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Möser Mszèiger

Erscheint jeden Werktag. Bezugspreis: monatlich 1.70 Nin. Bei Lieferungsbehinderungen durchHöhere Gewalten", Streiks, Aussperrungen, Bahnsperre usw erwachsen dem Bezieher keine Ansprüche. Verlag: Christian Seipel, Fulda, Königstratze 42. Druck: Friedrich Ehrenklau, Lauterbach in Hessen.

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg

Zulöa- und Haunetal »Zul-aer Kreisblatt

Re-aktton und Geschäftsstelle: Königstraße 42 Zrrnfprech'Rnsthlnft Nr. 2444

Im Anzeigenteil beträgt der mrn-Preis für die 4S-mm Spânbreite für Behörden, Banken und Genossen­schaften 7 Rpf., für alle anderen 5 Rpf. 3m Zeitteä beträgt der nun - Preis für die 90 mm Spaltenbreite 12 Rpf,DA." 1100. Verantwortlich für den AnzeigenteS Christian Seipel, Fulda, Königstratze 42.

Nr. 4 1934

Fulda, Freitag, 5. Januar

11. Jahrgang

Sie VtlMmrttWdie im NelstnsAA

68 Deutsche unter den Verschütteten.

Keine Atemlust mehr in den Schächten.

Wie ans Dur gemeldet wird, tourbe auf den Gruben Nelson VII und VIII mit der Einmauerung begon­nen, da die Gefahr bestand, daß sich das Fener, das das eingestürzte Holzgerüst ergriffen hat, ausbreiten würde.

Auf der Grube Nelson III arbeiteten an dem Un- glückstagc in der Nachmittagsschicht 140 Personen. Der Nationalität nach sind es 6 8 Deutsche, 61 Tschechen unb ein Pole. Von den 140 Eingefahrenen haben sich nur vier gerettet. Zehn wurden bisher als Leichen geborgen. Es sind demnach

noch 126 Bergarbeiter im Schacht eingeschlossen.

Sie haben kein Lebenszeichen von sich gegeben, und es ist bisher auch nicht gelungen, eine Verbindung mit ihnen herzustcllen.

Es besteht kaum eine Hoffnung, die Verschütteten zu retten, da im Stollen keine Atemluft mehr vor­handen ist. Eine hcruntergclasscne Lampe erlosch sofort. Die Rcttungsarbeitcn schreiten sehr langsam vorwärts, da sie neuen Schwierigkeiten begegnen. In den Schächten VII und IX ist Feuer ausgebrochcu. Nur noch eine kurze Verbinditng zwischen Schacht VII und IX ist frei von Feuer.

Auf der Grube VII mußten die Rettungsarbeiten ein­gestellt werden, da sich aus der Grube ein schwarzer Rauch wälzte.

Vom Bruder aus Todesgefahr gerettet!

Geradezu wunderbar ist die Rettung des einen der vier mit dem Leben davongekommenen Bergleute, des Bergmanns Dalibor Sykora. Etwa in der Mitte des Schachts, noch 150 Meter unter der Erdoberfläche, ver­ließen ihn die Kräfte. Die Kameraden, die selbst jede Sekunde glaubten, nicht mehr weiter zu können, hätten ihn seinem Schicksal überlassen müssen, als in demselben Augenblick vor ihnen der Umriß eines Mannes -«nftauchte, der

auf den Leitern des Lüftungsschachtes eilends Herabstieg.

Der Retter packte den taumelnden Sykora und schleppte ihn mit Hilfe der anderen die Leiter herauf bis ans Tageslicht. Es war durch einen wunderbaren Zufall der Bruder des Geretteten, der Bergmann Franz Sykora.

Aus dem Umfang der Verwüstungen schließt man, daß es sich höchstwahrscheinlich um eine Kohlenstaub- e x p l o s i o n gehandelt hat.

An der Unfallstelle traf der tschechische Minister­präsident Malypetr ein. Als erste Hilfe für die betroffenen Familien stellte er 50 000 Kronen zur Ver­fügung.

An der Llnglücksstäite.

Die Unglücköstätte bietet das Bild einer von Wochen- langem ununterbrochenen Trommelfeuer zerstörten Kriegs- landschaft. Alle Anlagen des Bergwerks über der Erde sind von der Explosion zerstört worden. Der Fördcrkorb ist cingestürzt. Der Feuerschein einer riesigen Stichflamme, die aus dem Nelkonschacht steigt, ist in der ganzen Gegend

Der Schauplast des Grubenunglücks tri Nordböhmen. Blick auf die Nelson Schächte in Neundorf bei Osseg im nordwestböhmischen Brauntohlenrevier.

-chtbar, die Häuser in der Umgegend sind schwer chndigt, und im weiten Umkreis der Unglücksstätte Tausende von Fenstern eingedrückt worden.

Die Angehörigen der Verunglückten hinter den polizeilichen Absperrungen und überall hört man das Schluchzen der und Kinder,

be­find

sich

drängen

Frauen

den Einge-

denen der Ernährer geraubt wurde. Bei

schlosserten handelt es sich in der Hauptsache um Fa­milienväter. Etwa 10 Prozent sind Deutsch- böhmen, der Rest setzt sich aus Slowaken, Tschechen und Ruthenen zusammen. Die ersten Opfer, die man ge­funden hat, waren die Leichen eines Werk­

Meisters und einer Waschfrau, deren Körper fast vollkommen zerrissen waren.

Es besteht keine Hoffnung mehr, das von den unter Tage befindlichen Leuten noch Männer am Leben sind, denn es ist überhaupt noch kein Lebenszeichen vernommen worden. Es ist auch so gut wie ausgeschlossen, daß auch nur ein Mann dem Druck der Explosion und den heißen Giftgasen entkommen ist.

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Die Karte veranschaulicht die Lage des nord­böhmischen Erubengebietes, in dem sich das schwere Unglück ereignete.

Paris schon wieder verschnupft

Wegen der Verhandlungen Mussolini-Simon.

Es ist authentisch noch gar nicht bekannt, waS Mussolini in seiner ersten Besprechung mit dem eng­lischen Außenminister Sir John Simon in Rom an Einzelfragen erörtert hat und schon markiert man in Paris wieder laut und deutlichBesorgnis" dar­über, was wohl bei diesem Gespräch.zu zweien, bei dem Frankreich nicht dabei ist, herauskommen könnte. Es ist also wieder dieselbe Erscheinung, die man zuletzt aus An­laß der bedeutsamen Unterredung des Reichskanzlers Hitler mit dem Berliner polnischen Gesandten beobachten konnte: immer und überall da, wo Frankreich nicht selbst die Leitung oder zum mindesten die Finger im Spiel hat, wittert es Unrat, zeigt es

die nervöse Unruhe des schlechten Gewissens, die Unruhe bessert, der sich seines mit Gewalt vertretenen langjährigen Unrechtes und Vertragsbruches sehr wohl bewußt ist. Dementsprechend zetern Pariser Blatter denn auch schon, es bestehe die Gefabr, daß Simon sich von Mussolini für eine wirkliche Abrüstung und für eine ver­nünftige Völkerbundsreform breitschlagen lasse, und be­tonen, cs seiverlorene Zeit", auf dergleichen Dinge hinauszuwollen.

Das ist nichts anderes als die erneute Aufforderung der Pariser Presse an die französische Regierung, die seit dreizehn Jahren betriebene Verweigerung der Ab­rüstung und damit eine der schwersten Verletzungen des Versailler Vertrages durch Frankreich fortzusctzen!

Es ist angesichts dieser perfiden Gesinnung kein Wun­der, wenn nebenbei Deutschlands Friedensliebe und Ver­ständigungsbereitschaft nach wie vor angezweifelt wird, ohne daß man noch die Mühe einer Begründung für nötig hält. Ein würdiges Scitenstück dazu ist die für ihre Dentschfcindlichkcit bekannte Londoner ZeitungMor- ningpost", die mit fast schon pharisäischer Heuchelei schil­dert, wie Frankreich sich um den Frieden bemüht undgeduldig auf eine Vereinbarung mit Deutschland hinarbeitet"!

über die ersten römischen Gespräche ist bisher ledig­lich bekannt geworden, daß M u s s o l i n i und Simon zwei Stunden lang miteinander ver­handelt haben und daß während der Unterredung auch der Staatssekretär des italienischen Außenministeriums S n v i ch, der ja unlängst mehrere Tage in Berlin weilte, und außerdem der Londoner italienische Botschafter Grandi im Palazzo Venezia anwesend waren, um jederzeit den beiden konferierenden Ministern zur Ver­fügung zu stehen. Botschafter Grandi ist für den mehr­tägigen Aufenthalt des englischen Außenministers in Rom

von Mussolini eigens aus London hcrbcigcrufcn worden auch diese Einzelheit ist den Franzosen auf die Nerven gefallen.

Entscheidungen sind in Rom nicht gefallen, sind wohl auch nicht vorgesehen. Es handelt sich in erster Linie um eine möglichst weitgehende Klarstellung der beider­seitigen Meinungen. Nach einer Meldung deS englischen Reuterbüros aus Rom hat sich eine bedeutende An- n ä h e r u n g des italienischen und englischen Stand» Punktes in der Frage der Rüstnngsvcrmindcrung ergeben: es sei, so «HD Reuter weiter versickern können, die gemeinsame Auflassung, daß es nicht so sehr auf die FraAc

DaS Trümmerfeld von Osseg.

Wo der Förderturm einstürzte, türmen sich Steine, Schuttgeröll, geborstene Eisenstangen. Vor dem Zechentor haben sich schon seit frühmorgens Tausende von Menschen angesammelt. Auf allen Straßen der Um­gebung ziehen zahllose Menschen der Unglücksgrube zu. Eine Frau ist bis auf den Förderhof vorgedrungen und lehnt laut klagend und schreiend an einer geschwärzten Mauer. In dem Torse Osseg sind die ersten Trauer­fahnen aufgezogen. An allen Ecken sieben erregte Menschengruppen, überall sieht man weinende und kla­gende Frauen.

In einer kleinen Zechenstube liegen die vier gebor­genen Leichen nebeneinander an der Wand, kohlen­geschwärzte Gesichter, die Hände vor dem Körper ver­krampft, als wollten sie ihn schützen. Die Haut schält sich von den Gesichtern. Es werden einfache Holzsärge herbei- gcschafft, die Toten hineingelegt.

Deutsche Beileidskundgebuugen.

Reichsarbeitsminister Franz S e l d t e hat dem tschechoslowakischen Minister für öffentliche Arbeiten, Dr. D o st a l e k, mit folgendem Telegramm sein Beileid aus­gesprochen:

Soeben erhalte ich Kenntnis von der verhängnis­vollen Grubenkatastrophe. Ich bitte Euer Exzellenz, den Ausdruck tiefgefühlten Beileids entgegenzunehmen."

Bei den auf den Schächten der Brürer Kohlenberg­werksgesellschaft in Osseg verunglückten Bergleuten bandelt es sich

im überwiegenden Maße um deutsche Arbeiter.

Daher hat der Reichsführer des Volksbundes für das Deutschtum im Ausland, Dr. Steinacher, über die in Frage kommenden Stellen den An­gehörigen der getöteten und verletzten Bergleute im Gefühl der Volksverbundenheit Anteilnahme und tiefstes Mitgefühl übermittelt.

ankomme, ob Deutschland 306 000 Soldaten haben solle oder nicht, als vielmehr darauf daß

die durch die Friedensverträgc geschaffenen künstlichen Ungleichheiten beseitigt

werden sollten. Hierzu ist allerdings zu bemerken, daß ein solcher Standpunkt eine fast hundertprozentige Abkehr des englischen Außenministers von seiner bisher in der Ab­rüstung gegen Deutschland bertretenen ganz frankophilen Politik bedeuten würde.

Was an jener Reutermeldung wahr ist, wird sich ja sehr bald zu zeigen haben.

*

Bewußte Giftmischer.

. Zurückweisung ausländischer Unterstellungen.

DerDailv Herald" batte eine Mitteilung gebracht, dcrzusolge in Moskau und Warschau an ein umfang­reiches Sicherheitssystem gedacht werde, durch das den deutschen Ausdcdnungsplänen nach Osten Schranken gesetzt werden sollten.

Hierzu erfahren wir von unterrichteter Seite: Die Meldung desDailv Herald" über gewisse Aknonspläne der Russen und Polen in den Randstaaien mit einer Spitze gegen Deutschland dürften den Absichten maß­gebender Kreise in den beiden Ländern entsprechen. Trotz der wiederholten Erklärungen des Herrn Reichskanzlers und sonstiger maßgebender Stellen der Reichspolitik werden immer wieder dieselben fadenscheinigen Vor­wände zum Anlaß genommen, um bicfricbliebenbe Politik Deutschlands zu verdächtigen. Jetzt wird mitgctcilt, der Herr Reichskanzler habe angedeurer, er werde Polen einen Nichtangriffspakt anbicren, vorausgesetzt, daß Polen bereit fei, Deutschland in der Zukunft Möglichkeiten zur Ausdehnung über nickwol- nisches Gebiet zu geben. Es bedarf keiner Betonung, daß derartige Unterstellungen nichts als bewußte Giftmischereien sind, an denen kein wahres Wort ist.

Am 7. Zanuar wieder Eintopfgericht!

Das deutsche Volk bat mit einer wundervollen Ein­mütigkeit die schöne Sitte des Eintopfgerichtes überall cinqcfübrt. Wenn am 7. Januar zum ersten­mal in diesem Jahre das Eintopsgcrickt gefeiert wird, so wird es vielen von uns vorkommen, als ob es sick schon um einen alten Brauch handelt, obwohl cs dock erst der vierte Eintopfsonniag ist, denn wir begehen. Rock sind cs bei weitem nicht alle Teutsche, die sich am Eintopf­gericht beteiligen, aber bisher bat jeder Sonntag größere Sammelergebnisse gebracht.

In den meisten Orten ist der Erlös so groß gewesen, daß man tatsächlich sagen kann:Jedes Eintopfgericht macht zwei Familien satt." DaS Ausland blickt mit Be­wunderung auf diese Einrichtung, die erst der National sozialismuS geschaffen bat. DaS Eintopfgericht beweist eindringlicher als jede Wahl, wie sehr das ganze Volk hinter seinem Führer steht. Darum essen wir alle auch am 7. Januar wieder daS Eintopfgericht.