geb; ich habe jc^t nichts für dich in meinem Herzen/ Zur Strafe siehst du mich f Jjt acht Tage lau# nickt. Du kannst dann meihn, von was für Ait die Dirnen dort sind und von welcher ich. Du mußt Buße thun." — „Mariana," er» wiederte teb, „es ist nickt dein ©ruft, du thust unrecht, du weißt ja, datz cs nicht wahr ist." — „Es bleibt dabei !" versetzte sie. „Ich bin seither zu schwach gewese-, du wirft über^ mütbiß und ich muß dir zeigen, daß ich noch Willen und Macht habe, über dir zu sein." Ich bat, iw bettelte, ich ward wild; — sie blieb st st und bei ihrer Entscheidung."
„Höre! rief ich endlich drohend und sprang empor. „Und muß ich heut so fort, so bleib’ ich immer fern und ich fimime wie mehr! Ich kann ohne dich leben, du Spukprinzessin; es gibt noch andere in der 28elr, die es christlicher mit uns meinen." — Denkst du mich mit deinem Drohen zu zwingen? fragte sie höhnisch. „Geh nur, ich will nichts mehr von Dir wissin, geh nur, du schlechter, roher Mensch!" — „Du machst mich schlecht, du!" rief ich wild. „Mariana — und wenn mich der Teufel holt — ich gehe!" — „Geh!" sagte sie hart und wandte sich ab."
Ick stürzte fort. Im Busch stand ich eine Secunde und lauschte durch den todtstillen Abend. — Hätte sie mich gerufen! Aber sie rief nickt. Es blieb tvdteustiU, nur ein dürres Blatt hört' ich fallen. Das machte mir mein Herz noch grimmiger und noch härter; ich stieß mit dem Fuß in das Moos, daß cs mich schmerzte, ich ballte die Fäuste und ging ßvit, hieher, trank und spielte, lärmte und fluchte. Und als ich zwischendurch auf die NrügcrStochter sah, dacht' ich: „Ei, ich n/iTä dir zeigen, daß ich jetzt, dir zum Tiotz, auch an andern Vergnügen finden und mich auch von andern lieben lassen kann. Die soll's sein; sie ist hübsch genug für den Spaß." Und so geschah'- daß ich der Dirne nahe kam, und ihr den Unsinn in den Kops und ins Herz schwazte."
„Am andern Morgen wollte es mir einen Augenblick leid thun. Aber ich biß die Zähne zusammen und stampfte mit dem Fuß. O, dacht' ich dabei, nur weil du so ein Krüppel bist, ist das so gekommen! DaS hat ibr nicht länger geschmeckt! Bist ihr nicht sauber genug, Steffen ! Da liegt der Hund begraben! — Ha, Satan! — Und da ward ich noch giftiger und das Tenselöleben ging seinen Gang."
Er schwieg. er stand auf und hinkte ein paarmal hin und her. Die Zuhörer, so tief sie auch bewegt und betroffen wa- mi verstanden ihn wenig oder gar nickt; die Sprache, die Ausdrücke, der Enthusiasmus, die geistig bewegten und nbellten Züge — es war ihnen alles fremd. Sie wußten es nicht, daß eine ächte und reckte Liebe jedes Herz und jeden Sinn veredelt, daß selbst die Erinnerung an sie noch mächtig genug ist, um glänzende Strahlen zu werfen. Wie der Alte da a» die Zeit sich erinnerte und von ihr erzählte, die so
wunderbar, so gewaltsam über den rauhen, wilden Burschen gekommen war, wie der Lenzhanch über trotzige, winterkable Felsen, da war alles von damals wieder in ihm, im Kops. im Herzen, sein ganze- Wesen sprang nochmals in kle alten Weisen zurück. Wie er damals aufgeflammt war, flammte er sitzt auf, wie er damals milder geworden und — gesitteter, so ward er's anck j tzt, und sein Mund sprach keinen Fluch und kein rauhes SüviL Er war damals znrückgestürz» und er stürzte auch nun wieder zurück. — Und zu seinem Platze zurückgekehrt, fuhr er fort in seiner Erzählung.
„Einige Tage lang hielt ich's auS; ich tobte so, daß mein Herz taub wurde; dann aber liif ich eines Abends wieder hin, lag dort harrend, rief, schrie, weinte wie ein altes Weib, spielte auf meiner Fiedel — Gott verdamme sie! sie kam nicht, und des Morgens darauf ging ich härter weg, als ich je gewesen. Und ick kam doch wieder, einmal noch — und da war sie da, sie weinte, sie klagte, sie rief über mich jammernd, schluchzend. I b stand im Busck, ich sah daS. ich ward nicht weich, der Teufel hol' mich, nein! ick ward immer härter, immer starrer, immer grimmiger. Ich fühlte ordentlich, wie es nach und nach in mir beraufstieg. Und endlich drehte ick mich kurz um und ging; mein Kopf fauste und daS Herz zuckle, aber ick ging und dachte mich in einen immer giftigeren Trotz hinein. (Schluß folgt.)
3os km Httttuakcnlnn-e.
Vor» 8. A. Frankl in Wien.
(Schluß.)
Ich saß eines Abends allein in meiner Stube. Mir gegenüber hing ein altes, verrauchtes Oelgemälde, daS ick bisher nicht bemerkt hatte. Es ist eigenthümlich in Kremsier, daß kaum eine Stube, eine Vorhalle, eine Wand zu finden ist, an der nickt Oelgemälde hängen; im Hause des ärmsten Handwerkers ist eS so. Die kunstsinnigen Bischöfe früherer Zeiten wirkten auf die Phantasie der Bewohner Kremsiers so viel ein, drß jeder wenigstens ein Bild, ein heiliges natürlich, besitzen wollte. Tie Maler, die bei den Bürgern wohnten, mochten wohl auch gern einer schönen Tochter ein Andenken hinterlassen oder mit einem Bilde ihre Miethe bezahlen. Vertieft in eine höchst naive Darstellung der Heilandsklippe hörte - ich es vor meiner Thür von Ketten rasseln. Bald ging die Thür auf und ick wurde von einer ganz abenteuerlichen Kindergruppe begrüßt, die sich die Erlaubniß ausbat, „die Heilige Dorota" aussühren zu dürfen. Ein pausbackiger Junge hatte über seine Kleider das Hemd angethan, zwei Gäuseflügel hingen an seinem Nacken, die Stirn umgab ein hölzerner, vergoldeter Reif; er stellte einen Engel vor. Ein anderer Knabe, schwarz angethan, Hände und Gesicht rußig, einen rothen Tuch-