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Zul-aer Mzeiger

scheint jeden Werktag. Bezugspreis: monatlich 170 Mk. Bei Lieferungsbehindcrung durchHöhere Kewalt" bestehen keine Ansprüche. Verlag Friedr. Ehrenklau, Fulda Königstr. 42. Druck: Friedr. Ehrenklau, Lauterback/H. Hauptschriftleiter: Dr. jur. Paul Lanaemack, Fulda, Königstr. 42. Vertreter des Haupkschrijtleiters: Fr. Ehrenklau, Lauterbach H.

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Reöaktion und Gesihästsstelle: KSntgstrcche 42 Zernsprech^ufchluß Nr. 4484 Anzeigenteil Ferdinand Ehrenklau, Lauterbach-H.

Nr. 126 1934

Fulda, Samstag, 2. Juni

11. Jahrgang

SSS

§aarabp!mmung am 15. Januar 1955.

Zn den gestrigen Abendstunden ist in Genf die Einigung über die Saarfrage erzielt worden. Die Abstimmung wird am 13. Zanuar 1935 stattfinden.

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Die endgültige Einigung über die Bedingungen der Saarabstimmung ist am Freitag kurz vor 18 Uhr zwischen den Vertretern Deutschlands, Frankreichs und Italiens er­zielt worden, wobei Deutschland und Frankreich als Partei, Italien als Vermittler auftraten.

Ueber den Inhalt der nunmehr erzielten Vereinbarung kann Folgendes mitgeteilt werden: Der Abstimmungstermin ist auf den 13. Zanuar 1935 festgesetzt. Damit wird die Saarbevölkerung endlich von der auf ihr lastenden Unge­wißheit über ihr Schicksal befreit.

Der vereinbarte Text enthält ferner diejenigen Maß­nahmen, die von beiden Regierungen zu treffen sind, um eine unbeeinflußte und ruhige Abstimmung zu ermöglichen und Ausschreitungen und politische Verfolgungen, die mit der Abstimmung verbunden sein könnten, zu unterbinden. 5m beiderseitigen Einverständnis werden außerdem Ab- ftimmungsgerichte ernannt, die vor der Abstimmung, wäh­rend der Abstimmung und noch ein Jahr nach der Rück­gliederung ihre Tätigkeit ausüben. Tie Abstimmungsge­richte find zuständig für alle mit der Abstimmung selbst zu­sammenhängenden Vergehen und Straftaten. Es werden acht Gerichte erster Instanz und ein Obergericht gebildet werden, entsprechend der alten Kreiseinteilung. Nach der Abstimmung werden die übrigen Gerichte verschwinden, während das Obergericht noch für die vereinbarte Zeit be­stehen bleibt. Das Obergericht besteht aus einem Präsi­denten, einem Vizepräsidenten und drei Richtern, während in den anderen Gerichten wahrscheinlich nur ein Einzelrich­ter fungieren soll. Die Gerichte sollen aus neutralen Per­sonen gebildet werden.

Die Jahresschau der Landwirtschaft.

BiLder von der

1. Reichsnährsiands-AusstelluKg.

Von unserem WS.-Sonderberichterstaltcr.

Als am zweiten Tage der Ausstellung in Erfurt die fünf Kilometer lange Vorort- und Landstraße zwischen der 1200jäbrigen Stadt und dem Ausstellungsplatze wie von einem einzigen schwarzen Heerwurm von Menschen bedeckt war, als sich trotz aller Vorsicht der Straßenbahn­verkehr vor seinem Endpunkt staute, und auf dem benach­barten Flugplatz die Verkehrsflugzeuge aus allen Him­melsrichtungen wie Hummelschwärme niedergingen, da stand es fest, daß die l. R e i ch s n ä b r st a n d s - A u s- stellung alle ihre Vorgängerinnen, die früheren Jahresschauen der deutschen Landwirtschaft, an Bedeu­tung und Erfolg übertreffen würde. Die Zählung aus dem Parkplatz ergab in den Mittagsstunden über 5000 auswärtige Personenkraftwagen und über 2 5 0 Kraftomnibusse, die zum Teil aus sehr weiter Entfernung herbeigekommen waren, während in den Straßen Erfurts selbst die Kraftomnibusse beinahe in der Dichtigkeit von Siraßenbabnzügen aufeinander folgten. Diesem zifsernmäßigen Erfolg entspricht aber auch ganz unzweifelhaft der i d c l l c. Sowohl die Be­sucher wie die Aussteller sind über die Veranstaltungen in einem Maße zufrieden, daß ein in Deutschland längst nicht mehr gewohnter Zustand cingetreten ist: Man hört nie­mand meckern! Gemeckert würbe nur über die Preise, die einige Erfurter Onanier- und Gastgeber nehmen zn können glaubten. Da aber fuhr die Äusstcllnngsleitung durch eine Rundfunkwarnung wie mit einem Donnerkeil dazwischen. Das wirkte. Schon in wenigen Stunden waren die Erfurter Preise überall wieder in Ordnung gebracht Und sehen genau so aus, wie in beu Nichtausstellungs Seiten.

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Die Ställe der Tiere sind diesmal in nächster Nähe des Haupwinqangs aufgebaut, was ihren Besuch erleichtert: und bekanntlich übt das lebende Vieh stets die stärkste Anziehungskraft nicht nur aus den Bauer, sondern auch aus die städtischen Gäste aus. Bei der selbst­verständlichen äußeren Gleichartigkeit mit den früheren -lnsswllnngen, di-' durch die Verhältnisse und die Art der behelfsmäßigen Stelle gegeben ist, sieht man doch bei näherer Betrachtung, wie stark hier die Umstellung überall w Gange ist. ES ist der Wille der Führung, daß wir Möglichst hohe Durchschnittsleistungen, dagegen keine wörtlichen Rekordü berspihnnaen erzielen- Vorbedingung m dabei, daß das bäuerliche WußHer auch mit bäuerlichem wmschaftseigeucm Futter ausgezogen und auf voller Höhe «halten werden kann. Die entsprechende Ergänzung dazu gibt das

Haus der Pflanzenzucht, selbstverständlich in diesem Jahre unsere große V, Errungenschaft für die leichten deutschen Böden, e Sußlupine, die verdiente Aufmerksamkeit findet unb I," "W Vereinfachungsergebnisse in Organisation unb Hu 3ur Geltung kommen, die wir in den zehn Monaten.

1 wir nach dem Ministerworie wirklich praktische natio­

Wie schon früher vereinbart, wird der Völkerbundsrat bei dieser Gelegenheit auch die Abstimmungskommission er­nennen, die ebenfalls aus neutralen Persönlichkeiten be­stehen soll.

Die Abstimmungskommiffion wird mit besonderen Voll­machten ausgestattet und wird ihre Tätigkeit neben der Regierungskommission ausüben, d. h. also der Negierungs­kommission des Saargebietes nicht unterstellt sein.

Auch in der P o l i z e i f r a g e ist am Freitag die end­gültige Einigung erzielt worden. Nach den jetzigen Ver­einbarungen soll die Regierungskommission eine für not­wendig erachtete V e r st ä r k u n g der Polizei nach Mög­lichkeit durch Anwerbung im Saar gebiet durchführen. Falls sie die ihr erreichbaren Polizeikräfte aber nicht für ausreichend hält, wird ihr das Recht zugestanden, auch außerhalb des Saargebietes Polizeibeamte anzuwerben. Es bestand bei den Besprechungen Uebereinstimmung darüber, daß nur deutschsprechende Polizeibeamte angeworben werden sollen.

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Die entwendetenGaardokumente" wiederaufgefunden.

Wie aus Paris gemeldet wird, sind jetzt die aus der französischen Bergwerksdirektion des Saargebiets ent­wendeten Dokumente plötzlich aufgefunden worden.

Auf dem Kanal zwischen Saargemünd und Großblittersdorf an der französisch-saarländischen Grenze sah ein Kohlenschiffer mehrere Säcke treiben. Er fischte sie auf und fand sic mit Aktenstücken gefüllt, in denen der Schiffer die der Bergwerksdirektion abhanden gekommenen Schriftstücke erkannte. Beamte der franzö­sischen Grubendirektion Saarbrücken stellten dann später ebenfalls fest, daß es sich um die gestohlenen Dokumente handelte.

nalsozialistische Agrarpolitik treiben können, errungen haben. Der Besucher tut gut daran, als letzte der hier anschließenden Lehrschauen, das

Haus der Marktregelung

zu besuchen, das jedem einzelnen Volksgenossen als seine eigenste Sache angebt. In sehr hübscher und verständlicher Weise wird unser Vaterland hier unter anderem als ein großer Bauernhos bargefteHt, der alle seine Bewohner eigentlich aus sich selbst versorgen müßte. In zwei ge­sonderten Darstellungen sehen wir, wie dieser Bauernhof bisher auf der einen Seite an Getreide weit über den eigenen Bedarf anbaut, und wir sehen auf der anderen Seite was uns fehlt, unb was wir ohne weiteres aus eigenem Heimatboden ersetzen können und müssen. Die gleichzeitige Durchführung der Marktregelung beweist uns, daß derartige Entwürfe beute nicht mehr nur auf dem geduldigen Papier stehen, sondern wirklich zur Tai werden.

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Mehr noch als jemals früher ist die Ausstellung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft der Treffpunkt All- dcntschlands. Wenn man sie von diesem Gesichtspunkt voll verstehen will, so muß man in die

Abteilungen des Brauchtums

geben, aus die wir entsprechend ihrer besonderen Bedeu­tung in einem eigenen Bericht eingeben werden Oder man beobachtet das Leben unb Treiben im großen Ring und an den Richterringen. An den letzteren wechselt das Bild selbstverständlich ständig. Jetzt werden Pferde vorgesührl, und drängen sich in lebhaftem Meinungs­austausch Ostpreußen, Oldenburger und Rheinländer zu­sammen. Dort werden die Schweine vorgeführt, und die Bauern aus dem deutschen Osten, die mit ihren ver­edelten Landschweinen so gute Ersolge erzielt haben, beob­achten mit Anerkennung, daß in anderen Teilen unseres Vaterlandes auch das ältere bodenständige Landschwein eine Schätzung findet, welche durch die züchterischen Er­folge völlig gerechtfertigt erscheint. Zu den Reichsdeutschen kommen

die Ausländsdeutschen,

)ie sich hier auf dem alten Mutterboden ihres Stammes neue Kraft holen wollen Richt nur alle Mundarten, auch sie Bauerntrachten des Deutschtums gant Europas finden 'ich hier zusammen. In gemütlicher Aussprache kann man siese lieben und willkommenen Volksgenossen ans fremden Staaten dann in den Abendstunden bei einem Plander- itünbeben in der Wcinkosthallc, wo gute Ramrweine aller teutschen Gaue angeboten werden, belauschen. Da gewinnt man immer wieder die frohe Beruhigung: Lieb Vaterland magst ruhig sein, deine Kinder halten treu zu brer angestammten Art und das Bewußtsein dessen, was tiefe deutsche Eigenart ist, bat eine mächtige Förderung »fahren, seit wir die Zeit des völkischen Zerfalls und der sittlichen Zersetzung überwunden haben.

Fliegendes Volk siegendes Voll!

Die Wett sieht nicht still."

Gefahren für Europa. Eigensüchtige Gläubiger.

Gefallene Fesseln.

Das Witzwort eines der Meister der französischen Diplomatie, Talleyrands, daß nämlich die Worte dazu da sind, um die Gedanken zu verbergen, wurde von seinem Landsmann, dem jetzigen französischen Außenminister B a r t h o u , auf der Abrüstungskonferenz die man zweckmäßigerweise wohl nur in Anführungsstrichen er­wähnt wirklich ganz unbeachtet gelassen Was aus dessen Worten sprach, war ein Frankreich, an dem ebenso die Entwicklung der Nachkriegszeit spurlos vorübergegan­gen ist, wie ihm das Auge verschlossen zu sein scheint vor einer Zukunft, über die der englische Kollege Sir Simon mit einem vielleicht absichtlich vieldeutigen Ausdruck er­klärte:Europa hat mit neuen Gefahren zu rechnen, und die Regierungen können von einer Behand­lung nicht durch das hoble Argument abgehalten werden, daß in Gens noch eine Konferenz tagt." England denkt beuteweltpolitischer' denn je, und hat ja schließlich auch einige Veranlassung dazu! Sir Simons in diesem Zusammenhang gesprochenes Wort, die allgemeine Lage in der Welt würde sich auch dann ändern, wenn die Genfer Konferenz keinen wirklichen Schritt vorwärts machen könnte, hat er in zwar nicht ganz origineller, aber doch in einer diplomatisch auffallend drastischen Form zu dem Satz zusammengepreßt:W äbrend wir reden, steht die Welt nicht still!' Bartbou aber ver­langt. daß zum mindesten in Europa alles, restlos alles so zu bleiben bat, wie Die Buchstaben der PariserVoroN- biftate es bestimmt haben. Ähnlich wie jener jüdische Heerführer aus dem Alten Testament fordert er: Sonne stehe still über Europa!' Aber anders als dem Josua tat ihm die Sonne diesen Gefallen denn nun doch nicht, am wenigstens deswegen, weil in Gens Reden gehalten werden. Und weil die Welt inzwischen weitergegangen ist, will Frankreichs Politik und wollte es schon unter allen Vorgängern Banhous seit Briand, der einmal jeden Antrag auf Revision der Versailler Be­stimmungen drohend alsKriegssall' bezeichnete das Rad der Entwicklung einfach wieder rückwärts drehen. Eine solche Ari vonReaktion' ist aber der Welt, solange sie steht, noch niemals gut bekommen, weil nämlich diese Welt die unangenehme Angewohnheit hat, nicht stille stehen zu wollen oder gar sich auf eine unabsehbare Dauer rückwärts revidieren' zn lassen

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Wie groß diesesnatürliche Schwergewicht' der Dinge und ihrer Entwicklung ist wobei man davon freilich nicht eine Wirkung von heute aus morgen erboffen sollte, auch nicht erboffen kann!, hat wieder der Ausgang der fast überlangen Konferenz bewiesen, die in Berlin mehr als vier Wochen hindurch mit den Vertretern der Gläubiger der deutschen lang- und mittelfristigen Aus­ländsanleihen stattsand Sogar das französische amtliche Telegraphen-Büro sprach in seinem Bericht über das Er­gebnis dieser Transserkonfcrenz von derUn­möglichkeit, die weit auseinandergehenden Interessen der Gläubiger unter einen Hut zu bringen Aus der anderen Seite steht die von der Konfe­renz anerkannte LeistungsunfähigkeitDeutsch- l a n d s, keine Schulden an die Gläubiger in aus­ländischer Währung zu bezahlen, und das letztere kann als alleinige Tatsache nur der Ausgangspunkt für das sein, was wohl schon in sehr baldiger Zeit erfolgen wird. Besser gesagt: Was aus dieser Tatsache gefolgert werben muß. Der Versuch jedes der Gläubiger, sich aus dem winzig klein gewordenen deutschen Devisenkuchen ein möglichst großes Stück berauszuschneiden, ist miß­glückt. batte aber nun zur Folge, daß die ursprünglich vorgesehene unb vor allem deutscherseits angeftrebte Lösung dieses Teils der Schuldenfrage im Gesamtrahmen der weltwirtschaftlichen Notwendigkeiten ebenso wenig gelang wie auf der ersten Transferkonferenz vor etwa einem Jahre anläßlich der Londoner Weltwirtschafts- konferenz. Da also die Gläubiger so ziemlich in allem uneins waren, taten sie das, was in solchen Fällen auch im Geschäftsleben bei anderen Vergleichsverfahren zu geschehen pflegt: Man ersucht den Schuldner, einen Verglcicbsvorschlag zu machen! Das bat denn die Reichs­bank auch getan. Ungern genug, weil man damit doch nur eine weitere Hinansschiebung der täglich dringlicheren Schnldenregelung berbeifübren konnte. Aber die Reichs- bank tat es doch, weil sic ebenso wie die Reichsregierung damit rechnen will und darf, daß auch in der Schulden- fragedie Welt nicht fülle steht!'

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überall in Deutschland treibt es zu neuem Leben aus den Wurzeln gefällter Bäume. Einst war Dcutschlands ganzer Stolz feine Luftfahrt. Im Zusammenbruch des November 1918 wurde auch sie vernichtet, unb gewalt­sam hielt man sie noch weitere sieben Jahre nieder; während die anderen einen gewaltsamen Vorsprung er­langten. Dann lockerte sich der Druck. Unb schnell sprossen aus den Wurzeln neue Triebe, wuchsen unter sorgsamer Pflege und würben zu der deutschen Suftfabrt von heute. Der ganze Irrsinn der Nachkriegszeit gehörte dazu Deutschland aus der Luft verbannen w wollen, die Luftstillstehen zu lassen über Deutschland!' Den Ge­danken der Luftfahrt aber konnte man doch ebensowenig in Banden unb Ketten schlagen wie den des Lnftsports. Natürlich machte Herr Bartbou in feiner Genfer Rede aus der Erhöbuna des deutschen Lufthaushalts des Reiches mit verhüllten Worten eine militärische Auf­rüstuna, - als ob cs für eine selbstbewußte Nation nicht eine Selbstverständlichkeit wäre, sich in dem Element zu ertüchtigen, in dem nicht bloßunsere Zukunft liegt*,