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Nr. 128 — 1934
Fulda, Dienstag, 5. Juni
11. Jahrgang
Saar-Rückkehr gesichert.
SameuLscheid vom VölkerbuNdsrai
angenommen.
Ohne jede Abänderung.
Am 4. Juni um 12.40 Uhr mittags har der Bölker- bundsrat die ihm vorgelegte Entschließung über die Saarabstimmung ohne jede Abänderung einstimmig angenommen.
Vorher sprachen noch verschiedene Mitglieder des Bölkerbnndsrates, darunter der Vertreter Englands, Lordsiegelbewahrer Eden, der polnische Außenminister Beck und der tschechoslowakische Außenminister Benesch ihre Freude über die erreichte Einigung aus, in der sie ein gutes Vorzeichen für die Zukunft sehen wollen.
Nach einer kurzen Äußerung Aloisis sprach der französische Außenminister P a r t b o u. Er glaubte nach einem Hinweis auf die Verständignngsbereitschaft der beiden Regierungen vor allem die Garantiesrage unterstreichen müssen, „und zwar für a l l e Einwohner", wie er ausdrücklich betonte. Er hatte im übrigen an den von deutscher Seite abgegebenen Erklärungen noch nicht genug, sondern bedauerte das Fehlen von „Ausführungs- garantien". Es wird sich ja nach der Abstimmung zeigen, wer solche Ausführungsgarantien hätte abgeben müssen! Schließlich erklärte er,
von jetzt ab gebe es keine Entschuldigung mehr „für
Gewaltakte und Bedrückungen:
Drohungen, Reden und Rundfunksendungen, Die die Gemüter erregen, müssen unterbleiben". Sehr richtig, Herr Bartbou! Vielleicht sagen Sie das vor allem Der noch amtierenden Saarregierung, der französischen Grubenverwattung und Ihrem Straßburger Sender! Barthou sprach dann noch von „m obreren tausend französischen Staatsangehörigen im Saargebiet" — Herr Poincarë hatte bekanntlich 1919 den Interalliierten vor- gelogen, es gebe i 5 o o 0 o „Saarfranzosen"'
Der englische Lordstegelbewahrer Eden empsäbl, die in der Saarfrage gezeigte Verständigungsbereitschaft „als ein gutes Vorzeichen für ähnliche Bestrebungen auf anderen Gebieten zu betrachten" womit er zweifellos Frankreich in der Abrüstungsfrage einen deutlichen Wink gab
Zum Schluß sprach der polnisch. Außenminister Beck seine besten Hoffnungen für den Ablauf des Abstimmungs- Prozesses aus.
Vorbereitung des (Sieges.
Nun ist also die Entscheidung über die Saarabstimmung auch im Völkerbundsrai gefallen, der sich dem Bericht des Aloisi-Ausfchusses vollinhaltlich angcschlosicn hat. Dieser Entscheid Hai eine ungleich größere Bedeutung als lediglich die einer formellen Zustimmung: da nämlich das Abstimmungsergebnis des 13. Januar 1935 schon Heine durch die 95prozenttge Beteiligung der ^aar- deutschen seststeht, so ist jetzt gleichzeitig auch die endgültige Rückkehr des Saarlandes zum Reich gesichert .
Wir Deutschen müssen uns angesichts dieser Tatsache darüber klar sein, was der für uns so bedeutsam ge» tvordene Bericht jenes DreierauSschusses praktisch besagt. Es handelt sich im wesentlichen um folgende Punkte, von denen die beiden ersten naturgemäß die wichtigsten darstellen:
1. Daß der Abstimmungstermin aus Den 13. ^anuar, also nur drei Tage nach Ablauf der 1 5 i ä b * ligen Fremdherrschaft im Saargebier, gelegt ist, bedeutet einen Der wenigen Fälle, in denen ein dcui- scher Rechtsanspruch aus dem Versailler Dikiai von der Gegenseite nickst illusorisch gemacht oder zum mindesten beeinträchtigt wurde Die Zustimmung Frankreichs zu dem Termin ist zweifellos eine Überraschung, zumal wenn man sich Der Verschleppungen her Rheinland- räumung und des ungeheuren Druckes erinnert, unter den Frankreich vor dieser Entscheidung alle Beteiligten zu sitzen versuchte Die Erklärung für die überraschende An- »ahme dieses Termins kann nur in den innerpolttttchen Schwierigkeiten Frankreichs liegen: in Pariser politischen Kreisen spricht man bereits von einer erneuten Krise nicht nur um den mit Mißerfolgen gesegneten Außenminister Barthou, sondern auch um das ganze Kabinen Doumergue.
2. Die französische Forderung nach Einsatz „n e u ■ > raler" P o l i z e i k r ä s i c, die sich gegebenenfalls Juni größten Teil sicher aus - französischen Truppen zu fammengefebt hätten ist abgelebt» worden Nach der glänzend bewiesenen Disziplin der Deutschen Front an der befiehl an sich keinerlei Grund, die Saarpolizei zu verstärken. Aber selbst dann, wenn Die unter dem L-chuy °" fremdländischen Saarregierung wühlenden Emigranten und Kommunistenelemente nicht von der saardeutschen Polizei im Zaum gehalten werden könnten, ist der ^aar- eglerung die Ergänzung der Polizeilruppen nur durch -«Werbung im Saargcbiei fe I b ft gestattet Sollte die Regiernngskommission bis zur Abstimmung die mnucrünng noch weiterer Polizcitruppen - D" in jedem Dents ch sprechen u n d verstehen mußten uom Völkerbund verlangen, so würde sie damit nur v ".^weis liefern, Daß sie in einem völlig friedlichen --unde die von ihr selbst protegierten dunklen Elemente in der Hand Hai . ist Einsetzung der A b st i m m u n g s g e r i ch i c
4 eurer der Punkte, in denen Deutschland ein Entgegen
kommen bis an die äußerste Grenze des Erträglichen gezeigt hat. Um des hohen Zieles Der endgültigen und schleunigen Befreiung unseres Saarlandes von fremder Willkürherrschaft war diese Zustimmung nicht zu umgehen. Nach der Abstimmung verschwinden übrigens die acht Gerichte ohnehin, und es bleibt nur noch das Ober- gericht bis längstens ein Jahr nach der Rückgliederung des Saargebietes übrig.
4. Daß die Garantieerklärungen, die in gleichem Wortlaut von Deutschland und Frankreich in Genf bei Baron Aloisi eingingen, beiderseitig Geltung haben, interessiert uns Deutsche in erster Linie wegen der unter französischer Aufsicht noch arbeitenden deutschen Bergleute: diese sollen durch die französische Garantieerklärung dagegen gesichert werden, daß die französische Grubenverwaltung die Abstimmung dieser deutschen Bergleute nicht durch direkte oder indirekte wirtschaftliche Maßnahmen oder Drohungen zu beeinflussen versucht. Wenn der Völkerbundsroi sich noch besondere Sicherungen für gewisse „Nichlabstimmungsbeiechtigie" vorbehält, so ist das schon deshalb eine überflüssige Vorsicht, weil diese gewissen nichtabstimmungsberechtigten Fremdlinge, nämlich deuifchstämmige Emigranten. Kommunisten und andere Französlinge in französischem S o l d bei der völligen Eindeutigkeit des Abstimmungsergebnisses (einerlei Wert daraus legen dürften, noch länger im Saargcbiei zri bleiben, als ihnen dort die französischen Gelder nicht mit absoluter Sicherheit zufließen. Die „führenden" Persönlichkeiten unter ihnen, darunter die verräterischen früheren. deutschen Polizeibeamten, die sich zum Büttel gegen ihre saardeutschen Landsleute hergaben, sollen nach Pariser Meldungen bereits Stellungen in Lothringen mit entsprechenden Gehältern zugesichert bekommen haben.
5. Außerordentlich bemerkenswert und von der französischen Presse geflissentlich übersehen ist die Tatsache, daß der Bericht des Dreieraus- schusscs der unter dem Vorsitz des Engländers Knor siebenden Saarregieruna tzirckl empfohlen bot, keine Emigranten mehr einzustellen, ja darüber hinaus sogar die bereits eingestellten Polizei- und Verwaltungsbeamten dieser anrüchigen Kreise zu entlassen. Die allen Neutralitätsverpslichtungen ins Gesicht schlagende Haltung der Saarrcaieruna in der Emigrantenfrage konnte nicht schärfer verurteilt werden, als durch diese nunmehr
Hermann Göring im Lande seiner Bâ'ter.
6m Srentatiig für die Grenzstadt Emmerich.
Das niederrheintsche Grenzland erlebte einen Festtag besonderer Art. Ministerpräsident Göring war einer Einladung des Gaues Essen der NSDAP, folgend Gast des niederrheinischen Landes, dem er besonders verbunden ist; denn seine Vorfahren lebten in E m m c r i ch , der letzten deutschen Stadt am Rhein.
Immer wieder Drängte die Menschenmenge zu dem Wagen des Ministerpräsidenten, der sich oft kaum einen Weg durch die Menschenmauern bahnen konnte. Herzlicher Empfang wurde dem Ministerpräsidenten auch in Dinslaken zuteil, wo die feierliche
Überreichung des Ehrenbürgerbriefes
an den Erneuerer Preußens erfolgte. In kurzen Ansprachen würdigten Kreisleiter und Bürgermeister die Verdienste des neuen Ehrenbürgers ihrer Stadt um die Erneuerung Preußens und des Reiches. Ministerpräsident Göring legte dann am Ehrenmal der Gefallenen einen Kranz nieder
Weiter ging es über Wesel nach Emmerich, das mit Diesem Festtag die 700-Jahrfeier feiner Stadtcrhebuug beschloß. Herzlich begrüßte auch dorr der Bürgermeister Den neuen Ehrenbürger
Freudig bewegt dankte Göring für die hohe Ehrung, Die ihm seine Vaterstadt Emmerich erweise, denn durch Jahrhunderte habe hier seine Familie gelebt und gewirkt. Emmerich fei
die teste deutsche Stadt an der Grenze.
Ls sei ein Vorposten deutscher Kultur und reiche seine Hand hinüber zu dem befreundeten Holland als Vertreterin und Künderin des neuen Geistes des nationalsozialistischen Reiches, des Geistes, des Friedens, der Ehre und der Freiheit.
„Zeigt und beweist". rief Ministerpräsident Göring Don Bürgern und Bauern entgegen, „das? ihr National- lozinlisten seid, das? es heute in Deutschlaud nur noch Nationalsozialisten gibt, nur noch Deutsche, die sich in liefet Weltanschauung des Nationalsozialismus zu- sammcnfindcn, die ein neues Reich bauen und die ihr Vaterland aus dieser Weltanschauung heraus verteidigen verden."
„Wir glauben unerschütterlich an den Führer", so agte Der Ministerpräsident, „weil er uns den Glauben an Deutschland wieder geschenkt bat. Und diesen Dank wollen wir durch n o ch mehr Arbeit ab tragen "
Nach einem stillen Besuch am Grabe seiner Groß- ütern begab sich Göring zu der
Grcnzlnndkundgebung vor der Stadt, wo ibn wieder eine riesige Menschenmenge erwartete. Dort führte ér in einer Ansprache u. a. aus:
Diese große Grenzlaudkundgebung bat den Sinn, wieder einmal darrutun, wie ein einiges Reick aekbaffen
aller Welt bekanntgewordene Empfehlung des Dreier- ausschusses.
6. Nach seinem sehr weitgehenden Entgegenkommen kann Deutschland nun aber auch erwarten, daß das Abkommen von sämtlichen Beteiligten, vor allem von Frankreich und der Saarregierung, auf das I «engste beobachtet und aufs korrekteste durchgeführt wird. Dazu gehört auch die Erwartung, daß die Saarregierung nach der Abstimmung ihre Geschäfte mit größter 9e< i ch l e I, n i g u n g zwecks Auflösung abrokfeit.
~ Die praktische Ausführung des Abstimmungsergebnisses, d. b die möglichst schleunige Rückgliederung des Saargebietes an das deutsche Mutterland, wird die Ausgabe aller Beteiligten nach dem 13. Januar 1935 sein. P. A. R.
Begeisterter Empfang der gübrer der Deuis-en Front im Saargebiet.
Rach ihrer Rückkehr aus Genf.
Die Führer der Deutschen Front im Saar- gebiet wurden nach ihrer Rückkehr aus Gens in ihrer Heimat begeistert empfangen.
Die Fahrt glich einem T r i u m p b z u g. In allen Ortschaften, die die Abordnung im Kraftwagen durchfuhr, stand die Bevölkerung Spalier und jubelte ihnen begeistert zu. Verschiedentlich wurden die Wagen angehalten und die Insassen, besonders der Führer der Abordnung, Pirro, herzlichst begrüßt.
In Homburg an der Saar war an der Einfahrt zur Stadt ein großes Transparent mit der Aufschrift: „13. 1. 1935 Sièg Heil 13. 1. 1935;" über die Straße gespannt. *
Wie ferner aus Saarbrücken verlautet, ist der leitende Geschäftsführer der Buchdruckerei und des Verlages der „Volksstimme" und der „Deutschen Freiheit", Ernst Klopfer, aus der Sozialdemokratischen Partei des Saargebiets ausgetreten und damit gleichzeitig als Geschäftsführer des Unternehmens ausgeschieden. Die Ursachen sollen schwere Differenzen mit dem berüchtigten Führer der Sozialdemokratischen Partei des Saargebiets, Matz Braun, sein. Ferner ist auch Ministerialdirektor Valentin Schäfer aus der Sozialdemokratischen Partei ausgetreten. Schäfer war früher lange Jahre Vorsitzender der Partei.
wurde. In den 700 Jabren deutscher Geschichte, denen die Feier der Stadt Emmerich gelte, ist das deutsche Volk oft ins Höhen, aber auch in tiefen Tälern gewandelt. Auch Diese Feier ist ein Bekenntnis für die Zukunft Des Reiches. Unerschütterliches Vertrauen herrscht zwischen Führer und Gefolgschaft; und weil das Volk weiß, daß der Führer nichts für sich will, und weil die Führrinfl im Volke wurzelt, legt das deutsche Volk vcr- lrauensvoll sein Schicksal in die Hände seines Führers.
Schars wandte sich der Ministerpräsident gegen Die Nörgler und Kritikaster. Wir haben ihnen, erklärte er, eine
eindeutige Warnung
jegeben. Wi r dulden nicht, daß das deutsche Volk lufs neue beunruhigt wird: der Beruf des einigen Kritikers ist wohl der unanständigste aller Berufe. Keine Kritik und keine Nörgelei wird das Fundament unseres Glaubens an Deutschland, an seine Zukunft und an seinen Führer zerstören können.
Mare Worte an die Kirchen.
In einer gemeinsamen Veranstaltung saarländischer und bayerischer Sänger in München sprach Staatssekretär Däuser beherzigenswerte Worte über religiöse und kirchliche Fragen.
Er gab als gläubiger Katholik der Überzeugung Ausdruck, Kirche und Geistlichkeit sollten dem neuen Staate dankbar sein, wenn er ihnen sage:
„Ihr habt nicht zu politisieren, sondern zu missionieren!" Das Christentum sei wieder geadelt worden, als Die Geistlich seit frei gemacht worden sei von der Politik. Wenn behauptet wird, in Deutschland dürfe Die HJ. nicht in Die Kirche geben, so - ist das eine Perlen m d it n g.- In Deutschland wird numand, auch nicht die HJ., in die Kirwc zu geben, behindert. Wenn das Elternhaus seine Kinder richtig in der Hand bat und ihnen sagt, ihr geht in Die Kirche, dann gehen sie eben.
ES ist gesagt worden, wir bcscklaanabmten ratliolticbc Jugendheime. Auch daS ist nicht richtig. Es werden keine Jtigendheimc beschlagnahmt. Verboten ist, — und das mit Recht - daß Sie katholischen Juaendorganisauonen eigene Uniformen tragen. Wir sind der Meinung, der Katholik soll nicht an der Uniform erkannt werden. Der Glaube muß t m Herzen liegen und braucht nicht durch eine Uniform gekennzeichnet zu werden. Für den Katholiken gibt cs doch
gar keine andere Möglichkeit,
als die gottgewollte (Regierung zu achten und ihr seine ganze Kraft zu widmen Man spricht von einer dcuiichcn Kirche ! Mit derartigen Problemen beschäftigt sich der Nationalwzia- lismuS nicht Der nationalsozialistische Staat steht aus dem Boden des positiven Christentums — Staat und Kirche gehören zusammen, beide sind untrennbare Teile.
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