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Erscheint jeden Werktag. Bezugspreis: monatlich 1,70 Mk. Bei Lieferungsbehinderung durchHöhere Gewalt" bestehen keine Ansprüche. Verlag Friedr. Ehrenklau, Fulda, Königstr. 42. Druck: Friedr. Ehrenklau, Lauterbach H. Hauptschrifilciter: Chri- stian Seipel, Fulda, Königstr. 42. Vertreter des Haupkschriftleiters: Fr. Ehrenklau, Lauterbach H.

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zulöa- und Haunetal Zulöaer Kreisblatt

Reöaktlon und Geschäftsstelle: Königstraße 42 * Zernfprech-Rnfthluß Nr. 1989

Anzeigenpreis: 1 mm Höhe in der 46 mm breiten Anzeigenspalre oder deren Raum 4 Pf., im Textteil (90 mm breit) 12 Pf. Bei Wiederholung wird Rabatt nach Taris gewährt, bei zwangsweiser Beitreibung oder Konkurs erlügt jeder Anspruch auf Nachlaß.DA." 1100. Verantwort, für den Anzeigenteil Christian Seipel, Fulda, Königstr. 42.

Nr. 22 1934

Fulda, Freitag, 26. Januar

11. Jahrgang

Dollfuß ruft um Hilfe.

Englischer Schritt in Berlin?

Zur Beilegung des Konflikts mit Österreich.

Nach Londoner Pressemeldungen soll die englische Regierung den Gedanken erwägen, durch ihren Botschafter in Berlin, möglicherweise im Zusammenwirken mit den italienischen und französischen Botschaftern, in Verhand- hingen mit der Reichsregierung cinzutreten, um den Kon- flikt zwischen Deutschland und Österreich beizulegen

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Sollten cnglischerseits tatsächlich derartige Absichten bestehen, wie die englische Presse behauptet, so scheint man sich in England über die eigentliche Ursache der soge­nannten deutsch-österreichischen Spannung nicht vollkommen im klaren zu sein. Die innerpoli­tischen Schwierigkeiten der Regierung Dollfuß, bei denen ihre Anhängerschaft täglich weiter abbröckelt, scheint ihr kein anderer Ausweg zu bleiben, als sich um Hilfe an ausländische Regierungen oder an den Völker- bund zu wenden. Dieses Vorgehen würde einen Mißbrauch diplomatischer Beziehungen zu einem innerpolitischen Zweck bedeuten. Infolgedessen dürften sich fremde Regie­rungen es sehr überlegen, ob sie der Anregung der öster­reichischen Regierung folgen und damit eine Einmischung in interne Vorgänge innerhalb der deutschen Ration unter­nehmen sollen, aus der sich nur Unzelegenheiten ergeben würden.

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Oer gefesselte Dollfuß.

Die internationalen Bindungen Österreichs.

Die ungarische ZeitungMagyarsag" schreibt in einem Leitartikel, Bundeskanzler Dollfuß sei bestrebt Stofen, zum Schutze gegen diealles verschlingende" nationalsozialistische Bewegung den Austrofaschis- mus ins Leben zu rufen. Das Ergebnis dieser Bestre­bungen sei, daß Dollfuß in eine Abhängigkeit von Italien, Frankreich und England geraten K, und zwar sei sie derart, daß er jeder persönlichen Ent- schiußkraft beraubt, sich ausschließlich an die ihm von tiefen Grotzstaaten diktierten Vorschriften zu halten habe. Da sich zudem die Tschechoslowakei an der Öster­reich vom Völkerbund gewährten Anleihe beteiligt habe und der von der Tschechoslowakei gewährte Kredit in Höhe von 30 Millionen Schilling jetzt zur Auszahlung gelange, begebe sich Österreich in eine noch kritischere französisch-tschechoslowakische Abhängigkeit, als sie bisher bestanden habe.

Reichstag am 30. Januar.

Erklärung der Reichsregierung am 30. Januar.

Im Reichstag.

Wie wir gestern bereits kurz melden konnten, wird der Reichstag am Dienstag, dem 30. Januar, nachmittags $ Uhr, zusammentreten. Die Tagesordnung lautet: Ent- Segennahme einer Erklärung der Reichsregierung.

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Der neue Reichstag, der am 12. November gewählt Aurde und das erste völlig einheitliche Parlament des Reiches ist, trat bekanntlich am 12. Dezember nur zu einer kurzen konstituierenden Sitzung zusammen. Reichstags- Präsident Göring teilte damals mit, er werde, da der Führer nicht anwesend sein könne, politische Ausführungen crh beim erneuten Zusammentritt machen. Man darf also annehmen, daß die Sitzung am 30. Januar um so mehr

eine bedeutsame politische Tagung

werden wird, als ja die Reichsregierung ausdrücklich eine Erklärung angekündigt hat und der Zusammentritt des Aeichslages zudem aus den für das ganze deutsche Volk entscheidenden historischen Jahrestag der ?.a k' o n a l s o z i a l i ft i f d) c n Revolution gelegt W Vermutlich wird sich die Regierungserklärung u. a. "uch mit den im ersten Hitlerjahr geschaffenen Arbeiten Md darüber hinaus mit den weiteren Aufgaben bc- kchaftigen, die sich die Reichsregierung gestellt hat.

Ob der Reichstag noch über den 30. Januar hinaus iUsammenbleibt, ist noch nicht bekannt.

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Flaggen heraus!

R m Tag der n a t i o n a l s o z i a l i st i s ch e n

Revolution.

Aus Anlaß der Wiederkehr des TageS der Machtüber- durch den Volkskauzler Adolf Hitler flaggen Dienstag, dem 30. Januar, die ReichSdienstgcbaude W°3e Reich. Die Bc » ölkerung wird ausgefor- beut Vorgehen bet Behörden cnzüsMießen.

Österreichs Wirtschaft für

Freundschaft mit dem Reich.

Auf der Tagung des Reichs-Hage-Vundes in Salzburg, der ältesten überparteilichen Spitzenorganisa­tion des freien Handels undGewerbes in Öster­reich, wurde eine Entschließung gefaßt, in der erklärt wird, daß die von der Regierung erlassenen Verord­nungen zum wirtschaftlichen Neuaufbau Stückwerk bleiben müßten.

Mir fordern", heißt es in der Entschließung,die Wiederherstellung der Freundschaft mit dem Deutschen Reich. Bei Zurückstellung jeder Prestigepolitik sind die Voraussetzungen hierzu gegeben."

Die Zeitungen, die diese Entschließung veröffentlich­ten, sind beschlagnahmt worden, und zwar wegen des Satzes von der Wiederherstellung des freundschaft­lichen Verhältnisses mit dem Deutschen Reich

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NoVuß' Polizei -eaen Semonfirenlen machtlos.

Anläßlich des bekanntgewordenen Abschubs einer größeren Anzahl von Parteigängern kam es in Freistadt (Oberösterreich) zu schweren Unruhen. Eine vielhundert- köpfige Menge, die sich aus dem Hauptplatz eingefunden hatte, empfing die Sicherheitsorgane mit Schmährufen. Sie versuchte die Abfahrt der bereitgestellten Lastkraft­wagen zu verhindern.

Einige Frauen warfen sich vor die Wagen.

Die Gendarmerie und die aufgebotenen Hilfspolizeiabiei­lungen wagten nicht einzuschreiten. Die Menge blieb bis in die späten Nachtstunden wie eine Mauer beisammen und sang wiederholt das Deutschland- und das Horst-Wessel-Lied. Freistadt liegt hart an der tschechoslowakischen Grenze und ist zum größten Teil von Landbevölkerung bewohnt.

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Aeue Absplitterungen bei den Heimwehren.

Die Ortsgruppe Adspang des Heimat­schutzes ist von der Landesführung für Niederösterrcich a u f q e l ö st worden. Außerdem wurde der Kommandant wegen Verbindung mit Graf Alberti seines Postens ent­hoben und aus dem Heimatschutz ausgeschlossen, ^ie Leitung der Heimwehren hat sich ferner gezwungen ge­sehen, eine grundlegende Neuorgarnsatron die,es Bezirks vorzunehmen. Entgegen den fortgesetzten offiziellen Er­klärungen, nach denen der gesamte Helmalschutz ge­schlossen hinter der Bundesführung stehe, liegt somit ein neuer Fall vor, der die A b s p l i t 1 e r u n a innerhalb der Heimwehren deutlich beleuchtet.

Flaggenanordnung deS preußischen Staatsmini steriums.

Aus Anlaß der Wiederkehr des Tages der Machtüber­nahme durch den Volkskanzler Adolf Hitler am 30. Januar hat das preußische Staasmini sterium verfügt, daß auch die preußischen staatlichen und kommunalen Dienstgebäude, die Gebäude der übrigen Körperschaften des öffentlichen Rechts sowie die Gebäude der öffentlichen Schulen zu beflaggen sind.

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Oer Reichsbischof und die Landes­bischöfe beim Führer.

Der Reichskanzler empfing den Reichsbischof und die Landesbischöfe der Deutschen Evangelischen Kirche zum

Vortrag.

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Abendgottesdienste am 30. Januar.

Der Reichsbischof hat an die Landeskirchen­regierungen folgenden Erlaß gerichtet:

Am 30. Januar 1934 ist der Jahrestag der Be­rufung unseres Führers zum Kanzler des Deutschen Reiches. In Dankbarkeit gegen Gott gedenkt das deutsche Volk an diesem Tage ganz besonders der Rettertat Adolf Hitlers Ich rcqc deshalb an, daß am Dienstag, dem 30. Januar 1934, in den Kirchen Abendgottes- dicuste stattfinden, die der Bedeutung dieses Tages Rechnung tragen." gcz. Ludwig Müller, Rcichsblschof.

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Polens Gesandter wieder beim Kanzler.

Reichskanzler Adolf Hitler empfing erneut den polnischen Gesandten Lipski.

Ferner empfing der Reichskanzler den Präsidenten der Gemischten Kommission für Oberschlesten, Felix Calonder, den früheren Bundespräsidenten der Schweizerischen Eidgenossenschaft.

Die erste Unterredung des Führers mit dem Ver­treter Polens in Berlin fand, wie erinnerlich, am 15. No­

vember vergangenen Jahres statt. Sie war in Verfolg der weitblickenden Außenpolitik der Reichsregierung der erste gewichtige Schritt zu einer deutsch-polnischen Ver­ständigung. Daß diese Tatsache damals ausgerechnet von der französischen Presse mit künstlicher Unruhe und gemachter Besorgtheit verzeichnet wurde, warf ein be­zeichnendes Licht aus dieFriedensliebe" Frankreichs, von der es in den Reden seiner Staatsmänner immer so viel Aufhebens macht.

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Reichspräsident von Hindenburg empfing den Reichskanzler Adolf Hitler zum Vortrag.

Steuererträge und

Wirtschastsbelebung.

Mit einer Schnelligkeit, die erheblich gegen die Ge- wohnheiten früherer Jahre absticht, wird jetzt der Öffent­lichkeit gegenüber die allmonatliche Entwicklung der Reichs steuererträge dargelegt; eine weitgehende Vereinfachung des Steuersystems, die im neuen Jahr noch sehr energisch fortgeführt werden wird, hat auch dazu beigetragen, jene Rechnungslegung gegenüber der Öffentlichkeit zu beschleunigen. Daher ist schon jetzt das Ergebnis der Reichssteuererträge für die Zeit vom 1. April bis 31. Dezember 1933 mitgeteilt worden, und man darf sagen, daß dieses Ergebnis nicht bloß vom fiskalischen Standpunkt aus erfreulich ist, sondern daß sich in diesem Ergebnis auch die wirtschaftliche Besserung im Jahre 1933 widerspiegelt. Hierbei mag erinnert werden an gewisse Bedenken, die namentlich aus den früher veröffentlichten Erträgen der Lohnsteuer erwachsen konnten; denn trotz der unzweifelhaft vorhan­denen Steigerung des Beschäftigungsgrades in der Wirt­schaft und des zahlenmäßig genau festgestellten Sinkens der Arbeitslosenziffer um 2,5 Millionen Köpfe war das Aufkommen aus dieser Lohnsteuer, also der unmittelbare Steuerabzug vom Lohn bzw. Gehalt, immer noch hinter dem Ergebnis der gleichen Monate des Vorjahres zu­rückgeblieben. Damit ist es nun im Dezember an sich schon vorbei, da in diesem Monat das Aufkommen aus der Lohnsteuer auch tatsächlich größer geworden ist als im Dezember 1932; außerdem mutz aber immer wieder daran gedacht werden, daß durch die Einbeziehung der Hausgehilfinnen in die Familienermäßigung, ferner dlirch die Steuerfreiheit der für die Förderung der natio­nalen Arbeit freiwillig gespendeten Summen und schließ­lich auch durch die Ersetzung des Ledigenzuschlages durch die Ebestandsbilfe seit dem 1. Juli 1933 erhebliche Aus­fälle bei dem Ertrag der Lohnsteuer gegenüber dem Vor­jahre eintreten mußten. Das dadurch entstandene dies­jährige Zurückbleiben des Ertrages gegenüber dem des Vorjahres verminderte sich aber zusehends und ist, wie gesagt, im letzten Monat des Jahres 1933 ganz ver­schwunden.

Selbstverständlich kann auch der Ertrag der Ein­kommen st euer auf Grund der Veranlagung, die im Jahre 1933 noch aus das Einkommen von 1931 zurückgriff, kein richtiges Spiegelbild der wirtschaftlichen Entwicklung im vergangenen Jahre darstellen. Denn im Jahre 1931, 1932 und noch bis tief in das Jahr 1933 hinein mußten die tatsächlichen Ungerechtigkeiten, die in dieser Einkommensteuer auf Grund ihrer Veranlagung nun einmal nicht zu vermeiden sind, weitgehend durch Stundung, Ermäßigung oder gar Niederschlagung aus­geglichen werden. Trotz alledem blieb der Ertrag aus der gesamten Einkommensteuer in der Zeit voin April bis Dezember 1933 gegenüber der gleichen Zeit des Vor­jahres nur um 54 Millionen zurück. ,

Weit charakteristischer als Spiegelbild des Beschäfti­gungsgrades der Wirtschaft ist vielmehr das Aufkommen aus der Umsatzsteuer; dieses gebt nämlich schon um 110 Millionen über den gleichzeitigen Ertrag des Vorjahres hinaus und betrug damit über 1,120 Milliarden. Man kann ferner damit rechnen, daß auf Grund des bisherigen Ertrages die Um­satzsteuer nun für das ganze Jahr 1933 34 den Voran­schlag von 1500 Millionen Mark nicht bloß erreicht, son­dern ihn überschreitet, und das wäre in der deutschen Steuergeschichte der letzten Jahre fast als ein W u n d e i zu bezeichnen! Denn in früheren Jahren blieb unter dein Druck der Wirtschaftskrise und trotz teilweise gewaltiger Erhöhungen gerade bei dieser Steuer das wirkliche Auf­kommen stets sehr weit hinter dem zurück, was der Fiskus von ihr erhofft hätte. Jetzt aber ist diese Steige­rung bei der Umsatzsteuer erzielt worden, obwohl gerade sie für den Umsatz landwirtschaftlicher Produkte erheblich heruntergesetzt worden ist. Hier haben sich eben besonders unmittelbar die Maßnahmen der neuen natio­nalsozialistischen Regierung für die Ver- Minderung der Arbeitslosigkeit ausgewirkt.

Noch aus zwei anderen Steuerarten kann man die Erhöhung des Beschäftigungsgrades in der Wirtschaft ersehen: Da ist einmal die Befördern ngs st euer, die beim Güter- oder Pcrsoncntransport mit der Eisen­bahn usw. erhoben wird. Die Beförderungssteuer auf Personen bat allerdings für die Zeit vom 1. April bis 3l. Dezember 1933 noch ein Minus gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres gebracht, - auf der anderen sette aber wird dieser Fehlbetrag allein schon fiskalisch da- durch wettgemacht, daß die Steuer auf die Güter­beförderung in den letzten dreiviertel Jahren einen Er- trag aufwies, der um fünf Millionen über dem des Vorjahres liegt; die Dezembereinnahmen beim Güter­verkehr sind um siebzehn Prozent höher als die im Dezember 1932, die im Personenverkehr aber auch um fast fünf DrvLWi.