Zul-aer Anzeiger
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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg
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Nr. 18 — 1934
Fulda, Montag, 22. Januar
11. Jahrgang
Der Reichsbauerntag.
Bausrngeist in Weimar.
Zum ersten Male fand unter den Symbolen des nationalsozialistischen Deutschlands in der Stadt Goethes und Schillers der N c i ch s b a u c r u t a g statt. Tausende deutscher Bauern kamen hier im Herzen des Reiches zusammen, um nicht nur ein selbstverständliches Gefolg- schaftsgclvbnis für Führer und Staat abzulcgcn, sondern in ernster Arbeit mit den verantwortlichen Männern des Reichsnährstandes die Grundlinien der Bauernpolitik zu beraten, die dein neuen Staate die sicherste Grundlage für die fernste Zukunft ist.
Bauernbefreiung und Baueruveremigung
Der Eröffnung des ersten N e i ch s b a u c r n - tag cs in Weimar ging ein Begrüfrungsabend voraus. Die große Weimar-Halle war bis auf den letzten Platz besetzt, als Reichsminister und Neichsbauernführer Darre, Reichsstatthalter Sauckel, Staatsministcr Wächtler und Vertreter der thüringischen Regieruna, stürmisch begrüßt, erschienen. Staatsrat und Landcs- baucrnführcr Peuckert begrüßte die Minister und den Reichsstatthalter.
Der Redner erklärte unter stürmischem Beifall: Diese Tagung soll nicht nur der Tag der deutschen Bauernbefreiung sein, sondern auch der Tag der endlichen B a u e r n v e r e i n i g u u g. Dieses Werk der Einigung ist heute abgeschlossen. DaS deutsche Bauerntum steht wie ein Mann hinter seinem Führer. Das Vertrauen, das der oberste Führer in D a r r é setzte, hat dieser aus der ganzen Linie gerechtfertigt. Die bisherigen Erfolge des R è i ch §- nähr st an des waren nur möglich, da er in vollster Geschlossenheit dasteht. Der Reichsnährstand hat nichts zu tun mit den Interessengruppen, die früher den Bauern führten. Er faßt seine Aufgabe auf als Dienst am Volk und an der Neugestaltung des deutschen Lebens.
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SolkseruLuerong aus Blut unS Bsdeu.
Eigener Bericht unseres W. 8. - Berichterstatters.
Weimar, 20. Januar.
Immer wieder ertönte die Losung Blut und Boden, und mehrere der Hauptredner betonten ausdrücklich, daß dieses Schlagwort der gesamten Nation in das Bewußtsein dringen und daher dauernd wiederholt werden muß. Der erste Reichsbauerntag gipfelt darin,
Rcichsblmcrnführcr Darrö auf dem Reichsbauerntag. Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft, Re ich s b a u e r n f ü l, r c r Darrè, mit einer Gruppe Bauern in ihren Trachten auf dem ersten Reichsbauerntag in Weimar.
baß sich vas Bauerntum zu der Verpflichtung bekennt, die diese Losung Blut und Boden ihm gegen sich selbst und gegenüber der Volksgemeinschaft auserlegt.
Die Scharen deutscher Bauern, die aus allen Teilen °es Reiches nach Weimar zusammengeströmt waren, waren nicht zu zählen. Man hörte
auf den Straßen alle Mundarten, und für das Auge sichtbar wurde die Beteiligung aus Audentschland durch die bunten T r a ch < c n g r u p p c n, in das geschlossene Braun und Schwarz der Unk Muren einen farbigen Klang brachten. Die gastliche
Stadt an der Ilm, Ine sich in ihren schönsten Fesischmuck geworfen hatte, wußte sie alle wohl zu bewirten. Aber während des Tages war von diesem gewaltigen Bauern- aufmarsch nichts zu sehen, denn
alle Teilnehmer saßen in der riesigen Weimarhalle zu ernster Arbeit vereinigt. Die Aufgaben waren mannigfaltig und doch in strenger Aufbauorganisation sinnvoll gegliedert. Nach der
Eröffnung durch den Staatssekretär Millikens und der Begrüßung durch die Vertreter der thüringischen Landesregierung, die mit Stolz darauf hinwiesen, welche Rolle gerade Weimar im Entscheidungskampfe um das Dritte Reich gespielt hat, leitete der Schöpfer des Filmes „Blut und Boden", Hauptabteilungs- leiter im Reichspropagaudaministerium, Motz, die Tagung mit einer
Absage an die liberalistischen Schlacken, die noch in den meisten von uns durch unsere Erziehung stecken, und mit einem glühenden Bekenntnis zu der Politik der Führung ein. Vorher hatte der thüringische Landesbauernsührer Peukert bereits das Wort geprägt:
Es gibt keinen anständigen, treuen Bauern in ganz Deutschland, der nicht vertrauensvoll den Weg geht, den der Reichsbauernführer Darrö zeigt!
Daraus hatte die Versammlung mit einer minutenlangen stürmischen Kundgebung für den Reichsbauern- sührer geantwortet.
Nach vielstündiger Arbeitssitzung
schwoll die Stimmung noch einmal zu gewaltigen Kundgebungen
an, als der letzte Redner der Arbeitstagung, der Brauchtumswalter Erwin Metzner, das Bauerntum dazu aufrief, Führer zu sein in der Wiederzusichfindung der Nation, die sich im liberalistischen Zeitalter in lauter „Ein-elindividuen" zerspaltet hat. Wir streben wieder 31t einem
nationalen Ansdrncksstil und dazu müssen wir wieder anknüpfen dort, wo die Entwicklung abgerissen ist. Das ist lange her, im Jahre 8 0 0, als Karl, den wir Deutschen kaum Anlaß haben, den „Großen" zu nennen, den wir lieber den Sachsenschlächter nennen sollten, unser Volkstum zerstörte. Die schlummernden Kräfte des deutschen Bauerntums haben die Kraft.
Über ein Jahrtausend rückwärts mit der Erneuerung und der Selbstbesinnung auf nordische Art zu beginnen.
Das Reichsnährstandgesetz.
Am Sonnabend ergriff nach den Begrüßungsansprachen der Leiter des Stabsamtes des Reichsbauern
Saarabstimmung soll stattfinden.
Gemeinsame Erklärung des Völkerbundes zur Saarfrage.
Der Rat in Genf trat noch einmal zu einer kurzen Geheimsitzung zusammen und begab sich daraus zur öffentlichen Tagung, auf deren Tagesordnung als dritter Punkt stand: „Vorbereitende Maßnahmen im Hinblick auf die Volksabstimmung im Saargebiet." Der italienische Berichterstatter verlas nach der Eröffnung der Sitzung den als
Kompromiß zwischen der französischen und der engtifdjntalienifdjen Auffassung zustandegekommenen Bericht, in dem folgende Erklärung des Rates enthalten ist:
„Der Völkerbund billigt dir Schlußfolgerung des Berichtes. Er drückt seinen Willen aus, alle Pflichten zu erfüllen, die ihm im Hinblick auf die Vorbereitung der Durchführung der Volksabstimmung im Saargebiet im Jahre 1935 obliegen mit dem Ziele, die freie, geheime und ehrliche Abstimmung zu sichern.
Er fordert besonders seinen Ausschuß auf, im Hinblick auf den Bericht, ben der Ausschuß ihm vorlegen soll, die Maßnahmen zu prüfen, durch die unter Anwendung aller geeigneten Mittel die Ordnungsmäßigkeit des Wahl- ganges gesichert werden kann: das Studium solcher Mittel ganz besonders in Betracht zu ziehen, durch die die
Bevölkerung vor jedem Druck und vor der Aus- führung jeder Drohung geschützt
werden, die die Ehrlichkeit der Abstimmung beeinflussen könnten: Anregungen zu prüfen, die ihm die Regierungskommission des Saargebietes unterbreiten könnte, soweit sie die Aufrechterhaltung der Ordnung während der Periode der Volksabstimmung betreffen. Der Rat beschließt, die 20 000 schweizerischen Franken für die ersten Ausgaben, die durch Befragung von Sachverständigen entstehen könnten, zur Verfügung zu stellen."
Der Bericht weist dann auf die V e r a n t w 0 r t u n g hin, die dem Rat durch diese Bestimmungen zugcfallcn sei. Die Abstimmuna müßte im Einklang mit dem zitierten Tert des Friedensvertrages im kommenden Jahre stattfiudcn. Es wird also
führers, Dr. R e i s ch l e, das Wort zu einem Vortrag über das Thema „Das Reichsnährstandsgesetz". Er führte u. a. aus: Nach einigen Jahrzehnten wird der bäuerliche Boden unbelastet und unbelastbar sein. Durch diese Regelung wird eine Betriebsumstellung auf eine weitgehende Selbstversorgung möglich. Unsere Lösung meistert aber auch die Aufgabe, den geordneten Binnenmarkt vor dem regellosen Wettbewerb des Auslandes zu sichern. Allmählich wird sich ein ständiger echter Verrechnungsverkehr zwischen dem Bauer und seinen Abnehmern entwickeln. Dadurch wird eine ungesunde Pumpwirtschaft unnötig und unmöglich.
Dann sprach Landgerichtsrat Dr. Wilhelm Saüre, der Leiter der Rechtsabteilung im Stabsamt des Reichsbauernführers, über „Die Grundgedanken des Reichserbhofrechtes". Er führte u. a. aus: Der Bauernhof sei aber mehr als ein bloßer Vermögensgegenstand. Er sei die unveräußerliche Lebensgrundlage des Bauerngeschlechts, den der jeweilige Bauer als Treuhänder seines Geschlechts und seines Volkes zu verwalten habe. An diese Auffassung vom Eigentum an Grund und Boden knüpfe das Reichserbhofrecht wieder an. Es verhindere, daß die Bauernhöfe weiterhin zerschlagen würden.
Neubildung deutschen Bauerntums.
Ministerpräsident a. D. Walter Granzow sprach dann über „Neubildung deutschen Bauerntums". Bei der Schaffung neuen Bauertums mußte zunächst eine Auslese der Siedlungsträger vorgenommen werden. Die Größenverhältnisse der bäuerlichen Betriebe sind außerordentlich verschieden. Die rheinischen Zwergbetriebe kennt man in östlichen Landkreisen nur vereinzelt. Im Westen muß daher vor allem durch Anliegersiedlung geholfen werden. Dort kann häufig nur durch Melioration ungenutzter Flächen oder Rodung von Waldstücken dem Mangel an Land abgeholfen werden. Auch sollten die im Besitz der öffentlichen Hand befindlichen Nutzflächen der Ansiedlung zur Verfügung gestellt werden. Ist das Mögliche getan, bleibt nur noch die Umsiedlung nach dem Osten. In dem Maße, wie im Moorgebiet des Nordwestens das Vorhandensein von Mineralboden die Zahl der neu zu schaffenden Höfe begrenzt, setzt im Gebiet der östlichen Sandflächen die Menge der guten Wiesen der schnellen Besiedlung ein Ziel.
Aufgaben der bäuerlichen Frau.
Die Reichsabteilungsleiterin, Frau von Rheden, ging in ihrem Referat über die „Aufgaben der bäuerlichen Frau im Dritten Reich" von dem Gedanken aus, daß das Reich Hitlers im Natürlichen und Organischgewachsencn wurzelt. Jetzt ist die Stunde gekommen, in der Bauer und Bäuerin Umkehr halten müssen zu ihren edelsten Aufgaben als Bluts- und Gcsinnungserneucrungsqucll des Volkstums. Diese Ausgabe fordert von den Bäuerinnen die Erhaltung
(Fortsetzung von Seite 2.)
vermieden, irgendein bestimmtes Tatum anzugeben oder auch nur bervorzuheben, daß die Abstimmung unter allen Umständen schon in der ersten Hälfte des Januar 1935 stattfiudcn muß. Immerhin hebt der Bericht hervor, daß es notwendig sei, schon jetzt vorbereitende Maßnahmen zu treffen.
Französische Preffcstimmen zum Saarbeschluß.
Tic Pariser Presse macht zum Beschluß des Völkerbunds- rateS in der Frage der Saarabstimmung „gute Miene zum bösen Spiel" und versucht, ihn alS Sieg der französischen Auffassung auszulegen. Der Außenpolitiker des halbamtlichen „Petit Parisien" spricht in seinem Genfer Bericht von einer Belohnung, die Paul-Boncour für sein energisches Eintreten zugunsten der geheimen aufrichtigen Ab- ftimmung erhalten habe. (?) „Echo de Paris" bedauert, daß die wichtige Frage, ob der RegierungsauSschuß des Saar- gebieteS aiub in der Lage sei, seinen Verordnungen Gebör zu verschaffen, und ob er ausreichende Polizeitruppen besitze, vom Völkerbundsrat „absichtlich" übers eben worden fei. Dagegen scheine der Rat beschlossen zu haben, die Abstimmung auf jeden Fall 1935 abzuhalten.
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Zum Eudkampf bereit.
Verein der Saarpreffe an den Reichskanzler.
Der Verein der Saarpresse bat folgendes Telegramm an den Reichskanzler Adolf Hitler abgesandt:
„Die im Verein der Saarpreffe vereinigten deutschen Schriftleiter fühlen sich am Tage ihrer diesjährigen Hauptversammlung, der letzten vor der Volksabstimmung, verpflichtet, Ihnen, sehr verehrter Herr Reichskanzler, zu versichern, daß sie auch weiterhin fest entschlossen sind, tu unverbrüchlicher Treue zu Ihnen und dem gesamten deutschen Volk den Endkampf um die Rückkehr unserer Saarheimat zum Reich 31t führen. Wir betrachten es als Ebre und höchste Pflicht, uns in diesem Kampf für die Wahrung und Verteidigung des deutschen Volkstums und die hohen völkischen und sittlichen Werte einzusetzen, deren lauterer Mittler. Sie, Herr Reichskanzler, auch den Volksgenossen an der Saar sind.