Zul-aer /Anzeiger
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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Mää ää«-;«
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es Sarfe^ Zulöa- un- Haunetal »Zulöaer Kreisbla« säMä-iäs Knebel Fulda, Komgjtr. 42. Vertreter des V auf Nachlag. — „DA." 1100. — Verantwort», jur den ^Schriftleiters: Fr. Ehrenklau, Lauterbach H. Neöaktion unü Geschäftsstelle: Königstraße 42 * Zernfprech-Rnphluß Nr. 24S4 Anzeigenteil Christian Seipel, Fulda, Königstr. 42.
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Fulda, Donnerstag, 8. März
11. Jahrgang
Deutschland bricht sich Bahn
MH-polnischer Zollkrieg endgültig beendet. ilnSlichtsreiches Abkommen in Warschau unterzeichnet.
In Warschau ist durch den polnischen Außenminister Leck und den deutschen Gesandten von Moltke ein Ab- ^innicn unterzeichnet worden, durch das der deutsch- selnische Zollkrieg endgültig ausgehoben und L Grundlage für einen normalen Ausbau der beidcr- leitiaen Handelsbeziehungen geschaffen wird. Das in W eines Protokolls gekleidete Abkommen soll sobald A möglich ratifiziert werden. Jedoch werden seine Be- ^mMgc» unabhängig hiervon bereits vom 15. d. M. an angewandt werden.
Zag Protokoll über die Beendigung des seit etwa neun Jahren dauernden Wirtschaftskrieges stellt vor allen Ängen fest, daß nunmehr eine tragfähige und gesunde Grundlage geschaffen wurde, auf der ein weiterer Ausbau derselben erfolgen soll. Dieses Protokoll bestimmt ferner, daß die Kampf maßnahmen, d. h. Einfuhrverbote und Maximalzölle auf polnischer Seite jomic Obertarif auf deutscher Seite aufgehoben werden. Die Einfuhr der in Polen benötigten Waren, die an sich durch den prohibitiven Zolltarif unmöglich gemacht wird, wurde vermittels autonomer Gewährung von Zollnachlässen doch ermöglicht. Diese Möglichkeit bildet eine der bedeutsamsten Bestimmungen des Protokolls.
Jür Warm, die einem allgemeinen Einfuhrverbot unterliegen und bisher außerdem noch von einem speziellen antideutschen Einfuhrverbot erfaßt waren, erhält Deutschland Kontingente, so daß nach Aufhebung der Cpesialverbote auch trotz Weiterbestehens der allgemeinen polnischen Einfuhrverbote eine gewisse Ausfuhr dieser deutschen Waren nach Polen ermöglicht wird.
Das Protokoll enthält ferner eine allgemeine Klausel, in der beiderseits zugesagt wird, in Zukunft alle Dis - Iriminie ru n g e n, die als Folgen des Wirtschafts- lricges außerhalb der formalen Kampfmatznahmen entstanden waren, zu unterlassen. Das Abkommen gilt für unbestimmte Zeit. Gleichzeitig sind
zwei privatwirtschaftliche Abkommen
getroffen worden: eins über die Zulassung von polnischem Eisen und Stahl nach Deutschland, ohne datz der deutsche Markt dadurch gestört werden darf, sowie über beschränkte Schrottausfuhr nach Polen; ein zweites über Schissahrtsfragen.
*
Deutschlands Erstarkung
nicht zu verhindern.
Vernünftige Worte des belgischen Ministerpräfidentem
Der belgische Ministerpräsident gab im Senat eine außerordentlich bedeutsame Erklärung der Regierung ab. Ministerpräsident de Brocqueville wandte sich gegen ® i e, Auffassung, daß man eine militärische
starkung Deutschlands durch eine Aktion des Völkerbundes oder durch einen Präventivkrieg verhin - dein könne bzw. solle. Eine Völkcrbundsinvestigation wmme nicht in Frage, da mindestens zwei der ständigen âismächtc, England und Italien, sich weigern würden, k'nc solche Untersuchung anzuordnen. Das zweite Mittel, „ Präventivkrieg, ins Auge zu fassen, sei Wahnsinn und P e r b r e ch e n.
. Das einzige Mittel, die Wiederaufrüstung Deutsch- W zu verhindern, sei gewiß der sofortige Krieg. „Ich «n«ere mich aber", erklärte der Ministerpräsident, „das
•» rin solches Abenteuer zu stürzen."
°. weiteren Verlaufe seiner Ausführungen wandte N der Ministerpräsident gegen die
Illusion der Sieger von 1919.
^glaubt, daß es möglich sei, eine große Nation Kyi.1” un Zustand der Abrüstung zu halten. Wie konnte
! Nch einbilden, daß 27 Nationen, die im Augenblick und assoziiert" waren, sich auch in Zukuuft darin der Deutschland das aufzuerlegen, was Napoleon, von fast ganz Europa, Preußen gegen- " wcht vermocht hat?
■Lfiy Mutige Deutschland ist nicht mehr das Deutschland vom 11. November 1918.
Un ch das unabänderliche Gesetz der Geschichte, daß j e b t Â? ®4 c r sich früher oder später wieder e r - grifft ^tc großen Mächte haben dies seit langem bc- »lai^n.^^delt sich nicht darum, ob und in welchem Aus-
■ ^5 Aufrüstung Deutschlands dulden wird, "Erster Linie darum, einen
Dori, "'châwcttlauf zu vermeiden, der zum Kriege führt.
land 11 di? Gefahr, die alle Völker Europas, Deutsch dem "'^geschlossen, bedroht. — Der Ministerpräsi- sodann für den Abschluß einer ^ftunn™ V 0 n a 1 f 11 Konvention, durch die die m y dcgrenzt werden sollen, ein. Die
Alle e2 er Besprechungen hätten zu nichts geführt.
^urda n^r,2^tcn, was ein Rüstungswettlauf bedeuten "chen p A » cn^ können ebenso wenig die u n g l a u b - " u st e N auf sich nehmen, die ei n R ü st u n g s -
Wettlauf in der gegenwärtigen Krise mit sich bringen würde.
Die Brüsseler presse regt sich auf.
Die Rede des Ministerpräsidenten de Brocqueville wird von den Kreisen, die sich restlos Frankreich verschrieben fühlen, scharf verurteilt. Man wirft de Brocqueville in diesen Kreisen vor, daß er in seiner Rede einen Standpunkt eingenommen habe, der sich von der Einstellung der französischen Politik, insbesondere
der augenblicklichen Regierung in Paris, scharf unterscheide, ja, sogar in Gegensatz dazu stehe. Die rechtskouservative „Nation Belge" spricht von einem „T h e a t e r c o u p" im Senat und behauptet, daß der Ministerpräsident sich einer
Politik „völliger Preisgabe" angeschloffen habe. Seine Erklärungen seien geeignet, alle guten Bürger mit Erstaunen und Schmerz zu erfüllen. Er machte einen Strich durch den ganzen Teil V des Versailler Vertrages.
Die Rede des belgischen Ministerpräsidenten wird auch von einigen englischen Blättern wiedergegeben. „Morning Post" nennt sic eine große Überraschung. „Daily tzerald" sagt, Frankreich stehe völlig verlassen da. Die belgische Regierung, die in ihrer Außenpolitik bisher immer gehorsam der französischen Führung gefolgt sei, habe beschlossen, in der Abrüstungsfrage ihre eigenen Wege zu gehen.
Nach Mitteilung eines katholisch-konservativen Blattes soll König Albert kurz vor seinem Tode die aufsehenerregende Rede de Brocquevilles, die schon vor einigen Wochen gehalten werden sollte, ausdrücklich
Deutsche Höchstleistungen
Deutscher Rennwagen fährt Weltrekord.
Hans Stuck hat es geschafft!
Gewissermaßen unter Ausschluß der Öffentlichkeit — nur die Spitzen des deutschen Kraftfahrsports mit Obergruppenführer Major a. D. Hühnlein waren anwesend — gelang Hans Stuck von Billiez der große Wurf, auf dem neuen deutschen ?-Wagen, der Konstruktion Dr. Porsches von der Autvunion, drei neue Weltrekorde aufzustcüen.
Die Avus befand sich, als der Start des ?-Wagens erfolgte, in tadclsfreiem Zustand. Schon die ersten Runden ließen erkennen, daß mit neuen Rekorden des großartigen ?-Wagens gerechnet werden mutzte, und je länger Stuck in brausendem Tempo gleichmäßig seine Runden fuhr, um so freudiger befestigte sich die Gewißheit, daß der Versuch, mit einem deutschen Fahrer auf einem reindeutschen Fabrikat Weltrekorde anzugreifen, mit Erfolg belohnt
Wie die Kamera Stucks Weltrekordfahrt sieht.
Eine Aufnahme des deutschen k-Wagens während seiner sensationellen Weltrekordfahrt auf der Berliner Avus, mit der Hans Stuck als erster Deutscher auf einer deutschen Maschine drei neue Weltbestleistungen aufstelltc.
werden würde. Als nach Ablauf einer Stunde Stuck seinen Wagen stoppte, ergab cs sich, daß drei neue Weltrekorde gebrochen worden waren: der über 100 Meilen, der über 200 Kilometer und der so begehrte Stunden- Weltrekord. Nach langwieriger Errechnung sonnten schließlich die folgenden Bestleistungen bekanntgegeben werden: 1. Weltrekord über 100 Meilen von 214,017 Stundenkilometer auf 21 6,875 Stundenkilometer. 2. Weltrekord über 200 Kilometer von 214,109 Stundenkilometer auf 21 7,089 Stundenkilometer. 3. Stun - denweltrekord' von 214,064 Stundenkilometer auf 217,110 Stundenkilometer.
Alle diese Weltrekorde gehörten bislang dem Engländer E y st o n. Die neuen Weltrekorde Stucks werden sofort zur Anerkennung weitergeleitet.
Durch diesen großartigen Erfolg ist cs z u m c r st e n Male mit einem deutschen Wagen gelungen, den Weltrekord an sich zu reißen.
Besonderes Lob gebührt dem deutschen Ingenieur Porsche, der die Maschine konstruierte und damit erst die Möglichkeit schuf, die Rekordleistung aufzustellen. Nach dieser Fahrt hat der Wagen rmn eindeutig bewiesen, daß er für die bevorstehenden großen interpattonalen Rennen bestens gerüstet ist.
gebilligt haben. — Größe Enttäuschung hat diè Rede in den chauvinistischen Kreisen und bei der gewissen Jndustriekreisen nahestehenden Presse her" vorgerufen, übereinstimmend betonen „Jndependenc*- Belge" und „Etoile Belge", daß die Ausführungen de Brocquevilles im Lande eine lebhafte Erregung und Unzufriedenheit Hervorrufen würden. Die beiden Blätter sind sehr ungehalten über die offenen Worte, die de Brocqueville über die Jllusionspolitik der Väter des Versailler Vertrages gefunden hat.
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Der belgische Außenminister für Deutschlands Gleichberechtigung.
Der belgische Außenminister Hymans sprach im Rahmen der allgemeinen außenpolitischen Aussprache im Senat über die A b r ü st u n g s f r a g e. Nachdem der Ministerpräsident die grundsätzliche Haltung der belgischen Regierung zu dieser Frage in großen Linien bargelegt hatte, entwickelte der Außenminister ausführlich und im einzelnen die Gesichtspunkte, die die Haltung der belgischen Regierung bestimmen. Ebenso wie de Brocqueville bekannte sich Hymans zu der Auffassung,
daß die Gefahr eines Rüstungswettlaufes nicht durch irgendwelche Zwangsmittel gegen Deutfchland, sondern nur auf dem Verhandlungswege durch den Abschluß eines internationalen Abkommens ausgeschaltet werden könne. Dieses Abkommen muffe von der Großmächte-Erklärung vom 11. Dezember 1932 über die Gleichberechtigung Deutschlands ausgehen.
Hhmanns stellte fest, daß die praktische Verivirk- lichung der Gleichberechtigung in der Weise, daß alle Staaten auf den Stand der entwaffneten Staaten abrüsten, von keiner der Großmächte vorgeschlagen worden sei und bezweifelte auch unter dem besonderen Gesichtspunkt der belgischen Militörintereffen die praktische Durchführbarkeit dieses Systems.
Zn 29 Minnien Leipzig—Berlin!
Rekordflug Adolf Hitlers.
Der Führer, der abends im Neuen Theater in Leipzig eine Festvorstellung der „Meistersinger" besucht batte, begab sich danach, begleitet von Reichsminister Dr. Goebbels und Neichspressechcf der NSDAP. SS.-Gruppenführer Dr. Dietrich, zum Flughafen Leipzig-Mockau. Um 23.30 Uhr erfolgte der Starr nach Berlin, um 23.59 Uhr die Landung in Berlin, so daß also der Flug Leipzig-Berlin in einer Rekordzeit von 29 Minuten von der „In. 52" bewältigt wurde.
Während der Opernvorstellung in Leipzig hatten sich auf dem Augustusplatz ungeheure Menschenmengen an- gesammelt, die
immer wieder »ach dem Führer verlangten.
Adolf Hitler zeigte sich während einer Pause auf dem Balkon des Theaters.
Trotz der späten Stunde und des sehr starken kalten Windes hatten sich auch auf der Straße nach Mockau noch Tausende angesammelt, um dem Führer einen Abschicds- gruB zu bringen. Auf dem "Flughafen grüßten ebenfalls größere Menschenmengen den Führer.
Sozialistische Gefahr in Spanien wächst.
Arbeiterschaft rüstet zum Generalstreik.
In Spanien beschloß die Gewerkschaft der Bauarbeiter, die in den passiven Streik getreten ist, in den Generalstreik zu treten. Dieser Beschluß be trifft außer der Hauptstadt noch die gesamte Provinz Madrid, so daß fast
10 000 Arbeiter vom Streik erfaßt
werden. Auch der Streik in der Madrider Zeitung „ABC." der bereits mehrere Tage dauert, hat sich verschärft. Die Leitung des marxistischen Gewerkschafts- b n n d e s gab eine Erklärung heraus, in der es heißt, daß die Gewerkschaften
nicht gewillt seien, den Kampf aufzugebcu, oder sich auf Vergleiche einzulassen. Sämtliche im UGT. (Sozialistischen Gewerkschaftsbund) vereinigten Verbände würden zur Unterstützung der Bauarbeiter, der Metallarbeiter und der Drucker eingesetzt werden, wenn der Proteststreik nicht zu dem gewünschten Erfolg geführt haben sollte. Die drei Gruppen umfassen etwa 200 000 Arbeiter. Die Erklärung der Leitung des Gewerk schaftsbundes ist eine
glatte Kampfansage der Marxisten
an die Regierung. — In Vigo plünderte eine Gruppe Arbeitsloser unter Führung eines Matrosen der Kriegsmarine mehrere Läden. — In Santander kâm es vielfach zu Ausschreitungen streikender Arbeiter. — In Barcelona verübten zwei Shndikalisteu einen R a u b ü b c r f a l l, der mit einer Frechheit durchgeführt wurde, die selbst tn der fatale Nischen Hauptstadt ihresgleichen sucht. Die beiden Pistolen schützen begaben sich am bellen Tage in ein viel besuchtes Geschäftshaus, das nur 200 Meter von der Polizeidirek- tron entfernt ist. Holten einen Geldboten aus dem Auszug heraus, entrissen ihm die Geldtasche mit 38000 Peseten Inhalt und entklsben mit borgehaltenen Pistolen.