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M-aer /lnzeiger

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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zul-a- unö Haunetal Zulöaer Kreisblatt

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Nr. 39 1934

Fulda, Donnerstag, 15. Februar

11. Jahrgang

«Blutvergießen ohne Ende.

Hunderte neuer Opfer des österreichischen Bürgerkrieges. Die Negierung noch nicht Herr der Lage. Dollsuy-System büßt den Rest des Vertrauens ein

Das Blutbad von Wien.

Wachsende Totenziffern.

Noch immer ist durchaus leine Klarheit darüber zu er- langcii, was das Blutbad von Wien bis jetzt an Todesopfern gekostet hat. Es läuft die Zahl von 384 Toten um.

Die einzig sichere Angabe, die zur Verfügung steht, ist die über die Zahl der Personen, die s ch w e r ver­wundet in dasAllgemeine Krankenhaus" eingeliefert wurden und dort ihren Verletzungen erlegen sind. Diese Zahl belies sich zuletzt auf 123 Personen. Ferner sollen in den Nachmittagsstunden vom Dienstag ttlO Leichen bei der Prosektur des Anatomischen Instituts eingeliefert worden sein.

Die Rettungsgesellschaft gibt an, daß sie am Montag 136 Personen, am Dienstag 148 Personen behandelt hat. Dazu kommen noch 13 Fälle, in denen sie lediglich den Eintritt des Todes feststellen konnte. Bei all diesen 9ln= gaben kann es sich selbstverständlich nur um Teil- Ziffern handeln.

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Nach Informationen des Wiener Neutervertreters dürfte die Zahl der Todesopfer in ganz Österreich nicht unter 500 anzusetzen sein. In dem Wiener Allgemeinen Krankenhaus lägen 89 Tote, darunter 27 Frauen.

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Die Standgerichte an der Arbeit.

Zwei Hilssscharfrichter bestellt.

.Der Senat des Standgerichte s in Wien trat zum ersten politischen Standgerichtsprozeß zusammen. Gegen zehn Mitglieder des sozialistischen Schutzbundes ist Anklage aus Aufruhr erhoben worden. Zwei der Ange­klagten, die bei den letzten Kämpfen schwere Verletzungen erlitten hatten, mußten auf Tragbahren in den Sitzungssaal gebracht werden, sie wurden jedoch vom Gericht für verhandlungsfähig erklärt. Bei den Ange­klagten handelt es sich überwiegend um erwerbslose Arbeiter.

Tod durch den Strang.

Das Standgericht fällte das erste Todes­urteil. Der angeklagte Karl Munichrcitcr, der in den letzten Kämpfen schwer verwundet worden war und aus dem Krankenhaus vor das Standgericht gebracht wurde, ist zum Tode durch den Strang verurteilt worden.

Es sind zwei Hilss scharfrichter bestellt Worden, weil man mit dem bisher vorhandenen einen Scharfrichter, der außerdem gegenwärtig in der Provinz nicht auslangen dürfte.

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Bestialische Kampfesweise.

. Im Wolfsegg-Trauntaler Kohlenrevier (Oberöster- «idj) wurden vier Wehrmänner, die einen schwerver- ietzten Kameraden bergen wollten, bei Thomas- roith bon Schutzbündlern beschossen; drei von ihnen wurden getötet.

Als eine Militärabteilung in das Arbeiterhaus in ^hmnasroith, das eine weiße Fahne gehißt hatte, cmdrang, wurde sie ebenfalls beschossen. Die Amtliche -Nachrichtenstelle teilt hierzu mit, daß die durch diese ,c st in lischc Kampfcsweisc aufs höchste erbittcr- Wehrmänner einige Schutzbündler an Ort und Stelle uwdergemacht hätten. Auch in Zukunft würden die ^Mutivorgane gezwungen sein, in derartigen Fällen zu schärfsten Mitteln zu greifen.

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Schwere Verluste des Bundesheeres.

Aus Linz wird berichtet, daß das Bundes bei Kämpfen um Waldegg schwere Verluste erlitten staben soll. Ein Leutnant des 8. Alpenjägerregiments vcr- uchtc mit vier Mann in einem Kraftwagen die Kampf- - ö" durchstoßen, wurde jedoch in schweres w1 d) i n c n g c )v c l) r f c u e r genommen. Alle fünf wurden getötet.

Ein Bil- wüster Zerstörung.

Die Straßen um den Karl-Marx-Hof in Wien, um den fleftern besonders erbittert gekämpft wurde, Peichcn einer blutigen Walstatt. Weite Straßenzüge liegen Trummern. In Ottakring sind von der Artillerie Dtraßenzcilcn fast völlig zerschoßen worden. ES ist LUacstcllt worden, daß die städtische Feuerwehr in vielen «ollen mit den Marxisten gemeinsame Sache gemacht hat. «. der Wiener Innenstadt, um die rings herum der -^ampf tobt, macht sich bereits infolge der abgeschniüencn Verbindungen L c b c n s in i t t e l k n a p p h e i t geltend.

^^ DsihsgNVssM die GVitzksrossttL des ?H-

Austromarxifiische

Wohnungsfürforge."

Wohnhäuser mit eingebauten Forts.

Die marxistische Wiener Stadtverwaltung rühmte sich schon längst ihrer Wohnungsbauten für die Arbeiter, und diese tatsächlich gewaltigen Gebäudeblocks mußten das Erstaunen des Besuchers erregen, zumal, wenn er daran dachte, was diese Bauten kosteten, und er sich fragte, woher das bitter arme Land das Geld dafür bernahm. Jetzt hat man erkannt, nach welchem raffinierten

Sturm der Bundessoldaten

auf einen Abschnitt der K a r l - M a r x - W o b n s i e d- lung, um die bekanntlich blutige Kämpfe tobten.

Plan die Wiener Marxistenführer ihreWohnungs­fürsorge" für die Arbeiter betrieben haben. Überall dort, wo strategisch wichtige Punkte in Wien vorhanden sind, die für Kampfhandlungen von Wert sein können, ließen sie ihre Arbeiterpaläste errichten und bauten sie festungsartig aus, so daß sie bei den jetzigen Kämpfen erst durch Artilleriefeuer sturmreif gemacht werden mußten, ehe die Infanterie zum Angriff schreiten sonnte. In diesen roten Wohnburgen waren planmäßig Stände zur Aufnahme von Maschinengewehren eingebaut, und ihre Keller beherbergten Munitionslager und Waffen­vorräte. Woher diese Wassen kamen, zeigten die jetzt ge­fundenen neuen tschechischen Karabiner und die Stahlhelme französischen Modells, die der Republi­kanische Schutzbund trägt Ein Musterbeispiel solches marxistischen Bollwerks zeigt der Karl-Marx-Hof, dessen Mauerfront wie eine Zitadelle starrte und der wie eine Festung unter blutigen Opfern genommen werden mußte. Welche ungeheure Frivolität darin liegt, kriege­rische Bauten und Wohngebäude zu vereinen, zeigt jetzt die Tatsache, daß unter den Trümmern der zusammen- gcschosscncn Wohnblocks die Leichen von Frauen und Kindern, von Aufständischen und friedliebenden Bürgern begraben wurden!

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Der berüchtigtePlan B".

Der drohende Bandenkrieg.

Die Austromarxisten haben nach einem wohlvor- bereiteten Plan, den der Gencralstab des Republikanischen Schutzbundes sorgfältig aufgestellt hatte, losgeschlagen. Der sogenannte Plan A sah die hartnäckige Verteidigung gewisser Stützpunkte in allcii von Marxisten zahlenmäßig beherrschten Städten vor. Er ist jetzt anscheinend ohne Erfolg abgewickelt worden, und man schreitet letzt zur Durchführung des berüchtigten Planes b. Das ist der zweite, vielleicht gefährlichere Teil des Kampfes, der K l e i n k r i e g einzelner Partisanenabtellungen aus dem Lande und in den Wäldern. Wenn es jetzt den -gruppen und der Polizei nicht gelingt, die marxistischen Kampf­gruppen restlos aufsurcibeu oder gcsangenznncbmen, so dürfte ihnen noch harte und blutige Arbeit bcvorstehen bei her Aushebung und Ausräucherung der tm anoc zer­streuten und versteckten Nester und Räuberbanden.

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Die weiße Kahne gehißi.

Floridsdorf in den Händen der R c g i e r u n g s t r u p p e n.

Die Kampfhandlungen in Wien hatten am Mittwoch­vormittag wieder in größerem Maße eingesetzt. In den Mittagsstunden wurde von amtlicher Seite mitgeteilt, daß der letzte Kampfabschnitt, der noch m größere:« Ausmaß im Besitz der Schutztzündler war, nämlich S^ Gtänaen

in Floridsdorf von ihnen geräumt worden sind und sich nunmehr vollständig im Besitz der Negicrungstruppen befinden. Die Schutzbündler haben sich in Floridsdorf ergeben und die weiße Fahne gehißt.

Auch in den anderen Kampfabschnitten sind die Schutzbündler im Rückzug.

Auf einzelnen Arbeiterhäusern sind bereits weiße Fahnen gehißt. Bei der Besetzung wurden Mengen von Waffen und Munition aufgefunden. Im 12. Bezirk ergab sich ebenfalls eine große Anzahl von Schutzbündlern. Da die Polizei zum Abtransport der Gefangenen nicht ausreichte, wurden die in der Umgebung liegenden Magazine besetzt und die Gefangenen dort sofort eingesperrt. Die Truppen haben am Vormittag eine systematische Durchsuchung sämt­licher roter Gemeindehäuser vorgenommen, die von den sozialdemokratischen Gemeindeverwaltungen seit Jahren mit öffentlichen Mitteln als strategis^c Stützpunkte für einen etwaigen Bürgerkrieg hergerichtet waren.

Das Gaswerk Leopoldsau an der Grenze von Floridsdorf, das bisher ununterbrochen von Schutzbünd­lern besetzt war, ist ebenfalls in die Hände der Negierungs­truppen gefallen. Tas Polizeikommissariat im Bezirk Floridsdorf, das seit Beginn des Aufstandes inmitten des Schußfeldes lag, hatte Luft bekommen, so daß es zum ersten Male seit diesen Tagen verlassen werden konnte.

Die Leiche des getöteten Bezirkshauptmanns Fried­rich wurde in Floridsdorf gefunden. Im Schlingerhos (Floridsdorf), der von den Negicrungstruppen mit Minen beschossen worden war, sind jetzt 50 Tote aufgefunden worden.

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Oer Bürgerkrieg in der Provinz.

In Linz waren die Kämpfe besonders heftig. Die Kämpfe um das sozialdemokratische Parieiheim waren grauenvoll. Man spricht in Linz im Gegensatz von zusammen 24 amtlich als tot gemeldeten Personen,

von mehr als 60 Toten und über 100 zum großen Teil Schwerverletzten.

Die Kämpfe in der Gegend der Südbadngründe waren besonders schwer, aber auch in der Nähe des Kranken­hauses.

Recht übel für die Regierung liegen die Dinge offenbar in Steiermark. Eine Telephonver­bindung besteht von dort nach den übrigen Ländern nur aus dem Ennstale. Darüber hinaus nach dem Süden hin ist man auf Nachrichten angewiesen, die von Mororrad- fahrern weiterqebrachl werden. Den erfolgreichsten Kämp­fer gegen den ^Marxismus, den bekannten Gendarmeric­oberstleutnant Meisner, hatte die Regierung Dollfuß vor 14 Tagen, gleich einer Reihe anderer nationalsozialistischer Führer, grundlos verhaftet und ins Konzentrationslager gebracht. Darob herrscht noch jetzt in der Steiermark die größte Aufregung und Empörung. Um Bruck an der Mur sind die

Marxisten noch vollständig Herr der Lage.

Die E r e k n t i v e , durch Überanstrengung und zahlreiche Verluste vollständig geschwächt, erwies sich als völlig ohnmächtig.

Opfer des Bruderkrieges in Österreich.

Zwei von den unzähligen Blutzeugen, die als Opfer des furchtbaren Bürgerkrieges in Österreich ihr Leben ließen. Sein Waffenstillstand zwischen NSDAP.

und Seimwehren.

Die LaudeSlcitung Österreich der NSDAP, feilt mit: Die offenbar planmäßig in Umlauf gesetzten Gerüchte, wonach zwischen H e i m w e h r c n und N « D .t P. Waffenstillstandsvcrhandlungcn geführt werden sollen oder gar schon ein Waffenstillstand zustandcgekommcn sein soll, entsprechen in allen Teilen in keiner Weise dct Wahrheit - Die NSDAP. Österreich führt viel­mehr bat Kampf gegen daZ «System DüLfütz ksmpr-- mitzlos weiter