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Zul-aer Mzeiger

Pf. Bei Wiederholung

Ä MSLW T°« für KH> und v°,-!sb-r» 8-S-LKKL-L gsfafÄMate $ulda. und fiauneicl > $ulda« gtetebla« za? -KS-L-LM Ehreiiimu, Äönißstr 42 Vertreter des V v auf Nachlaß. ,,DA." 1100. Verantwort!, für den

§aupÄ Fr. EhrenNau, Lauterbach H. Redaktion und Gesihäftsstelle: Königstraße 42 Zernfprech'-lnsichluK Nr. 2989 Anzeigenteil Christian Seipel. Fulda, Königstr. 42.

Nr. 52 1934

Fulda, Freitag, 2. März

11. Jahrgang

Dreimal

WgTeh Kaiser voaBandschokoo.

Krönungsfeier mit Tieropfern, Tonfiln und Radio.

In Hsinkittg erfolgte die feierliche Thronbesteigunr Puyis, der damit unter dem Namen Kang T c h Kaisei von Mandschukuo geworden ist.

Ein Kraftwagen, der mit dem aus goldener Orchideen gebildeten Wappenzeichen geschmückt war, führt« den künftigen Kaiser nach dem Himmelstempel, wo di« religiöse Zeremonie abgehalten wurde.

Der Tempel,

der eigens für die Thronbesteigung gebaut worden war, besteht in der Hauptsache aus einem Altar, der in der Ar: des Mars des berühmten Himmelstempels in Peking an­gelegt ist. Der Jnnenraum des Tempels, in dem Marmor- stufen zu dem Altar hinaufführten, war vollständig mit gelben Tüchern der Farbe der Mandschu-Dynastie, aus- gekleidet. Ungefähr 200 der höchsten Beamten von Man- dschllkuo standen achtungsvoll am Fuße des Altars. Musiker spielten auf den alten chinesischen Instrumenten, Flöten, Klarinetten, Gongs und Guitarren.

Das Opfer

entsprach der seit 3000 Jahren bestehenden Überlieferung, Der Kaiser stieg zum Altar hinauf und warf sich zu Boden, um mit den Geistern seiner Ahnen Zwiesprache zu führen. Er brachte dem Himmel eine Anzahl von Opfern dar, darunter einen weißenStier, den die Priester töteten, während der Kaiser betete. Vor dem Monarchen lag eine Rotlack-Tafel, auf der der Name seines frühesten Ahnherren ausgezeichnet war. Acht Beamte über­reichten dem Kaiser die Öpfergabe, Weihrauch, ein Amulett aus Jade, eine Rolle heimischen Tuches und einen Kelch mit Neiswein. Jede dieser Gaben streckte der Kaiser zum Himmel empor. Dann wandte er sich nach Süden und ent­zündete das heilige Feuer, dessen Rauch seine Gebete zum Himmel emportrugen. Nach der Opferung empfing der Kaiser sein Amtssiegel, worauf ein Salut von l 01 Schuß ertönte.

In sonderbarem Gegensatz zu dem uralten Zeremo­niell stand es, daß

von einzelnen Szenen Tonfilmaufnahmen gemacht wurden, daß Flugzeuge in der Luft kreisten und daß ein Bericht über die Feier durch Rundfunk verbreitet wurde. Der Kaiser trug auch nicht, wie man erwartet hatte, die alten mit goldenen Drachen bestickten Gewänder, sondern eine F e l d m a r s ch a l l u n i f o r m. Auch benutzte er nicht die herkömmliche Sänfte, sondern einen modernen Kraftwagen. Für die Krönungs- werlichkeiten hat die Regierung 3% Millionen Dollar bewilliat.

Die deutsch-polnische Annäherung.

Ae«W-po!nischer Wirtschafisfriede. Günstiger Fortgang der Verhandlungen. . seit fünf Monaten in Warschau zwischen dem fVh . cn Gesandten und der polnischen Regierung gk' â r. Verhandlungen wegen Beendigung deß a o! l k r i c g e s sind so weit gefördert worden, daß , eitere Schwierigkeiten nicht mehr zu cr- n pnd. In unterrichteten Kreisen rechnet man da . - daß das in Form eines Protokolls gekleidete Ab ^ ""len in der nächsten Woche unterzeichnet werden kann. ^teses Abkommen sollen alle aus dem Wirtschafts- hcrnorgcgangenen Kampsmaßnahmen restlos

bc-

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Nach deutschem Muster.

Das erste freiwillige Arbeitslager in Polen.

Das erste freiwillige Arbeitslager für Jugendliche mdc im Dombrowaer Revier errichtet. Nach den be- Wiiben Vorschriften können in das Lager junge Leute oni 1, Lebensjahr an ausgenommen werden. Die Ar- »wAahigkei, muß durch ärztlichen Befund festgestcllt werden.

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"Demps" befaßt sich in seinem Leitartikel mit dem ^-polnischen Verhältnis und begrüßt die Bemühn» iiri m . Regierungen, durch moralische Abrüstung Herz- M Lehmigen zueinander herzustcllcn. Es habe ber «cn Autorität Hitlers bedurft, um diesen Wechsel in ."^jenseitigen Haltung der beiden Länder herbei- ""d den Nichtangriffspakt abznschlicßen. Die "'"ung stelle einen nennenswerten Fortschritt dar intern^?1'0 "s, gerade in der gegenwärtigen schwierigen Monaten Lage Zeit zu gewinnen.

in è'?"U"ch aus Warschau mitgeteilt wird, tourbe ein s1 "scheinendes Witzblatt wegen eines Ausfalls Ä x Reichskanzler polizeilich beschlagnahmt. Maih^A örtlichen Redakteur ist ein gerichtliches '^'whren eingeleitet worden.

Kaiser.

Da von der chinesischen Regierung ein hoher Geld­preis auf den Kopf des neuen Kaisers ausgesetzt wurde, schwebten die mandschurischen Polizeibehörden in stän­diger Angst vor einem Attentat auf den neuen Kaiser.

Ein Heer von Geheimpolizisten und uniformierten Beamten bewachte ständig den Kaiserpalast und die Um­gebung. Niemandem außer den geladenen Gästen war der Zutritt zu den Festen im Palast gestattet.

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Es ist übrigens bereits das dritte Mal, daß Puyi zum Kaiser gekrönt wurde. Schon im Jahre 1909 wurde er bekanntlich als Knabe zum Kaiser von China gekrönt. Nach Ausbruch der chinesischen Revolution im Jahre 1912 wurde er abgesetzt und lebte als Privatmann in Peking. Im Jahre 1917 kam es dann zu einem Auf­stand, der die Wiederherstellung der Monarchie in China zum Ziel hatte. Puyi wurde wiederum zum Kaiser aus- gerufen, jedoch dauerte seine Herrschaft nicht länger als zwei Wochen.

Unser japanischer Flagge.

Die politische Seite der Kaiserkrönung wird in eigen­artiger Weise von der Tatsache beleuchtet, daß die Stim­mung in der chinesischen Stadt Peking am Krönungstag des ehemaligen Kaisers von China sich durch nichts von der anderer Tage unterschied. Lediglich einige japa­nische private und Geschäftshäuser batten die japanische Flagge gehißt. Hin und wieder sah man auch die Farben Mandschukuos; doch schenkten ihnen die Chinesen keinerlei Beachtung. Ferner hat der japanische Kaiser in einem Telegramm dem neuen Kaiser von Mandschukuo zu seiner Thronbesteigung im eigenen Namen und im Namen des gesamten japanischen Kaiserhauses seine Glückwünsche ausgesprochen. Der japanische Ministerpräsident Saito und das japanische Kabinett haben sich den Glückwünschen des Kaiserhauses angeschlossen.

Die Japaner sowohl wie die Chinesen wer­den schon Gründe haben für ihre ablehnende bzw. zu­stimmende Haltung dem neuen Kaiser gegenüber.

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Japan reizt Rußland.

Tokio. Auf Veranlassung des japanischen Finanz- ministers Takathasi hat das japanische Finanzministerium 40 Millionen Den, die im Jahre 1917 von der kaiserlich- russischen Regierung an den russischen Militärattache in Tokio für die russischen Bestellungen in Japan über­wiesen wurden, beschlagnahmt. Die japanische Regierung will feststellen, ob die Sowjetregierung berechtigt ist, als Nachfolgerin der kaiserlichen Regierung das Geld zu ver­langen. Die Sowjetbotschast ist bemüht, den Zwischenfall beizulegen, sie fordert die Herausgabe der Summe.

Freundliche Worie aus Bulgarien.

Anläßlich des Königsbesuchs in Bersin.

Die bulgarischen Blätter geben die Meldungen über den Besuch des Königs Boris in der Rcichshauptstadt in großer Aufmachung wieder. Das BlattSlowo" schreibt, die bulgarische Öffentlichkeit sei von dem schönen Gedanken des Königs, Berlin einen Besuch abzustatten, a n g e u e h m überrascht. Deutschland, um das die diplomatischen Kanzleien alle möglichen Intrigen zu spinnen versuchten, sei heute trotz allem

ein mächtiger Faktor in Europa.

Doch unabhängig hiervon seien Deutschland und Bul­garien, die im Weltkrieg in heldenhafter Waffen­brüderschaft zusammcngestandcn hätten, seither durch gemeinsames Schicksal, gegenseitiges Vertrauen und schließlich auch durch engste wirtschaftliche Beziehungen verbunden. Das Organ der nationalen Volksbewegung hebt hervor, die engen kulturellen und vor allem wirt­schaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern seien es heute in erster Linie, die anläßlich dieses Besuches hervorgehoben werden müßten. Die Behauptung sei keineswegs übertrieben, daß die Zukunft der bulgarischen Volkswirtschaft in Mitteleuropa und in erster Linie in Deutschland liege.

Eden in Paris.

Der englische Großsiegelbewahrcr Eden ist in Paris ctngeiroffen. Er begab sich sofort zur englischen Botschaft. Eden hatte dann eine Besprechung mit Außenminister Barthon, wobei er diesem däs Ergebnis seiner Be­sprechung in B c r l i n und Rom mitteilte.

über die Unterredung des Großsiegelbewahrers Eden mit dem französischen Ministerpräsidenten und dem Außenminister Barthou wird folgende amtliche Verlaut­barung veröffentlicht: Im Verlauf der Unterredung wurden die grundsätzlichen Richtlinien der britischen Denkschrift geprüft. Ministerpräsident Doumergue und Außenminister Barthou haben Herrn Eden angekundigt, daß sie diese Prüfunge-n fortsetzen werden und ihn in nächster Zeit von den Schlußfolgerungen unter­richten werden, die die französische Regierung treffen wird."

Das Licht der Klärung.

Man hatte sich in den anderthalb Jahrzehnten vor unserer Machtübernahme leider in der Welt daran gewöhnt, die deutsche Nation als mitbewegenden Faktor der europäischen Entwicklung nicht mehr in Betracht zu ziehen", äußerte der Reichspropagandaminister Doktor Goebbels in seiner Rede vor der ausländischen Presse. Dafür gibt's aus diesen anderthalb Jahrzehnten der Zeit nach dem Kriege nicht bloß ein paar, son­dern viele, viele Beispiele, und das ist es ja gerade, das ein selbstbewußtes, auf seinen mehr als vier­jährigen Heldenkampf gegen diese Welt immer noch stolzes Volk im Innersten aufwühlen mußte. Es gibt sogar Aus­länder, Angehörige der ehemaligen Feindstaaten, darunter hier und da einige Staatsmänner, die besonders nach dem Durchbruch der nationalen Revolution in Deutschland nachdenklich wurden, es einsahen und auch aussprachen daß diese Mißachtung, zum mindesten Nichtbeachtung eines 65-Millionen-Volkes im Herzen Europas unendlick viel dazu beigetragen hat, in Deutschland das schlafende Heer" zu wecken, die Idee des Natio­nalsozialismus schließlich für das ganze deutsche Volk zu einer inneren Selbstverständlichkeit werden zu lassen. Jv einer Art von Selbstanklage äußerte schon im vergangenen Jahre der englischeDiktator" während des Weltkrieges Lloyd George, daß nicht bloß die Männer von Ver­sailles zu denen er selbst gehörte, sondern noch mehr die politischen Gernegroße der Nachkriegszeit emsig bis Scheite zusammengeschleppt und aufgetürmt hätten zr jenem riesigen Haufen, der dann zu dem gewaltigen, gan; Deutschland erfassenden Feuer des Nationalsozialismus emporloderte.

Wogegen Adolf Hitler als Führer dieser Be­wegung, dann als des deutschen Volkes verantwortliche: Kanzler sich so oft gewandt hat: die^Aufrechterhaltung des politischen Unterschiedes zwischen Siegern und Besiegten sie war Inhalt und Form der ganzen Nachkriegs­politik Deutschland gegenüber, war der Kern vonVer­sailles". Und darum richtet sich der deutscheKampf geger Versailles" gerade gegen diesen Kernpunkt, gegen di« fünfzehn Jahre hindurch sestgehalteneGewohnheit" bei Welt daran,die deutsche Nation als mitbewegenden Fak­tor der europäischen Entwicklung nicht mehr in Betrach zu ziehen". Darum hat das Ringen Deutschlands in bei Abrüstungsfrage innerlich viel weitere Ziele als nur d« der militärischen Gleichberechtigung, wir wollen als eit in all und jedem gleichberechtigtes, gleichverpflichtetes uni nach unserem Schwergewicht als geschlossene Nation be­wertetes Volk neben den anderen Völkern stehen, ab« nicht mehr bloß, wie bisher fünfzehn Jahre hindurch, Objekt der Entwicklung" sein.

Als nun allerdings jenes Feuer stcilhoch bis zun deutschen Himmel emporschlug, rieb man sich im Auslani die Augen und konnte gar nicht verstehen, daß so etwas möglich war! Und verstand noch weniger, was nur Wirklichkeit geworden war! In allen Parlamenten, ir zahllosen Zeitungsartikeln sprach und schrieb man, di« Augen aus jenes Feuer gerichtet, von Deutschland, das fast mit einem Schlage so ganz, ganz anders geworder ist. Ganz anders als zu jenen Zeiten, da man die an­genehme Gewohnheit Deutschland gegenüber pflog es in der europäischen Entwicklung als Faktor einfad außer Betracht zu lassen. Das war sehr bequem gewesen aber das ging jetzt nicht mehr! Also wurde das neu« Deutschland zumStörenfried" dieser Entwicklung erklärt, die allerdings, so ganz nebenbei bemerkt, gerad« in den letzten Jahren ein wildes Durch- und Gegenein­ander geworden war. EinStörenfried" also, uni dem traute und traut man jede nur denkbare Hintertücke tausend finstere Pläne zu! Obwohl man sich herzlick wenig Mühe gab, ibn in seinem wirklichen Wesen, Woller und Zielsetzungen kenncnzulerncn!Natürlich" glaubt« man den Worten des Führers und verantwortlicher Kanzlers nicht, wenn er von seinem Streben sprach, di« europäische Entwicklung unter das Zeichen eines dauer hasten, eines wirklichen Friedens zu stellen. Geschehe das nicht etwa nur, um dieses Europa in einen Schlaf zr singen, aus dem es eines Tages überraschend durch der Lärm eines deutschen Angriffskrieges geweckt würde? Hat sich Hitler mit Polen nicht bloß deswegen au! zehn Jahre verständigt, um die Welt sicher zu machen weil er diesen Zeitraum brauche, um Deutschland zu: vollen früheren Kraft und Unüberwindlichkeit cmporzu- bringen? Und so geht cs weiter, denn selbst hinter dieser Friedens taten Hitlers suchte man dieHeimtücke".

Gegen diese Weltpsychose, die im neuen Deutschland den friedensbedrohenden, heimtückischen Störenfried fat und durchaus nicht anders sehen will, geht der Kampf des deutschen Nationalsozialismus und seiner Führung. So­lange er lebe, werde er das Letzte daran setzen, um einer Krieg zu verhindern, äußerte der Volkskanzler leiden­schaftlich bewegt einem Engländer gegenüber, der offer erklärt, ganz unter dem Eindruck derunbedingter und m ä tz ch c n l o s c n Aufrichtigkeit" Hitlers gestanden zu haben. Vieles ist in dicjcm Kampf erreich worden, aber immer noch nicht genug, noch nicht alles Die Gegensätzlichkeit der Auffassungen über die curo päische Entwicklung das sollte schließlich auch dae ganze Ausland bemerken und befolgen kann aber einet Angleichung und Lösung zugeführt werden nur, wie 11 Goebbels in seiner Rede äußerte, und misslich nura u der Basis der Gleichartigkeit d e r A ch t u n g die der eine dem andern zuteil werden läßt", lind vor diesen andern hat das neue Deutschland das Licht bet Klärung nicht zu scheuen, ist vielmehr bereit, dieses Licht bis in die letzten Winkel deutschen Wollens und Handelns hineinleuchten zu lasten.