Iulöaer /lnzeiger
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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg
Zulöa- und Haunetal-Zul-aer Kreisblatt
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Nr. 115 — 1934
Fulda, Samstag, 19. Mai
11. Jahrgang
Ein abschreckendes Urteil.
10 Zahre Zuchthaus für den
Berliner Handgranatenwerfer.
Der Staatsanwalt gegen ausländische Greuelhetze.
Fm Prozeß wegen des Handgranatenanschlags am ?1 März d. I. verkündete der Vorsitzende des Berliner Sondergerichts folgendes Urteil:
Der Angeklagte Erwin Schulze wird wegen Verbrechens gegen 8 5 des Sprengstoffgesetzes in Verbindung mit Vergehen gegen das Gesetz zur Abwehr politischer Gewalttaten in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung zu insgesamt zehn Jahren Zuchthaus und den Kosten des Verfahrens verurteilt.
Der Angeklagte nahm das Urteil ruhig entgegen.
Zu Beginn des dritten Verhandlungstages gab es sofort eine Sensation. Der Vorsitzende wandte sich an den Angeklagten und sagte: „Nun, Schulze, will ich Sie auch heute noch einmal fragen, ob Sie bet dem bleiben, was Sie bisher gesagt haben?" Der Angeklagte schwieg längere Zett und erklärte dann unter großer Bewegung:
„Ich habe es getan; ich habe die Granate auf dem Dachboden gesunden. Ich weiß nicht, wie ich dazu gekommen bin. Ich habe an der Granate herumgcspielt und bekam dann Angst, daß sie explodieren könnte, und hatte nur den einen Gedanken: hinaus damit ins Freie. Da habe ich sie zum Fenster hinausgeworsen."
Der Vorsitzende erteilte dann dem Vertreter der Anklage das Wort zu seinem Sckilußvortrag. Die Frage, ob hinter der Tat noch andere Personen oder politische Gruppen stehen, glaubte der Anklagevertreter verneinen zu können. Der Staatsanwalt gab dann eine Erklärung ab, die sich an diejenigen richtetet die noch heute im Ausland das national
Auftakt zur Saartagung des BdA.
Ungeheurer Zustrom in Mainz und Trier.
In Saarbrücken, einer Stätte tausendjähriger deutscher Kultur, wollten die Träger des volksdeutschen Gedankens zusammenkommen, um vor aller Welt die enge Verbundenheit aller Deutschen der ganzen Welt in einem glühenden Bekenntnis darzulcgcn. Die volksfremde Regierung des Saarlandes hatte aber die Abhaltung der diesjährigen Haupttagung des Volksbundes für das Deutschtum int Auslande in Saarbrücken verboten. Nun wird gewissermaßen vor den Toren des Saarlandes in den ehrwürdigen Städten Mainz und Trier mit ihrer selten historischen Vergangenheit die Kundgebung stattfinden und wie noch nie zuvor die Gemeinschaft aller Deutschen im In- und Auslande zum lebendigen Ausdruck bringen. Und das deutsche Volk an der Saar, zu dem der VDA. nicht kommen durfte, wird nun nach Mainz und Trier zum VDA. kommen.
Die Beteiligung an den Veranstaltungen des VDA. wird nie gesehene Ausmaße haben. Vizekanzler von Papen und Reichsinnenminister Dr. Frick werden sprechen. Zahlreiche Behörden werden vertreten sein. Unsere Brüder und Schwestern aus allen Gauen des Reiches, aus den Grenzländern und aus Dem Auslande, st aus Rordschleswig, aus dem Baltikum, aus Polen, den Ludetenläudern, aus Südslawien, Ungarn, Rumänien, Rußland, Danzig, Österreich, Südtirol, aus dem roma- uischen und aus dem angelsächsischen Überseegebiet werden sür die Geschlossenheit des Derttschtums in aller Welt beredtes Zeugnis ablegen.
Eine Weihcstundc für die Saar, veranstaltet von den VDA.-Frauengruppen tu dem Prächtig mit den Fahnen des Dritten Reiches, schwarz- weiß-roten Bannern unb den blauen Wimpeln des VDA. u'ivic mit Blumen geschmückten Rheingold-Saal der Stadt Halle, leitete die VDA.-Tagungen am Freitag ein. Nach ^grüßungsworten Der Reichsleiterin des FranendiensteS
VDA., Frau Marie Rabl-Leipzig, hielt Die Leiterin W Weihestunde, Frau Helene von Vopelius-Sulzbach an . r Saar, einen Vortrag über ,,D i e Frauenarbeit 1 m Volks! u m skamp s".
Ein Chor brachte aus Den „Meistersingern" das pâchet nup zum Vortrag. Nach mehreren Ansprachen dann Pros. Dr. Steinbach- Bonn einen eiii- hchenden Vortrag über „Die Wege und Ziele französischer Daarpolitik" Nach einem Schlutzvortrag von ^Lottc Nitzn -Sulzbach über „Praktische Arbeit an Der Saar" der Chor der Schulgcmemschafi Der Schulgemein W Der Chor Der Schulgemeinschaft der Studienanstatt "Uluz Das Saarlied.
®r. Steinacher spricht auf der Frauentagung.
M aiuz ans Der F r a it e it t a g u n g des V D A. Der erste Vorsitzende des VDA., Dr. Hans K. " " 11 cher, stürmisch begrüßt, das Wort zu einer An- x ui der er it. a. folgendes ausführte: Die Dcdcu- borfi °" Frau in den Kampfgebieten draußen kann nicht bewertet werden. Wenn wichtige Stellungen selbst,^'ui ^Einrichtungen und Verbände gestört werden, acht k n£ Schule unb Kirche unterminiert werden, dann ^utschcidungskampf um den Wesens- und Wir- to^p^ der Frau, die an der Schwelle des Hauses
sozialistische Deutschland verleumden, begeifern und mit Schmutz übergießen.
„Ich habe um so mehr Anlaß zu dieser Erklärung", so betonte der Staatsanwalt mit erhobener Stimme, „weil wir die Verhandlungen vor dem Sondergericht durchführen, das durch die Regierung der nationalen Erhebung zur Bekämpfung von Greuelnachrichten eingesetzt worden ist. In ausländischen Zeitungen und int ausländischen Rundfunk wurde nach der Tat die Behauptung ausgestellt, daß sie einem österreichischen Industriellen Oliver gegolten habe. Dieser österreichische Industrielle hat in der Verhandlung hier als Zeuge unter seinem Eid bekundet, daß er keineswegs mit der Tat in Verbindung stehen könne."
Nach Ausführungen seines Verteidigers erhielt der Angeklagte Schulze das Schlußwort Er beteuerte unter Tränen, daß er nur aus Spielerei und aus feiner Sucht zum Basteln dazu gekommen sei, die Handgranate in die Hand zu nehmen.
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Wie erinnerlich, fiel am 21. März in Berlin Unter den Linden zur Zeit des lebhaftesten Straßenverkehrs aus dem Dachgeschoß eines Hauses eine Handgranate auf die Bordschwelle und explodierte. Zwei Personen wurden leicht verletzt. Man glaubte zunächst an einen Attentatsversuch. Die Belohnung für die Auffindung des Täters in Höhe von 5000 Mark wurde schließlich auf 30 000 Mark erhöbt. In mühsamer, sorgfältig durchdachter Arbeit stellte die Polizei schließlich den Maler Erwin Schulze als Täter fest. Der Prozeß ergab, daß es sich nicht um einen politischen Anschlag, sondern um die leichtfertige Tat eines unberechenbaren Menschen von asozialer Anlage handelt. Daß hier ein Eiem>-'! statuiert werden mußte, das auf ähnliche Elemente abschreckend wirkt, ist ohne weiteres klar.
In Bewunderung blicken wir nach draußen, wo die deutsche Frau diese Lebenskräfte bewahrt, wo das Deutschtum oft bester und reiner erhalten wird als int Reichsinnern.
Dann sprachen mehrere Frauen aus dem Grenz- und Ausland über Jugendarbeit des schwäbisch-deutschen Kulturbundes in Südslawien über Volksbildungstätigkeit in der Zips, über die Rückkehr baltischer Jugend auf das Land. Ferner über Arbeitslager in Siebenbürgen und deutsche Mädchen in Nordschleswig.
Der VDA. hat an den Reichspräsidenten von Hindenburg in Berlin folgendes Telegramm gerichtet: Auf westdeutschem Greuzboden an der Pforte des Saarlandes grüßt der Volksbund für das Deutschtum im Ausland anläßlich seiner Saarbrücker Pfingsttagung an Rhein und Mosel seinen Schirmherrn uns Ehrcnführcr. In dankbarer Treue und tiefster Ehrerbietung (gez.) Dr. Hans Steinacher.
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Gruß und Dank dem Führer.
Der Reichsführer des Volksbundes für das Deutschtum im Ausland, Dr. Steinach c r , hat zu Beginn der Saarbrücker Tagung, die in Mainz ihren Anfang nahm, folgendes Telegramm an Den Reichskanzler Adolf Hitler in Berlin gerichtet:
„Der Volksbund für das Deutschtum int Auslande gedenkt auf seiner Jahrestagung im deutschen Westen voller Dankbarkeit des Kanzlers und Führers, durch Dessen entscheidende Kraft sich auch die Frucht Volksdeutscher Arbeit vervielfältigt hat. Am Beispiel des Führers ist in Begeisterung und neuerkannter Pflichterfüllung gegenüber dem deutschen Gcsamtvolk der Opfer- glaube wieder erwacht. Im Gelöbnis treuester Gefolgschaft und tiefster Ehrerbietuna.
Giaii Barihou —
„Die kleine Schä^adenverkäuferm"
Peinliche Panne bei Rundfunksendung nach USA.
Anläßlich Der Hundertjahrfeier des Todestages des französischen Generals Safaoette. Der sich bei den amerikanischen Befreiungskämpfen einen Namen gemacht bat, hat Außenminister Baitbou eine R eVe gehalten, Die nach A m e r i f a übertrag e n werden sollte.
Die offizielle» amerikanische» unb französische» Per- sönlichkcitcn. Die im Rockefeller Center in New York versammelt waren, wo man anläßlich der Übertragung der Rede Riesenlaulsprccher ausgestellt hatte, hörten anstatt der Worte des französischen Anßemuniisters einige Phrasen einer französischen Operette, aus denen hervorging, daß ein Liebespaar sich zankte
Diese Panne bat naturgemäß in Amerika und in Frankreich großes Aufsehen erregt, und der französische Postminister bat sofort eine strenge Untersuchung e t n g c l e i t e t. Es bat sich herausgestellt, daß ein Kühlrohr des französischen Kolonialsenders, der die Übertragung vornehmen sollte, geplatzt war. Da Der Sender aber gleichzeitig eine Operette „D i c kleine Schokolade »Verkäuferin" auf einer anderen Welle nach Amerika tibertrug, hörten die tn New York versammelte» Persönlichkeiten einige Stellen aus dieser Operette.
Zn neuem Geiste.
Eine friedsam-behagliche Zeit war es, aber doch auch wieder eine Zeit, die sich noch mit der Natur innerlich und äußerlich enger verbunden fühlte, als Goethe sein größtes Naturpoem mit den uralt-deutschen Geschichten vom „Reineke Fuchs" schuf, das mit den bekannten Worten beginnt: „Pfingsten, das liebliche Fest, war gekommen .
Wir Menschen von heute sind um vieles härter geworden, und uns hat die Entwicklung so vieles von jener Verbundenheit genommen, äußerlich wie innerlich, — und da stockt man bei diesem „lieblich"! Das erscheint uns heute fast wie ein Backfischausdruck, der herzlich wenig zur rauhen Wirklichkeit des Daseins in unserer hart kämpfenden Gegenwart paßt.
Und wenn Pfingsten das Maiensest der Naturver- Hundenheit war, ist und sein wird, solange gerade wir Deutsche uns dieser Verbundenheit mit der Natur bewußt bleiben, so empfinden wir Pfingsten auch als das Fest des Geistes, — als das Wehen eines neuen Geistes, der Überaltertes, Absterbendes hinausblasen soll aus Herz und Sinn des Menschen selbst. Fährt aber ein solch neuer Geist hinein in irgendein Volk, „ertönt ein Brausen vom Himmel" wie beim ersten Pfingstfest, dann hüllen sich Die Überalterten und Absterbenden fröstelnd in die Mäntel ihrer überkommenen Ansichten und Meinungen. Sie wollen von diesem brausenden Rus eines neuen Geistes nichts wissen, sie hassen ihn und setzen sich, soweit es ihnen die Kräfte erlauben, mit verbissener Wut zur Wehr.
Das haben wir Deutsche, als unb seitdem Der neue Geist uns erfaßte, immer und immer wieder zu spüren bekommen! Und von einem politischen „W elt - Pfingsten" sind wir heute weiter denn je entfernt, — man braucht ja nur einen einzigen Blick hinauszuwerfen nach draußen, um feststellen zu müssen, daß man dort immer noch, und heute mehr denn je, den neuen Geist in Deutschland als Störenfried für das angeblich so idyllische Leben Europas betrachtet und demgemäß behandeln will. Gerade jetzt, unmittelbar vor Pfingsten, jährte sich der Tag, als die große Friedensrede des deutschen Volkskanzlers fest und unverzagt hineingriff in das Retz von drohenden Intrigen und. Vorhaben, deren Gefährlichkeit wir auch heute nur ahnen können. Damals zerriß er das feingesponnene Netz, aber bald gingen ebenso emsige wie verbrecherische Hände daran, es neu zu knüpfen — und nun hörte man im englischen Unterhaus ein lautes Gelächter als Antwort auf die Anfrage, ob Englands Regierung denn nicht, angesichts der gefährlich festgefahrenen Abrüstungsfrage, in Genf eine „äußerste Anstrengung" machen wolle! Und dann hörte man, wie ein englischer Staatssekretär im Kriegsministerium rauh, aber herzlich erklärte, daß die ganze Genfer Abrüstungskonferenz auf dem letzten Loch pfeife. Wenn man das sieht unb hört und noch einiges andere dazu, dann darf man mit Fug unb Recht ein bißchen daran zweifeln, ob Pfingsten in der Gegenwart unter solchen Ausblicken allzu „lieblich" ist. Was dort draußen weht, ist kein neuer Geist, sondern der Ungeist von Versailles, den der Haß erzeugte und der diesen Haß hinaustrug über die halbe Welt. Und wenn sie dort draußen in vielerlei Sprachen gegeneinander reden, so verstehen sie sich fast alle in einer Sprache, wenn sie laute oder taum verhüllte Drohungen gegen Deutschlands Aufstiegswillen von sich geben.
Und doch soll das alles für uns Deutsche nur wie eine Wolke sein, die vor der Maiensonue unseres Pfingstfestes kurz vorüberziehen mag, sie aber nicht verhüllen kann. Denn „. . . es grünen und blühen Felder und Auw". Mit anderen Blicken darauf zu schauen lehrte uns, nein, zwang uns ein neuer Geist. Bismarck, dieser erdverbundene Deutsche, hat so oft geschildert — freilich nicht in jenen Kreisen, die dafür aus Herkunft und Gewohnheit nur ein spöttisches Lächeln gehabt hätten! —, daß er so manches Mal einen Baum umschlungen und das Ohr an die Rinde gepreßt hätte: „Da habe ich es gehört, wie in dem Bauni c>ic Säfte auf- und niederstiegen; ich hörte sein Leben."
Liebenswert ist Pfingsten als das Maienfest der Natur, mit Der verbunden zu sein wir heute stärker emp finden als früher: denn danrals war unser Ohr erfüllt von imdentsch-lärmendem Geschrei land- und naturfremder Elemente. Wir mußten sie erst zum Schweigen bringen, ehe wir nun auch das Ohr an Die Rinde legten und das Auf- und Abströmen der Säfte zu hören vermochten, und es verstanden, daß in unserem Blut ein gleiches Rauschen tönt, — in allen, die deutscher Erde entsprossen sind unD in denen dieses Rauschen unablässig, wenn auch vielleicht nicht bemerkt, weiterklingt, mögen sie auch noch so weit hinauswandern in die Welt, — bis sich Dann, durch ein deutsches Wort, ein deutsches Lied erweckt, dieses Rauschen erhebt und zum Heimweh, zur Sehnsucht nach der Rückkehr des nie ganz aus dem deutschen Boden Entwurzelten wird.
So soll das Pfingstfest ein Feiertag sein, an dem nur Ohr unb Herz ganz weit öffnen dem Empfinden unserer Verbundenheit mit Der deutschen Muttererde, aus Der ur zeugend die Ströme unserer Kraft emporsteigen immer von neuem in unserem Volk und in jedem einzelnen dieses Volkes. In jeden: unb in alle hinein, — und darum ist Pfingsten, das Fest des Geistes und das Fest der Natur Verbundenheit, and) das Fest der deutschen Volks gemeinschaft.
So viele, viele unserer Volksgenossen mußten vor einem Jahre noch beiseitestehen: ihnen leuchtete keine frohe Pfingstsonne, sondern diese war verdeckt durch die grauen Wolken der Sorgen der Arbeitslosigkeit. Jetzt aber grünen und blühen Felder unb Au n auch für sie, und mit sorgen entlasteter Brust könne« auch sie mit bat anderen begehen das deutsche Pfingsten! Dr. Vr.