Stadt und Land
* Fulda, den 7. April 1934.
Neues Leben.
Röm. 6, 4: „Gleich wie Christus ist auserwecket von vcn Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, also sollen auch wir in einem neuen Leben wandeln." Ostern ist vorbei. Nun soll davon gesprochen werden, mit dem neuen Leben steht, zu dem wir durch r. Auferstehung kommen sollen. Ich kann cs nicht â sagen, als wenn ich ganz einfach erzähle, was ich , L ersten Tag nach Ostern, erleben durfte. Mir ist Herz noch ganz voll davon.
Wir haben eine Frau zu Grabe geleitet. Die hat Ertz Leben gelebt. In aller Armut und Not, in aller Mühsal und Leidensqual. Sie war ein sonniges junges Mädchen gewesen und durch ihre Anmut und kluge Tüch- die Frau ihres reichen Brotherrn geworden. Er war ein tüchtiger, aber hemmungsloser Mann. Anfangs inn xs aber im vielen Geldverdienen und im noch mehr ^rvicnenwollen brach seine rohe Natur immer rücksichts- Wser durch. Ihr seines, edles Wesen, das ihn vor dem schlimmsten behüten wollte, trat er schließlich mit Füßen. Hinter weiter war er aus Abwege geraten. Dann ließ er die Seinen im Stich. Das Seine verbrachte er, die Seinen ließ er in bitterer Not. Sie hat sich mit den Kin- dern dann in schwerer Arbeit mühselig ernährt, bis sie vorzeitig zerbrach. Er ist untergegangen, wer weiß wo.
In all den Jahren hat sie kein hartes Wort über ihn ui den Kindern gesprochen. All ihr Wesen war Vergebung, Güte, Dienst, Hilfe und ein stetes Trachten, die Kinder im aleichcn Geist zu erziehen. Und es ist ihr gelungen. Und in all den Jahren ist sie nicht verzagt, auch in ihrer langen, hoffnungslosen Qual der Krankheit nicht. Sie suchte Gott ,md sand ihn immer wieder; auch in den dunkelsten Stunden war sie voll Dank und Glaubensfrieden und Zuversicht. Ein alter Mann, der die Jahre in demselben Haus gewohnt hat, sprach von ihr, als spräche er von einer Heiligen. Seine Worte gipfelten in dem Satz: „Was hat bie für ein Leben gelebt!"
Es war „das neue Leben", wie Jesus davon spricht: „Meinen Frieden gebe ich euch." Wenn wir so leben lernten! Wie wir dazu kommen? Mit der sogenannten „Bildung" hat das nichts zu tun. Die hatte sie auch nicht dazu gebracht. Es geht nur auf einem Wege: daß wir ihn ganz, aber auch ganz ernst nehmen, der da sagt: „Ich bin bei euch alle Tage!"
Der „Weiße Sonntag".
Der erste Sonntag nach Ostern heißt „Quasi- modogeniti", das bedeutet: „Wie die eben Geborenen". Seine volkstümliche deutsche Bezeichnung aber lautet „Weitzer Sonntag" oder „Weiße Ostern", was aber nichts mit etwaigen Schneefällen am Ostertage zu tun hat. Der „Weitze Sonntag" steht im Gegensatz zu den
„Schwarzen Ostern", Bezeichnung ist zwar immerhin in einigen man am Niederrhein gesprochen;. „Bloak"
dem eigentlichen Osterfest; diese nur noch wenig gebräuchlich, aber Gegenden noch geläufig: so sagt „Bloake Poasche" („oa" einsilbig heißt „schwarz" (wir finden den
Wortstamm im „Blaken" der Lampel, und „Poasche" ist das Passah- oder Osterfest.
Die Bezeichnungen „Quasimodogeniti" und „Weißer Sonntag" weisen aus die sinnbildliche Bedeutung dieses Sonntags hin. In frühchristlicher Zeit war es Brauch, daß die am Karsamstag getauften Christen ihre festlichen weißen Taufkleider, die sie die ganze Osterwoche hindurch getragen hatten, am Sonntag nach Ostern zum letztenmal anlegten. Aus diese weißgekleideten, der christlichen Kirche „eben geborenen" Brüder und Schwestern bezicht sich der Name des ersten Sonntags nach Ostern. In katholischen Gegenden werden am Weißen Sonntag die Kinder zur ersten Kommunion geführt, und in der Ptalz beschenkt man die Kinder dann noch einmal mit Litereiern, die in ein weißes Tuch eingeschlagen sind. An den „Weißen Sonntag", den „Kleinen Ostersonntag", wie er auch genannt wird, knüpfen sich überhaupt noch viele chtereierbräuche: es darf sich bei den Eiern aber nicht mehr buNtgefärbte, sondern immer nur um weiße Eier handeln. Man spendet an diesem Tage auch den Armen Lier, wie überhaupt der Weiße Sonntag ein Tag besonderer MNdtätigkeii und Gastfreundschaft ist. Die Türen und den Freunden und Bekannten des Hauses weit geöffnet, und doppelt freudig empfängt an diesem Tage der achtergesegnete Vater den zukünftigen Schwieger- Bramwer Sonntag ist nämlich auch der Tag der
Die Nacht, die dein Weitzen Sonntag vorangeht, gilt der drei sogenannten Frei- oder Unruhnächte des
■ 1 in denen es der Jugend erlaubt ist, einigen Un- . >g N treiben und dann alles mit der Ausrede, daß es
Eben „unruhe", zu entschuldigen. Sehr beliebte '^ hierbei, daß man aus Gastwirtschaften heim- tiirrnT1 s "Nd Bänke ausräuntt und vor der Tür auf- ch; Â 4 1 bQk man an den Haustüren H o l z auf« 'um 1 H öa6 die Hausbewohner am Morgen nicht dic ,D;"io hinauskönnen. Am Weißen Sonntag läuft auch u 00 ^ Bauern auf dem Hofe uhb auf den am Palmsonntag geweihten Buchsbaum- cbenin,," e m'. genannt, gesteckt haben müssen. Und Stnü • ^ "n Hause geschehen, in jedem Zimmer, im nebanMH” Hr Scheune, damit Unglück und Unwetter n« ' .nut alle bösen Geister ferngehalten werden, er auma n,en verlangt man vom Weißen Sonntag, daß nn bringe; stellt .sich jedoch ein Regenguß
^vs auch nicht viel, denn
am Weißen Sonntag bei R e g e n , x lugt er Gras und Blüten Segen.
Am Wochenende.
etwas Kirnen, sonnigen Osterwetter ist nunmehr staubt un^ilgkeit von oben erwünscht. Die Ackerscholle nietlirh 1 ^r Pflugschar, die Wintersaaten stehen küm- nadi singt blickt der Bauer des Fuldaer Landes M Himmel: „Ein t r o ck e N e r A p r i l Rauch 4,1 e * b ° r m !" — Kerzengerade steigt der Lust - 1 omtmer Fabrikschornsteine in die dünne, klare blotes w-eitz mit der Prosa eines rauchenden erinnert nH D1 "nzufangen, aber der eine oder andere sahnen üfL die Zeit, in der nur wenige Rauch- tänend breht^^ gingen. Kein Schlot rauchte, miß- Aann iak, „ ".^) die wenigen Räder, der Handwerks- griibelte n 'C1*’cr stillen, verstaubten Werkstatt und unb braA ?„n 1er Gerichtsvollzieher hatte Hochbetrieb Es ist „„1 P. zusammen unter seiner Arbeitsüberbürdung. 'Her lange her und Erinnerung ist leiten ul V , Jejonbers, wenn die kleinen Mißhel- °ber wenn 1 des Alltags nicht ganz ausbleiben, Hüii lütht das Jahre lang eingerostet war, plötzlich die höchste S^wungkrast erreicht. Auch
Starke Abnahme der Arbeitslosigkeit im März.
«tand der Arbeitsschlacht im Bezirk des Arbeitsamts Fulda.
Ende Februar wurden im Bezirk des Arbeitsamts Fulda 4322 Arbeitslose gezählt. Diese Zahl ist im Laufe des Monats März auf 2 9 7 7 gesunken, dies bedeutet eine Abnahme um 13 4 5. Die Entwicklung ist über Erwarten günstig gewesen. Mit einem Stand von 2977 Arbeitslosen ist selbst der günstigste Stand des Vorjahres erheblich unterschritten: Ende Oktober 1933 — dem günstigsten Stand des Vorjahres — wurden 3102 gezählt. Die Abnahme erklärt sich in erster Linie aus der starken Aufnahmefähigkeit der Außenberufe. So ging die Zahl der männlichen Arbeitslosen in der Berufsgruppe: Steine und Erden von 238 auf 92, Baugewerbe von 881 auf 243, Lohnarbeit wechselnder Art von 1022 auf 750 zurück. Verursacht ist diese günstige Entwicklung zweifellos durch die Jnstandsetzungs- und Ergänzungsarbeiten, die gerade im März mit besonderer Intensität durch- geführt wurden. Zeitweise herrschte sogar ein gewisser Mangel an Facharbeitern, so zum Beispiel an Malern.
Die Zahl der Arbeitslosen aus den übrigen Berufsgruppen ist demgegenüber weniger gesunken. Ter gute Beschäftigungsstand der hiesigen Industrie konnte weiter behauptet, zum Teil auch noch verbessert werden. So herrschte zeitweise eine starke Nachfrage nach Webern.
Tie U n t e r st ü tz u n g s e i n r i ch t u n g e n sind durch diese Entwicklung weiterhin stark entlastet worden. So ist die Zahl der Arbeitslosen, die versicherungsmäßige Arbeitslosenunterstützung erhalten, gegen den Vormonat etwa auf die Hälfte gesunken: von 1035 auf 524. Die Zahl der Krisenunterstützungsempsänger ist von 1466 auf 1052 gesunken, die Zahl der arbeitslosen anerkannten Wohlfahrtserwerbslosen von 530 auf 379.
Die Zahl der Notstandsarbeiter konnte im Laufe des Monats März erheblich gesteigert werden. Ende Februar 1934 waren 942 beschäftigt, Ende März 1323.
Es ist notwendig, die Zahl der Arbeitslosen schnellstens unter allen Umständen weiterhin zu vermindern. Wenn dies erreicht werden soll, ist erforderlich, daß dem Arbeitsamt restlos alle offenen Stellen gemeldet werden. Deshalb ergeht auch hier erneut an alle Arbeitgeber die Aufforderung, die freiwerdenden Arbeitsplätze unverzüglich dem Arbeitsamt zu melden! Eine Zersplitterung würde den Erfolg gefährden. Nur bei einer zentralen Zusammenfassung aller Arbeitsgelegenheiten ist der Erfolg weiter sicher.
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Mehr Arbeitsplätze im März auch für Angestellte gemeldet
Die Stellenvermittlung der Teutschen Angestelltenschaft berichet:
dann ist diese Erinnerung nützlich, wenn der Feind Unkraut säen will in die aufgegangene, sproßende Saat — das wagt sich nicht hervor ans Licht der Sonne — das raunt und wispert und flüstert und will auf heimtückische Art Mißtrauen in die Herzen säen. — Der Fuldaer hat auch nie auf die „gebratenen Tauben" gewartet, die ihm fix und fertig zufliegen, er wußte immer, daß sein Leibspruch: „Bee wäersch Kammer äbbes ääßè!" nur dann berechtigt war, wenn er sich redlich dafür geplagt hatte. Ein altes Fuldaer Wort behauptet auch: „Vee m'r ißt — so schafft m’r“ — im Durchschnitt also: ausgiebig und ausdauernd.
Während der Osterferien waren hier viele junge Fuldaer aus dem Arbeitsdienst im Urlaub zu sehen. Manche Mutter hatte sich Sorgen gemacht um ihren Jungen, der daheim schon immer so blaß und vergrämt aussah — wie wird es ihm ergehen? Nun, diese Sorgen sind erledigt — die Jungen haben durchweg zugenommen' und sehen alle — ohne Ausnahme — vorzüglich aus. Eine Fuldaerin (eine von vielen) versicherte: „Ich hon min Jong net widdergekaant" — so hatte er sich zu seinem Vorteil verändert. Dem einen oder anderen Jungen mag es ja im Anfang schwer fallen — die ersten 14 Tage sind ähnlich der Rekrutenzeit etwas schwerer zu ertragen — aber das gibt sich. Kameradschaft, Lebensfreude bringen die veränderten Verhältnisse — und auch der jugendliche Uebermut wird nicht unterdrückt, sondern nur in die richtigen Bahnen gelenkt. — An den Osterfeiertagen war wieder ein größerer Fremdenverkehr in Fulda festzustellen, sowohl aus dem Norden wie aus dem Süden unserer Provinz. Die Verkehrswerbung und die beginnende Gesundung machen sich schon bemerkbar. Die ^rage „Wie wirbt man für Fulda?" ist „aktuell" und wird an der Tagesordnung bleiben. Man wirbt z. B. nicht für Fulda, indem man unsere Heimat in der Großstadtpresse als eine Art Schilda hinstellt und durch „Fuldaer Geschichten" ein ganz schiefes Bild von dem Fuldaer Volkscharakter zeichnet. Alles Anekdotische in Ehren — in dem engeren Rahmen der Heimat wird es verstanden — darüber hinaus wird es leicht mißverstanden, besonders dann, wenn Stammtischwitze, denen die künstlerische Ruüdung fehlt, als typische Fuldifches verzapft werden. — Man wirbt auch nicht für Fulda durch zusammengetragene statistische Notizen, ebenso ist jede lleberschwanglichkeit, die nur Licht und keinen Schatten kennt, vom Uebel. Laßt nebenbei unser Fulda durch sich selbst werben — aber nehmt nicht jede Ueberraschung dem fremden Gäste vorweg. Jeder, der auf Reisen geht, liebt und hofft es, an seinem Reiseziel mehr zu finden, als er erwartet hat. Weshalb die große Enttäuschung, die wir an manchem berühmten Orte empfinden? Wir sind zu sehr durch die cnthusiastischen Prospekte und Anpreisungen in Spannung versetzt worden; unsere Erwartungen waren zu hoch — und die Wirklichkeit ernüchtert uns derart, daß unser Urteil über die berühmte Stätte leicht getrübt wird. Wer je über die Psychologie des Reisens nachgedacht hat. der wird nicht um diese merkwürdige Erscheinung der „getäuschten Erwartung" herumkommen. —
Für Jung-Fulda bringt die kommende Woche einen wichtigen Schritt ins Leben, die Schulpforten öffnen sich. Und man mochte nur wünschen, daß das geheime Grauen vor der Schule und die Schulfurcht endgültig verschwinden. Machet auch weit auf das Tor — dem jungen Nachwuchs im Lehrberuf! Die überfüllten Schulklassen, die wir leider immer noch haben, müssen mit der Zeit verschwinden. Sonnige Schulhäuser werden an Stelle der dumpfen Schul- Kasernen entstehen. Der Aufgaben sind noch unendlich viele, alle werden gelöst werden, und es ist kein Grund zum Verzagen, wenn manches noch zurückgestellt werden muß. Was heute keimt, kann morgen noch keine Früchte haben: es erfordert Pflege und viel Kleinarbeit, bis die Saat erntereif ist. A. M.
4vjährigcs Dienstjubiläum.
Postrat Bienhüls, seit über 10 Jahren Leiter des hiesigen Postamtes, begeht am heutigen Tage sein 40jäh- rt0.es Dienstjubiläum,
Der Arbeitseinsatz für Angehörige der Angeftelltenberufe hat sich auch im März gebessert. In den ersten Wochen hielt sich die Zahl der gemeldeten offenen Stellen allerdings noch etwas auf der Höhe der Vormonate. Unmittelbar nach der Rede des Führers zur Eröffnung der Arbeitsschlacht am 21. März belebte sich jedoch der Vermittlungsdienst auffallend. Durch die noch in den letzten Tagen des Monats verfügten Personalanforderungen konnten die Vermittlungsziffern der Vormonate überholt werden. Charakteristisch für die Be- setzungsaufträge im einzelnen ist, daß sie, namentlich soweit es sich um Stellenangebote für kaufmännisches Personal handelt, zum großen Teil aus Betrieben kommen, die mit Aufträgen aus dem Arbeitsbeschaffungsprogramm direkt nichts zu tun haben.
Die Früjahrsentlastung der Angeftellten-Arbeitslosig- keit ist also Beweis für eine echte Konjunkturbelebung. Dafür spricht auch die verhältnismäßig sehr niedrige Zahl von Angestellten, die sich im gekündigten Arbeitsverhältnis als Bewerber haben eintragen lassen. Weitgehende Bemühungen, durch den Dienst der Stellenvermittlung, ältere Angestellte ohne besonderen Auftrag der Firmen in ihre alten Betriebe zurückzuführen, waren leider nur sehr vereinzelt von Erfolg. Zwar haben einige größere Firmen von sich aus ihre früheren Mitarbeiter zurückberufen. Alles in allem aber ist das Problem der älteren Angestellten nach wie vor akut. Dafür spricht auch die altersmäßige Gliederung der Besetzungsaufträge. Ueberwiegend werden immer nur jüngere Kräfte angefordert.
Ein Zeichen sich durchsetzenden Optimismus ist die verstärkte Anmeldung von Bewerben in ungekündigter Stellung. Stellungswechsel — nach voraufgegangener Erweiterung und Vertiefung des Berufswissens der Bewerber in den Lehrgängen und Arbeitsgemeinschaften der Teutschen Angestelltenschaft — führte erstmalig wieder in größerem Umfange zu Vermittlungen in Stellungen, in denen sich bessere Aufstiegsmöglichkeiten boten. Diese Entwicklung ist um so mehr zu begrüßen, weil in einigen Branchen, wenn zunächst auch erst bezirklich begrenzt, als Folge einer nicht richtig geleiteten Lehrlingsausbildung, im wesentlichen aber einer in den letzten Jahren außerordentlich beengten Schwankung jüngerer Gehilfen. Mangel an Berufs- und facherfahrenen Bewerbern besteht. In richtiger Erkenntnis der Gefahren, die der Wirtschaft von der Seite her drohen, versuchen auch Firmen, in Verbindung mit Stellenvermittlung und Berufsbildungseinrichtungen der Deutschen Angestelltenschaft einen Bewerberaustausch anzubahnen, der als solcher in nichts die Möglichkeiten zur Besetzung neuer offener Posten mit Altstellungslosen beeinträchtigt.
Arbeitsdienst der Abiturienten.
Den Abiturienten, diee Ostern 1934 die Reifeprüfung bestanden haben, gehen in den nächsten Tagen ohne Rücksicht darauf, ob sie die Hochschulreise erhalten oder nicht, Doppelpostkarten zu, deren Rückantwortkarte umgehend auszufüllen und an die Hauptmeldestelle für den Freiwilligen Arbeitsdienst des Arbeitsgaues 22 in Kassel einzusenden ist. Da nach Mitteilung des Provinzialschulkol- legiums in Kassel die Zuerkennung der Hochschulreife für die Abiturienten der Provinz Hessen-Nassau bis zu dem von der Reichsleitung des Arbeitsdienstes vorgesehenen Termin nicht ausgesprochen werden kann, sind die Postkarten zunächst ohne Beantwortung der Frage nach der Hochschulreife abzusenden. Ten Abiturienten, denen die Berechtigung zum" Studium zuerkannt wird, geht sodann durch das ihrem Wohnsitz am nächsten liegende Meldeamt vor dem 28. April 1934 die Einberufung zur persönlichen Vorstellung und ärztlichen Untersuchung zu. Der Arbeitsdienst beginnt am 7. Mai und dauert bis 25. Oktober 1934. Er besteht aus vier Monaten Arbeitsdienst und sechs Wochen Geländesport. Wünschen für die Einstellung in eine bestimmte Gegend Deutschlands kann nicht entsprochen werden. Die Unterbringung erfolgt in der Regel in den Arbeitsdienstabteilungen der Aufenthalts- oder Heimatprovinz. Alle Anfragen oder vorläufigen Meldungen bei den Meldeämtern zum Diensteintritt sind zwecklos. Die Einberufung erfolgt automatisch. Diejenigen Abiturienten, die nicht studieren wollen oder denen die Hochschulreife nicht zuerkant wird, können sich jedoch wie alle sonstigen Bewerber bei den Meldeämtern für den Freiwilligen Arbeitsdienst zur Einstellung melden und müssen sich in diesem Falle für sechs Monate verpflichten.
Der Leiter der Hauptmeldestelle für den Freiwilligen Arbeitsdienst im Arbeitsgau 22. gez. Steyer.
Ein neuer Sammelsport!
Allenthalben finden die künstlerisch ausgeführten Plaketten des Winterhilfswerks ihre Liebhaber. Die Erinnerungszeichen einer großen Zeit, in der der Volksgenosse dem Volksgenossen half, werden sorgsam aufbewahrt, damit noch Kinder und Kindeskinder sich über die große Tat des deutschen Sozialismus freuen.
Wem das eine oder das andere Stück fehlt, der wird bei den Ortsgruppen der NSV. die fehlenden Plakette leicht finden können. Auf jeden Fall hat eine vollständige Sammlung der Abzeichen des Winterhilfswerks außer dem ideellen auch einen gewissen Sammelwert. Der neue Sammelsport ist sinnvoll und nützlich zugleich.
Einzelrichter-Sitzung.
Er sammelte in die eigne Tasche.
Der 37jährige Dreher K. R. hatte früher mehrere Jahre lang für das Venediklinerinnenkloster in Fulda im Landkreis Fulda Sammlungen vornehmen dürfen. Im Januar d. J. sammelte er wieder bei Einwohnern in Bök- Ms. Er ließ diese im Glauben, daß die Sachen wieder für das Kloster bestimmt seien, während R. in Wahrheit nicht zum sammeln berechtigt war. Unter Berücksichtigung mildernder Umstände erhielt er wegen Betrugs 50 Mark Geldstrafe.
Ein Vater verklagt seine Tochter.
Daß ein Vater gegen eine seiner Töchter sogar eine Privatklage bei Gericht einreicht, gehört zu den größten Seltenheiten. Die gestrige Einzelrichtersitzung hatte sich mit einem derartigen Fall zu beschäftigen. Der Fabrikarbeiter N. hier hatte gegen seine Tochter Paula, eine verheiratete Frau W.,' Privatklage angestrengt, weil die Tochter ihren Vater eines sehr schweren Verbrechens beschuldigt hatte. Die unter Ausschluß der Öffentlichkeit geführte Verhandlung endete mit der Verurteilung der Angeklagten wegen übler Nachrede zu 40 Mark Geldstrafe, èvtl. 8 Tage Gefängnis.