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M-aer Anzeiger

-H SSSSS <N»le* st- »He ee» vo,âv &SSMMte $ul»a. un» Haunetal. Salta« MHH ?auv5chliftr«ters: Fr. c^enttau, Lauterbach H. Redaktion unü Geschäftsstelle: Mniastraße 42 <- Zernfprech-^nschlusi Nr. 2489

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«r. 89 1934

Fulda, Dienstag, 17. April

11. Jahrgang

Protest gegen Dollfuß-Regime.

Schwere Somdenekplofion

Bei einer Dollfuß-Rede.

Zahlreiche Verhaftungen.

Wie sehr sich die Zustände in Österreich zugespüzt ^ben reinen Tumulte und Gegendemonstrationen antaß- cj|ICr »roßen Rede des Bundeskanzler Dollfuß in Graz.

Nachdem sich der Beginn der Rede Dollfuß' verzögert batte weil die vorgesehene Rundfunkübertragung nicht stattfinden konnte, weil sämtliche

Telephon- und Telegraphenleitungen zwischen Wien

und Graz zerschnitten worden waren, gab es während der Rede selbst große Gegendemonstrationen.

Schon vor Beginn des Festzuges der christlich, ozialen Bauern erplodierten Dutzende von Papierböllern in der ganzen Stadt. Die Straßen der inneren Stadt waren

mit Hakenkreuzen übersät.

Die Sozialdemokraten ihrerseits demonstrierten am Bahn­hof, und hatten aus dem Bahnhofsplatz zahlreiche mariistische Propagandaschriftcu ausgestreut.

Bei Beginn der Rede des Bundeskanzlers explodierte in der Nähe des Fcstplatzes eine Bombe und beschädigte die Haussront des Platzes schwer. Zahlreiche Anhänger der nationalsozialistischen und der sozialdemokratischen Partei wurden verhaftet.

Diese Bombenexplosion im Zusammenhänge mit den beiden kurz hintereinander erfolgten Eisenbahn- attentaten sollten den Bundeskanzler belehren, daß seine Politik nicht den uneingeschränkten Beifall des Volkes findet, wie er es gern in seinen Reden der Welt iveismachen möchte. Das Vorgehen der österreichischen Regierung gewährleistet keinesfalls die ruhige Entwick­lung, wie sie das Land so dringend nötig hat, sondern häuft Zündstoff auf Zündstoff, der sich immer wieder in Maltsamen Ausbrüchen Stift macht. Ein genau an­zeigendes Barometer für die wirkliche Stimmung im Volk gibt es nicht. Man kann jedoch ans Vorkommnissen, wie den oben gemeldeten, erkennen, daß die Opposition außer­ordentlich groß ist Deshalb wird es die Regierung auch nicht wagen, die jetzt in Arbeit befindliche neue Ver­saws u n g einer Volksabstimmung vorzulegen. Sie weiß es ganz genau, daß durch solche Abstimmung die Hohlheit und Haltlosigkeit ihrer Stellung sichtbar würde, und sucht jetzt krampfhaft nach anderen Wegen, um ihrem

Der geheimnisvolle Kassiber.

Erregte Szenen im Malters- hänfener Prozeß.

Tagt Baron von Waltershausen die Wahrheit?

Am zehnten Verhandlungstag des Waltershaujener - ioröprojeffes wird in der V e r n e h m u n g des Zeugen - o r o n v o n W a l t e r s h a u s e n sortgefabren.

^°Nitz-nder: Sie haben von Ihrer Mutter beim _un Gefängnis einen Zettel in den Mund bekommen? Âtitan?>cn?9C dies. Bors.: Was hat denn darauf- : Aus dem Zettel hat nur gestanden: Lieber besorge mir einen Detektiv.

W>: Wenn nichts anderes darausgestandcn hat, ist das llunz unverfängliche und belanglose Sache. èriMns . man schon glauben, daß etwas anderes darauf» stufe S bur Daß Ihnen die Mutter zum Abschied einen inbei dieser Gelegenheit Ihnen einen Zettel $nr ". ®u u d schiebt, ist eine auffallende Sache.

3 Cun«. ^cnnt.ler zugegen bei dieser Unterredung? einmal Herr Dr Günther und einmal der

1 $ ors.: Sie hätten cs sicher nicht qc- stltiic»Hbre Mutter den Wunsch nach dem Detektiv ' hätte? - Zeuge: DaS sollte eben

uni) P.Ä .eibc» im Dorfe, daß ein Detektiv arbeitete »lelleitit . irfUIU1en uiistellte Staatsanwalt: Hat a "^u doch etwas anderes aus Dem Zettel gestanden? ' ®ort' - *u Die Sache war mir selbst unangenehm »len? : Gaben Sie nicht mehr Zettel befom» äettel'hfu.i?'^ Rein - Bors : Haben Sie einen

- Z e u a e : Rein - Staats- Dieser Dr ' Gaben Sic Die Sache nicht so dargestelll als ob Wnacu n des Kassihcrs öfter vor sich gc- der 3» uae: Rein. Eingehend fragt nun

d uer den Zeugen nach den

die Don ''"bhiedencu Fingerabdrücken im Schloß, hätten sich rS°,n ?011 Waltershauscn stammen. Die Abdrücke ferner 0l1 uu Den erbrochenen Gegenständen befunden, (lebrücti An.Sr?1 verstaubten Weinflasche, deren Kork ein-

Er betont ®cr Brut» ivird sehr nervös. bfnackoniim-n"^ 'vicder, er sei damals im Schloß überall ?Mrii^"^r habe auch an einer Weinflasche Den Kork bunte,, hn Ä"ubo. er habe die Flasche Wein nicht gc- , f ^ericidi»/? ^rin nicht aut mar Demgegenüber betont , der Der sönne nicht stimmen Denn eine Flasche, f'schi Dies Dezember eingedrückt worden sei, hätte »e» der OriL," // (f ch e n nuten Geruch ausgewiesen, Bei 6cm ^""albeämtc am 7 Januar 1933 feftaefteUt habe. Saufen um vag Alibi des Baron von Walters- T-rtxi>iarr und StsvtSrinwLL hart an. ctnanver

Schritt Legalität zu verleihen und um das Odium eines Staatsstreiches herumzukommen.

*

Gegen die Frechheiten

jüdischer Emigranten.

Der Skandal der Karikaturenausstellung in Prag.

Gegen die Frechheiten der jüdischen Emigranten in Prag wendet sich mit aller Deutlichkeit und Schärfe ein aufsehenerregender Artikel des tschechisch - agrarischen Blattes des Prager MinisterpräsidentenBenko".

Darin heißt es u. a.:Wir haben den jüdischen Emigranten aus Deutschland, die hier bei uns ihre Rech­nung mit Hitler austragen wollen, Asyl geboten. Das setzt aber ein Benehmen voraus, das weder zu innen- und außenpolitischen Konflikten führen darf. Es wäre eine Sache des Taktgefühls;

die Emigranten aus Deutschland besitzen aber dieses Taktgefühl nicht.

Sie geben D r u ck s ch r i s t e n heraus, in denen syste­matisch durch Wort und Bilder der Leiter der neuen deutschen Regierung und seine Mitarbeiter in einer Art beleidigt werden, die bei allen Leuten Ablehnung hervor­ruft. Diese Fremdlinge

bespeien ihre Widersacher,

durch den Rücken anderer gedeckt. Aber von unserer Seite ist noch etwas viel Schlimmeres geschehen. Was sagt man dazu, wenn der KünstlerverbandManes" sich zu seiner Ausstellung Karikaturen ausborgt, die den Führer des Nachbarstaates erniedrigen? Was würden wir dazu sagen, wenn die Deutschen dasselbe tun würden? Ja, wir haben Freiheit,

eine republikanische Freiheit, wir wissen aber nicht, was wir damit ansaugen sollen. Wir gewähren sie im vollen. Maße jenen Fremden, die sie zu unserem Schaden mißbrauchen.

Niemals war unser Verhältnis zu den anderen Staaten so unerfreulich wie jetzt. Den Konflikt mit Deutschland, der durch tendenziöse Zeichnereien jüdischer Emigranten hcrvorgerufeii wurde, sehen wir als schädlich für unsere Interessen und unser Prestige an."

Man kann das tschechische Volk zu dieser vollständig richtigen Erkenntnis der Lage nur beglückwünschen. Um so leichter müßte es der Prager Regierung fallen, dem jüdischen Skandal der Manesausstcliung ein Ende zu machen!

besonders, nachdem der Zeuge erklärt hatte, daß er am zweiten Einbruchsiagc eine Anzeige bei Der Berliner Polizei erstattet habe. Da das Dienstmädchen vermißt war. Weiter verliest Der Vorsitzende eine aanze Reihe von Personen, bei Denen sich Der Zeuge in Der Zeit vom 2 bis 6. Januar in Berlin besuchs­weise eingefunden hat Der Verteidiger erklärn, jene Besuche seien tagsüber sestgcstellt worden, es sei aber noch nicht nachgewiesen. wo sich der Zeuge nachts be­funden habe

ES kommt Dann zu einem interessanten Z w i - s ch e ii i a l l zwischen Liebig und Dem Baron von Walters- Hausen Liebig erhärt Daft einmal von auswärts eine Hose per Nachnahme für Den Baron angekommen fei Dieser habe ibn gefragt, ob er kein Geld habe, um die Nachnahme von 30 Mark auszulegen Er bekomme nämlich fein Geld erst morgen, und Den .Alieu" tHanvtmann Verwert wolle er nicht anpumpen Baron von Waltershausen fährt furcht­bar erregt auf und schreit:

Das ist nicht wahr, daS habe ich nicht gesagt!"

(Gr ivird vom Präsidenten wegen seines ungebührlichen Tones zurechtaewicscn.t Liebig beharrt jedoch auf Dieser Darstellung und gibt an, daß der Baron von Waltershausen ihm das ausaclcgtc Geld in zwei Raten zurückgezablt habe.

Liebig war bei Oer Herrschaft beliebt/

Im weiteren Verlaus der Bcrhandlnng wurde eine bc sonders wichtige Zeugin, das Diciistinädcheii Grete Will­mann, vernommen, die Der Vorsitzende Darauf aufmerksam macht, daß auf ihre Aussage sehr viel antomme.

Grete Wittmann ist 1931 auf Schloß Waltershausen in Stellung gekommen. Sie erhärte. L i e b i a sei bei der Herr­schaft sehr beliebt gewesen, und Frau Werther habc sich mit ihm öfter über politische Fragen unterhalten. Liebig habe über Den Hauptmann ft e t s m i t Ach tu n g ge­sprochen. Auf Die Frage, ob sic Liebig als einen ko m mu - u i st i scheu Spitzel angcsehcu habe, erklärte Die Zeugin, daß sie Liebig immer als einen echten Rntimialsozialisten betrachtete, zumal auch er sehr viel für Die Partei ge­arbeitet habe

Aus Die Frage, ob vielleicht Liebig über Die Kündigung seitens Der Herrschaft aufgebracht und Dieser feindselig ge­sinnt gewesen sei, stellt Grete Wittmann das i n Abrede. Die Zeugin gab an, daß sich Liebigs Wesen wohl etwas verändert hatte, Doch habe das seinen Grund nicht in einer feindseligen Stimmung gegen Die Herrschaft, sondern darin, daß Liebig in Patcrfchastöangclcgcuhcitcn verwickelt war

Wüt MM her 9t6-WNW

Sensation in Paris.

Frankreich im allgemeinen und die Pariser im be­sonderen stecken noch bis über beide Ohren in dem un­übersehbaren Riesenskandal, der sich an den Namen Sta- visky und seine höchsten Gönner knüpft. In die Erregungen um diesen Skandal platzt jetzt die Nachricht, daß in einem Pariser Vorort, am Rande des schönen Waldes von Fontainebleau, in einer einsam gelegenen Villa die alte bolschewistische Revolutionsgröße Leo Trotzki entdeckt worden ist. Er heißt bekanntlich mit seinem richtigen Namen Braunstein und ist, wie säst alle maßgeblichen Männer des bolschewistischen Rußland aus der Zeit von 1917, Jude.

Die Angelegenheit hat den überaus peinlichen Bei­geschmack, daß kein Mensch in Frankreich, ja nicht einmal Die Pariser Presse oder, wie man aus den Pariser Zeitungen schließen mutz, die französische Regierung selbst eine Ahnung davon hatte, datz dieser routinierte Umstürzler da unmittelbar vor den Toren der franzö­sischen Hauptstadt eine Höch st gemeingefährliche Tätigkeit ausüble. Den eigentlichen Knalleffekt bekam dieser neueste Skandal aber erst durch die Fest­stellung, daß Herr Trotzki auf Grund einer völlig ein­wandfreien Aufenthaltsgenehmigung in Frankreich war, und diese Aufenthaltsgenehmigung ist von keinem anderen ausgestellt als von dem im Dezember 1933 amtierenden Innenminister Chaulcmps! Die Pariser Presse, allen voran DerMatin" und dasEcho De Paris", schlägt denn auch einen Höllenlärm, fragt in heller Empörung, wie Herr Chaulemps dazu gekommen sei, ausgerechnet den von allen Kulturstaaten abgelehnten Trotzki in der Nähe von Paris aufnehmen zu lassen, und verlangt nunmehr seine sofortige Ausweisung und dar­über hinaus die Ausweisung aller russischen Emigranten überhaupt, gleichviel welcher Färbung.

Die Erregung der Pariser über das russische Kuckucksei, sas ihnen Herr Eliautemps in so merkwürdiger Heimlich­keit da ins Nest gesetzt hat, ist durchaus begreiflich. Trotzki- Braunstein, der heute 57 Jahre alt ist, zählt zu den be- rüchtigsten Bolschewisten. Er wurde schon im Jahre 1905 von der Zarenregicruug wegen seiner revolutionären Um­triebe nach Sibirien verschickt. Seitdem er von dort ent­kam, war er einer der Totengräber des Zarenreiches. Er ging ins Ausland, fand sich in dem bekannten Züricher Kreis der russischen Revolutionäre ein, eilte 1917, als die Zeit für ihn reif zu fein schien, nach Moskau, und stürzte zusammen mit Lenin die linksdemokrotische Übergangs regierung Kerenskv tauch Herr Kerenskv, Rechtsanwalt seines Zeichens, lebt feit fahren in Paris). Als Leiter des außenpolitischen Kommissariats wurde Trotzki sehr schnell zum m ä ck t i g st e n Mann neben Lenin. Seine größten Dienste leistete er aber Sowjelrußland durch die Reorganisation des russischen Heeres. Der ungeheuren Energie, mit der Trotzki diese Aufgabe betrieb, verdankte sie Sowjetregicrung den siegreichen Vorstoß des russsischen Heeres bis vor die Tore der polnischen Hauptstadt War­schau, wo, wie erinnerlich, das Schicksal der Zerschlagung Polens nur durch das Eingreifen einer französischen Militärmission verhindert wurde. Trotzki vermochte sich ungeachtet aller Anscindungen auch noch kurze Zeit^übcr Den Tod Lenins hinaus tu basten und würd- erst im Früh­jahr 1928 «ach erbittertem Ringen um die Alleinherrschaft von dem kalt überlegenen. Kaukasier Stalin, dem Nach­folger Lenins, in die Verbannung geschickt.

Die Welt erlebte dann eine wahre K o in ö d i c r ü b r- s e l i q e r W e r b u ii g für Herrn Trotzki, als er, schließlich ans Rußland ausgewiesen, sich am Bosporus, also auf türkischem Gebiet, niederließ. Die Komödie ging so weit, daß sich im Jahre 1929 linksdemokratische und marristische Kreise zu träuenreichen Artikeln über denarmen ver­folgten Flüchtling", ja sogar bis zu Briefen an den damaligen Reichskanzler verstiegen, die das Asyl recht für den russischen Revolutionär ausgerechnet im ohnehin gefährdeten Deutschland verlangten.

Nun sitzt Herr Trotzki also in einer Villa in Paris, hat eine Leibwache von vier Mann um sich und ver­braucht, wie die Polizei feststellte, in dieser einsamen Villa enorme Mengen elektrischen Strom, obwohl man abends immer nur eine einzige Birne in Dem ganzen Hause brennen sieht. Man vermutet, daß der revolutionäre Ahasver aus Moskau bereits die Über­schwemmung von Paris mit den bolschewistischen Er­zeugnissen einer in dieser Villa betriebenen Gcbcim- druckcrci vorbereitet hatte. Auf alle Fälle ist die gegen­wärtige französische Regierung Doumergue - Bartbou durch die Heimlichtuerei des früheren Innenministers Chautemps in eine höchst fatale Lage gebracht, und man darf gespannt sein, wie sie diesen immer noch sehr aktiven Sprengkörper da aus dem Walde von Fontaine­bleau wieder loswerden wird, ohne daß sich vielleicht noch weitere unangenehme Überraschungen ergeben.

A. R.

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Um Trotzkis Aufenthalt in Frankreich.

Paris. Nach deinMatin" soll sich Trotzki am Montag immer noch in Barbizon ausgefallen haben. Das Blatt glaubt, daß er die Entscheidung des heutigen Mtmstcr- rats abwarten wird.

Oberst Karl von Oertzen gestorben.

Berlin. Der frühere Leiter derNachrichtenstelle deS ReichSwehrministeriums". Oberst a. D. Karl von Oertzen, ist tut Alte: von SS Jabren gestorben. Karl von Oertzen wurde, nachdem er im Weltkrieg bei verschiedenen Stäben Dienst ge­leistet hatte, 1919 zum Reichswebrministerium kommandier«. Hier wurde er 1922 Leiter der Nachrichtenstelle, nahm 1926 als Oberst Sei Abschted und betätigte sich dann akz S>Ä fdértftfteS'ex.