riß eine der kost­baren Silberspitzen und floß als schillernde Welle am Boden dahin. Im unbarmherzig grellen Licht der Deckenbeleuchtung betrachtete Stephanie ihr Spiegel­bild. War sie denn nicht viel liebenswerter als die andere? So viel frauenhafter und hingebender? Konnte ihn ein Weib mehr lieben als sie? Und dennoch wollte er von ihr geschieden sein, um jener anderen willen.

Vielleicht war cs das beste, wenn sie ihu freigab. Wozu noch lange mit ihm weiterleben, wenn cs doch nur eine Gnadenfrist war?

Meine sie denn überhaupt mit ihm? Wußte sie, waS er tat, wenn er in Konstanz weilte? Nichts wußte sic!

Aber Dehme! Sein Freund war sicher ciugeivciht in alles. Er war der einzige, der Auskunft geben konnte.

Die Alabasteruhr, die auf dem Biedermeiersockel thronte, zeigte auf Mitternacht. Wenn sie Gewißheit haben wollte, mußte sie Oehme noch heute sprechen. Morgen war es unmöglich. Und wenn er ihr seinen Besuch machte, wie er es vorhattc. war sicher Jörg zu­gegen. Es blieb keine Wahl mehr! Möglich, daß sie Dehme ans dem Bette holen lassen mußte, aber das war jetzt einerlei. Er würde einschen, daß sie nicht anders handeln gekonnt hatte.

Kurzerhand riß sie die Silberspitze ab und steckte die zerrissene Seide mit ein paar Nadeln fest. Und nun mußte sie doch noch mal nach ihrem Zimmer, nm ihren Mantel zu holen. Ohne nach dem Bett zu sehen, in dem der Gatte schlief, tastete sie nach dem Schranke. Die milchige Helle, welche die Winternacht int Raume ver­breitete, kam ihr zustatten. Sie brauchte kein Licht zu machen. Ihre Hände fanden in diesem Dämmer sofort, waS sie suchte.

Ohne jedes Geräusch schloß sich die Tür wieder hinter ihr. Von den Gesellschaftsrüumen herauf drangen noch Lachen und der verschwommene Hall der Musik. Sic horchte nach der Treppe. Es durfte ihr jetzt niemand hcacancif,

Aolsront-Prozeß vor dem Aeichrgericht.

80 Kommunisten auf Der Anklagebank.

Vor dem Vierien Strafsenat des Rcichsgcrichis bat dic Verhandlung gegen 80 K o m m u it t st e n begönnet' Tiefe hallen sich zu Anfang des Jahres 1933 im sächsischen Erz­gebirge tn der Gegend um Annaberg-Jöhsiadl und Wiesa zu einerRoten Wehr" zusanimengefunvcn. Das mar die un­gesetzliche Weiterführung des aufgelösten und verbotenen Roten Frontkämpfer-Bundes in jener «stegcnd.

Die Tätigkeit der Mitglieder dieser Rolcn Wehr, Der jetzt Angeklagten, bestand hauptsächlich in hrr Ansammlung von

Waffen, Die in Der Tschechoslowakei aufgefanft wurden.

Am Abend des 5. März 1933 des Wahltages befanden sie sich in höchstem A l a r m z u st a n d Es wäre eine zweiic Hölz-Zeit über das Erzgebirge her-ingcvrochen mit Mord, Brand und Verwüstung, wenn diese Angeklagien zum Losschlagen getommen wären Es handelt sich um das nach der Zahl der Angeklagten größte Verfahren, das je vor einem Senat des Reichsgcrickus olistand.

Der polnische Innenminister einem Attentat zum Opfer gefallen.

Mordanschlag in Warschau.

Auf den polnischen Innenminister P i c r a c k i wurde am Frcitagnachmittag in Warschau ein M o r d a n s ch l a g verübt. In dem Augenblick, als der Minister das Haus Nr. 3 in der Foksalstraße betreten wollte, wurden von einem Attentäter drei Schüsse auf ihn abgegeben. Innen minister Picracki wurde am Kopf schwer verletzt. Picracki erlag seinen Verletzungen im Krankenhaus.

Über das Attentat liegen folgende Einzelhci .n vor: Als der Minister um 15.30 Uhr das Haus in bei Foksell- straßc 3 betreten wollte, um liier, wie gewöhnst u, in den Gesellschaftsräumen des Klnbs des Regier: gsblocks das Mittagsmahl ciniunebmen,

trat in dem Augenblick, als ihm der ' rtier das Haustor öffnete, ein junger Mann von hin n an ihn heran und gab aus einem Revolver drei Schüsse ab.

Zwei Schüsse trafen den Minister am Hinterkopf so schwer, daß er bewußtlos in das Milsiärlazarett in der Nähe des Ujardowski-Parks übergeführl werden mußte.

Ter Täter, ein kleiner, schmächtiger junger Mann, ergriff unmittelbar nach Abgabe der Schüsse die Flucht und konnte kurze Zeit darauf festgenommen werden.

Innenminister Picracki, Der im Jahre 1895 ge­boren wurde, war eines der hervorragendsten Mitglieder des Regierungsblockes und gehörte zu dem engsten Kreis um Marschall P i l s u d s k i, zu der sogenannte Obersten« gruppe. Als ehemaliger Legionäroffizier erlangte Picracki Den Militärgrad eines Obersten im polnischen Generalstab. Im Jahre 1928 ist er als einer der Spitzen­kandidaten des Regierungsblocks in den Sejni gewählt worden. Seit vielen Jahren gehört Picracki als maß- acbliches Mitglied der Regierung an.

Berschafst den alten âlämpfern der national­sozialistischen Bewegung Arbeit.

Frankfurt a. M., 14. Juni. Ter Rhein-Mainische In­dustrie- und Handelstag teilt mit: Trotz der von dem Her­ren Präsidenten der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung u. Arbeitslosenversicherung im Einvernehmen mit der Reichs­leitung der NSDAP, und der Obersten SA.-Führung ein­geleiteten Conderaktion für die Vermittlung arbeitsloser alter Kämpfer ist es bisher nicht gelungen, alle alten Kämp­fer der nationalsozialistischen Bewegung in Arbeit zu bringen.

Wenige Minuten später stand sic auf der Straße, die in lautloser Stille lag. Es mochte geschneit haben, denn die Fußspuren der Passanten prägten sich deutlich auf dem Gehsteig ab. Stephanie überlegte. Oehme wohnte im Bristol, hatte Hans-Jörg gesagt. Tas war ein Weg, der immerhin eine halbe Stunde beanspruchte, wenn nicht mehr. Sie sah zum Haus empor, dessen Erdgeschoß hell erleuchtet war. Ten Wagen aus dc'' Garage zu holen, war gefährlich. Um die Ecke spähend, gewahrte sie einen Kraftwagen, dessen Schlußlicht brannte.

Ohne Zögern trat sie hinzu, fand den Führersitz leer und eine schwere Decke über den Kühler gelegt. Wenn cs glückte? Sie riß die Decke herab und warf sie in den Fond des Wagens. Ehe sie auf das Trittbrett stieg, horchte sie nach der Villa zurück. Nur abgerissene -tone der Musik waren zu vernehmen. Den Kragen ihres Mantels hochgeschlagen, fehle sie sich an das Steuer. Der Motor sprang an, der Wagen machte einen Satz nach vorne und schoß mit ihr in die Nacht hinein.

Erst an der Straßenbicgung ließ sie die beiden Schein­werfer auf flammen. Ihr breiter Lichtkegel fiel in blciv bender Helle über den Wca. Häuser und Zäune flitzten vorbei. Sie hatte kein Gefühl für Geschwindigkeit mehr und erschrak, als der Kilomcter.zeigcr auf siebzig wies. Trotzdem dünkte sie die Entfernung endlos. Sann schalten sich auf einmal die Riesenkonturen der Innenstadt aus dem schlcierdünncn Nebel. Die Durch­fahrt der Hofburg warf gespenstische Schatten. Der Rauhreif, der Busch und Baum in den Anlagen über» zuckerte, zog fpinnenartige Netze, und das Gewirr der Drähte hing wie Silbergeschnür über Straßen und Plätzen.

Als sie in den Kärntncrring einbog, mäßigte sie daS Tempo. Das Hotel Bristol lag lichtgebadct da. DaS Surren des Motors verstummte. Trotz der fürchter­lichen Erregung, die in Stephanie hämmerte, vergaß sie nicht, die Decke wieder über den Kühler zu breiten. Sie durfte um keinen Preis hier fcstsihen.

Tropenhaft schwül schlug ihr die Lust des Vestibüls entgegen. Von der Klippel, die den Mittelbau über­dachte, flossen Ströme von Licht, welche die grünen Wamse der Boys in ein märchenhaftes Farbenspiel tauchten. Ein Bon sprang ihr diensteifrig entgegen und fragte nach ihren Wünschen. Dann kam auch schon einer der Direktoren und wiederholte daS gleiche.

Ich möchte Doktor Oehme aus Konstanz sprechen. Er wohnt doch hier?"

Gewiß, Gnädigste. Soll der Herr gerufen werden?" Bitte!"

Stephanie sah in den hohen Spiegeln ihr Eigenbild vielfach zu rückgeworfen. Die Sirbcrfpihe des Kleides lugte verräterisch unter dem Pelzbesatz' des Mantels hervor.

(Fortsetzung folgt.)