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Nr. 38 — 1934
Fulda, Mittwoch, 14. Februar
11. Jahrgang
Bürgerkrieg in Oesterreich.
Hunderte von Toten. — Noch keine Nuhe.
Zahl der Todesopfer unübersehbar.
Die Zahl der Todesopfer ist noch nicht zu übersehen. Von der Regierung werden über die Höhe der Verluste bei Militär, Polizei und Heimwehr keine genauen An- gaben gemacht, können wohl auch bei der allgemeinen Verwirrung noch gar nicht gemacht werden. Um so weniger ilissen sich die Verluste der Marxisten, die ihre Toten und tSerwundetcn, soweit cs möglich ist, mit sich schleppen, übersehen. Jedoch dürften allein die Todesopfer in die Hunderte gehen. An dieser Ziffer sind die Regierungs- kriistc sehr hoch beteiligt.
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Verhaftung der führenden Sozialdemokraten.
Die bekanntesten Führerderösterreichischen Sozialdemokraten wurden in Haft genommen. Es befinden sich darunter dieselben marxistischen Demagogen, die als verantwortlich für die traurigen Ereignisse des 15. Juli 1927 angesehen wurden, aus denen damals die BrandstiftungdesJustizpalastes hervorging. Es sind dies die Sozialistenführer Otto Bauer, Dr. Julius Deutsch und Bürgermeister Seitz, die durch Ansammlung großer Waffen- und Munitionsbestände seit langem den Bruderkampf vorbereitet hatten und jetzt zum Ausbruch brachten. Wie 1927 erhebt nun auch der Bolschewismus hinter den Sozialdemokraten sein Haupt und glaubt, daß seine Stunde geschlagen habe.
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Kleinkrieg â 8a Moskau.
Wie von amtlicher Seite mitgeteilt wird, ist es in Wien infolge des vollen Einsatzes der Machtmittel gelungen, die Bildung einer zusammenhängenden Stellung der Schutzbündler zu verhindern,.so daß sich der Kampf in Teilaktionen auflöste. Diese Teil- aklionen machten den Truppen aber fast noch mehr z» schaffen, als der Sturm auf die zusammenhängenden Stellungen, wie Einzelbcrichte über die Straßcnkämpfe in Wien zeigen. So explodierte in Ottakring durch einen
Volltreffer ein Gasometer.
In diesem Bezirk wurden Truppen von den Dächern und einem F e u e r w e h r t u r m aus beschossen, worauf die Truppen zum Sturm ansetzten, Aus einem Gemeindebau eröffneten die Roten ein scharfes Waschinengcwehrfener, worauf Haubitzen die Stellung unter Feuer nahmen. Bei der Besetzung eines ebenfalls in diesem Bezirk gelegenen großen Gemeindehauses, das durch Artilleriefeuer schwer beschädigt war, wurden 50 Schutzbündler verhaftet, bei denen man
volle kriegsmäßige Ausrüstung, jedoch keine Munition mehr vorfand. Vier Polizeislug zeuge stiegen auf, um die kommunistisch-marxisti- MN Rester auszukundschaften. In den noch arbeitenden Betrieben sind die Arbeiter teilweise zum passiven Widerstand übergegangen. Mehrere hundert Schutzbündler, die verhaftet sind, sollen
vor das Standgericht gestellt werden.
Der Adjutant des Vizekanzlers Fey, Major Wrabel, ist, während er mit dem Vizekanzler die Kampfhandlungen inspizierte, durch einen Schuß am Arm verletzt worden, /mch einer privaten Meldung ist die Frau des bekannten sozialdemokratischen Rationalratsabgeordneten Sever bei der Erstürmung des Arbeiterheims in Ottakring erschossen worden.
Die
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Der Kamps um Wien.
Neue Einzelheiten vom Kriegsschauplatz.
-- Regierungstruppen haben im Wiener Bezirk Floridsdorf die Hauptwiderstandsherde, von denen aus das Polizeikommissariat beschossen worden war, nach schweren Kämpfen genommen. Die Schutzbündler ziehen sich zurück. An der Rückzugslinie entwickeln sich Schieße- r c i c n. Jm Vorort Jedlescc wurden P o l i z e i b e a in t e von den Roten gefangen genommen und gefesselt avgeführt.
dorsd^ 5)0,1 Kämpfen auf der Hauptstraße in Florids- soll es 15 Tote gegeben haben, ^.^"ster den Bezirkshauptmann von Floridsdorf, Fricd-
^n Meidling sind die Truppen von Schutzbündlern
1,1 Maschinengewehren beschossen worden.
. Hn K a p f e n b c r g (Steiermark) haben die Sozial- emokraten die B e z i r k s h a u p t m a n n s ch a f t g e - èin^k^ .und den Bezirkshauptmann gezwungen, ihnen , schriftliche Vollmacht zur Verwaltung der bcnach- mten Stadt Bruck auszustellen. Als ernst wird die
1 u Steyr bezeichnet, wo jetzt ein motorisiertes Bataillon eingesetzt worden ist.
Vlanmäßige und einheiiüche Ausstandsiakük.
"^ â m p f c in d e n ö st er r e i ch i s ch e n L ä n d e rn. de^Nachrichten ans den österreichischen Län» lauten von überall her ziemlich gleichartig, so daß
die Vermutung zur Gewißheit wird, daß der Aufstand nach einem einheitlichen Plan und gründlicher Vorbereitung durchgeführt worden ist.
überall in den größeren Orten setzten sich die Marxisten und Schutzbündler in den Bahnhöfen, großen Jndustriewerken und sozialdemokratischen Parteihäusern fest und verbarrikadierten sich. Die angreifenden Abteilungen des Militärs und des österreichischen Heimat- schutzes wurden mit Maschinengewehrfeuer und Handgranaten empfangen. Die fester verschanzten Plätze mußten durch Artillerievorbereitung sturmreif gemacht werden, um von den Truppen erstürmt zu werden. Wo die Schutzbündler aus ihren Nestern vertrieben wurden, flüchteten sie in nahegelegene Wälder und auf die Dörfer, um dort den Kleinkrieg weiterzuführen. Die Säuberungsaktion durch Militär und Heimatschutz ist auch hier im Gange. Von verschiedenen Orten an der böhmischen Grenze und an der Donau komm: die Nachricht, daß sich die Aufständischen dort zu sammeln versuchen, um zu neuen Schlägen und zu neuem Widerstand auszuholen.
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Beschlagnahme marststischer Vermögen.
An die österreichischen Banken ist die Weisung ergangen, weder den marxistischen Organisationen noch Personen, die ihnen nahestehen, Geld auszuhändigen. Diese Weisung wird allgemein als Vorbereitung für die Befchlagnahme des Vermögens der marxistischen Organisationen angesehen.
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Ein Koloß auf ionernen Füßen.
Die amtliche „Wiener Zeitung" schreibt in ihrem Leitartikel unter dem Titel „Sieg der Staalsautori- tät": Die Sozialdemokratie liegt als Opfer auf der Walstatt. Sie erleidet ihr wohlverdientes Schicksal. Es zeigte sich gerade am gestrigen Tage, daß die österreichische Sozialdemokratie, die sich so viel auf ihre 42 Prozent Stimmen einbildete, ein Koloß auf tönernen Füßen war, ein Medusenhaupt, das aus der Vergangenheit herübergrinste in das neue Österreich, das heute der marxistischen Hydra den Kopf abgeschlagen hat. Nun muß ganze Arbeit geleistet werden, nun muß den roten Staatsfeinden überall das Handwerk gründlich gelegt werden. Vieles ist bereits geschehen, Gewaltiges ist noch zu leisten.
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Ruhige Nacht in Wien. — Teilweise Aufnahme des
Verkehrs.
Wien, 14. Febr. (Funkmeldung.) Zm ganzen Stadtgebiet ist die Nacht ruhig verlausen. Auch im Floris- dorfer Gebiet, wo sich bekanntlich die Gegner noch gegenüberstehen, kam es während der Nacht zu keinen Kämpfen. Auch in den ersten Morgenstunden hörte man nur vereinzelt das Explodieren einer schweren Mine. Erft gegen 8 Uhr nahm das Artillerie- und Minenfeuer wieder zu. Straßenbahn und Stadtbahn verkehren wieder. Am Ring allerdings ruht noch der Verkehr, um die dort besonders in der Umgebung des Polizeipräsidiums getroffenen Absperrungsmaßregeln aufrecht erhalten zukönnen.
Bürgerkrieg in Österreich.
In Wien und im Land Oesterreich ist zwischen Polizei, Heimwehr und Militär einerseits und den Roten andererseits der Bürgerkrieg in vollem Gange. Um Kampfnester der Marxisten in den Wiener Vorstädten wurde lange und erbittert gerungen. Die Zahl der Todesopfer steht noch nicht fest. Unsere Bilder zeigen links: Soldaten des österreichischen Bundesheer es auf Lastautos und Motorrädern in der Wiener Ringstraße, rechts: einen Doppelposten der Wiener Polizei mit aufgepflanztem Seitengewehr. -
Der Landeshauptmann von Kärnten, Kernmayer, der dem Landbund angehört, ist, wie es heißt, vom Bundeskanzler telegraphisch aufgefordert worden, zurückzutreten. Darüber wird eine Sitzung des Landbundes entscheiden, die im Laufe des heutigen Tages Zusammentritt.
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Mue erbitterte Kämpfe.
Florisdorf von Regierungstruppen eingeschlossen. — Ultimatum an die Schutzbündler.
Wien, 14. Febr. (Funkmeldung.) Die Kampfhandlungen haben am Mittwoch vormittag wieder in größerem Umfange eingesetzt. Die Kämpfe erstrecken sich jetzt hauptsächlich auf den Abschnitt Florisdorf. Die Regierungstruppen nahmen nach längerer Artillerievorbereitung die Stadt sowie einen größeren Eemeindebau.
Florisdorf soll gegenwärtig von allen Seiten von den Regierungstruppen eingeschlossen sein. Den Schutzbündlern soll ein um 12 Uhr ablaufendes Ultimatum gestellt worden sein,
die Waffen abzuliefern und sich zu ergeben, andernfalls das gesamte Gebiet, in dem sich die Schutzbündler verschanzt haben, vollständig mit Artil- lerie zusammengeschossen würde.
Aus St. Pölten sind am Vormittag die Artillerie und Re- gierugstruppen eingetroffen und sofort in Florisdorf in den Kampf eingesetzt worden. Die Zahl der Schutzbündler in Florisdorf wird halbamtlich mit 3 000 Mann angegeben. Schwere Kämpfe sollen gegenwärtig auch an der Philadelphiabrücke im Gange sein. Auch aus Ottakring werden Kämpfe gemeldet.
Aus Linz wird berichtet, daß das Bundesheer bei Kämpfen um Waldegg schwere Verluste erlitten haben soll. Ein Leutnant des 8. Alpenjägerregiments versuchte, mit vier Mann in einem Kraftwagen die Kampflinie zu durchstoßen, wurde jedoch in schweres Maschinengewehrfeuer genommen. Alle fünf wurden getötet. In Linz sind wieder zahlreiche Verhaftungen vorgenommen worden, darunter Nationalrat Koref, sowie der ehemalige Präsident der oberösterreichischen Arbeiterkammern, Pre- gan. In der Stadt Linz herrscht Ruhe, jedoch finden an der Peripherie von Urfahr Kämpfe statt.
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Blätterstimmen zu den Vorgängen in Oesterreich.
Prag. Die tschechischen Morgenblätter berichten ausführlich über die österreichischen Ereignisse und halten fast durchweg das Ende der sozialdemokratischen Partei in Oesterreich für gekommen.
London. Die englischen Blätter nehmen zu den österreichischen Ereignissen eingehend Stellung. Es wird zwar nicht bezweifelt, daß Dollfuß doch noch Herr der Lage werde, aber hervoraehoben, daß er sich sehr schwierigen Problemen gegenübersehen werde.