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Stadt und Land

Fuld«, den 26. Mai 1934.

Dennoch!

Heb r. 12,2: Richtet wieder aus die lassiaen Hände und die- müden Knie, und tut gewisse Tritte mit euren Füßen,

Kurz nacheinander sah ich folgendes: Ein Kind stürzte beim Spielen. Mit lautem Schreien blieb es liegen und gebärdete sich, als sei es schwer verletzt, als man versuchte, es aufzurichten. Da bot jemand ein Stück Schokolade hin, und sofort stand es aus. Einige fanden, daß das Kind ich nach dem Fall so gebärdet hatte, das sei dochs o natürlich". Ein Mann hatte einen Schicksalsschlag er­litten. Er tat, als sei nun alles aus, klagte und schall durcheinander: Das ganze Leben lohnt nicht mehr, das bat man nun davon, mir ist jetzt alles gleich usw. Auch da hörte ich dieselben Worte: Aber das ist dochs o natürlich"

Das istnatürlich" ? Das istn »natürlich"! Habt ihr nur einmal richtig in die Natur hineingesehen, wasnatürlich" ist? Nachtfröste sind gewesen: sie läßt sich nicht dadurch Niederhalten, sondern sogleich treibt sie neue Spitzen heraus, wo die ersten abgefroren waren; über junge Saaten geht eine lange Dürre und läßt welken, was sie geschaffen hat: läßt sic nun ihr Schaffen sein? Der Sturm und der Hagel zerstören: hört sie darum auf, Neues hervorzubringen? Die Natur gibt nicht nach, sofort ist sie wieder am Werk, und die Trümmer des Alten baut sie nun in das Neue. Das ist natürlich: nie den Willen zum Leben, den Drang zum Schaffen verlieren, sich nie sein schaffendes Leben unterbrechen lassen. Da­gegen sich entmutigen lassen, Zagen und Klagen, womög­lich Wühlen im Schmerz: das ist unnatürlich. Das ist gegen Gottes Willen. Er hat in die Natur, auch in unserer Natur, das Leben gegeben doch dazu, daß wir es leben sollen! Wer diesem seinen Willen nicht gehorcht, der ver­liert nicht bloß, was ihm genommen wird, sondern er verliert im eigentlichen Sinn sein Leben, sich selbst.

Was dieNatur" unbewußt tut: leben, schassen trotz aller hemmenden und zerstörenden Kräfte, das mit vollem Bewußtsein tun mit einem heilig-ruhigend e n n n o ch !", das beißt Christ sein! Laßt uns in diesem Sinn einmal nachsinnen über das Wort Jesu:tzch lebe, und ihr sollt auch leben!" P. ft. P.

Am Wochenende.

Den Zeppelin haben wir ja leider nicht begrüßen können im Fuldaer Land besonders die Zehntausend aus der Wasserkuppe schauten sich die Augen aus dem Kopf aber deshalb^ gab es an Pfingsten keine enttäuschten Ge­sichter. In Fulda konnte man in diesen Tagen alle mög­lichen Dialekte vernehmen, angefangen bei unseren nächsten Nachbarn, den durchreisenden Thüringern, bis hinauf zu den Ostpreußen. Was man nun so gelegentlich hört von den Fremden ist meist erfreulich für unsere Stadt aber immer wieder kann man auch die Bemerkung hören:d a - heim" lebt man billiger, als in Fulda. Ist es ein Vorurteil? Ist etwas Wahres daran? Es müßten einmal die Fuldaer Durchschnittspreise hauptsächlich für Unterkunft und Verpflegung in Paralelle gestellt tuer= Liezr zu den Preisen anderer Städte gleicher Größe, damit priese Klagen verstummen. Man soll nicht nur anneh - men können, daß Fulda keineteure Stadt" ist, man soll an Hand der Zahlen davon überzeugt sein denn, was nützt alle Werbung und alle Arbeit an der Hebung des Fremdenverkehrs, wenn diese Arbeit gedankenlos unter­miniert wird durch unkontrollierbare Behauptungen! Dem ichönen Werbeblatt für die Rhön, welches das Verkehrsamt Fulda herausgebracht hat, wird in Kürze ein groß angelegter Führer durch Fulda folgen. Gewiß, diese Art Werbung kostet Geld, sie ist aber heute unumgänglich notwendig uird macht sich zuletzt doch bezahlt. Nebenbei bemerkt, macht ein Fremder aus die vielenD r u ck s e h - ler" aufmerksam, die man in Fulda an Geschäftshäusern usw. finden kann. Er sah unter anderem, daß irgendwo bayerisches Bier" empfohlen wird, er las auf den Schil­bern namhafter Firmenelecktrische Artickel", ferner Manusackturwaren",soliede Echuhwaren", nur um einige wenige herauszugreifen. Das sind Kleinigkeiten, die nicht empfehlen oder werben. Prüfe darum jeder, der sich irgend­wo mit werbenden Worten an die Oeffentlichkeit wendet, Inhalt, Form und Rechtschreibung seiner Empfehlung. Ein allgemeines Interesse liegt vor. Die Stadt Fulda trägt sich auch mit dem Gedanken einer neuen Art Plakatwer- b u i! g die vorhandenen Steintafeln sind tatsächlich keine ideale Lösung und stellen an einigen Ecken eine Verunzie- rung ersten Grades dar. Vorschläge sind dem Verkehrsamt erwünscht, vielleicht macht das Verkehrsamt das Ausarbei­ten von Entwürfen noch schmackhafter durch ein Preisaus­schreiben!

. Mannigfach sind auch die Anregungen, die betr. der alten Fuldaer Straßen und Straßennamen gegeben worden sind. Es ist aber damit, wie mit den wunderschö- uen irdenen Gebilden der Kunsttöpferausstellung am Stein­weg. Man hat sein ästhetisches Behagen an den Schöpsun- gen des Kunsthandwerks. Man wohnt auch lieber in einer Straße mit vollklingendem Namen als in einer Peterfllien- öaße oder am Zikkegarten oder in einer alten Gewerbe- Me. Und doch ist es geboten unter Umständen, alte, ver­schollene Straßennamen zu Ungunsten der neuen wieder zu weit zu bringen. Die alten Namen pflanzen die Kunde von der Eigenart eines Ortes durch Jahrhunderte fort. In Straßburg beispielsweise stockt plötzlich der Fuß beim Durch­wandern der alten Gassen . ^m Brand ein End'". Tritt einem da nicht eine ganze mittelalterliche Tragödie ent­gegen im Straßennamen? Eine andere Eaße wird ge= WntWo der Fuchs den Enten predigt" und diese «ane heißt heute noch so unter der Franzosenherrschaft und aieiiianbgeniert" sich da zu wohnenwo der Fuchs den ^men predigt" das sollte uns doch zu denken geben die Erbaltung der alten Straßennamen fällt in das webtet Heimatschutz. A. M.

Hessische Töpferkunst.

bladen bereits mehrfach auf die Bedeutung der im .W.'m aufgebauten Ausstellung Hessischer Kunst- vMrvi hingewiesen. Am Dienstag, 29. Mai, abends y W hält der Ausstellungsleiter I. W. Hinder- w e> einen interessanten Einführungsvortrag, zu dem am vfbund für Deutsche Kultur, Orts- ppe Fulda, besonders einlädt.

^^crausßchfen für morgen:

Vielfach aufheiterndes, aber kein! durchaus beständiges Wetter,

Potizeiverordnung über die Teilnahme jugendlicher Personen an öffentlichen Tanzbelustigungen.

Wie die Pressestelle der Kasseler Regierung mitteilt, wird im Regierungsamtsblatt eine Polizeiverordnung des Herrn Oberpräsidenten über die Teilnahme jugendlicher Personen an öffentlichen Tanzlustbarkeiten veröffentlicht werden. Hiernach dürfen jugendliche Personen, und zwar männliche bis zum vollendeten 17. Lebensjahr, weibliche ^b öum vollendten 16. Lebensjahr an öffentlichen Tanz- lustbarkeiten nicht teilnehmen. Sie dürfen auch in den zum Aufenthalt für die Teilnehmer bestimmten Räumen nicht verweilen, «s fei denn, daß sie sich in Begleitung ihrer Eltern oder Vormünder befinden.

Veranstaltungen, bei denen nur deutsche Volkstänze ge­tanzt werden, gelten dagegen nicht als öffentliche Tanzlust­barkeiten im Sinns dieser Polizeiverordnung.

Rentenzahlung für Juni.

Die Zahlung der Militärversorgungsgebührnisse für den Monat Juni findet beim hiesigen Postamte a m 2 9. Mai, die der Invaliden- und Unfallrente am 1. Juni statt. Die Zahlstellen sind am 29. Mai von 812 Uhr und 1518 Uhr, am 1. Juni von 7.3012 Uhr und von 14 18 Uhr geöffnet. Das Postamt legt Wert darauf, daß die Renten an den genannten Tagen restlos abgeholt werden. Auf den früheren Beginn der Zahlung am 1. Juni (vor­mittags und nachmittags) sowie, daß nur an einem Tage Sozialrenten gezahlt werden, wird besonders aufmerksam gemacht.

Apothekendienst.

Nachtdienst und Sonntagsdienst ab heute abend 8 Uhr bis zum Mittwoch, den 30. Mai, die Engel-Apotheke. Ab Mittwochabend 8 Uhr bis Samstag, den 2. Juni, ver­steht die Hosapotheke zum Schwan den Nacht- und Sonntagsdienst. Die Hirschapotheke, Leipziger Straße, ist in Bedarfsfällen geöffnet.

Reichstheaterwoche in Dresden: Eröffnungsrede des Reichsministers Dr. Goebbels, Richard

Wagner'sTristan und Isolde".

Reichsminister Dr. Goebbels eröffnet am 2 7. Mai in Dresden die Reichstheaterwoche, die eine Reihe bedeu­tender Werke deutscher Meister in festlichen Aufführungen herausstellen wird, um für die Sache des deutschen Kultur­theaters zu werben.

Die deutschen Sender übertragen um 19 Uhr di e Eröffnungsrede und im Anschluß daran den 1. Akt von Richard Wagner'sTristan und Isolde" aus dem Staatstheater in Dresden.

Bezirkstag der Friseure.

Am Sonntag, den 27. Mai 1934, findet in Kassel der diesjährige Bezirkstag des Heffisch-Waldeckischen Bezirks­verbandes im Bund Deutscher Friseure statt. Mit der Ta­gung ist ein Mode- und Preisfrisieren verbunden.

Feuer in einer Mansardenwohnung.

Heute morgen kurz nach 10 Uhr brach in der Küche einer Mansardenwohnung in der Lindenstratze ein Brand aus. Die sofort benachrichtigte Feuerwehr konnte das Feuer auf seinen Herd beschränken. Tie Küche ist allerdings vollstän­dig ausgebrannt. Tas sofort verbreitete Gerücht, die In­haberin der Wohnuna, eine Witwe, befände sich noch in den stark verqualmten Räumen, hat sich glücklicherweise nicht bewahrheitet. Nach den polizeilichen Ermittlungen scheidet vorsätzliche Brandstiftung aus. Als Ursache scheint eine kleine in Brand geratene Menge Oel in Frage zu kommen.

Fuldaer Märkte.

Auf dem heutigen Buttermarkt wurde für das Pfund Butter 11,10 Mark bezahlt. Eier kosteten das Stück 7 7% Pfennig. Auf dem heutigen Viehmarkt waren 372 Ferkel aufgetrieben. Bezahlt wurde für das Tier 16, 20 und 24 Mark.

Gersfeld, 25. Mai. (Unfall im Basaltwerk.) Im Basaltwerk ereignete sich ein Unglücksfall, indem einem Arbeiter durch Quetschung sämtliche Sehnen der rechten Hand zerrissen wurden. Nach der ersten Hilfeleistung durch Dr. Fries fand der Verletzte Aufnahme im Herz-Jesu- Krankenhaus Fulda, wo sofortige Operation erfolgte.

Melzdorf, 25. Mai. (Der Daumen amputiert.) Bei der Ausführung eines Neubaues fiel einem Zimmer­mann ein Kantholz auf die linke Hand und brachte ihm eine schwere Verletzung bei, so daß ihm eine Amputation am Daumen im Herz-Jesu-Krankenhaus Fulda vorgenom­men werden mußte.

Finkenhain, 25. Mai. (B e i der Arbeit verletzt.) Ein in Fulda beschäftigter Schuhmacher schnitt sich bei Aus­führung seiner Berufsarbeit in die linke Hand und erlitt dadurch einen Sehnenriß.

Rasdorf (Kr. Hünfeld), 24. Mai. (V o m Motor­rad gestürzt.) Hier ereignete sich ein folgenschweres Motorradunglück. Ein Motorradfahrer mit Soziusfahrer kam bei ziemlicher Geschwindigkeit infolge der nassen Straße ins Schleudern. Die Beifahrerin wurde vom Motorrad geschleudert und mußte mit erheblichen Ver­letzungen in das Hünfelder Krankenhaus eingeliefert wer­den, wo man eine Gehirnerschütterung seststellte.

Hersfeld, 24. Mai. (Von einem Futterwagen überfahren.) Der landwirtschaftliche Verwalter der Domäne Wilhelmshof wurde mit schweren Verletzungen in das Krankenhaus eingeliefert. Der Verwalter geriet unter ein durchgehendes Gespann, wobei er unter den mit Grün­futter beladenen Wagen geriet, der ihm schwere Verletzun­gen an den Beinen zufügte.

Hersfeld, 25. Mai. (3 0 Hersfelder fahren nach Oberbayer n.) Heute Sonnabend verlassen 30 Volksgenossen aus Stadt und Kreis Hersfeld unsere Stadt, um in die herrliche Gebirgslandschaft um Lindau und Oberstdorf zu fahren. Die 30 nehmen an der Fahrt des Urlauberzuges der NS.-GemeinschaftKraft durch Freude" teil.

Ostheim (Rhön), 25. Mai. (E i n Heimatmuseum wird beschenkt.) Eine wertvolle Bereicherung erfuhr das hiesige Heimatmuseum durch die hochherzige Spende des früheren Ostheimer Einwohners Stumpf aus Batavia. Stumpf spendete dem Museum u. a. eine gegerbte Krokodil­haut mit Kopf in Länge von 3 Metern, eine gegerbte Haut einer Riesenschlange von 8 Metern Länge, große Wasser­schildkröten. Landschildkröten, ein präpariertes Krokodil, das 10 Jahre alt war; ferner zahlreiche Speere, Pfeile und sonstige Gegenstände der Bevölkerung von Java. Stumpf weilt gegenwärtig zu Besuch in seinem Heimatstüdtchen.

Kaiseroda (Werra), 24. Mai. (Von einer Loko­motive erfaßt.) Zwei landwirtschaftliche Arbeiter wurden beim Ueberfahren der Kalibahn der Gewerkschaft Kaiseroda von einer Lokomotive erfaßt und so schwer ver­

letzt, daß sie in das Krankenhaus zu Salzungen überführt werden mußten. Bei dem starken Sturm und Regen hat­ten sie die Signale der Lokomotive nicht gehört. Tie Eisenacher Staatsanwaltschaft nahm sofort den Tatbestand auf.

Berka (Werra), 25. Mai. (Nachtfröste im W er­rat a l e.) Im Werratale richteten Nachtsröste erheblichen Schaden an. Die Kartoffel- und Kleefelder, sowie die Obst­anlagen und Gärtnereien hatten sehr unter den niedrigen Temperaturen zu leiden. Nur die geschützt gelegenen Fel­der und Anlagen blieben verschont. Tie Landwirte klagen sehr über die große Trockenheit und warten sehnlichst auf nachhaltigen Regen.

Kassel, 26. Mai. Spielleiter Friedrich Am­me r m a n n ist für die kommende Spielzeit an die Reichs­wanderoper Deutsche Musikbühne des Erbprinzen Reuß verpflichtet worden.

Raffel, 24. Mai. (Hohe Freiheitsstrafen für Wiesbadener Kommunisten.) Vor dem hiesigen Sondergericht hatten sich dreizehn Wiesbadener Kommuni­sten wegen hochverräterischer Unternehmungen zu verant­worten. Sechs der Angeklagten wurden freigesprochen. Die übrigen erhielten Strafen von 2 Jahren Gefängnis bis 3u 2% Jahren Zuchthaus und mehrjährigen Ehrverlust.

Kassel, 25. Mai. (Das Vermögen derGesell­schaft der Freunde" und der Walkemühle bei Melsungen eingezogen.) Der Regierungspräsi­dent in Kassel hat die Einziehung der bei Melsungen be­legenen Walkemühle und des Vermögens derGesellschaft der Freunde e. V." (E.F.A.) verfügt, nachdem nach sorg­samer Prüfung das frühere bolschewistische Treiben in der Walkemühle und der E.F.A., das sich geschickt unter dem Deckmantel wissenschaftlicher Tätigkeit verbarg, festgestellt worden ist. Urheber dieses Treibens war der 1927 ver­storbene Göttinger Professor Leonhard Nelson. Er hat zunächst denInternationalen Sozialistischen Kampfbund" (J.S.K.) gegründet. Später erfolgte die Gründung der Philosophisch-Politischen Akademie e. V.", die die Walke­mühle mit dem umliegenden Gelände aufkaufte und dort eine Schule einrichtete. Schließlich trat hinzu die Grün­dung der E.F.A., die die finanziellen Aufgaben derAka­demie" zu erfüllen hatte. Diese E.F.A. verfügte über so große Mittel, daß sie dem Seifenfabrikanten Mar Wolf über 300 000 Mk. zur Finanzierung des Neubaues einer Fabrik leihen konnte. Einige der hauptsächlich belasteten Lehrer und Mitglieder des J.S.K., meist Juden, sind ins Ausland geflüchtet. Das eingezogene Vermögen der Walke- mühle- und der E.F.A. besteht in der Hauptsache aus hypo­thekarisch gesicherten Forderungen gegen den Fabrikanten Max Wolf in Höhe von 140 000 Mk. und aus Kontokorrent­forderungen von rund 13 000 Mk., in Ländereien und Ge­bäuden der Walkemühle und der dort befindlichen beweg­lichen Habe, insbesondere einer Bibliothek.

Corbach (Waldeck), 23. Mai. (Der Provinzial­siegerehrenpreis für die höchste Milchlei­stung einem waldeckischen Erbhofbauern verliehen.) Der Provinzialsiegerehrenpreis für die höchste Milchleistung wurde im Jahre 1933 für die Pro­vinz Kurhessen dem Erbhofbauern Heinrich Graf in Bern­dorf (Kreis des Eisenbergs) zuerkannt. Er erzielte mit seiner Herde bei einem Bestände von 12 Kühen 'm Jahre 1933 die höchsten Leistungen des Verbandes, und zwar im Durchschnitt 6121 kg Milch, 3,53 Prozent Fett, 215 kg Fett.

Melnau, 24. Mai. (Erhaltet die Burgruine M e l n a u !) Tie von stolzer Bergeshöhe weit ins Hessen­land hineinlugende Burgruine Melnau geht leider immer mehr dem Verfall entgegen. So stürzte vor einiger Zeit wieder ein großes Stück der Außenmauer des Bergfrieds herab. Ein zufällig vorübergehender Melnauer Einwoh­ner wäre dabei um ein Haar von einem zentnerschweren Mauerstück getroffen worden. Ein baldiges Eingreifen zur Erhaltung der schönen Burgruine ist dringend notwendig. Auch eine am Wege von Melnau nach dem Christenberg stehende uralte Eiche bedarf der Ausmauerung, um das Absterben des jetzt noch grünenden Baumes zu verhindern.

Göttingen, 25. Mai. (Zur Bluttat des Staats­anwaltschaftsrats Röver.) Zu der Bluttat des Staatsanwaltschaftsrats Röver in Göttingen, ^der bekannt­lich am 9. Mai die Stenotypistin Paula Hetze, seine Ge­liebte, in seiner Wohnung erschoß und sich dann selbst durch einen Schuß in die linke Schläfe zu töten suchte, istju mel­den, daß Röver aus der chirurgischen Klinik entlagen und zur Untersuchung auf seinen Geisteszustand der Heil- und Pflegeanstalt in Göttingen überwiesen worden ist. Wie wir hören, wird Röver zwar von seiner immerhin schweren Verletzung körperlich ganz geheilt werden, aber die Folgen der Verletzung werden bestehen bleiben. Bei Röver ist das Erinnerungsvermögen an seine Tat vom 9. Mai vollständig geschwunden. Er erinnert sich wohl an frühere Vorgänge aus seinem Leben, aber nicht an Dinge, die nach der Tat geschehen sind. Röver ist zurzeit noch vernehmungsunfähig, es muß u. U. damit gerechnet werden, daß er nicht haft­fähig bleibt.

Biedenkopf, 25. Mai. (Schwerer Schaden an der Obsternte.) In weiten Gebieten des Kreises Biedenkops herrschte in einer der letzten Nächte ein überaus grimmig Kälte. Die gesamte Obsternte wurde in diesen hart betroffenen Gebieten vernichtet. In einigen Gebie­ten erfror sogar das junge Laub in den Waldungen. Der Schaden ist für die betroffenen Leute außerordentlich, zu­mal man bei dem reichlichen BIlltenansatz in diesem Früh­jahr eine überaus gute Ernte erhoffen konnte.

Biedenkopf, 24. Mai. (Schwerer Autounfall.) Auf der Straße BiedenkopfCaldern in unmittelbarer Nähe des Bahnhofes Caldern ereignete sich ein folgen­schwerer Autounfall. Der Wagen eines Reisenden aus Barmen rannte mit voller Wucht hier gegen einen Baum. Der Baum wurde aus der Erde gerissen und der Wagen ging sofort in Flammen auf und brannte vollkommen aus. Die beiden Insassen trugen erhebliche Verletzungen davon und mußten sich in die Klinik begeben.

Marburg, 24. Mai. (SA.-Brigade 48 in Mar­burg.) Infolge Neuzuteilung der SA.-Eruppe Hetzen zur Obergruppe IX (Koblenz) und der damit zusammen­hängenden Neugliederung wird der seitherige Standort der SA."-Brigade 48 von Dillenburg nach Marburg verlegt. Der Brigadebezirk umfaßt nunmehr die Kreise Marburg- Stadt. Marburg-Land, Frankenberg, Kreis der Eder, Kreis des Eisenbergs, Kreis der Twiste und Kreis Wolfhagen. Aus dem Bereich der Brigade 48 scheiden die Standarten 1/33, R 224 und 88 aus u. werden der Brigade 148 (Wetz­lar) zugeteilt. Die Brigade 48 besteht künftig aus den Standarten Jäger 11, M 48, 390, 30, einer Reserve- Standarte und einer Reiterstandarte.

Gießen, 25. Mai. (Zum Intendanten in Ber­lin berufen.) Der aus der Kampfzeit der national­sozialistischen Bewegung in Oberhessen und weit darüber hinaus bekannte frühere oberhessische SA.-Standartensllh- rer Graf Bernhard zu Solms-Laubach, der seit längerer Zeit schon als Intendant des Friedrich-Theaters in Dessau