Zulöaer Anzeiger
-»den ®erftag. Bezugspreis: monatlich ËW'V Lj LieserunqsLehinderung durch „Höhere 1,70 m g Yn feine Ansprüche. Verlag Friedr.
S Königstr. 42. Druck: Friedr.
S ' Lauterbach/H. Hauptschriftleiter: Dr. jur.
Fulda, Königstr. 42. Vertreter bes gâuMriftleiters. Fr. Ehrenklau, Lauterbach H.
Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zul-a- und Haunetal >Zul-aer Kreisblatt
Re-aktion unü GekbäKsttelle: Köniasteabe 42 ♦ Lernfprech-Rn^blnk Nr. WW
Anzeigenpreis: 1 mm Höhe in der 46 mm breiten Anzeigenspalte oder deren Raum 4 Pf., im Textteil (90 mm breit) 12 Pf. Bei Wiederhârtz wird Rabatt nach Tarrs gewährt, bei zwangsweiser Beitreibung oder Konkurs erlischt jede: Anspruch auf Nachlaß.— „DA." 1VVO. — Verantwort!, für den Anzeigenteil Ferdinand Ehrenklmt, Lauteroach-H.
Ar, 94 — 1934
Fulda, Montag, 23. April
11. Jahrgang
Bergwerk eingestürzt.
GlagweüereMosion verfchMet etwa 200 Bergleute.
Furchtbares Unglück tn Südslawien — 0 Zahlreiche Tote geborgen.
In Südslawien ereignete sich eine furchtbare Berg- werkskatastrophe. Im Kohlenbergwerk Senitze in der Nähe von S e r a j c w o wurde durch eine unterirdische Kohlenstaubexplosion ein Teil des Bergwerks -um Einsturz gebracht. Zur Zeit des Unglücks waren etwa 200 B e r g l c u tc im Schacht. Sie wurden von den in sich zusammenbrechenden Grubenwänden teils verschüttet, teils eingcschlofsen. Die Rettungsarbcitcn wurden sofort mit größter Energie ausgenommen. Bisher konnten 15 Grubenarbeiter, die zum Teil Gasvergiftungen davongetragen haben, gerettet >,verden. Tote dürften bis jetzt über 50, nach privaten Angaben sogar schon etwa 80, aus dem Unglücksschacht geborgen sein.
An Einzelheiten wird noch folgendes bekannt: Die Wirkung der Schlagwetterexplosion war grauenhaft. Aus viele hundert Meter Länge wurden die Stollen vollkommen zerstört. Die gewaltige De- tonation war im ganzen Bergwerk und auch über Tage zu hören und brachte außerordentlich starke Erschütterungen mit sich. Die Bergungsaktion wurde vor allem dadurch erschwert, daß große Strecken der vernichteten Stollen erst in mühsamer, zeitraubender Arbeit wieder freigelegt werden mußten.
Herzzerreitzenve Szenen.
Da cs sich bei den Bergleuten meistens um Bauernsöhne aus den umliegenden Dörfern handelt, eilten die Frauen und Mütter der Verunglückten zur Grube in ungeheurer Erregung. Vor den Gebäuden der Direktion und in der Nähe der Fördertürme spielten sich herzzerreißende Szenen ab.
Polizei mußte eingreifen, um Ruhe und Ordnung mfieâtzuerhalten und die erbitterten uudempör- ten Ang e h ö r i g e n zurückzuhalten, da immer wieder »«Mi wurde, mit Gewalt bis zu den Schachleingängen boruidrinacn.
Der Kampf um die Freiheit des Bauern
Darre spricht in München.
Auf dem ersten Landcsbaucrntag in München sprach Neichsbauernführcr Darre.
Er ging in seiner Rede aus von der hoffnungslosen Verstrickung des deutschen Bauerntums mit dem libera- Wisch-kapitcilistischen System zur Zeit der Machtübcr- Ome durch den Nationalsozialismus. Damals seien der «ei-, und die Arbeit Handelsware gewesen. Der ionalsozial i s mus habe alles daran setzen Essen, den Bauern aus dieser Verstrickung herauszulösen. , Die unerschütterliche Grundlage unserer neuen Wirt- Ichafisgestaltung sei das R c i ch s e r b h o f g es e tz.
\W den: Verhältnis des Menschen zum Boden liege
- - - - I über-
âgclpunkt der weltwirtschaftlichen Gestaltung MPl. So zögen sich die Angriffe aller h
Wt. So zögen sich die Angriffe aller H e i m - J7cn Gegner des Nationalsozialismus immer ent- lqeidender aus das Reichserbhofgesetz zusammen, um von "us manches andere zu Fall zu bringen.
Xie Gegner des Erbhofgeseyes sagten, es führe zum , "midersystem und zur Kreditsperre für den Bauern. N , ^öei ü b e r s e h e man, daß der heute schon be. Svende und künftig noch mehr auftretende Mangel
-andarbeilern den Bauern einfach zwinge, sich 9io fee Familie zu schaffen. Kinder würden k r n t wiEch ein Segen sein, da sie auch A r b e i t s - ’ Gebeuteten. Für einen Liberalisten sei es das l$te- nicht mehr kreditfähig zu sein, wäb- als den Bauern nickts Schlimmeres gäbe, " ft. ö aus seinen Hof aufnevmcn zu müssen.
luefp e Neugestaltung des landwirtschaftlichen K red it- ® vorzunchmen, wobei die Entschuldung der behnr Mittelpunkt stehe, stehe uns noch als Aufgabe Mi rin ®nucr habt auch kein anderes Ziel, als endlich sich .""^"kungderZinsen zu kommen Er mache J zu IN Träger des Gedankens auf Brechung der onnuncchtschgs,
bo!^° ^ &sl- Reichüerbhofgesetz den Bauern und den Me U ’’bero,iitiid)en Verstrickung entrissen habe, so $3 0 s. „ Aeichsnährstandgcsey die Erzeugnisse d e s scheu sm 5 1111 ^ 6 e r B a ii e rnarbcii der kapilalisti- ber w^:" rk t v e r s l e ch l u n g Erzogen. Zunächst sei ohne mUr ^0* Brotgetreide festgelegt worden, $ 1 ^erbraudjer nennenswert zu belasten.
leiftr? i ^""^^u sei dabei ein gerechter Preis gctvähr- ftehc erst l,nL *ei. aber erst das Gröbste geregelt. Man ircidku.i.^' , Oinn einer umsasscndcn Ordnung der Gc- .'schäft.
"Unni" ^tten wir vorerst eine feste Marktord- Eier,, ^uorisf genommen bei Milch, Butter, Käse, gut Lj?": 'hotten, Gemüse, Obst-, Pflanzen- und So ab ^i Wnslo' <<?' fischen und Vicherzcugnisscn, besonders eins u , o notwendige Einschränkung der Ro h st o s s- iBto, y ”alle Plötzlich wieder die Frage aufgeworfen.
. '■ß’eii die Landwirtschaft unseren Rohstoffbedarf
decken könne.
Bei dem Revier Senitze handelt es sich um ein großes Kohlen- und Erzgrubenrevier, das schon in der Zeit der österreichisch-ungarischen Monarchie einen ausgedehnten Bergwerksbetrieb besaß. Die Gruben hatten an sich durchaus moderne Einrichtungen und waren versehen" n<wh(id,cn technischen Sicherheitseinrichtungen
*
Schwierigste Rettungsarbeiten bei Serajewo.
Man rechnet mit über 10 0 Toten.
Aus Belgrad gehen weitere Meldungen über die grauenhafte Bergwerkstatastrophe bei Serajewo ein. Danach gelang es den Rettungsmannschaften bisher, wie amtlich mitgeteilt wird, 47 Leichen aus den Stollen zu bergen. Von den 220 Bergleuten, die sich zur Zeit der Katastrophe unter Tage befanden, sollen sich etwa 1 00 Arbeiter gerettet haben, so daß man wohl noch mit weiteren 7 0 Todesopfern rechnen muß.
Aus den amtlichen Feststellungen geht ferner hervor, daß das Unglück aus die E x p l o s i o n v o n M e n t h a n- gas zurückzuführen ist, das in großer Menge aufgetreten war. Die R c t t u n g s a r b c it e n . die mit allen Kräften fortgeführt werden, gestalten sich infolge des E i n - stürzens von Erd massen und Eindringens von Wasser s e h r s ch w i e r i g.
In dem ciugestürzten Bergrevier bot sich den Rettungsmannschaften ein Bild grauenhafter Zerstörung.
Die elektrischen Kabel und Telephonleitungen waren g e - rissen, starke Stollenverschalungen, Mauerwerk und eiserne Träger bildeten ein wirres Durcheinander. Einige Leichen, die man im Stylleneingang fand, waren durch die Wucht der Explosion verstümmelt. Da die Wetterschächte zerstört sind und damit die Zuführung von Sauerstoff unterbrochen ist, besteht kaum Hoffnung, einen der eingeschlossenen Bergleute noch lebend anzutreffen.
Gerade heute, wo die D e v i s e n n o t uns zwinge, eine Einschränkung unserer Einfuhr vorzunehmen, seien wir Bauern in der Lage und auch bereit, erneute und zusätzliche Einfuhren von ausländischen Lebensmitteln und gewissen Rohstoffen aus uns zu nehmen, damit nach dem Grundsatz der Gegenseitigkeit natürlich auch
die Ausfuhr deutscher Erzeugnisse erhöht
werde. Dies könnten wir ohne Änderung unseres Standpunktes, da wir in unserem Hause Ordnung geschaffen hätten. So sei der B a u e r heute derjenige, der den friedlichen Warenaustausch der Völker untereinander fördere, während die Geldleute und Händler am Ende ihres Lateins seien.
*
Gtaaissekrsiär Reinhardt: Die Flucht aus der Stadt aufs Land tut not.
Der weitere Kampf gegen die restliche Arbeitslosigkeit.
Anläßlich des Richtfestes der Mustersiedlung Ram- mersdors bei München am Geburtstag des Führers hielt Staatssekretär Reinhardt vom Reichsfinanz- Ministerium eine Rede über den Kampf gegen Vie Arbeitslosigkeit. .
Der Staatssekretär betonte, daß die Nachfrage nach Ehestandsdarlehen auch weiterhin alle Erwartungen übertrifft, und daß die Belebung, die das Gesetz in einer großen Reibe von Wirtschaftszweigen zur Folge hatte, nicht nur eine vorübergehende, sondern eine dauernde sein wird.
Wir werden, so erklärte er, Ehestandsdarlehen nicht heute und morgen, sondern immer gewähren.
Im B a u g e w e r b e dürfte es schon im Mai keinen Arbeitslosen mehr geben. Die Zahl der Bailfacharbeiter werde aus die Dauer mindestens um 150 000 z u klein sein. Da gibt es nur ein Mittel:
Schulung der ungelernten Arbeiter, von denen Anfang dieses Pkonats noch immer 669 000 arbeitslos waren, zu Baufacharbcitcrn.
Auch die Nachfrage nach Bauarbeitern wird eine dauernde sein: denn cs werden in Auswirkung des Ebcschließungsgescycs in jedem Jahr 2 0 0 0 0 0 n e u e H a uS stände mehr gegründet und 2 0 0 0 0 0 Klein- wobnunge n mehr gebraucht werden als bisher. Auch nach Eigenheimen wird die Nachfrage gewaltig steigen.
Gegen elementarste Grundauffassungen des National- sozialismus, so betonte er, und damit gegen die allgemeinen Interessen verstoßen in der Regel:
jeder Unternehmer in der Stadt, der eine Arbeitskraft einstelll, die aus der Landwirtschaft kommt, jeder Lolksgenoffe, der bisher in der Landwirtschaft lätia gewesen ist und sich um eine BesckSft-aun.- ir
einem industriellen oder gewerblichen Unternehmen bewirbt, und schließlich der, der seinen Wohnsitz aus dem Lande hat, wo Arbeitskräfte seines Berufs gebraucht werden, und sich um eine Beschäftigung in der Stadl bewirbt.
Der Mangel an männlichem und weiblichem Gesinde ist in einigen Gebieten bereits so groß, daß sich die Landwirte im Zweifel sind, ob sie die Bestellungsarbeiten rechtzeitig restlos durchführen und die diesjährige Ernte ohne Schwierigkeit einbringen können.
Den ungelernten Arbeitern, die in den nächsten Wochen nicht Arbeit finden, kann nicht dringend genug empfohlen werden, entweder sich bestimmte Fachkennt ° n i s anzueignen oder aufs Land zu gehen.
Solange es arbeitslose Männer in Deutschland gibt, muß sehr genau geprüft werden, ob bei der Neueinstellung ein Arbeitsplatz, der bisherigem Brauch gemäß mit einer weiblichen Kraft zu besetzen wäre, nicht ebenso mit einem Mann besetzt werden könnte.
Es muß auch a u s h ö r e n , daß weibliche Kräfte, die für landwirtschaftliche Arbeiten geeignet find, das Arbeitsamt meiden, aus Furcht, in die Landwirtschaft vermittelt zu werden. Die Richtlinien der Reichsregierung lasten sich in ihrem Kern dahin zusammenfassen:
die Flucht vom Land in die Stadt muß abgelöst werden durch eine Flucht aus der Stadt aufs Land.
Weiblichen Arbeitskräften dürfen, solange es noch arbeitslose Männer gibt, in der Stadt nur solche Arbeitsplätze neu übertragen werden, die ihrer Art gemäß von einem Mann nicht gut ausgesüllt werden können.
Backwaren schon von 6 Uhr früh.
Eine Verordnung für Preußen.
Zur Förderung des Weizenabsatzes durch Hebung des Verkaufs von Weißgebäck hat die Reichsregierung für die Zeit vom 1. April bis 30. September d. I den Arbeitsbeginn in Bäckereien und Konditoreien bereits von 4 s Uhr und für gewisse Vorarbeiten schon von 4 Uhr morgens an zügelnsten.
Um der getroffenen Maßnahme zur vollen Wirksamkeit zu verhelfen, hat der preußische Minister für Wirtschaft und Arbeit die Ortspolizeibehörden angewiesen, für die Geltungsdauer des Gesetzes die A b g a b e von Backwaren jeder Art, auch aus offenen Verkaufssteüen, bereits von 6 Uhr morgens an zuzulasten.
Ierhinderung von Preissteigerungen.
Auf dem Textilgebiet und aus dem Gebiet der Lederwirtschaft.
Im Rcichsgesetzblatt Nr. 43 vom 21. April 1934 Werden zwei Verordnungen zur Verhinderung von Preis st eigerungen auf dem Textilgebiet und auf dem Gebiet der Lederwirtschaft veröffentlicht.
Nach der ersten Verordnung ist cs v e r b o t e n, beim Verkauf von T e x t i l r o h st o s f e n, Textilzwischcn- und Textilfertigerzeugnisten sowie den daraus hcrge- stellten Waren im Jnlandverkehr einen höheren Preis zu fordern oder sich oder einem anderen gewähren ober versprechen zu lassen, als ihn der Verkäuser in der Zeit vom 1. bis 21. März 1934 höchstens erzielt oder angekündigt hat. Der Höch st zulässige Preis darf für den Verkauf von Textilrohstoffen im Inland um den Betrag erhöht werden, um den der Preis für solche Rohstoffe bei gleicher Art und Güte aus den ausländischen M ä r k t e n im Zeitpunkt des Angebots oder des Verkaufs höher ist als am 21. März 1934. Bei der Versteigerung inländischer Schafwolle gilt als höchst zulässiger Preis der Preis, der vor dem 22. März 1934 zuletzt auf öffentlichen Wollvcrstcigcrungen erzielt worden ist.
Die zweite Verordnung bestimmt, daß es v e r b o t e n ist, beim Verkauf von Fellen und H ä u t e n der Nummer 153 des deutschen Zolltarifs, von Zwischen- und Fertigerzeugnissen daraus sowie den aus ihnen hcrgcstellten Waren im Jnlanvsverkchr einen höheren Preis zu fordern, als ihn der Verkäufer in der Zeit vom 17. März bis 14. April 1934 erzielt oder öffentlich angekündigt hat. Der h ö ch st z u l ä s s i g e P r c i s darf für den Verkauf vou Fellen und Häuten der Garnnummer 153 und von Zwisckenerzcugniffen daraus tm Inland um den Betrag erhöht werden, um den der Preis für solche Rohstoffe bei gleicher Art und Gute auf den ausländischen Märkten im Zeitpunkt des Angebots oder des Verkaufs höher ist als am 14 April l934. Bet der Versteigerung inländischer G r o ß v i e b d a u r e und Kalb-, Schaf- und Lammfelle der Tarifnummer io.-, gilt als höchstzulästiger Preis der Preis, der vor dem 15. April 1934 zuletzt auf öffentlichen Hautcverstcigcrun- gen erzielt worden ist. . ,
Wer den Verboten zuwiderhandelt, wird hiit Gc- f ä n g n i s u n d Geldstrafe, deren Höchitmay un- besckränkt ist bestraft. Die Verordnungen treten , o f o r t i „ K r a f t. Der Reichswirtschaftsminister bestimmt bett Zeitpunkt, an dein sic au feer Krart treten.
Zuchthaus für die Witwe eines Austromarxisten-FührerS.
Wien. Die Witwe des berüchtigten Morri st cnFübrerS in Bruck an der Mur in Steiermark. Koloman Wallisch, der nach den Unruhen vom 12. Februar gehängt worden ist, wurde wegen Hochverrats vom Sesbener Schwurgericht zu einem Zehr Zuchthaus verurteilt.