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treu behandelter »Heinrich VI.* jetzt zeitgemäß geworden, war es die innige Beziehung zu einer unserer bedauerlichen Tages' fragen. Galt es mit den hochtrabenden Versen, die dem Anta­gonisten der Päpste in den Mund gelegt sinv, einen Sturm aus die Gallerit. Handelte es sich um eine Demonstration? Ein Stein, der in das Wasser geworfen wird, setzt zwar die ganze Oberfläche in Bewegung und zieht immer weitere Greife auf Entfernungen, gegen welche z. B, die vom Michelöberg bis an die Colonnaden unbedeutend zu nennen ist Es ist nicht wohl anzunehmen, daß die Bühne sich mit Vorbedacht an dem poli­tischen Getreide beteiligen, für irgend einen der Streitenden Partei nehmen werde; es muß daher vorausgesetzt werden, daß man bei der Wahl t?ß Stückes die verfänglichen Beziehungen, so nahe sie arch liegen, nicht herausgefunven hat. Soviel ist jedoch gewiß, daß ein freundlicher und folgsamer Wirth Alles vermeidet, was auch nur Einen seiner Gäste verletzen könnte. Daß z. B. die abscheulichen Worte:Kann es Frevel sein, was der Kirche frommt?", welche Raupach zur Motivirung seines Machwerkes einem Priester in den Mund gelegt, ganz geeignet waren, jeden feinfühlenden zu verletzen, dazu gehört keine große Divinationsgabe, und der Mangel dieser schuldigen Aufmerksam- feit ist es, der eine Rüge verdient.

Von der Aufführung (des Stückes) ist nicht viel zu sagen. Die einzelnen Personen haben nur die Aufgabe, ihr Quantum herunter zu rechnen, auf daß sich die Handlung fein säuberlich abhasple. Eine wahrhaft künstlerische Aufgabe hat nur die Wittwe Tancred's (Frau Flindt) in der Scene zu lösen, in welcher sie den Fluch über die Hohenstauffen spricht und in welcher sie Abschied von ihrem Kinde nimmt, ferner Herr Schütz (Heinrich VI.) in der Schlußscene. Beide lösten ihre Aufgabe in der anerkennenswerthesten Weise.

Es ist ein Beweis für die Güte eines Stückes, wenn es über die erste Aufführung hinaus die stets Spannung erregt oder mindestens die Neugierde weckt, noch Unterhaltung gewährt. DasNähkätchen" hält diese Feuerprobe nicht aus, es unter­scheidet sich dadurch vonheilhaft von anderen, amHeinrich VI." z. B. hat man schon das erstemal genug. Neu waren Fräulein Genast, Frau Schütz, die Herren Schütz, Schunke, Nauman und Herr Grobecker; neu war, daß es Herrn Grobeckcr auch gelingt, eine Rolle total zu vergreifen. Sein Baron" war eine Figur mit schäbigem Geniilismus; schloitri- ger Eleganz und Manieren ans der Anlichambre: es war der Strobel" im Frack. j

Schließlich sei noch erwähnt, daß Herr Schunke, dessen redliches Wollen und eifriges Streben stetS deutlicher zu Tag tritt, zu seinem morgigen Benefice die überall mit so viel Bei­fall aufgenommene PosseMünchhausen" von Kalisch gewählt hat. Er rechnet somit auf die Zahl jener Theaterbesucher, die gerne lachen, und da diese die übmviegenne Mehrzahl bilden, so dürfte er auch seine Rechnung finden. Für einen unterhal- ienben Abend bürgt der Name des in der Zwerchfellerschütterungs- Wissenschaft so wohlerfahrenen Verfassers. Vielleicht übt auch j Brau v. Rebell, die dem Benesicianten ihre Mitwirkung zu» i gesichert hat, ihre alte Anziehungskraft.

Jur Sagesgeschichte

** Louis Drucker bleibt seinen Gewohnheiten treu. Gr

debutirt in einem amerikanischen Blatte mit folgender orglneßen Original - Anzeige: Louis Drucker's Trink-Heil Anstalt und Vergnügungs-Institut, 1 Catharine, Ecke Division u. Chatam Square. Nicht z u r ü ck g e k o m m e n , sondern zurückge­kehrt bin ich gestern Abend ans Philadelphia wieder ringe- kehlt und begrüße Sie in alter Freundschaft nach dem Münz­füße von 1764. Die auf der Eisenbahn erhaltenen Wunden sind geheilt, mein Doctor hat sich beeilt, wohl wissend, daß ich die frische Luft und Kühle in meinem Etablissement nicht ohne Gefahr für meine Gesundheit länger entbehren konnte. g- lich musikalische Unterhaltung und Philavel- p p i a - L a g e r b i e r. Die von Rußland mit der Türkei äuge» knüpfte Loafer- und Rowvy-Angelegcnheit ist durch meine Ver- Mittelung dem Abschluß nahe und das geschäfttreibende Publi­cum kann sich um so mehr beruhigen, indem ich mit meinem ganzen Vermögen für die Aufrechterhaltung des europäischen Gleichgewichtes und Friedens Bürgschaft geleistet habe. DaS englische Cabinet ist mit mir einverstanden. Freundschaftlichen Gruß : Louis Drucker.

** In Berlin ist dieser Tage ein bedeutender Diebstahl mit einer eigenthümlichen Dreistigkeit ausgeführt worden. Ein paar schlichte Bürgersleute erhielten einen Brief, in welchem ihnen von einem unbekannten Freunde zwei Billets zum Königsstädti­schen Theater als ein Beweis besonderer Aufmerksamkeit zuge­sendet wurden. Die guten Leute ließen sich wirklich verleiten, von diesen Billets Gebrauch zu machen. Als sie am Abend nach genossener Vorstellung zurücklehrten, fanden sie aber ihre ganze Wohnung förmlich ausgeräumt vor. Diese Art des Dieb­stahls ist wirklich eine neue.

** In Karlsruhe sind zu Mendelssohn Geburtstag zwei Musik­werke dieses Meisters aufgeführt worden: das LieverspielDie Heimkehr aus der Fremde- undLoreley". Schon die tiefe Poesie, die namentlich in Mendelssohns Lievercomposilionen liegt, läßt auf den Werth eines Liederspieles dieses Componisten schließen, und wäre es darum auch für unsere Bühne lobenS- werth und gewiß auch zeitgemäß, erwähntes Lieverspiel (welches Genre der Musik für uns gar nicht mehr zu eristiren scheint) einmal zur Darstellung zu bringen.

** Es ist doch etwas Wahres an der alten Sage, daß o a 8 Menschengeschlecht e i n g e s ch r u m p f t. Wenigstens wirv diegroße Nation" sich bald die kleine nennen müssen, denn in Frankreich mußte man das seit 1789 angenommene Soloatenmaß von 5 Fuß 1 Zoll für die Infanterie schon 1818 zum ersten Male um 2 Zoll herabsetzen. Zum zweiten Male wurde es 1830 erniedrigt und zum dritten Male 1848. Jetzt stehen 120 000 Mann in Frankreich unter Waffen, welche man 1789 für zu klein erachtet hätte.

** Von Avmiral Rapier erzählt man sich folgende Aeußerung. Lord Palmerston sagte zu ihm beim Abschiede:Nun, mein lieber Freund, jetzt sind Sie zwischen der Peerswürbe und Pau^s- kirche" (wo Nelson begraben ist).Sagen Sie lieber," ant­wortete der Seemann,zwischen der Unterwelt und Kronstadt."

** Der bekannte Ungarische Publicifi Johann Biirândtz, der auch mehrere werthvolle statistische Arbeiten herauSgab, ist am 11. d. in Pesth in Armuth und Elend gestorben. Er war 76 Jahre alt. _________________________________

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