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an die Reihe und ich spielte so vor mich hin waS mir durch den . Sinn fuhr, manchen lieben langen Tag, wo ich Krüppel allein ; war, wenn die ander» draußen im Geschäft waren, und manche ; Nacht, wo ick auch im Garten oder am Strande saß, da ich vor Wehmuth oder Wuth oder Wehtagen nicht mehr schla­fen konnte."

Endlich war ick wieder hergestellt, so gut es möglich war, und da hieß cs nun: wie jetzt? Faulenzen ist nie meine Art gewesen, umsonst mein Brod essen mochte ich nie­mals. Mit den Fischern fuhr ich ein paar Mal hinaus, allein es ging nicht, die Hunde lachten mich mit meiner Un- i geschicktheit aus und selbst mein Alter sagte zu mir:Steffen, ! sagt' er, laß das, es geht nicht. Hast ja deine Fiedel und spielst billig gut. Setze dich als Spielmann. Wenn ich todt bin, kannst du dich mit deinem Bruder rangiren; er behält ! das Haus eigen, du für dich oben die beiden Kammern. ' Meinst du nicht?"

DaS wollte mir lange nicht zu Kops und !ch ließ es mit dem Ja oder Nein noch anstehen, bis der alte Mann im nächsten Jahre starb.' Da aber sagte ich meinem Bruder, ' er möge mir meine paar Sechslinge aufhebeu, nahm ein Bün­del Wäsche unter den Arm, und ging an einem Sonntag Morgen in's Land hinein, heißt das, ick hinkte. Doch war j mir ganz fidel dabei zu Muth." 1

Was nun passirte, brauch' ich euch nicht zu sagen, Jungen, selbst wenn ich's noch wüßte; es ging eben wie es konnte und mußte, bald naß, bald trocken, bald warm, bald kalt. ; Reich ward ich nicht, da Sparen nicht meine Sache ist, aber ich kbte und es war ein verdammt lustiges Leben, heut hie, morgen da, und das Herz mir nie recht schwer und die Zeit nimmer zu lang. Manchmal freilich, wenn ich die Narren da vor mir herumspringen sah und meine jungen Jahre und meinen Zustand bedachte, oder mich der Schifffahrt erinnerte an meiner Schiffsmate, wie gut die es nun hätten, da konnt' es mich immer wieder mit Grimm oder Wchmuth überkom- men. Dann aber dacht' ich: das hilft nun nicht, Steffen! und biß die Zähne zusammen, daß fie knarrten."

Eines Tages spielte ich drüben in Bretow, wohin ich allgemach gerathen , den Menschen vor, daß sie ihre großen Mäuler noch weiter aufrisfen. Es war ein warmer Abend und nach meiner Art fidelt' ich's ihnen draußen im Freien vor und schielte dazwischen, ob ich's schon nicht wollte, immer seitwärts nach dem See, von der man, wie ihr wißt, dort am Kruge über die Dünen hin ein Stücklein sehen kann. Die Sonne ging hinunter und streute in die Wellen lauter bunte und glitzernde Sterne, die Luft spielte mir so schmei­chelnd um die Nase, und ich hatte fast zwei Jahren nichts mehr von der allmächtigen Fluth gesehen; da mußt' ich denn wohl mit ihr liebäugeln. Und mit einemmal sah ich hinten ein

dreimastig Schiff unter vollem Segeldruck so stolz und schmuck vorbeigehen, als sei's ein Schwan. Und ha schoß mir wieder alles durch den Kopf, wie gut eS bi^rt S, an Bord hätten und wie's mit mir hier am Lande. Iuerbrig- auf, ick stürzte fort, daß die Bestien umher noch acht^ I.Èachhcr glaubten, ich sei toll geworden. Bei Bretow, ^â ^' ^, sängt das große Holz an, das sick da rings herumzieht. Da hinein lief ich; ich wollte weder Himmel noch Wasser sehen, absolut nichts mehr von der Welt. So war mir zu Sinn."

Ich ging dahin, bald quer durch den Busch, bald einen Steig entlang, ohne viel Gedanken immer vorwärts, daß ich nur davon käme, nur allein wäre. Mir war so wild und schwermüthig, daß ich jetzt hellauf lamentirte und dann suchte und um mich schlug in die Ranken und Büsche, so daß alle Eichkatzen darüber einen Schreck kriegten. Und wie ich so ein kleines Ding den Stamm in die Höh' setzen sah, und auf dem ersten Zweig droben blieb es sitzen und betrachtete mich so possirlich und strich mit den Pfoten sich die kleine Schnauze, als wollt' es mich ausspotten, nun, da fing ich auch wieder an zu lachen und schüttelte den Kopf über meine Thorheit. Aber es hielt nicht vor, mir war gar zu miserabel. Was mußte ich auck so ein nichtsnutziger Krüppel sein!"

Endlich meinte ich von der dummen Welt weit genug ab zu sein, fühlte mich auch müde, und da ich gerade einen freien Platz erreichte, ließ ich mich ins dichte Kraut fallen. Es war eine kleine, rasen- und moosbedeckte Höhe, auf der Norderseite, woher ich kam, ziemlich frei von Busch und Strauch, die von den andern Seiten näher heran traten. Oben lagen Steinbrocken um den Rand einer mäßigen Ver­tiefung. Auf deren Grund wuchs ein dichter Busch Haseln jäh und schlank empor, und schwankte mit seinem grünen, ge­drängten Blätterwerk hoch über dem Rande, so daß das ganze Ding, wenn man dagegen kam, putzig genug aussah, fast wie ein großer dreikantiger Offiziershut mit einem stolzen Feder­busch darauf. Freilich, schwarz und weiß war's hier nicht, sondern grün, alles mit einander."

Das ist das Heidengrab", sagte der alte Lauer. Das weiß ich nicht, der Name ist egal", versetzte der Fied­ler.Aber aussehen thatS, wie ich gesagt, wie ein Ossiziers­hut, das weiß ich heute noch. Und also, um von einem ins andere zu kommen, da droben lag ich an einem Steine, kom». mode wie im Sopha, riß das Moos aus, biß auf die Lip­pen, schlug mit dem Fuß nieder und trieb, was man eben treibt, wenn man so allein mit seiner Noth ist." (Forts, folgt.)

Die Geschenke Ghalib Paschas.

Zu den Enttäuschung, welche unser Landsmann Moritz Hartmann jetzt in Constantinopel erlebt, brachte der Morgen des