Arbeiten in Buggingen abgeschlossen.
Eröffnung des Betriebes am 9. Juni.
Mit der Bergung der letzten Leichen der Bugginger Katastrophe sind die S i ch c r u n g s - « n d B e r g u n g s- arbeiten in der Grube abgeschlossen. Sie sind ohne jeden Unfall verlaufen.
In verschiedenen Orten haben wieber zahlreiche Beisetzungen stattgefnnden. 34 Särge harren in der Leichenhalle noch der Beisetzung, darunter einige, die nach N o r d d c u t s ch l a n d und nach Schlesien überge- führt werden sollen. Es folgt nun zunächst eine
48stündigc Arbeitsunterbrechirug für die gesamte Belegschaft
unter Tage, um dieser die Teilnahme an der Beisetzung ihrer Arbeitskameradcn zu ermöglichen und Gelegenheit zu geben, den Hinterbliebenen helfend unb beratend zur Seite zu stehen. Am 9. Juni wird dann der normale Betrieb wieder cingeleitct mit systematischer Wiederinstandsetzung der Grubenbaue, wobei noch kleinere Rettungskolonnen bercitgcstelli werben. — In einer Besprechung hob Oberbergrai Ziervogel die pflichtbewußte Tätigkeit aller am Rettn n gswerk Beteiligten hervor. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft, Dr. Schott-Freiburg, gab bekannt, daß über die Ursache des Kurzschlusses in dem Unglücksschacht vorerst nur Vermutungen geäußert werden könnten, bis die elektrotechnischen Sachverständigen über alle Einzelheiten im klaren seien.
3m BrrmneMWamm Maelommen.
Ein furchtbares Unglück ereignete sich in Rathe b c i Sl s. Bei bem Landwirt Wundrak sollte der Brunnen geschlämmt werden. Als der 45jährige Hermann Paul auf einer Leiter in den Brunnen stieg, versank er im Sand des Untergrundes bis an die Knöchel Er achtete zunächst nicht weiter darauf. Als er dann aber immer weiter versank, mußte er zu seinem Entsetzen feststellen,
daß der Schlamm ihn festhielt und er sich nicht mehr herausarbeiten konnte.
Er versank schließlich bis zum Leib. Feuerwehr, Sanitäter und andere Helfer bemühten sich stundenlang vergeblich, den Unglücklichen aus seiner furchtbaren Lage zu befreien.
_ Nach etwa zwei Stunden starb der Bedauernswerte.
Seine Leiche konnte geborgen werden. Der zähe Sand- chlamm hatte die Glieder des Unglücklichen eingeschnürt, so daß die Blutzirkulation ins Stocken kam und ein Herzschlag eintrat.
Nah und Zern
O Zusammenstoß zweier Sportflugzcugc. Bei einer Flugveranstaltung in Sagan verunglückten zwei Sportflugzeuge über der Stadt dadurch, daß sie, vermutlich infolge der starken Sonnenblendung, mit den Tragflächen zusammenstießen. Beide Maschinen stürzten ab, wobei mit den beiden Flugzeugführern Horn und Greß auch ihre Fluggäste Klein und Stottmcistcr ums Leben kamen.
O Erwerbsloser fing 1000 Spatzen. Da die Sperlinge in Feld und Garten außerordentlich viel Schaden an- *>, hatte u. a. die. Gemeinde Struxdorf im Kreise Schleswig für jeden abgelieferten Sperling 5 Pf. als Prämie ausgesetzt. Ein Erwerbsloser der Gemeinde lieferte nun in einer Woche nicht weniger als 955 Spatzen an die Samnielstelle der Gemeinde ab. Der Spatzcnjägcr hatte also tatsächlich einen Wochenlohn verdient.
O Todesopfer auf den de Wendelschen Gruben. Die de Wendelschen Gruben in Groß-Rosseln haben ein Todesopfer gefordert. Der 25 Jahre alte Bergmann Hans Hacket war mit dem Verbauen eines Schachtes, der bereits ein halbes Jahr außer Betrieb war, beschäftigt, wobei plötzlich die Strecke zu Bruch ging. Hacket wurde unter den Gesteinsmasscu begraben unb fand den Tod. Hacket
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6 Nachdruck verboten.
»Alles kriegen Sie!" versprach sie, sich über die Augen wischend.
Während Oehme mit dem Vater plauderte, unternahm Hans-Jörg einen Trott durch Hof und Haus und suchte alte Lieblingsplätze aus der Knabenzeit auf. Es war doch schön daheim!"
Das Abendbrot wurde zu einem Festmahl. Der alte Baron wurde nicht müde, auf den Sohn zu trinken, auf dessen Erfolge und seine unerwartete Heimkehr. Und dann trank man auf den Freund, der sich durch Sehn Jahre der Treue erprobt hatte.
Spät nach Mitternacht trennte man sich. Aber fit "ehmes Zimmer war das Licht schon längst erloschen, als es in dem des alten Barons noch immer brannte. Bater und Sohn saßen sich gegenüber, hatten rote Ge- achter, und ihre Wangen glühten in Erregung, während 'hre Stimmen zuweilen beängstigend anschwollen. „Es kann unmöglich dein Ernst sein, was du mir da gesagt hast," sprach Hans-Jörg.
»Auf Ehrenwort, mein Jung'! Denn, weißt dn, es llkht einfach nicht mehr! Sieh morgen die Bücher durch, dann mufft du mir recht geben. Ich nehme an, daß dir uicht sonderlich viel an Ichenhausen liegt."
»Wie kannst du das anuehmenl" fuhr der junge Merlin auf.
»Ich schließe es aus der Seltenheit, mit der du uach Hause koinmst. Drei volle Jahre hast du dich nicht mehr sehen lassen!"
„Du weißt, was mich in Konstauz hielt!"
„Weiß ich, ja! — Bleib wenigstens jetzt!"
Hans-Jörg rückte ungeduldig auf seinem Stuhle, iprang auf und begann das Zimmer zu durchqueren. »Ich kann nicht, Vater!"
. »Siehst du!" Der alte Merlin lehnte resigniert gegen oas braungestrichene Fensterkrenz. „Zehn Jahre sitz' SnJ?Un gottverlassen allein hier auf der Klitsche. Im »omrner geht's noch und wenn das Frühjahr durch das E giebt. Aber der Winter — der letzte, war zum verzweifeln!"
fi^^-Jörg gab das Umherwaudern auf und ließ ^jkvieder auf einen Stuhl sinkeu. Die Arme auf die stützt, zwang er seine Gedanken zur Sammlung. "^Äersiedele im Winter 31t mir."
,.247^0 oa§ Ende vom Lied? — Daß hier alles drunter WtoM* geht. Ich habe einen anderen Vorschlag:
Aus dem Gerichtssaal.
Staatssekretär Meißner als Zeuge
im Gereke - Prozeß.
Im Verlauf der Beweisaufnahme im Prozeß gegen den früheren Arbcitsbcschasfungslommissar Dr. Gercke wurde über den Anklagekomplex „Hindenburg-Ausschuß" auch der Staatssekretär beim Reichspräsidenten, Otto Meiß n c r, als Zeuge in Berlin gehört.
Aoi dem Anklagekomplex handelt es sich bekanntlich ilm die, wie die Anklage sagt, widerrechtliche Zurückhaltung um rund 450 000 Mark Wahl- poldern des „Hindenburg-Ausschusses" durch Doktor Gereke.
Der Vorsitzende fragte den Zeugen, ob er etwas da- you getouftt habe, daß aus den Mitteln des Hindenburg-Aus- schnnes Beträge beiseite gestellt wurden, die zur Gründung einer Zeitung bestimmt sein sollten.
Zeuge Meißner:
Davon habe ich nichts gewußt. Wohl aber hatte ich Kenntnis von der Absicht der Gründung einer Zeitung. Während des ersten und zweiten Wahlgangs zur Reichspräsidentenwahl wurde wiederholt davon gesprochen, daß es notwendig sei, eine überparteiliche nationale Zeitung zu gründen An diesen Besprechungen nahmen außer Dr. Gercke auch Oberst von Hindenburg, Herr von Krudell, Dr. Regcndanz, Freiherr von Gleichen und ich selbst teil.
Die Schwierigkeiten setzten sofort bei der Frage der Finanzierung ein.
Dr. Gercke erklärte sich als einziger bereit, Gelder zur Verfügung zu stellen und nannte dabei die Summe von •>0 000 Mark. Später hörte ich davon, daß dieser Betrag aus 100 000 Mark erhöh! werden sollte Es ist mir unbekannt, aus welchen Mitteln diese Gelder von Dr. Gereke komnien sollten. Er hat nichts davon gesagt
aber ich nahm an, daß es sich um Ersparnisse des Hindcnburg-ÄuSschuffes handelte.
Im Juli 1932 wurde der Plan Dann endgültig begraben, weil die Versuche, andere Geldgeber p gewinnen, scheiterten.
Vorsitzender: Auch Herr von Schleicher soll bei der Angelegenheit beteiligt gewesen sein? — Zeuge Meißner: Herr von Schleicher hat an den Besprechungen nicht teilgenom- men. Er hatte während seiner Kanzlerschaft eine ähnliche ^;dee die aber mit dem Plan Dr Gerckes nichts zu tun hatte.
P o rsitzender : Dr. Gereke behauptet, er könne über die Dinge keine restlose Aufklärung geben, weil er durch ein Ehrenwort gebunden sei. - Zeuge Meißner: Mir ist von einer solchen ehrenwörtlichen Bindung nichts bekannt.
ist der vierte Bergmann aus Groß-Rosseln, der innerhalb vier Wochen auf den de Wendelschen Gruben den Tod fand.
O Doppelmord in der Gastwirtschaft. Eine folgenschwere Bluttat ereignete sich in einer Wirtschaft in Münster. Dort wurden der Wirt Lickterbeck und sein Bruder, der Kohlenhändler Lichterbeck, von zwei übelbeleumdeten Burschen, die in der Wirtschaft randaliert hatten und hinausgeworfen worden waren, erschossen. Der Wirt wurde durch einen Herzschuß sofort getötet, während sein Bruder an den Folgen eines Bauchschusses kurz darauf verschied. Die beiden Täter Würben von der Polizei gestellt. Einer der beiden entzog sich der Festnahme durch Selbstmord.
0 Ernste Folgen der Dürre in den Bereinigten Staaten. Das Landwirtschaftsministerium veröffentlicht einen Lagebericht, in dem erklärt wird, daß die Trockenheit in den Hauptgctreidegcgenden die nationale Lebensmittelversorgung, hauptsächlich mit Weizen, Futtcrgetreidc und Heu ernstlich gefährde, jedoch keine Hungersgefahr befürchten lasse. Der Weizen stehe schlechter" als je in den letzten 25 Jahren. Das Vieh sei größtenteils zu schwach für den Transport und zu abgemagert zum Schlachten.
0 Feuer auf einem Pasfagicrdampscr. Auf dem Dampfer der Dollarlinie „Präsident Lincoln" ist in einem Laderaum Feuer ausgebrochen. Das Schiff ist mit 60 Fahrgästen und 250 Mann Besatzung nach Honolulu
' Er bemerkte den Ruck, den es dem Jungen gab. Das sah gerade so aus, als habe der Bub Äugst vor der Ehe. „Du mußt keine nehmen, die dn nicht lieb hast." tröstete er, vor ihm stehenbleibend.
„Ich habe dir schon gesagt, Vater, ich kann nicht hier bleiben."
„Verlange ich auch gar uicht." Der Baron legte seinem Einzigen beide Hände auf die Schultern und räusperte sich, ehe er zu sprechen ansetzte. „Die Stef sie bleibt bei mir."
Hans-Jörgs Gesicht schnellte auf. „Wer?"
„Die Steffis Brentano!"
Jörg zuckte zusammen, als habe ihn ein Messer ge- ritzt. „Das ist die Höhe — eine — eine —"
„Laß mich erst ausreden," beschwichtigte Merlin und hielt den Erregten auf dem Stuhl zurück. „Das Mädel ist mir ans Herz gewachsen."
„Es scheint! Warum heiratest du sie dann nicht?"
„Jung'! Der alte Baron starrte seinen Einzigen aus gläsernen Augen an. „Jung'!"
Dann schüttelte er den Kopf. „Das war häßlich ge- sprachen, Jörg. Welchen Eindruck hast du von ihr gewonnen?"
„Neberhaupt keinen, weil ich mich nicht mit ihr beschäftigt habe. Die Mutter imponiert mir jedenfalls mehr, als die Tochter. Wenn ich wirklich an eine Fran denke, dann schwebt sie mir anders vor, als Stephanie Brentano!"
Der alte Baron empfand ein unbestimmtes Schmerzgefühl in seiner Brust. Erst uach einer Weile sagte er enttäuscht: „Ich habe es gut gemeint und für dich das gesucht, was die beste Ergänzung deiner Persönlichkeit wäre. Nichts liegt mir ferner, als dich zwingen zu wollen. Aber du 'wirst keine Frau mehr finden, die so, wie Stephanie völlig in dir aufzugehen gewillt ist."
„Dn hast bereits mit ihr gesprochen?!"
Der Alte wurde verlege». „Ich hab' sie gefragt, ob sie dich lieb haben könnte und zur Antwort bekormnen, sie wisse es nicht."
„Sehr schmeichelhaft!" Jörg turnte auf der Lehne des Stuhles. „Scheinbar entspreche ich der Gnädigen nicht in allem?"
„Du bist ihr zu gescheitl"
„Möglich!" Der Spott war beißend. „Allerdings, ein Dummer wäre müheloser ins Garn zu bringe«!"
„Jetzt,sei aber still!" fuhr der Alte auf. „Sie ist uicht nach deinem Geschmack! Gut! Du weißt dir eine Bessere! Auch gut — du —"
„Ich habe nicht gesagt, daß ich mir eine Bessere weiß!" fiel Jörg dazwischen. „Warum ereiferst du dich? Sie gefällt du. Schön! Schließlich würde sie, wenn sie auf Ichenhausen bliebe, mich nur wenig behelligen. Ob nun für die paar Tage des ^Beisammenseins im Jabr sie oder eine andere meine Frau wird, ist völlig neben- säckliâ"
Keiner Witt dabeigewesen sein.
Weitere Vernehmungen im Berliner kommunistcnprozcß.
Bei unvermindert starkem Publikumsandrang begann der dritte Verhandlnngstag im Berliner Bülowvlatz- Mordprozeß.
Als erster wird der 27jährige Wilhelm Schünke vernommen, der im Jahre 1927 dem R FB. beitrat, um dann später bei dem berüchtigten Ordnerdienst seine „Pflicht" als rühriger Parteigenosse zu tun. Er behauptete, der Ordner- dienst habe lediglich die Aufgabe gehabt, Demonstralionszüge zu schützen unb die Wache für das Liebknecht-Haus zu stellen.
Die Vernehmung des Angeklagten Zachow gibt wiederum einen Einblick in die geheimen Methoden der Kommunistischen Partei.
Zachow war als 17jähriger dem kommunistischen Sportverein „Fichte" beigetreten und später Mitglied der „Terrorgruppe Becker" geworden. Zachow gehörte am 9. August auch zu der Deckungsgruppe des Ordnerdienstes. Er will aber nichts von der Ermordung der Polizcibauptlculc gesehen haben. Er wurde bei der Schießerei verwundet und später auf der Rettungswache verhaftet.
Nach seiner Aussage besuchte ihn wenige Tage nach seiner Festnahme ein Rechtsanwalt der KPD. im Unter- suchungsgesängnis und erteilte ihm genaue Anweisungen für seine Aussagen.
Dadurch gelang es Zachow, nach wenigen Tagen wieder entlassen zu werden, ohne daß ein Verfahren gegen ihn in Gang kam. Der Angeklagte Werner, der 1930 der KPD. beigetreten und 19N Führer der Gruppe VI des „Ordnerdienstes" war, bekundete, daß der Angeklagte Bröde bei militärischen Ausmärschen den Befehl führte. Am Tonntagnachmittag habe ihm dann Bröde den Auftrag erteilt, sich zur Verfügung des Führers der 7. Gruppe zu halten. Später sei seine Deckungsgruppe in die Linienstraße befohlen worden. Dort habe er auch plötzlich Schüsse fallen hören, ohne zu wissen, um was es sich gehandelt habe.
Tie Vernehmung der Angeklagten wurde dann ab- geschlosien. Die Angeklagten Rudolf Konrad. Walter Sasse und die wegen Begünstigung angeklagte Ehefrau des Angeklagten Matern bestritten die ihnen ■ Last gelegte Tat. Bei Konrad sind mehrere Wafs .i beschlagnahmt worden, und cs läuft deshalb noch ein ochverrats- Verfahren gegen ihn. Für Freitag sind die ersten 20 Zeugen geladen worden.
unterwegs. „Präsident Lincoln" funkte, daß der Brand 150 Meilen von der Küste von Hawai entdeckt wurde. Rach einem späteren Funkspruch ist das Feuer inzwischen eingedämmt worden. Die Fahrgäste verhielten sich ruhig. Vier Schiffe der Marinestation Pearl Harbor sind dem brennenden Dampfer zu Hilfe geeilt.
Was man noch wissen mui
Engcrc Verbindung der Kirche mit dem Volk.
PPD. Berlin. Zur Pflege einer verantwortlichen Verbindung zwischen Der Kirche und der breiten Öffentlichkeit hat der Rechlswalter der Deutschen Evangelischen Kirche den V i z c p r ä s i d e n t c n C hr i st i a n s e n zum Leiter der neugeschaffenen kirchenam ilichcn Pressestelle bei der Teutschen Evangelischen Kirche berufen.
Reichshandwerksführer Schmidt Führer der Reichsbctriebs- gcincinschaft Handwerk in der DAF.
PPD. Berlin. Der Stabsleiter der PO. und Führer der Deutschen Arbeitsfront, Staatsrat Dr. Lev, hat den Reichs- bandwerksführer Pg. Schmidt-Wiesbaden mit sofortiger Wirkung zum Abteilungsleiter im Amt NS.-Hago der Obersten Leitung der PO. und zum Führer der Reichsbetriebsgemein- schäft Handwerk in der Deutschen Arbeitsfront ernannt. Diese Anordnung bezweckt die einheitliche Führung des deutschen Handwerks in Partei, Arbeitsfront und Wirtschaft durch den Reichshandwerksführer W. G. Schmidt.
Merlin starrte seinen Einzigen mit entsetzten Augen an. „Jung' — das — das ich — so weit kann es doch mtt dir nicht gekommen sein?"
„Immer, wenn es sich um ein Weib handelt, kommt man so weit, Vater!" Er ging mit zurückgedrückten Schultern nach dem Fenster und öffnete es. Vom Park herauf kam das Zirpen der Grillen, und in dem großen Weiher, der sich an den Gutshof schloß, quakten die Fwosche Jörg wurde gauz eigen zumute. Er sah in die übervolle Schale des Mondes, die jedes Gebüscb mit silberhellem Licht übergoß und den Glimmer ant ben Wegen ausblitzen ließ. Der Abend fiel ihm ein, an dem gang Jettenbach in Aufruhr war, weil die damals zehn- jährige Steffic nicht wie sonst nach Hause gefommeu kk'ar, und man die schrecklichste« Vermutungen beatc. packeln tanzten über Aecker und Wiesen. Die Spur- Hunde wurden losgelassen «iid hetzte« über das Ge- Aude. Selbst auf den Nachbargütern war alles auf den Beinen.
. Ew war auf dem Anstand gewesen und hatte Pech ac» habt. Verärgert trollte er durchs Moos unb stieß an etwas Weiches, das ein leises Grunzen ausstieß. ES hatte ln der Tat nicht anders geklungen. Und als
w bückte, lag die kleine Steffic zwischen Himbeersträuchern und blinzelte verschlafen zu ihm auf.
Zornig über den Kinderleichtsinn hatte er sie vollends wachgerüttclt, sie dann kurzerhand auf den Arm acnom- ^top und den Ihren nach Jettenbach gebracht. ‘
Halb in das Rimmer zurückgewandt, fragte er nun versöhnlich: „Sie muß doch jetzt beiläufig zwanzig sein?"
»Im September wird sie's, ja!"
«Reichlich jung für meine zweiunddreißig."
Ju dem alten Merlin erblühte ein scheues Hoffen. „Willst du damit sagen, daß du zu alt bist?"
„Das nicht gerade." Jörg saß jetzt auf bem Sims des Fensters und ließ die Füße hcrabbaulneln. Das Gesicht hielt er dein Monde zugekehrt, als fei ihm der Blick des Vaters zu hellsichtig. „Angenommen, ich heirate sie: Wer übernimmt bann die Mission, ihr zu sagen, daß sie das ganze Jahr hier bleiben muß, weil ich sie nun einmal in Konstanz nicht brauchen kann?"
„Ich," kam es fest von Merlins Platz herüber. Der Junge war zugänglicher, als er erwartet hatte.
Jörg ließ sich vom Sims herab und kam langsam auf ihn zu. „Wir wollen schlafen gehen. Vater. Ich verspreche dir, daß ich sie mir noch einmal ansehen will. Ja? —" Er küßte ben alten Herrn und nickte ihm er« munternd zu.
(Fortsetzung folgt)