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Zul-aer /lnzeiger

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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zui-a- und Haunetal »Zul-aer Kreisblatt

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Nr. 33 1934

Fulda, Donnerstag, 8. Februar

11. Jahrgang

Die Blutnacht von Paris

Kabinett Daladier MkSllgetreten.

gm weiteres Blutvergießen zu vermeiden.

Ministerpräsident Daladier hat den Gesamtrücktritt der französischen Regierung bekanntgcgcben. Er wird da­mit begründet, daß man weiteres Blutvergießen ver­meiden wolle.

Ministerpräsident Daladier veröffentlicht folgende Er­klärung: Die für die Ordnung verantwortliche Regierung lehnt es ab, sie heute mit Hilfe außerordentlicher Mittel zu sichern, die geeignet wären, eine blutige Unterdrückung und neues Blutvergießen hervorzurufen. Die Regierung will Sol basen nicht gegen Demonstranten einsetzen. Ich habe folglich dein Präsidenten der Republik den Rücktritt vcs Kabinetts unterbreitet.

*

Die Nacht des Vörserkrieges.

Schaurige Bilder der Verwüstung in Paris.

Als die nächtlichen Kundgebungen in Paris

im

Morgengrauen zu Ende gingen, und die Demonstranten, die sich immer wieder auf den Hauptplätzen zusammen­geballt hatten und durch Polizei und Militär ausein­andergetrieben werden mußten, sich zerstreut hatten, bot sich nach dieser Nacht des Bürgerkrieges, in der Fran­zosen das Blut ihrer Landsleute vergossen hatten, ein schauriges Bild der Verwüstung. Auf den Straßen, in betten die Zusammenstöße stattgefunden hatten, sah man große B l u t l a ch c n ; bie Überreste nmgcworfener und ausgebrannter Kraftwagen bildeten mit Barrikaden, die die Manifestanten auS Bretter­zäunen, ausgeriffenen Bäumen und anderen Gegen­ständen errichtet hatten, wüste Trümmerfelder. An vielen Orten sah man Feuerwehr, die noch glimmende Brände löschte, und Rote-Kreuz-Wagen mit Ber­ichten fuhren nach den Krankenhäusern.

Vor Restaurants und Eafès standen zeitweise bis zehn Krankenwagen, dir mit Verletzten abfuhreu »^ umschichtig roieberfamen.

Verwundete Pferde,

denen teilweise die Fesseln durchschnitten worden sind, galoppierten durch Schmerz und Lärm rasend gemacht, durch die Straßen. Der Fahrdamm war besät mit

Eiscnflücken, Glassplittern und Steinen,

die als Wurfgeschosse verwandt worden sind. Dort geht ein Mann der berittenen Republikanischen Garde lang­sam zum Verbandsplatz. Er hält in der Hand seinen schweren Helm, der ein drei Finger dickes Loch aufweist; er erzählt, daß ein Wurfgeschoß ihm den Helm durch­schlagen hat, so daß er vom Pferde stürzte.

Vor dem Hotel Crillon auf der Place de la Con­corde sammelt sich noch einmal eine erregte Menge. Es war bekanntgeworden, daß dort ein amerikanisches Dienstmädchen, die sich auf dem Dach aufhielt, durch die Kugeln einiger Salven, die die Polizei zur Einschüchterung der Menge in die Luft gegeben hatte, Getötet worden war.

Funkbild von den Pariser Unruhen

Dic Demonstranten reißen einen Zeitungskiosk um, um um bei den Kämpfen mit der Polizei als Barrikade zu verwenden.

Die revolutionäre Stimmung ist aber nicht auf bie vanpthad, beschränkt geblieben, sondern bat das ganze ergriffen, überall in der Provinz kam es zu Zu- wmmcnstößen von Demonstranten mit der Polizei, bei p es Tote imb Verletzte auf beiden Seiten gab.

1 Algier demonstrierten patriotische Jugend- bbt« l^®>^ es tam zu Zusammenstößen. Bei all Kundgebungen wurden zahllose Verhaftungen Überall zeigten zum mindesten noch ein- am Fensterscheiben und ansgeplünderlc Läden sorgen die Spuren dieser blutigen Nacht.

Wieder Unruhen in Paris.

Generalstreik der Arbeiterschaft?

In den Straßen von Paris herrscht wieder leb­hafte Unruhe. An verschiedenen Stellen der Stadt, insbesondere auf dem Opernplatz, dem Concordien-Platz und an der Börse ist es zu den ersten Zusammenstößen mit der Polizei und der Republikanischen Garde gekom­men, wobei es auf beiden Seiten Verletzte gab. Mehrere Personen wurden verhaftet. Bei den Demonstranten handelt es sich

im Augenblick nur um Angehörige der rechts gerichteten Organisationen.

Der Generalsekretär der Allgemeinen Arbeitervereinigung, Jouhaux, drohte mit dem Generalstreik als Protest gegen die Kundgebungen von rechts.

Der Verwaltungsausschuß des Sozialistischen Gewerkschaftsverbandes hat eine Anzahl Ob­männer zu einer Besprechung gebeten, in der über die Gründung einer Widerstands front verhandelt werden soll. Lèon Jouhoux erklärte, daß er den Bezirks­verbänden in sämtlichen französischen Departements ein buinbtelegramm zugchen ließ mit den drei Worten:

Achtung, Alarmbereitschaft, reagiert!"

Der Verband der Postbeamten hat seine Mitglieder an­gewiesen, im voraus durch einen

Gcneralstreikbesehl für den gesamten Postbetrieb Stellung zu nehmen, fallsdie Demokratie durch einen Handstreich abgewürgt würde". Das Ministerium für nationale Erziehung hat aus Trauer über die Vor­kommnisse angeordnet, daß sämtliche staatlich unterstützten Theater ihre Vorstellung aussallen lassen.

*

Doumergue Ministerpräsident.

Staatspräsident Lebrun hat sich sofort nach dem Rücktritt der Regierung Daladier telephonisch mit dem ehemaligen Staatspräsidenten Doumergue in Ver­bindung gesetzt und ihm die Neubildung der Regierung angebotcn. Doumergue, der diesen Auf­trag bereits vor der Kabinettsbildung Daladiers ab­gelehnt hatte, hat den Auftrag angenommen.

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Morgen mit Granaien bewaffnet."

Die französischen Frontkämpfer drohen.

Eine Abordnung ehemaliger Front­kämpfer und Kriegsopfer hat dem Präsidenten der Republik eine einmütig angenommene Entschließung überreicht, in der es heißt:

Hitler an die Zugend

Zofammenarbett von Krafi und Geist."

Der Führer spricht zur studierende» Fuge»».

Aus der großen Kundgebung, die in der Berliner Philharmonie anläßlich der Verkündung der studentischen Verfassung stattfand, hielt Reichskanzler Adolf Hitler an die Studenten eine Ansprache, in der er u. a. aus­führte:

Meine deutschen Studenten und Studentinnen! Volksgenossen und Genossinnen! Während der langen Jahre des Kampfes der nationalsozialistischen Bewegung in Deutschland um die Macht wurde von vielen und keines­wegs immer übelwollenden Kreisen oft bedauert, daß da- mit eine neue Erschütterung in unser gesamtes Leben ge­bracht werde. Besonders beklagenswert erschien es, daß bis hinein in das Innere der Familie Probleme getra­gen wurden, die, so meinte man, nur zu sehr geeignet seien, die eheliche Verbundenheit der beiden Gatten in vielen Fällen eher zu lösen als zu stärken. Am allermeisten aber erschrak man über die Tatsache, daß besonders die Jugend von der Kraft der neuen Ideen in einem Um­fang erfaßt zu werden schien, daß sic von den anderen, wie man glaubte, wichtigeren Aufgaben des TagcS wcggczogcn wurde und damit nur zu häufig in einen Gegensatz so­wohl zum Elternhaus als auch der Schule gebracht zu werden drohte. _ ~ , .

Kann nun die ausschließliche Inanspruchnahme eines ganzen Volkes durch eine bestimmte Idee und deren Aus­wirkungen als schädlich angesehen werden ober nicht? Die Frage ist leicht zu beantworten. Nicht in der fanatischen Hingabe eines Volkes an eine Idee an sich kann etwas Schädliches liegen, sondern nur in den Auswirkungen einer Idee, die falsch und damit als solche schädlich ist.

Wer will der Jugend eines Volkes, das sich in einer solchen Not befindet, einen Vorwurf machen, weil sie an dieser Not einen heißen, ja verzehrenden Anteil nimmt! Unbewußt wird das unverbildete Gemüt und der Sinn dieser jungen Menschen überwältigt von der Erkenntnis, daß nunmehr eine Entscheidung getroffen wird vielleicht für Jahrzehnte, vielleicht auch für Jahrhunderte des späteren Lebens der Nation. Was dem verbildeten Verstand vielleicht nicht mehr zu eigen ist, ahnt in diesem Falle unbewußt sehend das einfache und rmverdorbenc Empfinde». , -

Wem kann es ernstlich einfallen, das Ausrücken der jungen Lehrgänge unserer Universitäten im Jahre 1914

Dlè ehemaligen Frontkämpfer und Kriegsopfer sind schmerzlich berührt angesichts der bedauerlichen Zwischen­fälle, deren Zeugen und Opfer sie gewesen sind. Ehemalige gronlkämpfer wurden ohne Grund von der mobilen arde umstellt, verwundet, zurückgetrieben, geschlagen, ja sogar getötet und dieses alles auf Anweisung des Innen­ministers und des Polizeipräfekten' ohne irgendwelche Provozierung seitens der Frontkämpfer. Die Entrüstung ist groß. Sie sind friedlich und ohne Waffen auf die Straße gegangen, aber angesichts dieser Herausforderung

Aufruhr in Paris.

Abtransport eines Verwundeten am Eoncorde-Platz.

rb

werden sie morgen mit Granaten und alten Kriegs­erinnerungen bewaffnet aus die Straße gehen. Tann mir

man sie nicht zurückhalten können. Wir bitten Sie, Herr Präsident, um die Wiederholung dieser schmerzlichen Zwischenfälle zu vermeiden, vom Senat die A u s l ö s u n g ver Kammer zu verlangen und eine starke, saubere Regierung mit anständigen Männern zu bilden, um die Kammer und das Ansehen Frankreichs zu retten und zu vermeiden, daß das Blut unserer tapferen Brüder auS der Kriegszcit fließt.

wegen der damit verbundenen Unterbrechung des Stu­diums zu bedauern oder gar zn beklagen! Es gibt im Völkerleben Jahre, in denen die Entscheidung über Sein oder Nichtsein für kommende Jahrhunderte fällt. Daß dabei dem Ablauf des normalen bürgerlichen Lebens nach vielerlei Richtungen hin ein Schaden zugefügt werden muß, steht in keinem Verhältnis zum endgültigen Gewinn. Was bedeutet es, wenn durch den Kampf um eine neue Weltanschauung vorüber­gehend Spannungen innerhalb verschiedener Kreise des Volkes eintreten, am Ende aber daraus die Zukunft der Nation eine unerhörte Stärkung erfährt? Was bedeutet es, wenn junge Menschen vorübergehend in Gegensatz geraten zu ihren Eltern, allein durch ihr Eintreten mit« helfen, den Bau einer neuen Gemeinschaft zu errichten für Jahrhunderte und damit beitragen zu einer neuen Stärkung des künftigen Lebens und seiner Zellen, der Familien? Was hat es schon zu sagen, wenn Lehrer und Schüler sich in einem Augenblick vielleicht nicht mehr verstehen, allein aus der Sturm- und Drangzeit einer be­geisterten Jugend die Grundlagen einerneuen Bildung für die Zukunft erwachsen? (Beifall.)

Alle wahrhaft großen, weltbewegenden Ideen haben die Menschen fanatisiert.

Der Zusammenbruch des Jahres 1918 war keine Niederlage im Felde, sondern, wie schon die Bezeichnung sagt, etwas ganz anderes, eine seit viclcn Iahr - zehnten sich in Deutschland vollziehende Zersetzung unserer volklichen Gemeinschaft lind unseres Gemein­schaftslebens hat im November 1918 zu dem beabsichtigten und längst vorhergesagten Erfolg geführt. Daß diese Ge­fahr nur von einem Bruchteil der deutschen Geistigkeit früher richtig erkannt und «ungeschützt wurde, zeigt, wie äußerlich und oberflächlich das sogenannte staatS- pvlitischc Denken der Vorkriegszeit war (Beifall).

Das deutsche Volk selbst stellt ein Konglomerat au* verschiedenen rassischen Grundelementen dar. Dre dem­entsprechenden im einzelnen sehr roch auseinander­gehenden Veranlagungen geben dem Geistes und Kultur­leben unseres Volkes das ibm eigene besondere Gepräge.

Eines aber muß uns allen klar sein: Wenn wir aus die Erhaltung der Gemeinschaft deS deutschen Volkes überhaupt Wert legen, müssen wir die polrtftchc Fuh rung autoritär jenem Bestandteil übertragen, der nicht nur hierzu von Natur ans geeignet ist, sondern auch durch seine geschichtliche feststellbare Tätigkeit die Bil­dung des deutschen Volkes ermöglichte und vollzog. Dieser Bestandteil unseres Volkes allein kann die Grundsätze des Gcfellschaftsvertragcs aus der ihm