Eine Nacht in der Biscaya.
Ein heiteres Kapitel Seekrankheit von Karl Rüdersdorf.
Den zwanglosen kleinen Tanz an Bord haben wir schätzen gelernt. Aber daß die Reiscleitung heute Plötzlich einen großen Kostümball ankündigt, das könnte dem Eingeweihten schon verdächtig Vorkommen. Die Neulinge auf dem Schiff, die Landratten, wissen es freilich nicht; ein erfahrener Obersteward weiß es umso bester: Tanz ist die beste Arznei gegen die Seekrankheit. — Die alten, ausgepichten Globetrotter denken auch nicht daran, weil sie überhaupt jeden Gedanken an Schwindel- gefühl und Magenverstimmung weit von sich weisen. Der rundliche, quecksilbrige Berliner reckt sein Stupsnäschen siegesgewiß in die Luft: „Seekrank, jetzt schon? Wie kann man bloß?"
Warum das Thema überhaupt angeschnitten wurde? $a, — die kleine blonde ^rmt Studienrat kam heute nachmittag allein an den Kaffeetisch. Wo ihr Gatte bleibe, ob er etwa schon — —? Nein. Das Pärchen ist jungvermählt, sie machen ihre Hochzeitsreise: die kleine Frau hält tapfer zu ihrem Mann. Er habe bloß keine Lust, er mache sich überhaupt nichts auS Kaffee. Seekrank? Nein, nein ...
In Wirklichkeit hat der Herr Doktor bisher keine Kaffeestunde versäumt und immer ganz wacker allen Kuchen ausprobiert, drei, vier Sorten. Aber er liegt auf dem Bootsdeck, obwohl ein hartnäckiger, dünner Regen rieselt, hat sich mit Kissen und Decken in den Liegestuhl bauen lassen und schaut krampfhaft in den Himmel, immer dahin, wo kein Horizont unruhig auf- und abwärts steigt. Bewegungseindrücke sind relativ, das weiß er als Mathematiker genau. Darum bezieht er sein statisches System gewissermaßen auf den Himmel selbst. Aber das Meer läßt sich nicht übergehen, die Eindrücke kom- men nicht nur auf optischem Wege. Sie steigen durch das Schiff herauf, gleichmäßige und ewige Schaukelbewegungen, durch das Stampfen und Wühlen der Schrauben rhythmisch in kleine Abstände zerlegt.
Nicht weit davon sitzen die vier Mädchen aus Bremen und lassen mit etwas verlegenem Lächeln die Berichte eines Herrn in Gummimantel und Baskenmütze über sich ergehen. Er ist auch ein alter Routinier, er macht jedes Jahr seine ein bis zwei Seereisen. „Also, und ich kann nur sagen, das ist ja bis jetzt alles noch gar nischt!" Im Januar ist er mal durch die Biskaya gefahren. Kinder, Kinder, da habe es vielleicht zerdeppertes Tischgeschirr gegeben. Aber jetzt sei doch Frühling, und überhaupt, solange man noch im Kanal schwimme--
Es ist nicht erwiesen, ob solcherlei Erzählungen das beste Vorbeugungsmittel für den Neuling darstellen. Trotzdem muß man den Großsprechern dankbar sein. Wenn sie 'anfangen, weiß man doch wenigstens, daß man schon davon reden darf. Belauerte bisher jeder sich selbst und die anderen, ob nicht er ganz allein von einem unangebrachten Gefühl überkommen sei, so stellt es eine gewisse Befreiung dar, zu wissen, die Allgemeinheit teile sich in den Schmerz.
Der junge Studienrat hat den Stand der Dinge noch nicht ganz klar überblickt, als man sich zum Abendbrot niedersetzt. Darum legt er ein bißchen viel Gleichgültigkeit in seine Stimme, als der Berliner feststellt, der „Kahn wackele heute ein bißchen". In Wirklichkeit ist das Bewußte schon lange kein Geheimnis mehr. Ms der Steward die Frage nach den Bierbestellungen richtet, beginnt der Kleine mit der Stupsnase ausführlich zu dozieren: „Bier, Herrschaften, bloß nich! Das paßt jetzt gar nicht — Und wer unbedingt seekrank werden will, der muß jetzt ein warmes Bad nehmen!"
Ach, wie ungeheuerlich taktlos war das doch. Die blonde Frau Studienrat hat ja ein Bad genommen, heiß, in See- waffer, weil das doch so gesund ist. Und wirklich, sie hat schon ihre erste Anfechtung hinter sich. Sie leugnet auch gar nicht mehr. Sie schwört gewaltige Eide, nie mehr auf See gehen zu wollen. Ter Gatte, an systematisches Denken und Mittelmaß gewöhnt, sucht abzuschwächen. Ob Liebling denn nicht die vielen fremden Länder sehen wolle.
„Das kann ich mit der Eisenbahn!"
„3a, willst Tu den Ausländern Dein Geld hintragen?" fragt er streng. Aber sie kennt kein Zugeständnis, sie werde eben ganz zu Hause bleiben, Schluß! Aufstehen und den Saal Verloren, ist das Werk eines Augenblickes.
Das war aber keine Tat des Zornes, das war gewöhnliche Schwäche, Flucht in die Arme der Stewardeß. Als alles vorüber ist und die junge Frau ermattet in der Kabine schläft, erzählt die erfahrene Wärterin vor der Tür von ihren Erfahrungen. Die gnädige Frau habe sich noch sehr wacker gehalten. Andere Damen hätten schon bei Curhaven gefragt: Wann werde ich seekrank?
Jetzt steht der junge Ehemann vor der schweren Entscheidung^ Soll er sich auch in die Kabine zurückziehen und es aus Treue ebenfalls zum Acußersten kommen lassen? Nichts ist unzuträglicher als der Aufenthalt im engen Raum. Und dann: immer daran denken? Die Ansteckung? Soll er nicht lieber die frische Luft suchen? Tanzen? Irgendwer hat es mit der überlegenen Selbstverständlichkeit der Erfahrung erwähnt: Wer tanzt, wird nicht seekrank.
Ach, wer noch tanzen kann! Drüben liegen zwei Altbahern und ein Herr aus Dresden nebeneinander. Der vom Elbestrand hat dem Meeresgott ebenfalls schon geopfert. Der Ste- ward sitzt am Rande seiner Koje und hilft dem Kranken gutmütig lächelnd, einen Rückblick anzustellen. Ganz stolz ist der jetzt auf seine Leistung. Wehmütig winkt vom Kleiderhaken ein roter Araberfez herab. Für den Kostümball war er bestimmt ...
Einmal ums Promenadendeck herum sind 250 Meter, vier Runden machen ein Kilometer. Es sieht aus, als wollten heute alle, die noch auf den Beinen stehen, einen 20 Kilometer- Dauerlauf gewinnen. „Bewegung ist alles", so ähnlich sagte der griechische Philosoph. Sie bewegen sich, so gut sie können.
Tie Bremer Mädchen, die sonst um diese Zeit immer schon in den Betten liegen, weil sie keinen Tänzer zu finden fürchten, eine ganze Familie, Vater, Mutter und die schlanke Tochter mit der Windstoßfrisur, junge Pärchen und alte Damen, die Altbayern, der Berliner und der Herr mit der Baskenmütze. Nur der lustige dicke Doktor aus Kopenhagen weicht nicht von seinem Stammplatz im Rauchsalon. Er wiegt zwei Zentner sechzig und ist darüber hinaus, durch irgend etwas erschüttert zu werden.
Mit tausend dünnen Pfeifentönen konzertiert die See, alle paar Minuten tutet dumpf das Nebelhorn. Vor der Landkarte, wo immer der Standort abgesteckt ist, drängt sich die Menge. Vor fünf Stunden sind wir in die Biskaya eingebogen, und schon hat jemand das bunte Fähnchen ganz süd- nch, bei Kap Finisterre angebracht. Niemand wagt, diese allzu °pt-msit.sche Deutung rückgängig zu machen. Scharf sondern sich die zwei Parteien der Unerfahrenen und der Seegewohn- ten.. Mas das heute wohl ungefähr für eine Windstärke sein
möchte, fragt es von der einen Seite. Und „Gar keine" lautet turmhoch überlegen die Antwort.
Gehen wir doch in den Tanzsaal, es ist ja langweilig, immer so im Kreise herum! Die Bremer Mädchen haben schon Tänzer, die beiden ältlichen Damen aus Braunschweig auch. Die unmöglichsten Zusammenstellungen kamen zustande; ein dürres Männchen kreist um eine athletische Vierzigerin wie der Mond um die Erde. Niemand will einen Tanz auslassen. Tanz ist Medizin. Wer tanzt, soll nicht seekrank werden.
Der jungvermählte Doktor hat sich zu einem goldenen Mittelweg entschieden. Er tanzt nicht, aber er geht auch nicht in die Kabine. Er trinkt schon die fünfte Soda, weil kalte Getränke gut tun, und er verläßt den Raum während der Damenwahl. Die Musik klingt, das Nebelhorn dröhnt. Laßt uns leben, sonst sind wir tot! Eine Nacht Seekrankheit, und morgen lacht uns der südliche Sommer. Vor den Sieg haben die Götter den Schweiß gesetzt.
Vorn Wunder des Lebens.
Unerklärliche Fähigkeiten menschlicher Organe.
Bon Professor Dr W. Fritzsche- Leipzig.
Die Lebensvorgänge unseres Körpers würden nicht mit einer erstaunlichen Genauigkeit wie selbstverständlich ablaufen, wenn nicht, den Organen eine außerordentliche S e l b - ständigkeit in ihren Verrichtungen zugewiesen wäre. Wie für sich handelnde Wesen erscheinen manche infolge dieser Naturausstattung.
So ist unseren Nieren bei der sorgsamen Filterung und gründlichen Reinigung des Blutes ein besonderes Auswahl v e r m ögen eigen. Sie entfernen alle überschüssigen und schädlichen Substanzen, halten aber die ebenso leicht durchseihbaren nützlichen und brauchbaren Stoffe im Blute zurück, die zur Erhaltung des Körpers dienen. Steigt z. B. der Zuckergehalt über die Norm, so übergibt die Niere sofort den Ueberschuß dem Harn und bemüht sich, das Zuckergleichgewicht wieder herzustellen. Ist keine den Bedarf überschreitende Zuckermenge vorhanden, so entläßt die Niere nicht das geringste davon aus dem Blute. Wie die gesunde Niere das Schädliche vom Nützlichen zu trennen weiß, ist uns völlig ein Rätsel.
Genau so unerklärlich erscheint uns die Fähigkeit des Magenpförtners. Er hält alle Nahrungsbestandteile, deren Verdauung im Magen vor sich gehen muß, unweigerlich zurück, schiebt aber alle Stoffe sofort ab, mit denen die Magensäfte nichts anzufangen wissen. Das Oeffnen und Schließen des Pförtners wird also von der gleichen Kunst beherrscht wie das Filtrieren des Blutes in den kapselumgebenen Gefäß- >chlingen der Nieren. Aehnlich wie der Pförtnermuskel arbeiten die ringförmigen Berschlußmuskeln der Blase und des Mastdarmes ganz selbständig bei der Freigabe des Weges, den sie überwachen.
So weit geht die selbständige Arbeitsweise mancher Muskeln und elastischen Fasern, daß sie den Tod des Gesamtkörpers überdauern. Als sogenannte „überlebende Organe" verrichten sie noch nach Stunden und Tagen die ihnen zukommende Tätigkeit. Wenn das Leben aus dem Körper entflohen ist, führen in unserer Luftröhre und in ihren bis hinab in die Lungen ziehenden Aesten die auskleidenden Flimmerzellen weiter mit ihren Wimpern peitschende Bewegungen aus. Ihr Kraftantrieb erstirbt nicht mit dem Augenblick, in dem der Tod seine eisige Hand auf den müden Körper legt.
Durch chemisch wirkende Stoffe lassen sich automatisch arbeitende Organe wie ein Uhrwerk wieder in Gang etzen. Sie entfachen aufs neue ihr entschwundenes Leben.
Die Sprachfehler des Kindes und ihre erzieherische Behandlung.
Von Professor Dr Gerhard Budde.
Im allgemeinen pflegt man vier Hauptsprachfehler des Kindes zu unterscheiden, nämlich Stammeln, Stottern, Poltern und Hörstummheit. — Mit Stammeln bezeichnet man jeden Fehler der Aussprache, das Stottern hat man erklärt als die zeitweilig auftretende Unfähigkeit, ein Wort oder eine Silbe zu beginnen. Unter Poltern versteht man das überhastete Sprechen, und H ö r st u m m h e i t ist das Ausbleiben des eigenen Sprechens, während sich das Sprachverständnis normal oder nahezu normal entwickelt.
Für alle diese Sprachfehler ist von der größten Bedeutung die allgemeine seelische Behandlung des Kindes. Der Stammler kann dadurch geheilt werden, daß man einen einfachen Unterricht im richtigen Sprechen erteilt. Man spreche dem Kind langsam und deutlich das Wort in der rechten Aussprache vor und veranlasse es, öfter mit lauter Stimme zuerst langsam,bann allmählich mit normaler Sprachgeschwindigkeit das Gehörte nachzusprechen. Sollte dies noch nicht genügen, dann empfiehlt sich eine Belehrung über die rechten Stellungen und Bewegungen des Sprechens.
Auch das Stottern kann bei vielen, allerdings durchaus nicht bei allen Kindern durch eine entsprechende Behandlung behoben werden. Der Stotterer stockt bekanntlich plötzlich mit der Sprache beim Beginn eines Wortes oder einer Silbe; er bemüht sich vergeblich, sein Sprechen fortzusetzen. Dabei führt er häufig krampfartige Bewegungen mit der Atem-, Stimm- oder Ärtikulationsmuskulatur aus, die nicht selten von Mitbewegungen der Gesichtsmuskulatur und auch sogar der Schultern, der Arme und der Hände begleitet werden. — Die Ursachen des Stotterns sind verschiedener Art. Bei vielen und oft gerade bei intelligenten Kindern ist es wenigstens mit verursacht durch ein Mißverhältnis zwischen ihrer Lust zum Sprechen und ihrer Sprechgeschicklichkeit. Auch ein anderes Mißverhältnis, nämlich dasjenige zwischen der Anzahl der verstandenen Worte, welche die Erwachsenen dem Kinde vorsprechen, und der von ihm gesprochenen Worte kann seine ruhige und geordnete Aussprache ungünstig beeinflussen. Das Sprachverständnis eilt dem eigenen Sprechen bei allen Kindern in hohem Maße voraus. Einen sehr großen Einfluß auf das Stottern hat die G e w ö h n u n g ; es ist daher in den ersten Einfängen leichter zu unterdrücken, als wenn es durch Gewöhnung eingewurzelt ist. Unter den seelischen Ursachen des Stotterns kommt in erster Linie scheue Gemüts- art und Neigung zu gedrückter Stimmung in Frage. Wo diese oorliegen, da kann durch eine falsche Behandlung der natürlichen Schüchternheit der Zustand sehr verschlimmert werden. Wenn ein Kind die ersten Anfänge des Stotterns zeigt, läuft ?§ Gefahr, das Ziel der Witze und des Spottes seiner Kameraden zu werden. Kommt dann zu dem Spott der
Die Gefäße der Niere werden noch eng und weit, st wft
Sem sauerstoffarmes oder sauerstoffreiches Blut hindurchqUeitet wird. In einer körperwarmen, hauptsächlich KochsP, en? haltenden Lösung beginnt ein herausgeschnittenes Stück Dünndarm seine wurmförmigen Bewegungen wieder. An wegoperierten Fingern und Ohren stellen sich Reizbewegünaen ein, die ganz der Wiederbelebung gleichen. Ja, selbst des Herr eines totgeborenen Kindes ließ sich zur Schlagrythmik erwecken
Herausgeschnittene Stücke von Blutgefäßen sind noch Temperaturreizen zugänglich. Sie bewahren damit eine Fähigkeit, die ihnen während der Verbindung mit dem Körper zn- geteilt war. Die Arterien der Haut z. B. verengern sich bei Lebzeiten, wenn sie Kälte trifft, die Haargefäße der Haut aber erweitern sich gleichzeitig, so daß in ihnen das Blut stagniert und die Haut blaurot wird. Eiu und derselbe Kälteren löst also in beiden Blutröhren völlig entgegengesetzte Wirkungen aus, die Muskelschicht jeder arbeitet unbeirrbar in dem "ihr zugewiesenen Sinn wie ein selbständiges Wesen. Wie diese verschiedenartige Beantwortung des gleichen Kältereizes zustande kommt, bleibt uns dunkel, denn wir kennen die Natur Der Empfindungsfähigkeit nicht.
Kein Chemiker der Welt bringt es fertig, was unsere und die tierischen Verdauungsdrüsen täglich mit Leichtigkeit vornehmen: Die. Umwandlung der Kohlehydrate Stärke, Zucker und Zellulose in Fette. Der unwillkommene Fettansatz mancher Menschen bei vorwiegend kohlehydrathaltiger Nahrung und der Erfolg der Gänse- und Schweineinast mit Kohlehydraten führt uns die geheime Kunst der kleinen Drüsenchemiker anschaulich vor Augen.
Eigenartig ist auch das Verhalten des verdauenden Magens. Er bewältigt die verschiedensten Eiweißarten, aber seine eigenen, Eiweiß führenden Wände läßt er bei Lebzeiten normalerweise unangegriffen. Jedoch nach dem Eintritt des Todes beginnt er mit der Selb st Verdauung. Wie er sich während des Lebens vor eigener Verdauung schützt, hat die Heilwissenschaft noch nicht vollkommen zu klären vermocht.
Der fliegende Hausarzt.
In großen Teilen Australiens sind die einzelnen Siedelungen durch ausgedehnte Wüstenstrecken so weit von einander und von größeren Omen getrennt, 0aß im Falle einer Erkrankung ärztliche Hilfe nur selten rechtzeitig zur Stelle sein kann Gegen diesen Umstand sucht nun ein kürzlich aus Veranlassung des Dominus John Flynn von der Presbyterianischen Inneren Mission eingerichteter Dienst Abhilfe zu schaffen, der die modernsten Einrichtungen unserer Zeit, Rundfunk und Flugzeug, für die gute Sache nutzbar macht. Sechs an geeigneten Stellen eingerichtete Rundfunkstationcn und die Ernennung „fliegender Aerzte" werden künftig dafür sorgen, daß auch in abgelegenen Gebieten ärztliche Hilfe stets rasch zur Stelle sein kann. Jede der sechs Stationen beherrscht ein Gebiet von etwa 700 Kilometern Halbmesser und gibt bei Eintritt unerwarteter Ereignisse sachkundige Ratschläge. Die Aerzte fliegen in regelmäßigem Wechsel das ihnen unterstellte Gebiet ab, können auch in dringenden Fällen durch Fernsprecher zu einem „Flugbesuch" herbeigerufen werden.
Heiteres.
Arzt: „Lieber Herr, als gewissenhafter Arzt kann ich Ihnen nur raten: Statt jedem Kognak, den Sie zu trinken pflegen, essen Sie lieber einen Apfel". — Patient: „Aber, Herr Doktor! Täglich fünfundzwanzig Aepfel?"
„Ich möchte gern ein Buch für einen Kranken". — „Soll es vielleicht etwas Religiöses fein?" — „Nein, es geht ihm schon wieder besser".
Altersgenosien womöglich noch eine ironische oder gar ein» schüchternde Behandlung durch erwachsene Personen hinzu, Sann entwickelt sich zwangsläufig die typische „W o r t a n g ft". Sobald dem Stotterer sein Fehler zum Bewußtsein kommt, entsteht bei ihm ein angstvoller, unnatürlich gespannter Geisteszustand, der eine geordnete Ausführung seiner Sprachbewegungen hindert. Das Stottern erzeugt dann die Schüchternheit und Wortangst, und diese wirkt wieder verschlimmernd auf das Stottern zurück. Die Bedrohung oder Einschüchterung des Kindes ist daher geradezu ein Mittel, das Stottern zu steigern und fest einzuwurzeln. Deshalb kommt es darauf an, bei einem Stotterer vor allem das S e l b st v e r t r au e n zu wecken und seine Schüchternheit zu bekämpfen. Dazu ist wieder >in vortreffliches Mittel die Einübung des richtigen Sprechens, Denn in dem Maße, wie dem Kinde seine Sprechbewegungen gelingen, wächst auch sein Vertrauen in seine Sprachkunst. Oft vermag auch, besonders bei nervösen und schwächlichen Kindern, schon eine allgemeine Uebung der Muskulatur, der Geschicklichkeit und Kraft der Bewegungen einen wohltätigen mittelbaren Einfluß auf das Sprachvermögen zu gewinnen.
Auch zum P o l t e r n, d. h. zu dem überhasteten Sprechen neigen nicht selten besonders intelligente Kinder, allerdings auch solche, denen die Kraft der Sammlung fehlt, also zerstreute und zerfahrene. Bei diesen letzteren ist die Erziehung und Pflege der inneren Sammlung, der hemmenden und ein- schränkenden Wirkung, die eine kräftig entwickelte Aufmerksamkeit auf das Wahrnehmen und Vorstellcn hat, emes besten Mittel zur Bekämpfung des Uebels. Aber auch ‘ Poltern hat schon das Vorsprechen, Einüben und der Zw 'S zu einer langsamen, silbenweisen, deutlichen Aussprache gute Wirkung. ., h„r
Weit schwieriger ist die erzieherische Behandlung H ö r st u m m h e i t. Wenn bei einem Kinde das eigene 1 ständige Sprechen jahrelang ausbleibt, während cs da-, Die Erwachsenen in seiner Gegenwart sprechen, fchon ständig versteht, dann liegt nicht selten ein tieferer Mangel vor, zu dessen Feststellung der Kinderarzt gezogen werden muß. Doch soll die Hörstummheit a ) sonst ganz normalen Kindern bisweilen für eine vetu ) Zeit auftreten. Sie wird auch wieder, worauf ich „ lj stottern hingewiesen wurde, besonders durch 1 j
und gedrückte Gemütszustände begünstigt, und mai an, daß sie vielleicht manchmal nichts anderes ab e ^ des Kindes ist, das Sprechen zu versuchen. In 1° y ©e» kann auch wieder eine allgemeine Einwirkung aus mütsleben gute Erfolge haben. Zuweilen soll oe y^n. Die Hörstummheit auch als eine Art von Eigensinn l MÂe Wenn dies der Fall ist, ist wieder eine entsprechet !^ Behandlung am Platze. Wie denn überhaupt die e o t Behandlung der Sprachfehler des Kindes nur e be£ sein fc*.tn. Was über diese hinausgeht, ist tucy Erziehers, sondern des Arztes.