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Zur Wiederkehr seines 30. Todestages am 10. Mai

Sh

Stanley

Der berühmte Afrikaforscher. Henry Stan­ley ist vor 30 Jahren in London gestorben. Sein Name wird in der Geschichte der For­schung des schwarzen Erdteils für alle- Zei­ten fortleben. Wohl die interessanteste und spannendste Episode im abenteuerlichen Le­ben dieses Mannes ist die Auffindung des verschollenen Afrikaforschers Livingstone. Durch die Auffindung Livingstones ist Henry Stanley mit einem Schlage auf der ganzen Welt berühmt geworden.

Der große Auftrag.

Der junge Korrespondent des weltbe­kannten BlattesNew Yorker Herold", Henry Stanley, weilte gerade in Madrid, als ihn ein überraschender Auftrag ereilte, der seinem ganzen Leben eine entschei­dende Wendung geben sollte. Sein Ver­leger schrieb ihm, er müsse sofort seinen Aufenthalt in Madrid abbrechen und nach Paris kommen. Stanley fieberte vor Er­wartung. Damals war der Afrikaforfcher Livingstone verschollen. Der schottische Mis­sionar Dr. David Livingstone, der durch seine wichtigen Entdeckungen in Zentral­afrika berühmt geworden war, hatte sich im Jahre 1868 zu einer neuen Wande­rung durch den afrikanischen Kontinent gerüstet. Livingstone hatte sich vorge­nommen, das uralte Problem der Nil­quellenfrage zu lösen. Die ganze Welt verfolgte seine waghalsige Expedition mit angehaltenem Atem. Jeder neue Bericht Livingstones wurde mit ungeheurer Span­nung erwartet und mit größter Begeiste­rung ausgenommen. Das letzte Lebens­zeichen, das nach Europa gelangte, war ein Brief vom 30. Mai 1869 aus Udschid- fchi. Seitdem blieb Dr. Livingstone ver­schollen. Man wartete und wartete. Li­vingstone ließ aber nichts von sich hören. Schließlich glaubte man, daß er ein Opfer der furchtbaren Strapazen geworden sei. Vielleicht hatte irgend ein Negerstamm seine Leiche im Wüstensand verscharrt, vielleicht hatten Hunger und Durst seine letzten Kräfte zermürbt. Man wußte, daß Livingstone nicht der Mann war, der sich so leicht durch irgend eine Gefahr ein« schüchtern ließ. Etwas Furchtbares mußte geschehen sein.

Obwohl man wenig Hoffnung hatte, den unglücklichen Forscher lebend wieder- zusindett, wurde alles unternommen, um ihn zu retten. Eine Expedition, die sich auf den Weg machte, um die Spur See verschollenen schottischen Missionars zu finden, mißglückte. Eine zweite Expedi­tion, die von der geographischen Gesell­schaft in London ins Leben gerufen wurde, war gerade im Begriff, nach dem schwarzen Erdteil aufzubrechen, als die Teilnehmer durch eine unerwartete Mel­dung überrascht wurden.

Stanley greift ein.

Wie bereits erwähnt, war Henry Stan­ley -wm Eigentümer des New Yorker Herold nach Paris gerufen worden. Dort kam es zwischen den beiden Männern zu einer dramatischen Unterhaltung. Der Verleger richtete an seinen Korresponden­ten mit schlichten Worten die Frage, ob er bereit und gewillt wäre, den verschol­lenen Afrikaforscher Livingstone zu suchen. Der mächtige Zeitungsmagnat verfügte über unbeschränkte Mittel. Er erklärte Henry Stanley, daß das Geld hierbei keine Rolle spiele. Stanley war sofort Feuer und Flamme. Er ging nach Zan- sibar, brach mit einer großen Karawane nach dem Tanganyika See auf und kam am 23. Januar 1871 in Unyannyembe an. Hier wurde er durch einen zwischen den Arabern und dem Häuptling Udschowa entbrannten Krieg aufgehalten, an dem er sich in den ersten Tagen auf arabischer Seite beteiligte. Ein Sieg des Königs Mirambo über die Araber versetzte die Begleitung Stanleys in solchen Schrecken,

daß die meisten Leute Hals über Kopf die Flucht ergriffen. Nur der Engländer Shaw, der Araberknabe Selim und einige Leute der Eskorte blieben bei ihm. Schon drohte die Expedition zusammenzubrechen, als es der unglaublichen Initiative und dem großen persönlichen Mut Stanleys gelang, etwa 150 der Flüchtigen wieder zusammenzuraffen. Er verschanzte sich mit seinen Leuten, um einen neuen An­griff abzuwarten. Als der erwartete An­griff jedoch ausblieb, verließ er am 23. September abermals Unyannyembe, um auf einem mehr nördlichen Wege Udfcknd- fchi zu erreichen. Udfchidfchi war sein Ziel: dorthin mußte er um jeden Preis gelan­gen. Aus Udschidschi war das letzte Le. benszeichen Livingstones gekommen. Wenn er überhaupt noch lebte, bestand immer­hin die Möglichkeit, daß man den Forscher in Udschidschi gefangen hielt.

Vor dem Abmarsch mußte Stanley noch viele Schwierigkeiten überwinden. Einer nach dem andern verlor die Lust an die­sem aussichtslos scheinenden Unternehmen. Mutlos und erschöpft blieben immer mehr Leute zurück. Selbst der Engländer Shaw, der durch die Strapazen vollkommen zer­mürbt war, hatte feine Nerven nicht mehr in der Gewalt und streikte. Wo sollte Stanley die notwendigen Gepäckträger und eine Eskorte auftreiben? Er mußte seine letzten Kräfte aufbieten, seine ganze

Endlich am Ziel. (Stanley

auf dem Marsch

durch den Urwald.)

Energie zusammennehmen, um neues Menschenmaterial anzuwerben. Der Weg nach Udschidschi war mühselig und qual­voll. Es kam mehrfach zu erbitterten Kämpfen mit feindlich gesinnten Stäm­men. Endlich erreichte Stanley am 3. No­vember 1871 den Ort Udschidschi am öst­lichen Ufer des Tanganyika. Der Einzug der kleinen Karawane gestaltete sich zu einer imposanten Kundgebung. Voran flatterte die amerikanische Flagge, die in jenem Landstrich noch nie gesehen worden war. Dann kam die bewaffnete Eskorte, die mit knatternden Salven und Hörner- signafen die überraschende Ankunft des Zuges weithin verkündete. In langer Reihe folgten die Packträger und Last­tiere, am Schluß Stanley selbst. Das Volk von Udschidschi strömte in großer Menge herbei. Die Menschen brachen in ihrer Erregung über das ungewohnte Ereignis in ein ohrenbetäubendes Ge­schrei aus und begleiteten ihr Gebrüll mit einer wahrhaft kannibalischen Musik.

»Sind Sie Dr. Livingstone?"

Auf dem letzten Weg nach Udfchidfchi war Stanley überraschenderweise von einem Mann angesprochen worden, der be­hauptete, er sei Livingstones Diener. Stan­ley zitterte am ganzen Körper und schüt­telte nur verneinend den Kopf. Er wagte nicht daran zu glauben, daß sich der kühnste Traum seines Lebens verwirklichen sollte. Als er in Udschidschi angelangt war, be­merkte das scharfe Auge des Journalisten mitten in einer Gruppe von Arabern einen blaß aussehenden weißen Mann mit grauem Bart, dessen helle Hautfarbe scharf von den dunklen Gesichtern der Umstehen­den abstach. Der Mann trug ein rotwolle­nes Hemd und eine Seeoffiziersmütze mit vergilbter Borte. Dieser Mann war zwei­fellos der verschollene Forscher Living­stone, den die ganze Welt suchte und von dem man schließlich angenommen hatte, daß er längst gestorben sei. Henry Stan­ley konnte sich nur mit Mühe beherrschen.

Er schritt höflich auf den berühmten Rei­senden zu, verneigte sich und richtete an ihn die Frage:Sind Sie Dr. Living­stone?" Livingstone bejahte die Frage mit ruhigem Lächeln. Erst später kamen die beiden Männer, auf einem Ziegenfell unter einer Veranda sitzend zu einem aus­führlichen Gedankenaustausch

Für Livingstone war der Eindruck dieser Begegnung überwältigend Wie er selbst darüber an einen Freund berichtete, er­bebte seine ganze Gestalt unter der Erre­gung der Freude und des Glücks, die er beim Anblick des fremden weißen Mannes empfand, der ihm wie ein rettender Engel erschien. Am 16. Oktober war Livingstone, von seinem Gefolge schmählich im Stich ge­lassen, nach Udschidschi zurückgekehrt. Er war bar aller Hilfsmittel und befand sich in einer trostlosen und verlassenen Lage, als plötzlich Henry Stanley eintraf und ihm frische Vorräte brachte. Schon in den nächsten Tagen traten beide Männer ge­meinsam eine einmonatliche Reise nach dem nördlichen Ende des Tanganyika an und gingen sodann am 26. Dezember von Udschidschi nach Unyanemby, wo sie bis zum 14. März zusammen blieben. Stanley kehrte hierauf mit Briefen und Aufträgen Livingstones nach Zanzibar zurück. Vor feiner Abfahrt nach Europa überwachte er noch den Abgang einer wohlausgerüsteten Expedition, die Livingstone Vorräte und eine Anzahl ver­läßlicher Beglei­ter zuführen sollte.

am 27. Juli in London ein.

Seine Reise glich einem Triumphzug. Schon in

Paris hatte man ihm begeisterte Ovationen dargebracht. Nicht min-

der ehrenvoll war seine Aufnahme in England, wo man sei­ner zähen Ausdauer grenzenlose Be­wunderung zollte. Die in London an­sässigen Amerikaner gaben ihm zu Ehren großartige Festessen und die Sitzung am 16. August, in der Stanley seine Erleb­nisse vortrug, gestaltete sich zu einer über­wältigenden Kundgebung für den uner­schrockenen Forscher. Die Königin Viktoria übersandte dem amerikanischen Journali­sten eine prachtvolle Dose, die mit Dia­manten reich besetzt war und auch die Ver­sammlung der deutschen Naturforscher und Aerzte in Leipzig würdigte die Verdienste Stanleys.

Die ersten Berichte über die Auffindung Livingstones wurden in der wissenschaftli­chen Welt mit ungläubigem Staunen aus­genommen. Man bezweifelte anfangs die Wahrheit der Angaben und erst als Li­vingstone seine eigenen Briefe veröffent­lichte, wurde Stanley aller Orten als Held und Forscher gefeiert und gepriesen. Wenn auch Stanley wegen seiner rücksichtslosen Behandlung der Eingeborenen und seiner Geringschätzung wissenschaftlicher Forschung vielfach angegriffen worden ist, so wird trotz allem sein Name unter den mutigsten und erfolgreichsten Pionieren des schwar­zen Erdteils immer in der vordersten Reihe stehen.

»Sind Sie Dr. Livingstone?'

Herbei, herbei, 36t teuti

Aus Praxis und Privatim' Doktor Eisenbarts. Cn

Von Hermann Ulbrich-Hannibal.

Der weltberühmte, unsterbliche h-: Aeskulaps, der im Ausgang des 17 Beginn des 18. Jahrhunderts durch seine Wunderkuren von sich machte, der Chirurgus, Zahnbrecher liste und Steinschneider Johann Doktor Eisenbart, hatte eines Tages fein marktschreierisches Reijeleben aufnetXn und war auf Antrieb seiner Fran ein seßhafter Bürger geworden. a Für dreitausend Taler hatte er in einem kalten Winter, als seiner Frau, bie ihrem berühmten Manne gerade einen ger geschenkt hatte, das Reisen über worden war, in Magdeburg das und BrauhausZum güldenen Apfel« erworben.

Nun begann für ihn, der es gewohnt war, von einem Markt zum andern w ziehen, um seine Heilkünste zu beweisen ein ortsgebundenes Arztleben. Zu die­sem Zwecke hatte er sich in dem geräumi­gen Hause gerade wie seine studierten Kollegen und Widersacher ein Sprech­zimmer eingerichtet, von dem Folgendes berichtet wird:Sein Sprechzimmer war wie ein einziger handwerkszcugnllchterner Jnstrumentenkasten, während rechts auf dem Flur das Wartezimmer lag, drin alle Notificationen, Marktzettel, Schaustellun­gen und Bilderbögen in breiten Elas- schränken zur männiglichen Bewunderung aushingen neben zahlreichen Leibesglie­dern, die amputiert worden, dazu bau­melte im Zugwind von der Decke das Ge­rippe eines Schwertfisches, während wurmhaft verknäulte Mißgeburten im Spiritus traurige Gesichter schnitten, aus­gestopfte Affen und fremdländische Vögel rundum aus Regalen hockten".

Er hatte mit großer Vorsicht darauf Bedacht gelegt, das Sprechzimmer von dem Wartezimmer durch einen Flur zu trennen, um dadurch wenigstens etwas vorzubeugen, daß in das Wartezimmer Schreienslaute seiner Patienten drangen. Denn er konnte ja in seinem Hause nicht, wie er es von seinen Marktbuden gewöhnt war, seine Musiker laut spielen lassen, da­mit durch die Klänge der Pauken und Trompeten die Schreie der Behandelten übertönt wurden.

Während er sich auf den Marktplätzen immer in einem mit herrlicher Stickerei gezierten Sammetrock zeigte, eine wal­lende., .Allonge-Perücke über der Denker- stirn trug und einen Galanteriedegen an seiner Seite führte, ging er in seinem Magdeburger Sprechzimmer solider ein­her. Er trug hier einen langen weißen Rock mit Silberknöpfen, gelbe, enge Pan­talons, eine blaue geblümte Weste und eine kleine Hausperücke.

Eisenbart wurde ein braver Stadtbür­ger, verkehrte mit den Honoratioren der Stadt und ging auch an den Stammtisch, um von seinen vielen Wun­derkuren zu erzählen.

Allzulange behagte jedoch dem Wunder­doktor dieses seßhafte Leben nicht. Er zog eines Tages wieder mit seinem Trupp los, um seine Kunst wie früher auf den Märkten der Städte zu zeigen. Das war doch ein anderes Leben. Da inserierte er in pompöser Ratification seitenlang in den Zeitungen:Es ist auf Verlangen vieler Patienten allhier angelanget der im ganzen Römischen Reich wohlbekannte Operator Herr Eisenbarth" usw. Oder er ließ seine Taten von seinem Baccalau- reus anpreisen, der mit den Worten schloß:

Alle herbei von Hof und Haus Hier ziehen wir Euch Splitter und Balken aus!

Und wo der Star nicht will heraus, Da stechen wir einsach die Augen

; mit aus!"

Als Eisenbart älter geworden war, da war ihm aber doch das Reisen über. ^ fand sich wieder in Magdeburg em, kurierte die Leute, die ihn in W Sprechzimmer aufsuchten und ^M« seine Wundermedikamente in alle A Das ging eine ganze Zeit lang, bis d doch wieder das alte Reisefieber pa

Wir können leider die Lahre« !> gänzlich aufgeben, das $erjÄ f M nach auswärts ward miserabel sag zu seiner Frau, die von s°'"en ^ es Plänen nichts wissen wollte. 4 ,. drängte Eisenbart von neuem . Welt, und da seine Râa , . te ^,1« nichts mehr dagegen machen ton , ligte sie ein und gab ihm die Eleonore und den Sohn Adam

Laß Adamchen Konto führe» ^^ kriegt nur acht Silbergroschen $ pro Tag rief sie »er SWÄ zug von Magdeburg nach. * , , < pes chen sollte nicht lange das Kon^ Vaters im Auftrage der Mutt 1 denn als der große Wunderdoktor p ^ versch Münden erreichte, M 5 immer die Augen.

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