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Da sah sie mich an; e§ schien, als wollten die großen Augen ein klein wenig milder werden, sie schüttelte auch leicht den Kopf, aber dann sagte sie:Das ist nun alles umsonst, Stephan, eS ist vorbei, und du siehst es mir wohl an, daß ich doch sterben muß." Was ich da gethan, weiß ich nicht, denn ich habe mein Bewußtsein verloren, und als ich wieder zu mir selbst kam, war ich allein und die Höhe so still und leer, als sei nie ein Wesen außer mir dagewesen. Und wie ich rief und schrie, fluchte und segnete, eS blieb alles ver^ geblich, sie kehrte nicht zurück und ich sah nicht wieder, die verlorene Elfe."

Das war aber ein ganz grausames Frauenzimmer!" sprach der Krüger sich schüttelnd.Ja, um die hätte ich mir keine grauen Haare wachsen lassen, so hart und obstinat wie die war!" bemerkte der jüngere Bauer.

Der Fiedler achtete der Unterbrechung nicht weiter, alS daß ein halb bitteres, halb verächtliches Lächeln aus seinen Augen zuckte; darauf fuhr er fort:Ich lag damals Tag und Nacht im Wald und suchte sie, ich ging über die Höhe hinaus in die Gelände drüben, nach Retelkow und was sonst dort liegt; ich erfuhr nichts von ihr. Da kam ich denn auch einmal wieder hierher, tobte und wirthschaftete und brach auch dieser hier das Herz. Der Teufel hielt in mir Haus."

Es war in der Johannisnacht, als ich wieder einmal am alten Platz lag; der Mond schien und die Luftgeister mnsieirten so melancholisch, und wie die endlich still wurden, spielte ich auf meiner Fiedel, was, wie ich Thor noch immer hoffte, sie herbeilocken müßte: Doch die Fiedel entfiel mir, da aus weiter Ferne plötzlich andere Klänge daher kamen, von Hörnern oder Instrumenten der Art, so waS Eigenes, Bewegliches, Grausiges, wie ich's nie vorher vernommen. Ich erhob mich und schlich durch den Busch, den Tönen nach, und als ich an den Weg kam, blieb ich lauschend am Gebüsch stehen. Sie kamen näher, sie kamen heran; es zog an mir vorbei, die Musikanten, dann dunkle Männer mit einem schwar­zen Sarg, drauf ein Blumenkranz lag, hinterdrein nur wenig Gestalten, ein großer alter Mann mit langem weißem Haar und Bart war das der alte Zauberer? und eine kleine, lichte, zarte Figur, fast wie die meiner Mariana. Und sie zogen hin, lautlos, von ihrem Gehen und Bewegen war nichts zu vernehmen; nur die Musik klang durch die Nacht. Und nun kannte ich sie: Mariana hatte sie mir einmal vorgesungen und dabei lachend gesagt:DaS ist der Todtenmarsch für uns Elfen, Stephan, den habe ich mir ausgedacht." Da fiel mir nun alle- ein und ich wußte, daß sie jetzt todt sei, gestorben an mir, dem nichtswürdigen Menschen."

Als ich in'S Dorf zurück kam, ward eS mit der Anne Marie und mir schlimmer von Tag zu Tag; sie ward krank, sie wurde elend, sie verging selbst wie die Tage. WaS wollt

ihr auch? Ich hatte kein Herz für sie; woher sollt' ich'S auch noch gehabt haben, nachdem eS mir die da draußen genommen und bei sich behalten und mit sich fortgetragen, sey's in den Himmel, sey's in die Hölle? Und endlich war's mit der Anne Marie auch zu Ende, und ich lief davon, Gott weiß wohin. Das ist denn die Historie."

Als er jetzt schweigend aufstand, nahm er die Geige, ließ den Bogen darüber fahren und begann wieder jene wunder­bare, geheimnißvolle, einfache und herzzerreißend grauenvolle Melodie, die schon am Abend die Zuschauer erschüttert. Jetzt saßen sie schweigsam und schüttelten leise die Köpfe. Der Fiedler aber sah das nicht; er stand abgekehrt und spielte gegen den Wald und den allmahlig dunkler und dunkler wer­denden Weg gewendet, immerfort den Elfenmarsch, wie er daS Stück genannt. Und in den harten Zügen des alten GestchtS ward es immer milder und stiller, alS striche eine weiche liebe Hand all den Gram, all den Trotz heraus, den die Jahre dort angehäust.

Und mit einem Mal fielen seine Arme mit der Geige und dem Bogen schlaff herab, er stieß einen Schrei ans, so scharf und wild wie ein Seevogel, wenn er auf den Tod getroffen ist, und stürzte dann gegen daS Holz zu. Als die bestürzten Andern aufsprangen, war er schon fern, und sie vergaßen ihm zu folgen; sie standen eine Minute lang wie gebannt, denn dort hinten im Walde regte und bewegte es sich dunkel im letzten Hellen Schimmer, und ihre lauschenden Ohren hörten dieselben Töne , welche ihnen eben noch der Alte vorgespiekt, leise herüberklingen.

Was ist das?" flüsterte der Krüger.Das muß ich wissen, ich fürchte den Teufel selbst nicht!" Und damit eilte er fort gegen das Holz, wo eben der Zug heraus trat, fast so wie ihn der Fiedler beschrieben. Nur lag hier kein Kranz auf dem Sarg, und hinterdrein fuhren zwei Wagen. Der Krüger erkannte einen der Träger und bat ihn leise um Auf­klärung. Es sei das alte Fräulein von Retelkow, versetzte die sie nach dem nahen Psarrdorf ins Erbbegräbniß trügen; die alte Dame habe so letztwillig angeordnet.

Seht ihr nun wohl," sprach der alte Bauer, als der Krüger mit diesem Bericht zurückgekehrt,seht ihr nun wohl, daß ich recht hatte? DaS ist nun die Schwester von der da­maligen, und die war, wie ich's sagte, richtig die Generals­tochter. Das war damals so: die vornehmen Herrschaften machten sich zuweilen mit unser Einem einen solchen Spaß, nur daß wir nicht immer so dumm waren, wie der Steffen, der noch heut nicht dahinter gekommen. Davon wüßte ich sonst noch wohl Tolleres zu erzählen."

Wo aber der Steffen nur geblieben ist?" meinte der Krüger und sah aus dem Thor gegen den Wald.Laß ihn nur," entgegnete der Alte und wandte sich zum Gehen;der