25. Febr., an welchem Ghalib Pa scha, Reschid Pascha's | Sohn seiner jungen kaiserlichen Braut die üblichen Hochzeits- | gescheute überbringen ließ, eine neue. M. Hartmann schildert den dabei entfalteten „orientalischen Luxus" in der Köln. Ztg. wie folgt: Töne der Militärmusik führten uns auf den Platz der Feierlichkeit. Schon von Weitem sahen wir gedrängtes, be- turbantes und befeztes Volk; wir drangen durch und standen auf jenem schönen Platze von Topana, der im Norden und Süden von prächtigen Moscheen begrenzt ist und über den großen Hof der Artillerie - Caserne einen freien Blick auf den Bosporus gewährt. — Wir kamen zur rechten Zeit. So eben bewegte sich der Zug der Gabenträger von Galata her. Es waren ungefähr 25 Männer, ohne Waffen, aber in Uniform — in jener europäischen Uniform, in welcher der Türke nicht zu erkennen ist und wie ein anderes geworbenes oder conscribirtes Menschenkind anssiebt. Das war eine bittere Enttäuschung, da wir schwarze und weiße Pagen in langen Kaftans, tief herabfallenden, breit aufgeschlitzten Aermeln, atlassenen Höschen, weißen Turbans u. dgl. erwartet hatten. Auf dem Kopfe trngen die reformirten, prosaischen Türken jeder ein großes rundes Brett von ungefähr 1% rheinischen Ellen im Durchmesser; das Brett war einfach und ohne raf- finirte Kunst mit dem gewöhnlichsten gefärbten Papier, der Bogen zu einem Kreuzer, bedeckt, eben so die mit Aepfeln, Granatäpfeln, Citronen, Orangen angefußt. Die 25 Männer trugen einen ganzen großen Fruchtmarkt auf ihren Köpfen und sahen in der That nicht anders aus, als wie die aller- gewöhnlichsten Früchte - Verkäufer, nur daß sie nicht schrieen und die Früchte.nicht ausboten, die man drei Schutte von ihnen für einen Para kaufen konnte. Von den gewöhnlichsten Früchte-Verkäufern unterschieden sie sich nur durch die blauen, rothen, gelben, grünen Flöre, welche über die Früchte genagelt und oben zu einem ungeheuern , drei Menschenköpfe großen Knoten zusammengebunden waren. Wie diese Bretter der Früchteträger, waren alle anderen, welche nachfolgten. Denn eine andere Schaar von Männern, ebenfalls in Uniform wie die ersten, folgte, und diese brachte Blumen. Vasen von gewöhnlichster bürgerlicher Form, wie man sie in Chambres garnies oder Hotels zweiten Ranges auf der Commode findet, mit Bindfaden oder dünnen Bändchen aller Farben an das Brett befestigt enthielten einfache, bescheidene Feldblumen, Schlüssel- bumen, Feldlilien, Schneeglöckchen, die, ohne zum Strauß gebunden zu sein, massenhaft zusammen gezwängt waren und in der rauhen Witterung hantig und mehr als halb verwelkt die Köpfe senkten. Kein Kunstgärtner hatte sie gepflegt und gebunden; auch stammten sie nicht aus den Gärten Lalla Rookh's. Dann kamen ungefähr hundert verdeckte Porcellan- Schüsseln mit geheimnißvollem Inhalt. Ich vermuthe, daß eS Gänseleber-Pasteten waren, denn sie hatten ganz die Form
jener freilich kleineren Schüffeln in Ehevet's Auslage - Fen stern vor denen die alten Herren gedankenvoll stehen bleiben. — ES entstand eine gewiffe Bewegung im Publicum, und ich meinte, der Anblick der Pasteten hätte sie hervorgebracht, aber ich irrte. Die ganze Aufmerksamkeit wandte sich den zwei offenen, alttürkischen Carroffen zu, die von Soldaten begleitet raffelnd über den Platz fuhren. Jeder der beiden Wagen trug einen großen, viereckigen, mit rothem Sammt und silbernen Nägeln und Arabesken beschlagenen Kasten. Was sie enthielten, blieb der Phantasie zu errathen überlasse»; das Volk meinte , sie seien mit goldenen und silbernen Schleiern, mit fertigen Kleidern, mit Gold- und Silbermünzen ungesüßt. Daß sie den Schmuck nicht enthielten, zeigten die Träger, die ihnen auf dem Fuße folgten; denn diese trugen, wieder auf Brettern, der eine einen großen, glänzenden Diamantschmuck, aus Diadem, Armbändern und Brustnadeln bestehend, der andere goldene Ketten und Armbänder, der dritte, vierte, fünfte und noch viele andere goldgestickte Pantöffelchen aller Art, solche, wie sie Türkinnen bei Besuch vor der Thür stehen lassen, solche, wie sie in ihren Gemächern tragen, und dann jene originellen, die auf zwei hohen Stelzen gehen und wie eine Brücke mit zwei Pfeilern aussehen. Dieser Theil des Zuges, obwohl der Schmuck ganz europäische Formen hatte, war vorzugsweise der Pantöffelchen wegen der charakteristischste und hatte die meiste locale Färbung. Sie wurde schnell verwischt durch die darauffolgenden zahllosen Möbelstoffe — wenigstens waren eS französische und Wiener Stoffe, wie wir sie zur Möbel- und Wandbedeckung gebrauchen; hier können sie auch als K!ederstoffc betrachte werden. Einige Goldbrocate in ihrer Milte schienen wenigstens darauf hinzudeuten , daß sie als Kleiderstoffe betrachtet sein wollen. Die Zahl der Gabenträger belief sich auf 170.
Das war das Ganze. Massenhaft freilich, aber schön? Bei Allah, nein! nicht einmal von localem Interesse, nicht einmal das Auge blendend, und bei aller Massenhaftigkeit nicht einmal reich! Nirgends Kunst, in keinem Theile Geschmack. Das Ganze machte den Eindruck einer Bauernhochzeit im größern Style. Mit kleineren Mitteln würde jeder französische Tapezier , jeder Ladendiener größeren Effect hervorbringen. „Ist das der orientalische Luxus?!" Jedes Magazin einer bemittelten Provinzialstadt entwickelt größeren, schöneren. Das ist es auch; der orientalische Luxus ist todt, und was davon noch lebt, kann sich mit europäischer Industrie nicht messen. Das Spontane, das von der Hand verfertigte und alte National- fitte haben zwar neben allem, was von der Maschine ausgeht, was von routinirter Mode geschaffen wird, einen eigenen Reiz, den Reiz des Willens, der momentanen Eiugebung — aber von all dem war bei dem Aufzuge nichts zu merken. Und wenn die Kunst fehlt, wo sich die ursprüngliche Naivetät