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Der Gelähmte.

Skizze von N I e x a n d e r Castell.

Karl Friedrich Wellenberg, Chef des Bankhauses Wellcn- berg-Bernonilli, hatte nach dem Abendessen, das er allein in seinem Bibliothckzimmer eingenommen hatte, ein wenig ge­schlummert und fuhr jetzt plötzlich auf, da er den Eindruck hatte, daß jemand vor ihm stand.

Was ist?" fragte er und riß die Augen auf.

Es ist Zeit, daß der Herr sich anzieht", sagte Ferdinand, der Diener.

Gut", antwortete Karl Friedrich, und Ferdinand hob ihn wie ein Kind aus seinem Sessel und trug ihn in das Schlafzimmer hinüber. Dort zog er ihm den Schlafanzug aus, frottierte den gebrechlichen Körper und legte ihm dann wie einer hilflosen Puppe ein Kleidungsstück nach dem andern über.

Wieviel Uhr ist es?" fragte Karl Friedrich.

»Es geht auf zehn."

Dann haben wir noch Zeit." Er wußte, daß man bei seiner Schwester den Nachtisch erst gegen zehn Uhr auftrug; er war auch beruhigt, daß die Flügeltüren vom Speisesaal zum großen Salon nicht geöffnet würden, ehe er nicht in der Ecke in seinem Fauteuil saß. Dann begann überhaupt erst der amüsante Teil des Abends.

Ferdinand rückte jetzt den Stuhl vor den großen Spiegel- schrank, und Karl Friedrich betrachtete sich lässig, zurückgelehnt.

Ter Frack saß gut. Wirklich, obwohl er an beiden Füßen gelähmt war, machte er noch ausgezeichnete Figur. Er hatte ein jcbmales, fast zu kleines Gesicht. Aber sein ganzer Kopf batte Stil, eine merkwürdige geistige Kraft strahlte von ihm aus, und Karl Friedrich, heute noch ein glänzender Gesell­schafter, war auch mancher Frau gefährlich geworden, ehe ihn vor drei Jahren diese Lähmung völlig gebrochen hatte.

Diese plötzliche Erkrankung war sonderbar, unerklärlich gewesen. Nach einem Automobilunfall, der ihn oben am Zürichhorn samt seiner jungen Frau aus dem Wagen ge­worfen hatte, konnte Karl Friedrich, ohne daß irgendeine be- Veutsame Verletzung konstatiert werden konnte, einfach nicht mehr gehen. Die Aerzte waren zuerst geneigt, den Zustand einem Nervenschock zuzuschreiben, und suchten mit elektrischen Strömen und Massagen dem Uebel beizukommen.

Umsonst. Eine Durchleuchtung des Körpers zeigte die Knochenstruktur vollständig unversehrt. Es war gedenfaW nichts Krankhaftes zu konstatieren.

Auch die Annahme, daß es sich um eine seit langer Zeit im Körper verbreitete und nun plötzlich ausgebrochene Läh­mung besonderer Art handele, wurde verworfen, nachdem man das Rückenmark einer genauen Analyse unterzogen hatte.

Karl Friedrich blieb von jenem Tag an in seinen unteren Gliedern bewegungslos.

Dann wollen wir jetzt gehen", befahl er. Ferdinand hob chn auf seine Arme und trug ihn die Treppe hinunter.

Wie einen kostbaren, zerbrechlichen Gegenstand legte er ihn in die Polster des Wagens und setzte sich neben ihn. Die Limousine fuhr an.

Was trägt meine Frau heute abend für ein Kleid?" fragte Karl Friedrich.

3$ habe die gnädige Frau nicht wegfahren sehen", ant­wortete Ferdinand,die gnädige Frau kam erst um sieben vom Fünfuhrtee zurück und fuhr gegen acht weg."

Vom Fünfuhrtee ..." sagte Karl Friedrich für sich. Seine Stimme klang bitter, zugleich fast spöttisch.

Ter Diener sah starr geradeaus in die Vorderscheibe des Automobils.

Es ist doch gut, daß wir nie zu einem solchen Fünsuhr- tee fahren können", lächelte Karl Friedrich etwas grimmig,das könnte zu argen Verwicklungen führen, meinen Sie nicht, Ferdinand?"

Ferdinand zuckte mit reiner Miene, als er antwortete: Es tst wohl möglich, daß ein Fünfuhrtee der Gesundheit des gnädigen Herrn nicht zuträglich wäre."

Ein solcher Fünfuhrtee allerdings nicht", prustete jetzt Karl Friedrich und konnte sich von seinem Gelächter kaum erholen.

Er sah Ferdinand von der Seite an. Dieser behielt seine ernste, etwas feierliche Miene bei.

_ Karl Friedrich gab sich plötzlich einen Ruck:Ich möchte wissen, wieviel man Ihnen bezahlt, daß Sie schweigen ..."

Ferdinand sagte tonlos:Ich verstehe den gnädigen Herrn nicht."

Natürlich", gab der andere nachdenklich zu,was würde es mir nützen. Einzelheiten nützen nicht, sie kränken nur."

Der Wagen stand still. Vom Portal her kam der Haus­meister entgegengelaufen und schritt langsam hinter Ferdinand her, der seinen Herrn wie eine leichte Last die breite Treppe hinauftrug. Oben schwenkten sie in eine Galerie ein und kamen von rückwärts in den großen Salon, wo ein Diener den Sessel zurechtrückte, ehe Ferdinand seine Bürde sanft hineinlegte.

Feroinand zog sich zurück. Der Diener stellte eine silberne Tose mit Zigaretten hin und gab Karl Friedrich Wellenberg Feuer.Wieviel sind bei Tisch?"

Zwölf, gnädiger Herr."

Tas ist eine gute Zahl", sagte Karl Friedrich,sind die Herrschaften noch nicht fersig?"

Ich will hinübergehen und den gnädigen Herrn an­melden."

Karl Friedrich blies nachdenklich Rauchsträhnen in die Luft. Seine Augen gingen nach dem großen Kronleuchter, und es war ihm, als "würde er bis in die Tiefen seines Gehirns von glanzenden, fast schmerzhaften Strahlen erfüllt. Er sah plötzlich in seiner Phantasie den Kopf Isabells, feiner jungen Frau, und daneben, als wären die beiden in zwei Medaillons aneinanderaereibt, das Gesicht eines iunaen Herrn mit einem nicht uninteressanten, vielleicht etwas blasierten Zug. Er kam ihm unausstehlich vor, dieser breitschultrige, gesunde, ein wenig kühle junge Herr.

Kein Wunder", überlegte er,ich möchte den Menschen sehen, der den Liebhaber seiner Frau sympathisch findet."

In diesem Augenblick gingen die Flügeltüren auf. Im Speilesaal erhob man sich eben von der Tafel. Die sechs Paare kamen näher, und eines nach dem anderen trat heran, um Karl Friedrich zu begrüßen. Er war auch nicht weiter erstaunt, als Isabelle den jungen Herrn heranbrachte, denn diese Liebelei war in der Gesellschaft schon so bekannt, daß sogar seine eigene Schwester sie begünstigte.

Karl Friedrich prüfte das Paar mit einem neugierigen Blick. Er fand, daß Isabelle keine gute Hautfarbe hatte. Irgendein Gram schien in ihr zu wühlen. Auch ihr Kavalier schien mißgelaunt zu sein.

Eine Eifersuchtsszene, dachte Karl Friedrich. Vielleicht hatte jener bei Tisch mit seiner Nachbarin angebäudelt? Isa­belle war außerordentlich stolz und ehrgeizig. Eifersucht machte sie krank. Sie nahten beide und gaben ihm die Hand, als ob das so ganz in Ordnung wäre, als ob sie beide keinen Grund hätten, ihm irgend etwas zu verbergen. Vielleicht war auch ihr Gefühl, ihre Leidenschaft so stark, daß sie ihn schon ganz vergaßen.

Wie gcht'è?" fragte Friedrich Karl Den jungen Herrn. Tiefte.'.)elle jetzt und sagte:Ich danke, gut." Er hatte dabei einen so unbefangenen Ausdruck, als ob er mit einem Onkel und nicht mit Isabellens Gemahl spräche.

Natürlich", überlegte der andere,sie rechnen nicht mehr mtt mir. Mr die beiden bin ich nur noch eine Form, die hier

in einem Sessel sitzt. Ich könnte auch schon tot ober int Irren­haus sein. Eine größere Bedeutung habe ich für diese Gesell­schaft nicht mehr. Wie entsetzlich grausam doch das Leben ist."

Du bist blaß!" sagte er zu Isabelle.

Ich habe Kopfschmerzen", antwortete sie.

Das wird vorübergehen", erwiderte er trostreich. Das Paar wandte sich wieder von ihm ab. Neue Gruppen kamen heran. Dr Künzli, ein Herr mit schwarzem Spitzbart, belehrte eben:Die Neurasthenie kann ebensogut physischen als psy­chischen Ursprung haben. Wenn mir durch Einwirkung auf den physiologischen Lebensprozeß oft das moralische Gleich­gewicht wieder herzustellen vermögen, ist das nur ein Beweis, daß ..."

Lieber Doktor, Sie haben den amüsantesten Beruf, den ich mir denken kann", unterbrach ihn Karl Friedrich.

Wieso?" Der andere drehte sich herum.

Sie heilen die ganze Welt, haben für jeden Krankheits­zustand ein neues Wort. Sie stellen moralische Gleich­gewichte her, und schließlich bleibt alles beim alten ..."

Lieber Freund, da täuschen Sie sich doch", wehrte sich Dr. Künzli,tcb habe pro Konsultation zwanzig bis dreißig Patienten, die alle nach meinem System behandelt werden..."

Das weiß ich, aber die Damen kommen zu Ihnen wie zu einer Nervensensation. Sie sind eine Nummer im Pro­gramm des Tages. Am nächsten Nachmittag geht man statt zu Ihnen zu einem Tee oder sonst zu einer Attraktion. Was hat das aber noch mit Medizin zu tun?"

Der Arzt lächelte nachsichtig:Lieber Freund, Sie reden wirklich nur vom Standpunkt des Amateurs ..."

Aber nein", wehrte sich der andere,Sie können viel­leicht jemandem die schlechte Laune vertreiben, indem Sie ihn während Ihrer Kur gut unterhalten. Da liegt das Talent von euch Nervenärzten, wo aber einer wirklich krank ist ..."

Sie sind ungerecht! Im höchsten Grade ungerecht", äußerte Dr Künzli.Sie können nicht von persönlichen Er­fahrungen ..."

Oh nein", unterbrach ihn der andere,Sie können gewiß nichts dafür, daß meine Beine, trotz allen erdenklichen Be­handlungen, so unbeweglich sind wie zuvor ..."

Gerade Ihr Fall" ist für mich, wie ich Ihnen schon so oft sagte, einfach ein seltener Fall von Autosuggestion ..."

Autosuggestion ..." lachte Karl Friedrich.

Jawohl, Autosuggestion", ereiferte sich Dr Künzli,eine körperliche Störung ist in Ihrem Organismus nicht festzu­stellen, und ich bin der Ansicht, daß nicht Ihr Körper, sondern Ihre Einbildungskraft krank ist. Solche Fälle sind sehr zahl­reich, und sie enden oft mit einer ebenso unerklärlichen Ge­nesung, wie die Erkrankung unerwartet eingetreten ist."

Das könnte ja eine schöne Ueberraschung werden", amüsierte sich der andere und sah zu Isabelle hinüber,aber glauben Sie mir, lieber Doktor, gerade bei Menschen, die wie ich ein sehr schwaches Nervensystem haben, gibt es unerklär­liche Vorgänge, mit denen man sich einfach abfinden muß." Dr Künzli wollte unterbrechen, aber Karl Friedrich fuhr fort: Ich habe die Ueberzeugung, daß ich stürbe, wenn man mir eine Aetherflasche unter die Nase hielte. Was sagen Sie dazu?"

Dr Künzli zuckte mit den Achseln:Ich wette mit Ihnen, daß Sie nicht stürben. Das ist einfach eine Art von Knoten, den ich sofort lösen werde."

Karl Friedrich lachte:Wem wollten Sie die Wette be­zahlen, ,wenn ich tot wäre?"

Daß ich wetten will, beweist schon, daß Sie nicht sterben würden", sagte Dr Künzli,Sie können vielleicht einen Ohn­machtsanfall oder Brechreiz bekommen, das ist aber auch alles. Von reinem Aethergenuß ist unter der Aufsicht eines Arztes noch niemand gestorben ..."

Wollen wir wetten?" sagte der andere.

Aber nein", widersprach man rings.

Lieber", sagte Isabelle,das wirst Du nicht tun, das darfst Du nicht tun ..."

Es ist gar keine Gefahr dabei", erwiderte Dr Künzli und befahl, ein Äetherflakon zu bringen.

Natürlich nicht", erklärte Karl Friedrich, und zu Isa­belle sagte er:Du wagst ja ebenfalls nichts... Er sah dabei nach dem breitschultrigen jungen Herrn, der mit ängst­lichen Augen daneben stand.Dem wäre der übelste Streich gespielt", überlegte er,wenn er die junge Frau behalten müßte, wenn sie ihm plötzlich an diesem Abend zufiele. Fast wie ein Ball zugespielt. Dann könnte er erfahren, wie ver­schieden es ist, ihr Liebhaber oder ihr Gemahl zu sein."

Ich fühle mich unwohl, wir wollen nach Hause fahren", sagte Isabelle, als witterte sie irgend etwas Unheimliches.

Er nahm ihre Hand und legte seine Rechte sanft auf ihren

Bekenntnis zu Chr. W. Gluck.

Ein Beitrag zur Erneuerung der nordischen Musil.

Von Dr Fritz Stege- Berlin, Führer der Fachgruppe Musikkritik imReichsverband deutscher Schriftsteller".

Glucks Meisterwerke sind fast völlig vom Spielplan der deutschen Opernbühnen verschwunden; die beidenIphi­genien", derOrpheus" werden immer seltener dem deutschen Opernbesucher dargeboten. Nicht weil Gluck unzeitgemäß ge­worden wäre, sondern weil die Menschheit sich in ihrer see­lischen Nückentwicklung von seiner Musik entfernt hat. Die Tiefe Gluckscher Schöpferkraft bildet einen der äußersten Gegenpole zur Oberflächlichkeit der Nachkriegszeiten, die mystische Heiterkeit des Orpheus-Balletts ist der Jagd auf sensationelle Klangeffekte, aus leeren Ohrenreiz unterlegen.

Aber die seelische Umwandlung des deutschen Menschen, die mit der nationalsozialistischen Revolution vielversprechend eingesetzt hat, berührt auf dem Wege zu innerlicher Einkehr unbedingt auch die Kunst eines Gluck. Wenn wir aus den Anzeichen der Abkehr von romantischer Ueberschwenglichkeit und Rückkehr zu vorklassischen Idealen parallel zur Entwick­lung der Konzertmusik auch aus eine Erneuerung der Opern­musik schließen dürfen, so nähern wir uns einer musikdrama­tischen Auffassung, die nach den eigenen Worten Glucks Einfachheit, Wahrheit und Natürlichkeit als bie festen Grund­lagen des Schönen" betrachtet. Auf dieser Bahn ist die Be­gegnung mit Gluck unausbleiblich, ein Erlebnis von höchster Eindrucksstärke für jeden, der sein seelisches Auge für wahre Schönheiten offen hält.

Auch die musikgeschichtliche Einstellung der Neuzeit, die ihre Erkenntnisse dem Volks- und Rassenproblem abgewinnt, wird dazu beitragen, der Kunst Glucks erneut den Boden zu bereiten. Wenn Alfred Rosenberg das Bekenntnis ausspricht, daß es im eigentlichen Sinne gar keine Weltgeschichte gibt, sondern nur die Geschichte verschiedener Rassen und Völker, so läßt sich diese Anschauung mühelos verallgemeinern auch für die führenden Meister musikalischer Kultur. Die Rassen- oerbundenheit schöpferischer Musiker ist die Voraussetzung für die Begründung eines arteigenen Musikstils und für die Er­ziehung des deutschen Volkes zum Verständnis einer ihm wesensverwandten, völkisch gebundenen Musik. Wir erleben ja auf musikalischem Gebiet in steigendem Maße die Förde­rung des nordischen Gedankens in einer anwachsenden Zahl 3on Konzerten, in denen skandinavische Tonsetzer zu dem deutschen Musikfreund sprechen. Der einst allzu östliche Ein­fluß übermoderner Komponisten hat sich nicht zum Segen üner völkischen Musikpflege ausgewirkt. Die Berücksichtigung rusgesprochen nordischer Stileigcnheiten wird sich auch in der Lntwickluna des.dÈftbeu Vâs auSbräaeu m teuer lichte«.

Handrückens Wie weich und wohlig das wär. fe t zarte Haut junger blonder Frauen. Schade, bah - Me nicht mehr ihm, sondern einem anderen gehörte ^S eigentlich noch Rechte besaß ...Rechte!" lächelte °. et i« trübe. Wie unwirklich das doch war!Rechte an verbinden sich mit zwei gesunden Beinen", pfleate J stauen zu sagen, Zuweilen

Die Wette kommt zuerst", sagte er zu Isabell, < fahren wir sofort." »dann

Da brachte Dr. Künzli schon das Flakon wetten wir?" lachte er. ' "D: ivas

Zehn Flaschen Johannisberger 1911", , Friedrich vor. 1 Karl

Es gilt!"

Karl Friedrich sah sich um, als suchte er etwas y gib mir wieder Deine Hand", sagte er zu Isabelle & wie ihre Finger bebten, wie ihre Hand vor Ërrcaitnn » war. Er sah vor sich schimmernde, nackte Schultern den dunklen Kreis der Herren. ^Uttern, dahinter

Jetzt trat Dr. Künzli in die Mitte. Er hielt das in der Hand, als ob er sich zu einem wissenschaftlichen anschickte. Karl Friedrich sah ihn etwas spöttisch und neugierig an. In der Rechten hielt er Isabellas weich?

Dr. Künzli neigte sich über ihn und lachte laut: Alft Ä wette, daß Sie nidjt sterben." ' "

Karl Friedrich erwiderte:Ist schon möglich » m war Plötzlich zaghaft und nachdenklich.Ich wette dennoch" fügte er leiser hinzu. J *

Der Arzt hielt ihm das Flakon ins Gesicht. Mit sein» Rechten fühlte er Karl Friedrichs Puls. Der Sitzende baw sein kleines Gesicht wie versonnen auf die Seite geneigt unh die Augen geschlossen. 8

Dr. Künzli begann:Meine Damen und Herren Es handelt sich hier um einen interessanten Versuch, der cibnen zeigen wird, bis zu welchem Grade die Hyperästhesie der Ge­ruchsnerven sich zu entwickeln vermag. In diesem Mafon befindet sich eine Dosis Aether, so wenig, daß sie nie fähw kann, das Zentralnervensystem irgendwie zu beeinflussen Durch die Geruchsabneigung aber, die unser Freund gegen Aether empfindet, erreicht er, daß jetzt, nachdem der Em- atmungsprozeß kaum länger als eine halbe Minute gebauert hat, schon eine ganz bedeutende Abnahme seiner Herztätigkeit festzustellen ist, die unter Umständen bei langandauernder Aethereinatmung zu einem leichten Ohnmachtsanfall führen könnte. Ich betone, daß auch dieser mögliche Ohnmachts- anfall durchaus keine Gefahr in sich zu schließen vermöchte Aber an diesem Vorgang ist von außerordentlicher deutung die Tatsache, daß der Patient die Abnahme seines Pulses gleichsam durch einen Willensakt beeinflußt..."

Dr. Künzli hielt inne. Er gab das Flakon dem jung« Herrn, der jetzt hinter ihm stand. Dabei sah er Isabelle an, Die plötzlich die rechte Hand ihres Gemahls wie etwas Un­heimliches auf sein Knie zurücklegte.

In diesem Augenblick rutschte auch Karl Friedrichs Koss ein wenig seitwärts. Der Arzt sagte, indem er sich aufrichtete: Er ist einfach erschöpft, der Ansall wird in einer Minute vor­über sein."

Es war recht still geworden. Alle schauten den jungen Herrn an, der das Flakon in der Hand hielt und mit grauem Gesicht dastand.

Könnte er nicht tot sein?" fragte Isabelle, und die Tränen traten ihr in die Augen.

Aber gnädige Frau", sagte der Arzt vorwurfsvoll und fuhr überlegen triumphierend fort:Ich habe selten in meiner Praxis einen so wunderbaren Fall von autosuggestiv« Beeinflussung gesehen. In ein paar Augenblicken wird da Patient aus seinem lethargischen Zustand, in den er sich gM sam selbst versenkt hat, wieder aufwachen ..."

Da trat der junge Herr auf ihn zu, seine Augen qufa ihm aus den Höhlen:Sehen Sie nicht, daß er gestorben ist?" Seine Stimme war heiser und röchelnd.

Dr Künzli wandte sich um, sah nach Karl Friedrich? kleinem, etwas bekümmerten Gesicht, griff dann nach seinem Puls, wurde in diesem Augenblick blaß, zog seine Hand wieder zurück und äußerte leise und doch in dem überzeugten Ton, m dem Aerzte in solchen Lagen zu sprechen pflegen:Es gib! Menschen, die immer recht behalten wollen, vielleicht hat unser Freund seinen Eigensinn zu" weit getrieben."

Alle standen wie erstarrt. Es war auch, als ob niemano Karl Friedrich Wellenberg zu berühren wagte. Denn sein Gesicht lächelte im Tod verkniffen wie in einem verteufelten Spott.

naturklaren Aufhellung der Seele, wie sie nordischer Kunst eigen ist. ,

Und wenn wir unseren Blick rückwärts wenden und uns ruf nordische Werte musikalischer Vergangenheit besinnen, um sie der Volkserziehung dienstbar zu machen, dann stoßen wn zum zweiten Male auf den Meister Chr. W. Gluck, den Eich - rauer in seinem grundlegenden WerkMusik und geradezu als den Prototyp des nordischen Musikers Hera stellt. Nordisch sind in ihrem Ethos die dramatischen ft ' öleme der Gluckschen Opern, nordisch ist die gesamte stosf ch Auswahl, wie die Menschlichkeit seiner Figuren. -Wt U sein künstlerischer Seelenadel, der Mangel an sinnlich- gebundener Schönheit, die er wie imReigen seeliger Ecy erseht durch. eine kühle, aber klare und reine Herbye ^âucf als nordischer Musiker ist ein eherner Bestandteil unserer Musikpslege. Wir brauchen seine Kunst zur |e 1 Lrziehung unseres Volkes. Keinesfalls aber ist desss seiner Musik damit gedient, daß man ihn zum Mr p .^ üner der üblichenRenaissance"-Bewegungen niacht- Werte reinblütiger Rasse eignen sich nicht zur mass ni k lleberschwemmung des Volkes. Gluck darf mjm nrih -agèstimmung genießen. Es gibt in Deutschland lewer Seine Gluck-Festspiele. Die Möglichkeiten sind voryar !twa im Theater zu Hellerau bei Dresden, wo an Maifestspiele dieses Jahres GlucksAlceste aufgef^h, Wer in Berlin, wo in denKunstwochen bey in 3 gSfen :es GlucksIphigenie" im Alten Museum aus )es Pergamon-Altars dargestellt wurde. . - ^t-

Wann wird man dazu übergehen, ein pefo - ^ iches Opern-Festspielhaus zu schaffen, ein Bayreutym ^ schen Opernkunst, wo nur solche Werke in weih _ ..., Mi­nen einem seelisch vorbereiteten Hörerkrcise«T ber Scha­ven, die sich wie die Meisterwerke Glucks iIo ne des alltäglichen Theater-Betriebes entzieh

Ehrt das Opfer der Deutschen Flieger: fördert Deutschen Luftsport. _____

Millionen gebrauchen ^-^