die Arme über die Brust gekreuzt, den Kopf mit dem buschigen grauen Haar leicht und wie spähend vornübergesenkt.
Fortsetzung folgt.)
Meyerbeers „Stern des Nordens."
(Schluß.)
Der zweite Act ist in musikalischer wie in dramatischer Beziehung der bedeutendste. Er besteht aus 9 Nummern, und jede derselben ist für sich allein ein Meisterwerk. Vielleicht hat Meyerbeer nie einen Act geschrieben, in welchem eine ähnliche Fülle von Melodien und zugleich so kunstvolle Bearbeitung sich zusammenfinden. Das Orchester leitet mit überaus origineller Introductiou die folgende Lagerscene ein; Contrabässe und Pickelflöten scheinen sich darin gegenseitig zu provociren ; die etwas ungeregelte Freude eines Soldatenlagers steht schon vor unserer Seele, ehe noch der Vorhang aufrollt und uns die im Walzer sich drehenden Paare von Soldaten und Mädchen zeigt. Dieser Walzer ist ein Kleinod von Munterkeit und entrain. Hieraus folgt das Reiterlied: Beau cavalier, au coeur d’acier und nach diesem das Grenadierlied : Grenadiers, fiers Moscovites. Wir sind in Verlegenheit, welcher Waffe den Vorzug zu geben, der Com- ponist macht uns die Wahl zu schwer. Die Repräsentanten dieser beiden Gattungen singen eine Reihe von Couplets, in welchen Komik und Fanfaronnade um den Sieg streiten. In Beziehung auf Originalität des Rhythmus und des Effects steht das Grenadierlied vielleicht über dem Reiterlied; besonders neu ist der die Trommel nachahmende Refrain, welcher durch das Manövriren der Soldaten aus der Bühne noch an Lebendigkeit gewinnt. Das Publicum schien ebenfalls unserer Ansicht zu sein, denn das Grenadierlied wurde da capo begehrt , und hätte man sich nicht geschämt, man würde diese Couplets zum dritten Mal verlangt haben; das Haus erdröhnte von dem Beifall. Auf den prächtigen Chor der Ber- schworenen: Asses d’oppobre, assez d’affronts, folgt die Scene im Zelt, vielleicht die musikalisch bedeutendste der Oper. Welche feine Nüancirung, welche meisterhafte Stimmführung in dem Trio: „Joyeuse folie, vive orgie!" Welcher effect- volle Gegensatz zwischen dem sorglosen, leichten Gesänge der zechenden Offiziere und den Liebesseufzern der draußen einsam stehenden Catharina ! Und dann wieder die Couplets der beiden Marketenderinnen : sous les vieux remparts du Kremlin. Diese letzteren sind zu originell, als daß es möglich wân, sie einigermaßen genau zu analysiven. In diesen Noten jauchzt die soldatische Fröhlichkeit eines Lagers, mit seinen tanzenden und schäkernden Mädchen, seinen ambulanten Schenkbuden, feinen Würfel- und Kartenspielern, denen die Trommel als Tisch dient. Auch diese Nummer mußte wiederholt werden
und wird eS werden, so oft die Oper zur Aufführung kömmt. Und schon folgt ein neues Meisterstück, da« Quintett: cessez ce badinage; man weiß hier nicht, was man mehr bewundern, worauf mehr achten soll; Stimmführung, Instrumentation, Melodie geben ein Ensemble, dessen Eindruck unwiderstehlich ist. Da ist kein gelehrter Wust, kein Haschen nach Effect, kein Lärm, sondern nichts als der frei Erguß eines genialen, phantasiereichen Künstlers. Das Finale krönt alle diese meisterhaften Schöpfungen in imposanter Weise. Der Czar ist inmitten der Verschworenen, er macht das Komplott durch seine Geistesgegenwart zu Schanden, und nun ertönt der Triumphmarsch der Regimenter. Mitten auf dem Theater stehen Trommler und Pfeifer und spielen einen Marsch in es-dur, weiter im Hintergründe spielt die Militärmufik einen zweiten Marsch in einer ganz verschiedenen Tonart, während das Orchester im Saale mit allen seinen Mitteln die marche sacré des Czaren in es-dur, eine Transscription dein Deutschland so populären Deffauer Marsches, anstimmt. Der Chor der Soldaten und Verschworenen vereinigt sich zuletzt mit diesen drei Orchestern. Die beiden ersten Motive scheinen in dem Triumphmarsch aufzugehen, wie die Ströme, welche dem Ocean ihre Wasser zutragen. Es ist ein Tutti, dessen majestätische Fülle jeder Beschreibung spottet. Wohl nie hat Meyerbeer ein ingeniöser combinirtes Orchesterstück geschrieben. Wohl scheint es sich hier nur um einen materiellen Effect zu handeln; doch in Wirklichkeit find eben diese kolossalen Mittel nur zur Darstellung einer großen Idee verwandt, Gedanke und Ausführung sind einander ebenbürtig. Der dutte Act ist der kürzeste, und, wie die Handlung auf den ersten Act zurückführt, so resumirt auch die Musik theilweise die schon zu Anfang gehörten Motive. Doch begegnen wir auch hier noch einer Menge von Neuem. Die Kritik ge- râth in Gefahr, durch ihr Lob zu ermüden, und doch dürfte es schwer fallen, auch nur eine Nummer zu finden, welche der Gesellschaft der übrigen nicht vollkommen würdig wäre. Wir nennen vor allen Dingen hier die Romanze des Czaren: „0 jours heureux, de joie et de misère; dann ein Trio von überaus herrlicher Komik zwischen Peter, Menschikoff und dem Corporal Gritzenko: Mon devoir est d’apprendre a Votre Majesté; dann die Romanze Prascovia's: „sur son bras m’appuyant“, welche da capo verlangt wurde. Von traurig-komischen Effect ist das Duo zwischen Georg und PraScovia: „fusillé ! fusillé!“ Und so sind wir zum Finale der Oper gelangt. Hier finden wir den Chor des elften ActeS wieder ^Sous cet ombrage5‘ und das Lied „Achetez, voici, qui veut des tartelletes.“ Und dann folgt jenes herrliche Flötenduett, welches in der „schwedischen Nachtigall" einst seine erste Dolmetscherin gefunden hat. Und von Neuem lauschen wir den Zaubertönen der Prophezeiung von dem