Vorspruch
„Kultur ist nach unserer Ausfassung blutdedingt. Das örauchtum gestaltet sich aus dem Blut. Wir D e u t - chen find bäuerlichen Herkommens. Wir füh- en Bauernblut in unseren Adern. Nicht etwa Nomaden- 31ut, wie gewisse Kreise uns heute noch weismachen wollen. Die stolzen und freien bäuerlichen Gesichter die in der Ehren- zalle des deutschen Bauern auf uns blicken, zeigen uns das kwige Antlitz des Bauern. Im deutschen Bauernblut liegt Die letzte schöpferische Kraft unseres Volkstums. Das deutsche Bauerntum hat uns die arteigene Ausprägung des nordi- chen Formwillens unserer Ahnen treulich bewahrt."
Erwin Metzner.
Milchwirtschaft und Wissenschaft
Von Professor Dr. I. Hansen, Berlin-Zehlendorf.
Milchwirtschaft ist seit uralten Zeiten betrieben worden, aber bis in die zweite Hälfte des vorigen Jahrhunderts rein 'rfahrungsmäßig. Man gewann nach überkommenem Ver- 'ahren Butter und Käse. Die Ausbeute war unbefriedigend, und der Erfolg unsicher, denn er war von unbekannten Einflüssen. also mehr oder weniger vom Zufall, abhängig.
Einen ungeheuren Fortschritt bedeutete es. als W. Le- feldt 1877 die Zentrifugalkraft in den Dienst der Milchwirtschaft stellte und in der durch spätere Erfindungen (de Laval und von Bechtolsheim) vervollkommneten Zentrifuge ein Gerät schuf, mit dem in ganz kurzer Zeit der Milch 95 bis 98 o. H. der Gesamtfeltmenge entzogen werden konnten, während bis dahin in frühestens 36 Stunden nur 80 bis 35 v. H. zu gewinnen waren. Dazu kommt, daß Zentrifugenrahm und Magermilch infolge ihrer irischen Beschaffenheit wesentlich besser sind. Erst die Einführung der Zentrifuge erlaubte die Anlage großer mit allen technischen Hilfsmitteln ausgestatteter Molkereien und brachte dadurch der Milchwirtschaft außerordentlich große Vorteile.
Die Entwicklung eines Verfahrens zur Fettbestimmung durch Gerber (1892) gestattete, Sie Milch nicht nur der Menge, sondern auch dem Fettgehalt nach zu beurteilen. Dies ist sowohl der Molkereitechnik wie der Zucht des Milchvieh?» zugute gekommen. In den M-Ichkontrollvereinen. di« heute allein in Deutschland mehr als eine Million Kühe erfassen, kann auf diese Weil« Zuchtwahl nach Menge und Güte der Milch getrieben und damit einerseits der Praris. an- dereneit» der Vererbung-forschung ein wertvolles Hilfsmittel zur Verfügung gestellt werden.
Ungeheuer große Dienste hat seit den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts di« Bakteriologie der Milchwirtschaft geleistet. Milchfehler, denen man früher machtlos gegenüberstand und große wirtschaftliche Schäden zuzuichrei- den hatt«. spielen heute seine Rolle mehr. Storch Weigmann. von Freudenreich. Orla-Jensen und viel« andere haben durch ihr« Forschungen zunächst di« Buttergewinnunc von Zufälligkeiten unabhängig gemacht und auf sicher« Grundlagen gestellt Man hat durch Abtötung ichädlichei Bakterien — „Pasteurisierung" — und durch Zuführunc von Reinkulturen bestimmter Stämme von Milchsäurebakterien die Rahmreifung beherrschen gelernt und kann da durch die Gewähr für die Gewinnung einwandfreier Buttei übernehmen. Auch der Klarstellung des lehr verwickelter chemisch-bakteriellen Vorganges der Käsereifung ist mar durch Forschung um vieles näher gekommen. Zwar ist mar hier nod), nicht am Ziel, aber man kann doch schon burd Zusatz bestimmter Pilze und Bakterienkulturen die Herstellung gewisser Käsetorten. z. B. Roquefort, Camenbert u. a. in gesicherte Bahnen leiten. Die Bakteriologie hat fernei den Wert sauberer Milchgewinnung in ihren Ursachen fest gestellt und durch die Erwärmung in Form der Pasteurs fterung Wege gefunden, um gesundheitsschädliche Keime 31 vernichten und die Verbrauchsmilch länger haltbar 31 machen.
Die Wissenschaft hat, wie die wenigen Beispiele am deuten, der Milchwirtschaft schon manchen wertvollen Diens erweisen können; neue Aufgaben hat sie noch in großer Zah vor sich. Ihre Lösung ist vom Standpunkt der Hygiem nicht weniger wichtig als vom Standpunkt der Volkswirt lchaft. Der Wert der deutschen milchwirtschaftlichen Erzeug nisie wird auf 3,5 bis 4 Milliarden RM im Jahr geschützt Es handelt sich also um gewaltige Summen, und jedei kleinste Fortschritt auf diesem Gebiet bedeutet einen beträcht lichen Gewinn!
Wie wird die Dasselplage bekämpft?
Die Larven der Dasselfliege, die jetzt unter der Haut bei Rindviehs sitzen und die bekannten Dasselbeulen hervorrufen müssen in der Zeit vom Hornung bis zum Wonnemond un ichädlich gemacht werden. Durch Gesetz ist jeder Vieh Halter hierzu verpflichtet. Ueber bte Bekämpfungsoerfah ren äußert sich Ministerialrat Kürschner vom Reichsernah rungsministerium in den Mitteilungen der Deutschen Land wirtschaftsgeiellschaft wie folgt: „Auf Grund des unter Be teiligung von Vertretern der Wissenschaft der Landwirtschaf sowie des Handels und der Industrie geprüften Material- kann gesagt werden. daß heute verschiedene Bekamp fungsverfahren mit praktisch brauchbaren schnel wirkamen und wohlfeilen Mitteln zur Verfügung stehen. 6t ist deshalb in dem Gesetz zur Bekämpfung der Dasselfliege vom 7. Dezember 1933 von der Vorschrift eines bestimmter Mittels Abstand genommen. Die Wah! eines Mittels häng wesentlich von den örtlichen Verhältnissen wie auch von dè> Beschaffenheit der Haut der Tiere ab. Der Schädling 's am leichtesten in Gestalt seiner Larve zu fassen. Sobalk diese sich an dem Lieblingssitz unter der Haut im Rücken ange nedelt hat und zur Larve ausgewachsen ist. kann sie aut dem Luftloch der Beule mit Fingerdruck odei mit einem geeigneten Instrument (Dasselhäkchen) entfernt auch ausgebrannt und getötet werden. Diesem Verfahret gibt Professor Spann. Weihenstephan. den Vorzug. Es wurden aber auch Versuche mit zahlreichen chemischen Mittel, angestellt. Hinsichtlich ihrer Ergebnisse kann ich auf bas umfassende Buch von Dr. Albrecht Weinschenk über „Die Befämprung der Dasselfliegenplage" verweisen. Besondere ^ale Erfolge hat neuerdings Professor Götze-Hannover bei der Behandlung der mit Dasselbeulen behafteten Tiere m.H
Sackaufhalter
In landwirtschaftlichen Betrieben sind immer wieder Säcke zu füllen. Bald müssen Getreide oder Kartoffeln, mld Handelsdünger, bald die Futtermittelmischungen einge- ackt werden. Gewöhnlich sind dabei zwei Personen beschäf- :igt weil eine den Sack aufhalten muß. während die andere einschaufelt. Durch den Sackhalter kann eine A r - beitsfraftbabei entbehrt werden und sich anderen Arbeiten widmen, an denen ja kein Mangel ist. Als Sack- )alter kann sehr gut ein ausgedienter, großer Kochtopf dienen, der für die Küche unbrauchbar wurde.
weil der Boden durchgebrannt oder durchgerostet ist. Man braucht bloß den Boden einige Finger breit über dem unteren Rand glatt abzuschneiden und hat dann einen bequemen Sackhalter. Es läßt sich um so bequemer damit ar- >eiten, je besser die Topfgröße der Sackgröße angepaßt ist. Man streift den Sack einfach von unter her über den Topf end beginnt mit dem Füllen, so wie es die Abbildung zeigt. Ist der Topf voll geschaufelt, dann wird er mitsamt Dem Sack an den Griffen gefaßt und hochgezogen, worauf sich das Getreide oder das Futter unten ansammelt. In gleicher Weise wird fortgefahren, bis man den Sack gefüllt hat. Die Verwendung eines derartigen Sackaufhalters bietet Die doppelte Befriedigung, eine willkommene Arbeitserleich- ;erung gewinnen und gleichzeitig unbrauchbar gewordenes Hausgerät noch nützlich verwenden zu können.
Mästet Fettschweine!
Das Ergebnis der letzten Schweinezählung m Deutschen Reich hat gezeigt, daß unsere Schweinemast auf eine falsche Richtung e i n g e st e l l t ist. Für die Gestaltung der Schweinemast ist auf der einen Seite maßgebend, was der Markt verlangt, aus der anderen Seite, was man mit dem vorhandenen Futter erreichen kann. In den vergangenen Jahren hatten mir einen schlechten Markt für Schweinefett und, solange das Angebot nicht zu iehr anschwoll, einen guten Markt für mageres Schweinefleisch. Daher ist damals gepredigt worden, möglichst Fleischschweine im Gewicht von 180 bis 200 Pfund an den Markt zu bringen. Heute hat sich die Marktlage grundlegend geändert. Heute muß mit Rücksicht auf die Kaufkraft der Bevölkerung das Ziel sein, nicht die Schweinebestände zu vergrößern, nicht mehr Muttersauen zu halten und viele Ferkel zu erzeugen, nicht Fleischschweine an den Markt zu bringen, sondern aus 3 Zentner ausgemästete Fettschweine. Denn für ein vergrößertes Angebot an Schweinefleisch ist noch kein Platz. Dagegen hat die Regierung es verstanden, für die nicht unmittelbar vom Verbrauch aufgenommenen Fettmengen dadurch Absatz zu gewinnen, daß ab 1. Januar 1934 die Margarinefabriken verpflichtet sind, 10 v. H. des deutschen Schweineschmalzes bei der Margarineherstellung zu verarbeiten. Es kommt hinzu, daß wir für einen vergrößerten Schweinebestand, der als Fleischschwein abgesetzt werden sollte, nicht genügend Eiweißfuttermittel im Lande haben, zumal die ausländischen Futtermittel nicht mehr hereinkommen. Zur Fettmast geeignete Futtermittel haben wir reichlich im Lande. Dieses überschüssige Futter, vor allem die Kartoffeln und auch überschüssiges Brotgetreide, muß dazu Verwendung finden, die vorhandenen Mastschweine um 1 Zentner schwerer zu mästen als früher. Nicht dagegen sollten die Schweinebestände vergrößert werden, was nach der letzten Schweinezählung zu befürchten ist. Denn es wurden nicht nur 1 Million Schweine mehr gezählt, sondern dabei auch um 10 0. H. mehr trächtige Sauen als im vergangenen Jahr.
Bessere Saaten im Flacysvau
Um Deutschland auch in Spinnstoffen unabhängiger von ausländischer Einfuhr zu machen, unterstützt die Regierung den Anbau von Lein durch Flachsabsatzprämien. Viele deutsche Bauern, die den Anbau aufgegeben hatten, werden in der nächsten Zeit sich ihm wieder zuwenden. Die a l- t e n Land- und Handelssorten waren unausgeglichene Gemische verschiedener Formen und Arten, die Erträge in Menge und Güte nur mittelmäßig. Durch jahrelange Arbeit nach dem Kriege wurden einheimische Zuchtlorten geschaffen, die den Land- und Handelssorten in allen wichtigen Eigenschaften weit überlegen sind. Deutsche Flachszüchtungen werden vor allem geschätzt wegen ihrer Frühreife. der großen Lagerfestigkeit, des hohen Stroh- und Sa- menerlrages. der guten Faserausbeute und bester Faier- bejchaffenheit. Die Leinsaaten müssen frei von Unkrautsäme- reien sein, sollen eine Reinheit von 98 Prozent, eine Keimfähigkeit von 95 Prozent und hohes Korngewicht aufweisen. Diese Eigenschaften des Saatgutes werden von deutschen Zuchtstätten garantiert. Da die Nachfrage nach guten Lein- iaaten in nächster Zeit stark einletzen wird, wird dringend empfohlen, sich bald das notwendige Saatgut zu beschaffen.
Puten rechtzeitig setzen
Bevor die Puten ihr erstes Ei legen, kann man sie zur sogenannten Zwangsbrut bringen. Schon nach einigen Tagen, wenn man sie richtig auf das Nest gesetzt, d. h. einen Korb über sie gestülpt hat, zeigen die Puten Brutlust. In solchen Fällen also kann man der Henne die richtigen Brut- Èr unterlegen, ohne befürchten zu müssen, daß das Tier vor dem Schlupftermin das Nest verläßt.
Zur Anfertigung des Nestes nimmt man am bester ein Stück ausgestochenen Rasen und gibt auf diesen Stroi und etwas Heu. Das ganze Nest wird durch Ziegelstein oder Bretter zusammengehalten. Man kann dieses Braines für die Puten und später auch für die Hühner in Cjnep halbdunklen Kellerraum oder unter einem Schup, pendad) aufbauen. Zu beachten ist. daß die Mulde im Nest nicht zu tief gemacht wird. weil sich sonst die ®ei leicht übereinander lenen. Man legt bei der Zwangst einer Pute 20 bis 22 Hühnereier oder 12—14 Puteneier oder 6—8 Gänseeier unter.
Krebsfeste Kartoffelsorten
Auf dem Wege der Züchtung krebsfester Kartoffelferien ist man im letzten Jahre wieder ein gut Stück vorwärts ne= kommen. Die Biologische Reichsanstalt in Dahlem untersucht alle Neuzüchtungen auf diese gefährliche Krankheit. Während im vergangenen Jahre 142 Sorten als frebsfefj angesehen wurden, ist die Zahl dieser Sorten jetzt auf 15= gestiegen.
In der 18. Neuauflage des Merkblattes 1 des Deutsche« Pflanzenschutzdienstes sind von mehreren hundert Kartoffel forten sowohl die krebsfesten als auch die krebsanfällige« Sorten angeführt. Unter den krebsfesten Sorten befindet sich Sorten, die für jeden Gebrauch geeignet sind; erfreulid; ist, daß sich die Zahl der gelbfleischigen Kartoffeln wiedei erheblich vermehrt hat.
Jeder Bauer, der eine neue Sorte anbauen will, muji sich schon im eigensten Interesse überzeugen, ob die ©orte krebsfest ist. Nur solche Sorten sollen in Zukunft wegen der Gefährlichkeit der Krankheit angebaut werden^
Hufspatten
Die Hufspalten sind Trennungen der Hornwand und des Hufes in der Längrichtung der Hornröhrchen. Je nachdem. wo die Spalten sitzen und je nach ihrer Tiefe und Ausdehnung werden sie verschieden bezeichnet. Ci spricht man von Zehenspalten Seitenspalten. Trachten- und Eckstrebenspalten. Die letztgenannten werden auch als Eckstrebenbrüche bezeichnet. Spalten, die nur am unteren End< der Hornwand Vorkommen. heißen Tragerandspalten, während am oberen Rande des Hufes die Kronranbipalten auftreten. Spalten, die vom Kronenrande bis zum Tragerandk durchgehen, heißen durchgehende oder durchlaufend« Hornspalten. Je nach ihrer Tiefe spricht man von oberflächlichen Spalten oder „W i n b r t f f e n " und von durchdringenden Spalten. Die Hufspalten entstehen dann, wenn in den Hornschichten des Hufes Spannungen auftreten, denen das Horn nicht widerstehen kann. Infolge der wechselnden Belastung des Hufes beim Schreiten ist der Huf in sich in einer dauernden Bewegung. Bei der Belastung erweitern sich die hinteren Hufteile, während er sich am Kronenrand in der Zehe verengert. Wird der Huf aufgehoben, so tritt eine Erengung an den Trachten und eine Erweiterung an der Zehe im oberen Teil ein. mit anderen Worten, der Huf federt in seine ursprüngliche Gestalt zurück.
Der gesunde Huf ist durch seinen Bau den erwähisien Veränderungen gewachsen. Ueberbeanspruchung die zur Spaltenbildung führt, tritt vornehmlich aus zw^ Gründen ein. Der erste Grund ist mangelhafte Ernährung. Sie tritt vorwiegend in der Zeit des Haarwechsels ein, weil dann der Körper wegen der Neubildung der Haare, die ebenfalls aus Hornmasse bestehen, einen erhöhten Nährstoffbedarf hat. Dabei kann die Ernährung dei Hufe zu kurz kommen. Daher treten die leichten Hufspal en die man als Windrisse bezeichnet, zur Zeit des Haarwechiel- m größerem Maße auf, nämlich im Frühjahr und im Hewll Die Bildung solcher Windrisse ist also keineswegs eine der Windeinwirkung.
Die zweite Ursache für die Bildung von Hornfpaltei- sind Unregelmäßigkeiten in der Fuß- un H u f st e l l u ng. Bei bodenweiten oder zehenweiten lungen wird die auf den Hufen ruhende Last nicht mäßig verteilt. Es treten also einseitige Belastungen a die zu den Hornspalten führen. Durch sorgfältige $usPR rechtzeitige Erneuerung des Beschlages und durch sachgemäß angelegte Eisen, können diese Uebel vermieden werden.
Die Heilung einer Hornspalte erfolgt niemals durch derzusammenwachsen der Spaltränder, ebensowenig wie eingerissener Fingernagel wieder zusammenwachsen la» Die Behandlung der Hornspalten zielt in allererster auf die Beseitigung der E n t st e h u n g s u r! a w ab. Bei Tragerand spalten brennt man über , oberen Ende der Spalte eine Querrinne ein, um den abzuriegeln und nicht weiter einreißen zu lassen- Bei K r randipalten und durchlaufenden Spalten komm! Verband und das Nieten der Hornspalten in Frage Hornschuh zu dünn, so daß man nicht nieten kann, muß die Spalte durch aufgeschraubte Metallplüttchen Agraffen oder einen Verband aus isoliertem Band z mengehalten werden. Bei durchdringenden j, ten, die sehr schmerzhaft und langwierig in der lung sind, kommt es vor, daß die Huflederhaut verleg und sich eitrig entzündet. Zur Ausheilung ist « heranzuzichen und später zum sachgemähen. Hufbqch^ gewandter Hufschmied