Einzelbild herunterladen
 

Zul-aer Anzeiger

«< «Ä«fS Tageblatt für Rhön und Vogelsberg »;ää 'ää Li:

I>ÜÄ1«« W'* Mo« gti.br. " ' 7 . _ " , , " Zeill.il (*> mm 6t.lt) 12 W. D-> Wi-d-,h»I»»,

Sc®1* ^utba Köiiigstr. 42. Druck: Friedr. ««»fAAr, WAtâtfi^Al z.^t6EAA*y »*>*1»!^!*# Ard Rabatt nach Tarif gewährt, bei zwangsweiser

OrenNau. L,ter'bachH. Hauptschriftleiter: Chri- AOlvd» 0000^5^1 * XU&VOIfrl. fv*^l5vlUll Beitreibung oder Konturs erlischt jeder Anspruch

Mnklau, .. ^öniastr. -12. Vertreter des V / v auf Nachlaß.DA." 1000.-Verantwort!. für den

ß^âristlei^rs: 'Fr. LhrenUau, Lauterbach H. Redaktion und Geschäftsstelle: Königstraße 42 Zèrnsprech-^nfthluß Nr. 248- Anzeigenteil Christian Seipel, Fulda, Königstr. 42.

der 46 mm

4 Pf., im

». 65 - IM»

Fulda, Samstag, 17. März

11. Jahrgang

Der neue Dreier-Bund.

Diplomatie und Wirtschaft.

Schöne Reden und rauhe Wirklichkeit.

»;, Zusammenkunft zwischen Mussolini, Göm- ,. f^b ® ollfußin Nom wird sich über längere Zeit "1®L als ursprünglich vorgesehen war. Man kann S âuf Schwierigkeiten schließen, die noch zu über- find' Optimisten aber behaupten, man wolle die mieten Erfolge noch gebührend durch längeres Mimenfein feiern. Im allgemeinen hat man aber die Sw Erwartungen, die man zunächst in Oster- Nund Ungarn an die römische Konferenz knüpfte, turückgeschraubt. Die erste Begeisterung Nt ewer gewissen Ernüchterung gewichen, da sich die ^mäkelten eines wirtschaftlichen Zusammengehens bei tot innrer doch als größer herausgestellt haben, als Ulan illlläâist annahm.

Mit ler Unterzeichnung eines wohlklingenden Paktes Mn ist ja schließlich nicht getan, die Hauptsache ist, daß sich den Abmachungen und Wünschen nicht die r a u h e Birklichleit entgegenstemmt und sie zu einem pa- pternen Aktendasein verurteilt. Fast hat es den Anschein, daß dies das Schicksal des römischen Paktes sein wird. Bis jetzt liegen über die Gegenstände der Verhandlung nur Meldungen aus österreichischen Kreisen vor, die natürlich mit der nötigen Vorsicht ausgenommen werden müssen, weil bei ihnen der Wunsch der Vater des Gedankens ist.

Folgende drei Punkte

sân danach verhandelt worden sein:

1. Die Unabhängigkeit Österreichs und die Zusammenarbeit für den europäischen Frieden bilden Die Grundlage jeder wirtschaftlichen Verständigung über den Donauraum. Jeder vierte Staal, der sich den wirt­schaftlichen Verhandlungen über die Neuregelung im Ionauraum anschlictzen will, muß sich zu diesem Punkt jlistimmend bekennen.

2. Italien nimmt sowohl von Österreich als auch von Ungarn Ausfuhrwaren in erhöhtem Umfange an, um die wirtschaftliche Stärkung beider Länder zu erreichen. Österreich liefert Holz und Jndustrierohstoffe nach Italien, Jndustriewaren nach Ungarn, während Un­garn Getreide und viehwirtschaftliche Produkte, Italien Wein und Obst sowie Jndustriefertigwaren an die Wirt- schastsnachbarn absetzen dürfen. Durch gegenseitige Vorzugszölle und Kontingente, vor allem durch Sondertarife der Eisenbahnen und durch Vergünsti- zung des Hasen transportes soll die Grundlage einer wirtschaftlichen Interessengemeinschaft gefunden werden, «uch wenn noch einzelne Punkte offen blieben.

8. Dieses Ausaleichssystem steht mit ähnlichen Rechten

und Pflichten auch anderen Ländern im ginne der Konferenz von Stresa und des Memorandums von Musso­lini offen in der Weise, daß ähnliche Abkommen getroffen werden können, die die Ein- und Ausfuhr untereinander zu vervielfachen imstande wären.

Um nur ein Beispiel herauszugreifen von den Schwierigkeiten, die sich bei der Durchführung dieser wirt­schaftlichen Pläne herausstellen müssen, sei auf die Klausel verwiesen, nach der U n g a r n für den Export seines Ge­treide- und Viehüberschusses Österreich als Absatzgebiet erhält. Die österreichische Landwirtschaft kann bei der augenblicklichen Weltmarktlage auf keinen Fall mit der ungarischen Getreidewirtschaft konkurrieren, da deren Produktionskosten infolge der äußerst fruchtbaren Bodenbeschafsenheit ganz gering sind. Die natürliche Folge davon wäre eine uberschwem- M U N g der österreichischen Getreidemärkte mit ungarischen Erzeugnissen. Aber nicht nur konkurrenzlos billige Halm­früchte kämen ins Land, sondern vor allen Dingen auch ebenso

konkurrenzlos billiges Vieh.

Die österreichische Viehwirtschaft würde einen Niedergang ohnegleichen erleben. Man muß nur bedenken, daß die weiten Flächen Ungarns für eine Viehwirtschaft geradezu ideal sind, und daß bei einer großzügigen Steigerung und Verbesserung, sowohl der Anbaufläche als auch der Weideplätze und der Züchtung, ungeheure Mengen von Schlachttieren ausgeführt werden könnten.

Wir haben hier die politische Seite des Paktes von Nom mit Absicht außer acht gelassen und uns auf wirtschaftliche Fragen beschränkt. Schon diese kurze Überlegung aber zeigt, daß der österreichische Bauer von den Abmachungen nicht den geringsten Vorteil und Nutzen erwarten kann, denn ähnlich so wie auf dem oben ange­führten Teilgebiet liegen die Verhältnisse bei den übrigen wirtschaftlichenVerflechtungen" der drei Länder, die sich auf dem Papier so schön alsV e r st än d i g u u g" ausnebmen.

*

Der Abschluß der Dreierbesprechungen in Nom.

Paraphierung zweier Protokolle.

Rom, 17. März. (Funkmeldung.) Laut Mitteilung der Agenzia Stefani hat am Freitagnachmittag im Palozzo Venezia zwischen Mussolini, Dollfuß und Gömbös eine neue Zusammenkunft stattgefunden, die drei Stunden dau­erte und in der die am Donnerstag begonnene Erörterung der wirtschaftlichen und politischen Fragen mit der Para­phierung zweier Protokolle abgeschlossen wurde. Die Pro­tokolle sollen bereits am Sonnabend unterzeichnet werden.

Zerstörung und Ausbau.

SckMunzelnde Rüstungsindustrie. Geben und Nehme«. Schaffen und Raffen.

Irgendein Jemand, den man dafür allerdings nicht verantwortlich machen kann, hat einmal unsere kugel­runde Erde als dievollkommenste aller Wel- t e n" bezeichnet. Abgesehen davon, daß er bei dieser Beurteilung unseres Planeten die anderen Welten gar nicht kannte, dürste er wohl seine Ansicht einer erheb­lichen Nachprüfung unterziehen, wenn er einen auch nur kurzen Blick auf die gegenwärtigen Zustände dieser so überausvollkommenen" Welt geworfen hätte. Das Voll­kommenste an ihr ist zweifellos die Rüstungs­industrie, besonders in jenen Ländern, die an sich schon zu den Hochgerüsteten zählen, zwar in Friedens­reden und -reisen machen, aber es trotzdem für außer­ordentlich zweckmäßig halten, ihre Rüstungen im gegen­seitigen Wettrennen möglichst zu verstärken. Dabei hält man sich bei Kleinigkeiten erst gar nicht auf, versucht höchstens, dabei ein bißchendas Gesicht zu wahren", wie der Chinefe sagen würde. Dabei ist es so etwas wie eine stille Verabredung, daß man das nicht gerüstete Deutsch­land als denW e l t st ö r e n f r i e d" hinstellt; man wolle zwar herzlich gern in Frieden leben, aber dem bösen deutschen Nachbarn gefalle das ganz und gar nicht. Der wirke eben immer wie der Hecht im Karpfenteich und infolgedessen müßten sich diese harmlosen Karpfen vor dem räuberischen Hechte und dessen scharfen Zähnen so sehr wie möglich schützen. Infolgedessen rüstet England, rüstet Frankreich, rüstet Japan, rüstet die Union, und die Rüstungsindustrie reibt sich in allen diesen Ländern schmunzelnd die Hände. In Frankreich z. B. wird das wortgläubige Publikum, die große Masse an sich zweifel­los friedliebender Bürger, von der Presse beherrscht und diese wieder von der Schwerindustrie. Das weiß man im französischen Lesepublikum ganz genau, aber das schadet den Zeitungen keineswegs. Man fabriziert ebenöffent­liche Meinung", wendet, knetet, bearbeitet sie ebenso wie die Schwerindustrie ihre glühenden Stahlblöcke bearbeitet, aus denen Kanonen oder Panzerplatten fabriziert werden. Und wenn ein bestimmter, aber großer Teil der amerika­nischen Presse fortdauernd die Möglichkeit eines kriegeri­schen Konflikts ihres Landes mit Japan an die Wand malt, dannhaben die Kärrner zu tun", die Rüstungs­industrie und an ihrer Spitze jenesympathischen" Zeit­genossen von Wallstreet in Newyork, wo der Altar des MolochHochkapitalismus" steht und man seufzend an dieHochkonjunktur" im Weltkrieg zurückdenkt. EinAb­trünniger" vielleicht bekam er selbst zu wenig von den Bestechungsgeldern ab, die seine Auftraggeber, die ameri­kanischen Rüstungsindustriellen, in Millionenbeträgen zur Verfügung stellten hat nach einer prompt mißglückten Flottenabrüstungskonferenz cs einmal recht ausführlich geschildert, wie die Meinungsfabriken seines Landxs ^.geschmiert" wurden.

Vor dem 21. März.

Ser Mer wird die Ardeilsschlacht eröffnen.

*8« der Baustelle Unterhaching aus.

Der Führer wird am 21. März um 11 Uhr vormittags der Baustelle Unterhaching bei Mün­chen durch eine über alle Sender gehende Rede den Brokamps gegen die Arbeitslosigkeit eröffnen.

^ie Baustelle liegt an der Autobahn München-Landes- Mnze. Nach der Rede wird der Führer die Baustelle

abgehen. Während dieser Zeit wird Reichspropaganda­minister Dr. Goebbels zu den deutschen Arbeitern ebenfalls über alle deutschen Sender sprechen. Der Generalinspekleur des deutschen Straßen­wesens, Dr. Todt, wird an den Führer Meldung erstatten über die Belegschaft dieser und der übrigen Reichsauto­bahnen. An dem Akt wird mit dem Reichsarbeitsminister Seldte auch der Generaldirektor der Deutschen Reichsbahn- Gesellschaft, Dr. Dorpmüller, teilnehmen. 2 0 0 0 A r - beitsdienst männer werden an der Eröffnung des Grotzkampses gegen die Arbeitslosigkeit durch den Führer teilnehmen.

Polsterung in der 3. Wagenklaffe!

Um der notleidenden Industrie einen Arbciisauftrag zukommen zu lassen und um damit gleichzeitig den viel­fachen Wünschen der Reisenden nach Erhöhung der Be­quemlichkeit nachzukommen, hat sich die Deutsche Rcichs- bahngcscllschaft entschlossen, die S i tz e i n d e r d r i 1 t e n Wa g e n k l a s s e p o l st e r n zu lassen. Für die Polsterung sind zunächst die v-Zugwagen und die vierachsigen stäh­lernen Eilzugwagen vorgefehen, ferner die Triebwagen, soweit sie nicht im Stadt- und Vorortverkehr in Berlin? Camburg-Altona und Stuttgart verwendet werden.

Noch im Jahre 1934 sollen die Sille dritter Klasse in den seit Beginn des Jahres 1919 gelieferten 0-Zugwagen gepolstert werden.

^r^

$nt d" Eröffnung des größten Schiffshebewerkes w der Welt.

foirb ' A'nA des Großkampftages der Arbeitsschlacht sieben; März das Schiffshebewerk bei feier fMnL'VZV mit einer eindrucksvollen Erösfnungs oben Atmung übergeben werden. Unser Bild ^ron Echkahrt des oberen Kanals unten: der Hbhemm^ft-^^^^debewerks. in dem die Kähne den ' derschieh von 3« Meter wie in einem Fahrstuhl überbrücken.

AranzösiWsr GesandtMaffSsettetär als OevisensKmuggler.

In Sofia ist ein hoher Beamter der diplomati­schen Vertretung einer westlichen Großmacht vor einigen Tagen ohne Wissen seines Missionschefs plötz­lich abgereist. Die Blätter bringen die Abreise in Ver­bindung mit der kürzlichen Aufdeckung eines großen V a l u t e u s ch m u g g e l s.

Wie bestimmt verlautet, handelt es sich um einen Sekretär der französischen Gesandtschaft namens Gerardy, dem schon lange nachgesagt wurde, daß er sich unter Ausnutzung seiner diplomatischen Rechte in großem Umfange mit dem Schmuggel von Devisen und auch Waren gewerbsmäßig befasse. Die bulgarische Regierung hat energisch die Abberufung des diplomati­schen Beamten gefordert, der bereits seines Postens ent­hoben worden ist.

Irgendein anderer Jemand und das war, natür­lich, ein deutscher Dichter bat auch einmal an einem herrlichen Frühlingsmorgen' die Behauptung aufgestellt: Die Welt wird schöner mit jedem Tag!" So etwas kann eben nur ein Mann sagen, der den wirtschaftlichen Wirklichkeiten fremd gegenübersteht. Gewiß sind diese Wirklichkeiten nicht die stärksten Trieb­kräfte des Geschehens, aber ihre Vernachlässigung oder Mißhandlung pflegt sich doch in einer überaus schweren Form zu rächen. Man braucht den zwischenstaatlichen Güteraustausch unter dem Zeichen des kapitalistischen Systems durchaus nicht fürder Güter Höchstes" zu halten, aber er verlangt ein gegenseitiges Geben und Nehmen, und der Versuch, Deutschland einseitig auszu­beuten, zerstörte so gründlich wie nur möglich jenes sich mühsam ausbalancierende Gleichgewicht. Mit dieser Ausbeutung ist es aus und vorbei, und die Entrüstung unserer Gläubiger ein überflüssig-schlechtes Spiel! Man sollte gerade bei ihnen ein wenig besser beachten, daß Deutschland als R o h st o f f b e z i e h e r eine gewaltige Rolle in der Weltwirtschaft spielt, oder will man dort die drei Milliarden Mark durchaus entbehren, die Deutschland im Jahre für diese Rohstoffkäufe an das Ausland zahlt? Aber doch nur zahlen kann, wenn daS Ausland in entsprechendem Umfang auch Deutschlands Erzeugnisse abnimmt! Können wir die auch für eine steigende Beschäftigung unserer einheimischen Industrie notwendigen Rohstoffmengen bezahlen und hereinbringen, dann bedeutet das doch nicht bloß eine Mehrbeschäftigung in Deutschland selbst, auch nicht bloß einen Mehrverbrauch, sondern auch wieder ein Wachsen des Bedarfs an Roh­stoffen. Das ist alles von einer solchen Selbstverständlich­keit, daß es bestimmt in einerschöneren Welt" verstan­den würde! *

Und diese Erweiterung der Erzeugung, der Be­schäftigung, des Bedarfs, kurz des ganzen wirtschaftlichen Kreislaufes in Deutschland selbst und zwischen uns und dem Ausland bedeutet ein wirkliches Schaffen von Werten, die der Menschheit nützen können. Aber wirt­schaftlich wertlos ist das, was die Rüstungsindustrie schafft; denn es dient nur der Zerstörung und will auch nur zerstören. Es ist nicht nur im Sinne des rapttaufit« schen Systems ein totes Kapital, das außerdem noch anderes lebendes Kapitalzu Tode bringt . , Die Rüstungsindustrie von heute sic verschlang seit Krlegs- ende etwa 50 Milliarden Golddollar ist ins Ubergigan- tische gewachsen, und Gold schmiedet sich in ihr nicht die Menschheit, sondern nur jene, die ihren Daseinszweck darin erblicken, die Welt unvollkommen und bic Menschheit fern von schön'rèn Tagen zu erhalten. Dr. Pr.