Zul-aer Mzeiger
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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg ZulSa- und Haunetal ♦ Zulöaer Kreisblatt
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?lt. 44 — 1934
Fulda, Mittwoch, 21. Februar
11. Jahrgang
Unser Recht auf Notwehr.
Göring fordert Lustverieidr'gung.
Ein Mindestmaß an Schutz für Deutschland.
Die Londoner Zeitung „Daily Mail" veröffentlicht eine 'lange Unterredung ihres Sonderberichterstatters Bard Price mit General Göring. Der preußische Ministerpräsident sagte dabei u. a.:
Deutschland muß eine defensive Luftflotte habe», falls die anderen Großmächte nicht bereit sind, ihre Bvmbcnflugzcuge aufzugeben, und ich glaube nicht, daß sie dazu bereit sind. Wir haben gemeinsame Grenzen mit Frankreich, Belgien, Polen und der Tschechoslowakei. Ich muß zwischen 30 und 40 Prozent der gesamten Flugzeugstärke dieser vier Länder haben. Dies ist die bescheidenste defensive Luftstreitmacht, die die nationale Sicherheit Deutschlands schützen würde.
Wenn es einem unserer Nachbarn einfiele, uns anzugreifen, so könnten seine Flugzeuge unsere Bevölkerung vernichten und unser Gebiet zerstören, ohne daß er einen einzigen Soldaten über die Grenze schickt. Aus diesem Grunde verlange ich eine defensive Luftstreitmacht, die aus Kampfflugzeugen besteht, und eine angemessene Ausrüstung mit Flugzeugabwehr- geschütze n. Den defensiven Charakter dieser beiden Waffenarten unterstrich der General noch in weiteren Ausführungen.
Der General schilderte dann die Lage, die er bei Übernahme des Luftfahrtministeriums vorgefunden hatte: Es gab keine sechs erstklassige moderne Maschinen in ganz Deutschland. Unser Personal ist von bester Qualität. Unsere Organisation auf der Erde ist wahrscheinlich die beste in der Welt. Aber unser Flugzeugmaterial bleibt an Beschaffenheit noch
weit hinter dem anderer Nationen zurück.
Als ich ins Amt kam, fand ich, daß die deutschen Luftverkehrslinien Maschinen gebrauchten, die zehn und elf ^ahre alt waren. Ich habe daraus bestanden, daß Betriebssicherheit in den Vordergrund der Erwägungen gestellt wurde.
Auf die Frage, ob nicht die Reserve an aus - g c b i l d e t e n F l u g z e u g s ü h r e r n sehr groß sei, er- widerte General Göring: Wir haben getan, was uns möglich war, um die Aufmerksamkeit der deutschen Jugend auf die Wichtigkeit der Luftfahrt zu lenken. Alle 7?"ver konneuihre Piloten in ihren Luftstreitkräften aus- oudm. W i r können dies nur durch Sport tun.
Aber die Tatsache, daß wir keine Luftstrcitkräfte haben, beraubt uns vieler Vorteile bei der Entwicklung der deutschen Luftfahrt. Um eine angemessene Luftflotte für die Verteidigung Deutschlands mit unseren eigenen Hilfsmitteln zu bauen, würde es zwei Jahre erfordern, da wir unsere Fabriken würden umwandeln müssen. Alte Typen eingeschlossen, besitzt Deutschland jetzt rund 300 Zivilslugzeuge. Der Gedanke, daß sie für einen Angriff auf ein anderes Land benutzt werden könnten, das eine Luftstreitmacht besitzt, ist absurd. Vor allem kann ein Zivilflugzeug nicht schnell genug aufsteigen. Man kann einen Kraftwagen für militärische Zwecke geeignet mache», wenn man ein Maschinengewehr hineinstellt, «uer ein solcher Kraftwagen würde gegen einen regu* rare« Panzerwagen nichts ausrichtcn können. Dasselbe auch von den Fluareuacn.
Politischer Besuch.
Giaaissekreiar Eden in Berlin.
, Auf seiner Rundreise durch die europäischen Haupt- Vadte traf der Großsiegelbewahrer Mr. A. Eden am âbnhof Friedrichstraße, Berlin, in Begleitung von Herren ein.
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,.sDcr englische Minister, der in Paris mit der fran- Mschen Regierung verhandelt hat, will die Abrüstungs- > uge auch in Berlin mit den maßgeblichen Stellen er- und dann nach Rom Weiterreisen.
Eden hatte bereits eine Besprechung im Aus - <v “J^'g e n Amt. Anschließend nahm er an einem keil, das Reichsautzcnminister Freiherr von Neu- ihm zu Ehren gab.
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Minister Eden beim Kanzler.
nnn^'" Auswärtigen Amt fand die erste Besprechung „\^in Reichsaußenminister Freiherrn von Neu- ® ^P Lordsiegelbewahrer Eden unter Beteilt minL britischen Botschafters und des Reichswehr von Blomberg statt.
inih . e.'.ch skanzl è r empfing Herrn Eden allstem»';1 -«Eschen Botschafter im Beisein des Reichs Autzs» ""üters und deS Reichswehrministers zu längerer ^cite i» sehr freundschaftlichen. Abrüm.» Kn Besprechungen hatten die Regelung der hi beii "Ye zum Gegenstand und knüpften an die entwickln, uwtischen Verhandlungen der letzten Monate
Vorschläge sowie an daS kürzlich an. Äj„ u>te Memorandum der englischen Regierung _ c Wett fortgesetzt werden.
Der Berichterstatter fragte: Glauben Sie als einer der großen Flieger des letzten Feldzuges, daß das Flugzeug eine entscheidende Waffe im Kriege ist?
Der General erwiderte: Gegen ein Land ohne Luftverteidigung wie Deutschland ist sie sicher entscheidend. Die Frage, ob er einen Krieg in Europa für wahrscheinlich halte, beantwortete der General: Ich bin kein Prophet. Aber niemand kann leugnen, daß es eine
ungeheure Menge von eventuellen Kriegsursachen gibt. Ich hoffe, es sind noch genug Menschen am Leben, die sich an den letzten Krieg erinnern und sich klar machen, daß ein neuer Krieg, wo er auch beginnen würde, sich ausbreiten würde, bis die europäische Zivilisation in einem allgemeinen Vlutbade zugrunde ginge. Wenn alle europäischen Staatsmänner wirkliche Führer wären wie die in Deutschland, anstatt unter der Herrschaft demokratischer Parteien und parlamentarischer Cliquen zu stehen, dann würde der Weltfrieden sicher sein. Denn dann würden sie erkennen, daß Krieg keine Vorteile bringen würde.
Ich sage mit allem Nachdruck, daß die europäische Solidarität außerhalb des Völkerbundes gesucht werden mutz, der niemals seinen Charakter als Bund der Sieger gegen die Besiegten und als ein Bündnis zum Schutze der Siegesbeute verloren hat.
Der Berichterstatter fragte, ob General Göring einen neuen Krieg zwischen Deutschland und England zum Beispiel wegen der Kolonien für wahrscheinlich halte.
Der General lachte geringschätzig und sagte: Wer daran denkt, Krieg in Europa zu beginnen, um Kolonien in Afrika zu erlangen, muß wahnsinnig sein. Auch haben wir kein Gefühl der Rachsucht gegen England. Die Engländer sind Angelsachsen und nahe Blutsverwandte der Deutschen, ein Punkt, auf den wir Deutsche großes Gewicht legen.
General Göring fügte noch u. a. hinzu: Sie können es sich leisten, uns zu vertrauen. Ein Mann, der erreicht hat, was Adolf Hitler vollbracht hat, verdient, daß man seinem Worte Glauben schenkt. Seine Politik ist
Frieden mit Gleichberechtigung.
Er hat Deutschland gewonnen, weil er seinen Versprechungen immer loyal und treu geblieben ist.
Zum Schluß stellte der Korrespondent eine Frage über die k o m m u n i st i s ch e Gefahr. General Göring erwiderte: Sie besteht noch immer. Sie ist nur unter die Erde getrieben. Die kommunistische Gefahr wird so lange schwelen, wie sie nicht in anderen Ländern ausgelöscht ist.
Nach D i m i t r o f s gefragt, sagte der General: Dimitroff hat vielleicht den Reichstag nicht in Brand gesteckt. Aber er hat sein Bestes getan, um das deutsche Volk zu entflammen. Er war der tätigste bolsche - wistische Agent in Deutschland. Ich habe ihm im Gerichtshof gesagt, daß er den Galgen verdient, sei es auch nur wegen seiner verbrecherischen und aufrührerischen Tätigkeit in Deutschland vor dem Reichstagsbrand. Das ist noch immer meine private Ansicht. Jetzt ist er sicher hinter Schloß und Riegel. Er wird dort a u f jeden Fall vorläufig bleiben. Dort ist er am besten aufgehoben. Ein solcher Mann ist zu gefährlich, als daß man ihn auf die Gesellschaft loslassen könnte. Sein Leben und seine Gesundheit sind nicht in Gefahr, und er befindet sich so wohl, wie es im Gefängnis möglich ist.
polen und das neue Deuischland.
„Sympathie und Hochachtung für Adolf Hitler."
Vor führenden Persönlichkeiten des konservativen Lagers des Regierungsblocks in Krakau sprach der Vorsitzende des Außenausschusses des Sejm, Abg. Fürst Radziwill, über innen- und außenpolitische Fragen unter besonderer Berücksichtigung der Nachbarstaaten.
Fürst Radziwill kündigte dabei an, daß das deutschpolnische A b k o m m e n noch im Laufe dieser Woche ratifiziert werde. Das Abkommen dürfe in seiner Bedeutung weder unter- noch überschätzt werden. Durch seine Unterzeichnung seien natürlich die Gegensätze noch nicht beseitigt worden. Es sei jedoch dadurch eine andere Einstellung in den deutsch-polnischen Beziehungen herbei- geführt worden.
Das zehnjährige Abkommen habe den große» Mut des Reichskanzlers Hitler bewiesen, der beim Gegner Sympathie und Hochachtung Hervorrufe. Die durch den Reichstag angenommene R c i ch s r c f o r m habe ein neues Deutschland geschaffen, waS wiederum als Anzeichen dafür zu werten sei, daß die Politik des neuen Reiches unter der Führung Adolf Hitlers andere Wege gewählt habe, als das frühere Deutschland, das durch das Preußen der Junker und durch die HohcnzoÜrrnschc Hausidee vertreten gewesen sei.
Radziwill führte ferner Klage gegen die unloyale Politik des f r a n z ö s i s ch e n K a p i t a l s in Polen, die zahlreiche Schwierigkeiten verursache. Desgleichen erhob er bittere Vorwürfe gegen f r a n z ö s i s ch e P o l i t i k e r , die in Polen ein Hindernis und eine Beunruhigung erblicken möchten. Der Redner vertrat schließlich die Mei nung, daß andere Staaten an der U n a b h ä n a i g k e i t Österreichs in stärkerem Maße interessiert seien als Polen.
Tage des Gedenkens.
„R e m i n i s z e r e" — „denke daran"! — so heißt nach altem kirchlichen Brauch der erste Sonntag in der „stillen Zeit". Ein Tag des Gedenkens eines ganzen Volkes wird nun dieser Sonntag werden, ein Tag der Andacht, zum erstenmal jetzt auch zum gesetzlichen Feiertag gemacht. Ein Tag des feierlichen Gedenkens und ein Tag der Helden- e h r u n g. Ganz soll dieser Tag dem Gedächtnis jener gewidmet sein, die im Weltkrieg und in den Jahren hernach ihr Bestes Hingaben im Kampf für Volk und Heimat, die ihr Leben opferten, damit Deutschland lebe. War es nicht wie eine Verletzung der tiefsten und innerlichsten Gefühle unseres Volkes, als man zwar die Verfassung von Weimar zum Gegenstand durchaus offizieller und pompöser Feiern machte, aber es der dankenswerten Arbeit des Volksbundes überließ, in würdigen Feiern der Gefallenen zu gedenken, — wobei aber jene „Offiziellen" meistens fernblieben, die über den Opfertod für Volk und Heimat höchstens die Lauge üblen Spottes zu gießen pflegten.
Jetzt wurde ein Reichsseiertag dafür bestimmt. Jetzt gedenkt ein ganzes Volk, einhellig nach außen und dem Geiste nach, seiner Gefallenen, der zwei Millionen, die draußen rings um Deutschland liegen, die nur ein kühles Wellengrab fanden oder die in der Heimat erst ihren Wunden und Krankheiten erliegen mußten. Und ein ganzes Volk wird in Trauer und Stolz an diesem Tage jenen danken, die im Laufe der Nachkriegszeit fielen im Kampf für ein neues Deutschland. Vor ihnen werden sich im ganzen Reich und überall in der Welt, wo Teutsche wohnen, am Sonntage des Gedenkens die Fahnen senken und die Köpfe sich neigen, in tiefer Trauer und doch erfüllt von dem Stolz, daß sie nicht umsonst gefallen sind.
Aber noch andere Tage des Gedenkens werden nun in feierlicher Form begangen werden, Tage, an denen der Anstieg der deutschen nationalsozialistischen Bewegung begann oder als 1925 nach dem Mißlingen des ersten Versuchs, Deutschland und sein Volk vom falschen Wege wegzureißen, der neue nun bis zum Siege führende Vormarsch begann. Am 21. Februar 1920 sprach AdolfHitler zum erstenmal in öffentlichen Versammlungen und warf sein Programm der 25 Thesen der NSDAP, hinein in die Massen. Am 26. und 27. Februar 1925 trat die Partei nach ihrem Verbot von neuem vor die Öffentlichkeit, stieß Adolf Hitler erneut ins Volk vor und rief die Partei wieder ins Leben.
Dieser Tage wird nun der deutsche Nationalsozialismus feierlichst gedenken. Und mit ihm das deutsche Volk, das er sich in friedlichem, aber opfervollem Kampfe erobert hat. Über ganz Deutschland wird dann das Gelöbnis erneut hinweghallen: Unverbrüchliche Treue dem Führer!
Oie Schulung iM Führernachwuchses.
Der Reichsschulungsleiter der NSDAP, und der deutschen Arbeitsfront, Otto G o v d e s , hat einen Plan über die Schuluna des Führernachwuchfes entwickelt. Dre NSK veröffentlicht daraus u. a. folgendes: Spätestens vom 1. Oktober d. J. ab sollen die Parteischulen dem Teil der Jugend geöffnet werden. Der Fübrerqualitälen auszuweisen hat In den Gauführerschulen werden
Erziehungskurse von Dreimonatiger Zeitdauer burchgeführt werden. Taran schließen sich halbjährige Erziehungskurse in den Landesführerschulen und ein einjähriger Kursus in der Reichsschule. Es wird zur De- dingung gemacht, daß jeder, der zum politischen Führer herangebttdet werden soll, in seiner Jugend Dienst i« Jungvolk gemacht, bis zum 18. Lebensjahr in der Hitlerjugend gedient, mindestens ein Jahr aktiven sA.-Dienst erlebt und einige Monate im Arbeitsdienst oder aus andere Weise seine vaterländische Pflicht erfüllt haben muß.
Großsiegelbcivahrer Eden in Der Reichöhauplstadt.
<^er enalische Sonderbeauftragte für die Abrüstungsver- Handlungen. Großsiegelbewabrer Eden (lmksj. wurde bei seiner Ankunft in Berlin von dem englischen Botschafter in der ReickShauptstadt. Sir Eric Phipps (neben iluni und von Geheimrat Frowein und LegatwnSrat V o n' P l e f i e n, als den Vertreter des Auswärtigen Amtes, empfangen.