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«anaemack, Fulda. Konigstr. 42. Vertreter des v V auf Nachlaß.DA." 1000. Verantwort!, für den

HliUpkfchriftleiters: Fr. Ehrenklau, Lauterbach H. Neüaktion und Geschäftsstelle: Königstraße 42 » Zernfprsch-Nnfthluft Nr. 2-84 Anzeigenteil Ferdinand Ehrenklau, Lauterbach-H.

Nr. 79 1934

Fulda, Donnerstag, 5. April

11. Jahrgang

Tarifverträge bleiben gültig.

Aeiiergeliung von Tarifverirägen nach dem 1. Mai.

Der Reichsarbeitsminister hat über die Weiter- zcl?ung von Tarifverträgen nach dem 1. Mai M eine bedeutsame Anordnung erlassen.

Hiernach gelten die am 30. April 1934 noch laufen- sc>l Tarifverträge als Tarifordnungen fo lange liiiverändert weiter, bis der Treuhänder der Arbeit ihren Ablauf auvrdnet oder sie abändert. Der Rcichsarbcitsmiiiister kann auch selbst den Ablauf be­stimmen. Die als Tarifordnungen verlängerten Tarif­verträge gelten, wenn sie für allgemein verbindlich erklärt waren, üit Umfange der bisherigen Allgemeinverbindlich- keit, im übrigen nur für die am 30. April 1934 tarif gebundenen Betriebe.

Die angeordnete Weitergeltung von Tarifverträgen als Tarifordnungen ist im allgemeinen zwar unbefristet: sie ist jedoch nur für eine gewisse Übergangs­zeit in Aussicht genommen, innerhalb deren die Treu­händer der Arbeit die erforderliche Umstellung vorzu- nchmeii habe». Die Weitergeltung von Werk- (Firmen ) Tarifverträgen als Tarifordnungen ist von vornherein bis zum 30. Juni 1934 befristet, da diese bis spätestens dahin durch Betriebsordnungen ersetzt werden müssen.

Die Anordnung gilt für private wie für öffentliche Betriebe.

*

Angriffe in die Vertrauens inâaner- wählen verboten.

Strenge Anweisung der Reichsregierung.

Reichsarbeitsminister und Reichswirtschaftsminister I geben bekannt:

Es liegen Mitteilungen vor, wonach in verschiedenen Teilen des Reiches troh der klaren Anweisungen der Neichsrcgierung von betriebsfremden Kreisen versucht wird, in die Wahl der Bertraucnsräte cinzugreifcn, die Wahllisten auszustellen, zu ändern oder Borschristen über Zeitpunkt und Formen der Wahlen zu erlassen. Derartige Versuche sind unzulässig und stehen in scharfem Widerspruch zu Geist und Inhalt des Gesetzes zur Ord­nung der nationalen Arbeit.

Dieses Gesetz, das auf der Grundlage der Zusammen- gebörigkeit aller Betriebsangehörigen beruht, geht davon aus, daß so weit wie möglich die Beziehungen des Führers eines Betriebes und seiner Gefolgschaft im Be­triebe selbst geregelt werden müssen. Das Gesetz will also

Die nächtliche Tragödie im Schloß.

Das Mordgeheimnis

von Waliershausen.

D ra m at i f ch e Vc r n e h m u n g des

A n g e k l a g t e n.

Fu S ch w c i H f u r t begann unter ungeheurem Au- drangvcs Publikums der Mvrdprozctz gegen den t-haufscur und Gärtner des Schloßherrn von SS tr l = "6ha u s c u, Karl Liebig. Liebig wird beschuldigt, imien Arbeitgeber, den Hauptmann Werther, in der

^um J Dezember 1932 umgebracht zu haben. Es I ein großes Aufgebot von Zeuge» und Sachvcrstän- Mladen; unter den letzteren befindet sich u. a. der b.cr, Universität Erlangen, Professor Fischer.

« âch Erledigung der üblichen Formalitäten am An- â wurde mit der Vernehmung des A n g e - begonnen. Liebig ist in Recklinghausen als 9 I ' Ernes Bergmanns geboren. Auf Grund einer M^,/^6anzeigc trat er in Verbindung mit Hauptmann ... - r. der ihn veranlaßte, nach Schloß Waltershauseu wunen. Der Angeklagte behauptet, daß er

. Leuten der Umgebung des Schlosses gewarnt

61c^ Stellung anzunehmen. Während seines Uh-1 ^hE er jedoch im allgemeinen nur gute Er- Garungen gemacht.

Die Schilderung der Mordnacht.

AnüiMn fiteren Verlaus der Vernehmung erklärte der befunden k ?"K er sich nicht in gekündigter Stellung SteihmA Er muß aber zugeben, daß er eine neue die -Aussicht hatte. Er gibt an, daß er wußte, dak ) oßberrschaft finanziell schlecht gestellt war. smm^"^rrr«n hätte einmal gesagt, das Schloß Am 1111 ,r Schulden als sic Haare aus dem Kopf,

ni ö e ^ Mordes habe er seine Pistole r e i - in bie eit Dabei fei ihm eingefallen, daß er Holz ^"8en iitußtc. Er legte die Waffe in sein 9 Uhr .^ä?« 11116 trug das Holz in die Küche. Um ^ustür S "chas Schloß mit der Köchin durch die deaab km, - Köchin riegelte hinter ihm zu, und Liebig in fern Zimmer.

^Die Gnädige ist verrückt geworden!"

Ha* ihn^;^11 ^br nachts vernahm er, daß die Baronin ^hrscheinltch um ihn zu mahnen. das Licht

11 Uhr ehgeuyt ^' â^ wsitsrgslsssn und fei gegen

gerade Einmischungen betriebsfremder Elemente, wie sie früher von Gewerkschaften vorgenommen worden sind, aus- schließen und die S e l b st v e r a n t w o r t l i ch k e i t der im Betriebe tätigen Menschen stärken. Es bestimmt daher, daß

lediglich der Führer des Betriebes

tm Einvernehmen mit dem Betriebs­zellenobmann des Betriebes die Wahllisten der Ver­trauensmänner aufstelli und die Wahl durchführt. Wo diese Einigung nicht möglich ist oder wo die Wahl zu keinem positiven Ergebnis führt, kann allein der Treu­händer der Arbeit die notwendigen Anordnungen treffen. An diesem Grundsatz muß unbedingt festgehalten werden.

Wer gegen den vom Gesetzgeber gewünschten Grund­satz verstößt, läuft Gefahr, zur Rechenschaft gezogen zu werden, ganz abgesehen davon, daß gesetzwidrige Eingriffe in die Wahlen der Vertrauensmänner die Ungültigkeit der Wahlen nach sich ziehen können.

*

Die Gemeinden in der zweiten Arbeiisschlacht.

Wieder 135 000 Neueinstellungen.

Die deutschen Gemeinden und Gemeindeverbände können in den zweiten Abschnitt der Arbeitsschlacht mit dein stolzen Bewußtsein eintreten, daß sie in der ersten, hinter uns liegenden, besonders schwierigen Angriffs­welle erfolgreich die eigentlichen Träger des Offensiv­geistes gewesen sind. Von den Mitteln, die das Reich für die öffentliche Arbeitsbeschaffung ausgeworfen hat, sind allein von den Gemeinden und Gemeindever­bänden und ihren Betrieben nahezu 60 Prozent in Anspruch gcnommen worden.

Durch eine besondere Erhebung konnte soeben fest­gestellt werden, daß in der Zeit » von Oktober 1933 bis März 1934 bei den Gemeinden, Gemeindeverbänden und ihren Betrieben sowie bei den von den Gemeinden durch- geführten Arbeiten

rund 230 000 Neueinstellungen erfolgt.

sind. Nach angestellten Erhebungen sind schon heute für Ende März bis Ende Juni in den Gemeinden und Ge­meindeverbänden bei den von ihnen veranstalteten Arbeiten rund 1 35 OOONeueinstellungenvor- gesehen; im weiteren Verlauf des Jahres wird die Zahl der Neueinstellungen wahrscheinlich das Ergebnis des abgeschlossenen Abschnitts erreichen, wenn nicht sogar überschreiten.

In der Nacht habe er nichts Auffälliges vernommen.

Um 7 Uhr morgens jedoch, nachdem er halb angekleidet in den Hof gegangen war, um Wasser zu holen. Hörte er das Dienstmädchen schreien:Karl, komm schnell runter, die Gnädige ist verrückt geworden!" Liebig rannte in den Hof und sah vor der Tür zum Schloß die Baronin.

Diese hatte nur ein Hemd und einen Bademantel a»

und war über und über mit Blut besudelt.

Beide Frauen rannten auf Liebig zu. Der Chauffeur ver­suchte, der Baronin entgegenzutreten, um sie auszuhalten. Aber diese bedrohte ihn mit einem Revolver, den sie in der Hand hielt Liebig flüchtete daraufhin. Hinter dem Schloßturin hielt er an und rief zurück: Gnädige, was ist denn los?" Diese antwortete:Gehen Sie und holen Sie Leitte." Liebig gibt an, daß er dann ins Dorf zurückgerannt sei, um den Bürgermeister zu verständigen.

Er fei dauu zurückgclaufcn und habe l» Begleitung verschiedener fremder Personen die Zimmer der Dienst­herrschaft ausgesucht und einen Blick in das Schlafzimmer des Hauptmanns geworfen. Er habe bemerkt, oaß Hauptmann Werther über und über mit Blut bedeckt tot im Bett lag.

Drei Todesopser durch leichtsinniges Spiel mit der Waffe.

In L a ii e n b n r g (Pommern) schossen mehrere junge Burschen aus einer Wiese mit einer Teschingpistole. Dabei löste sich vorzeitig ein S ch u ß. der den 22 Jahre alten Franz Wille in den Unterleib traf und lebensgefährlich verletzt e. Auch in L u tz i g ereignete sich ein schweres Unglück. Dort schossen junge Leute mit der Pistole eines zu Besuch iveilenden ^Reichs wehrangehörigen nach Tannenzapfen.Zum Spaß" legte ein Tischlergeselle auf den 2!jährigen Erich Mallon an. Der Schutz ging los und traf den jungen Mann tödlich.

*

In Bocholt so wird aus Essen berichtet, ver gnügte sich ein dreizehnjähriger Schüler damit, mit einem Tesching nach Fröschen zu schießen. Dabei traf er das dreijährige Kind der Familie Weitkamp, das an der Hand seines Vaters einen Spaziergang machte, in den Mund. Das Kind starb auf dem Wege zur elterlichen Wohnung.

Die Ltnterirdischen.

Eine notwendige Erinnerung und Mahnung.

Obwohl es die führenden Männer des neuen Deutsch­land an Aufklärung aller Art nicht haben fehlen lassen, kann man auch heute noch verwunderte Äußerungen dar­über hören, daß die Zeitungen immer wieder von Kom­munistenverhaftungen, Aushebungen geheimer Drucke­reien, der Gefangennahme kommunistischer Kuriere usw. berichten müssen. Ja, diese geruhsam dahinlebenden Zeit­genossen deuten bei solchen Bemerkungen dann leise Zweifel an des Sinnes, so schlimm könne es ja wohl nach der Zerschlagung des Kommunismus in Deutschland kaum mehr sein.

Die Guten sollten sich immer wieder an die Worte Hermann Görings erinnern, wonach die Moskowiter, soweit noch vorhanden,unter die Erde getrieben sind", wenn sie sich auch nicht mehr im hellen Tageslicht betätigen können wie einst in den guten Zeiten^ der schwarzroten Koalition. Damals waren sie Herrn Seve­ringspolitische Kinder" und durften für ihre frechen Umzüge und Versammlungen polizeilichen, Schutz ver­langen, brachten es einmal gar so weit, daß ein ganzer Stadtteil der Reichshauptstadt tagelang unter ihrer Schreckensherrschaft stand, durften Reichstagssitzungen und Versammlungen fast nach Belieben sprengen und hatten, wenn es nach ihren ständigen blutigen Überfällen zu Prozessen kam, gegenüber den überfallenen Mit­gliedern der nationalen Verbände vielfach gar nicht schlechte Aussichten: denn wie hatte doch Herr Reichs­kanzler a. D. Reichsinnenminister Dr. Wirth von der Rednertribüne des Reichsparlamentes aller Öffentlichkeit verkündet:Der Feind steht rechts!"

Unbegreiflich, daß selbst die Dinge, die vor aller Llugen geschahen wie etwa der Geiselmord in München, der Aufstand im Industriegebiet mit seinen viehischen Verbrechen, der tolle Plünderkrieg im Vogtlande oder schon nach wenigen Jahren Zuchthaus _ der aus­gesprochen triumphale Einzug eines der schlimmsten KPD.-Verbrecher, des Mar Hölz, in Berlin unter den Llugen und mit verkehrsregelnder und absperrender Mit­hilfe der damaligen sozialdemokratisch geleiteten Polnei weder für die damaligen Regierungen noch für die ,Ab­geordneten derRegierungsparteien" jener Zeit Anlaß zu entsprechenden Maßnahmen bzw. zu energischen Forde­rungen nach Sicherheit ivareu.

Es ist seit Jahren viel über die bolschewistische Gesohr geschrieben worden, Gutes und weniger Brauchbares. Jetzt ist ein neues Buch erschienen, das jeher, lesen sollte, dem daran liegt, zu erfahren, w i e nab die Kommunisten damals im Frühjahr 1933 vor dem Losschlagen standen. Aus den Fenstern der Buchhandlungen schreit cs blutrot auf schwarzem GrundK o m m u n ej", und der Ver­fasser, Oberregierungsrat Martin Sommerfeldt, der Leiter der Pressestelle des Preußischen Smats- ministeriums, sagt es im Vorwort rundheraus:Wenn die sorgsame Lektüre dieses Buches manchen Volks­genossen aus seiner friedlichen Ruhe reißt, dann hat cs seinen Zweck erfüllt."

Dieses Buch ist nichts weniger als etwa eine stilistisch ausgemachte Schauergeschichte, bestimmt, den friedlichen Bürger das Gruseln zu lehren. Nein, es wird da aus geringstem Raum in bedrängender Darstellung nur das Allertollste, das Allergröbste ans einem riesigen Material geschildert, es wird an Hand praktischer Beispiele dic Vorbereitung zum Bürgerkrieg bis in die kleinsten Zellen hinein anfgezeigl. Diese von Moskau geschulten Staats- seinde arbeiteten als sehr gelehrige Schüler: von den Bombenwerkstätten bis zu den reichhaltigen Raffelt lagern, von derfachmännisch" betreuten Paßsälsmer zentrale bis zur Fabrikation amtlicher Stempel war alles fix und fertig. Für den theoretischen Unterricht sorgten Bücher, dieDie Kunst des Aufstandes",Der Weg zum Sieg",Vom Bürgerkrieg" usw. Wenn man das in Zusammenhang gelesen hat, wundert man sich nicht mehr, daß beispielsweise noch im Januar 1933 bei der Berliner Bezirksleitung der KPD. immerhin 14 000 Mari und selbst im Oktober vergangenen Jahres nocb 6000 Mark an Beiträgen etngingcn, oder daß es noch int Februar d. I. einen kommunistischen Fememord gab. (Der Fall Kattner in Nowawes bei Potsdam.»

Aber das Buch zeigt auch und das ist sein wesent­licher Unterschied gegenüber der Masse anderer Darstel­lungen zweierlei auf, was für die Entwicklung des roten Verbrechertums in Deutschland von größter Bedeu­tung wurde: erstens die Beteiligung von Jude n in führenden Stellungen; der Lemberger Jude Sobels ohn, genannt Radek wandelte im Dezember 1918 den Spar­takusbund in die KPD. um; die Münchener Geiselmörder, Auswurf der Menschheit, wurden von den silbischen Rechtsanwälten Löwenfeldt und Tb. Liebknecht verteidigt: die Verteidiger der Mörder Horst Wessels waren Juden u. a. Zweitens aber bringt das Buch eine schwere, leider nur zu berechtigte Anklage gegen das gleich­gültige B ü r g e r t u in, das über die Pressenieldun- gen selbst der größten Kommunistcnvcrbrechen zur Tages­ordnung überging, weil cs diese Dinge als unbequem uitb als stillen Vorwurf gegen sich selbst empfand. Diese Mitschuld des Bürgertums, besonders in der Form der jahrelang unumschränkt regierenden schwarzroten Koali­tion, ließ Deutschland zu einem Laboratorium für kommu nistischc Experimente großen Stils tverden. Wer voi£ uns weiß heute noch etwas von den I 5 0 Toten durch Spar takus im Dezember 1918, wer von den 1000 tausend! Toten im Jndustrierevicr, wer von den 10 0 0 tausend! Toten bei den Aufständen in Mittel­deutschland!

Wir, du und ich und jeder einzelne von uns, ließen rs ^cmal-S zu, daß diese SluÄsdeÄten Verbrecher nicht nach dem uralten Gesetz gerichtet wurden: Auae um Auae.